Rostam (Schāhnāme)

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Statue von Rostam
Statue von Rostam in Mashhad
Persische Miniaturmalerei: Rostam tötet Esfandiyar mit einem Zauberpfeil Simurghs durch einen Schuss in die Augen.
Rostams Pferd Rachsch tötet einen Löwen, während Rostam schläft. Persische Miniatur aus einem Manuskript des Schahname.

Rostam (persisch ‏رستمRostam [rosˈtam], arabische Transliteration: Rustam, türkische Transliteration: Rüstem) ist ein mythischer Sagenheld aus dem „Königsbuch“ (Schāhnāme), dem persischen Nationalepos von Firdausi.

Sagenheld[Bearbeiten]

Der persische Held Rostam, der Prinz von Zabulistan, erblickte mit Hilfe des Wundervogels Simurgh, der dem Vater Zal und der Mutter Rudabeh den Rat gab, ihn mittels Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, das Licht der Welt.

Schon als Junge zeichneten ihn unglaubliche Kraft, Mut und List aus. Die erste Tat des jungen Helden erzählt vom Kampf gegen einen rasenden Elefanten, den er mit einer Keule erschlug. Der Kampf zwischen den Königtümern Iran und Turan bildet einen Großteil der weiteren Abenteuer. Wie Herakles musste Rostam, der mit einem Tigerfell bekleidet war, Aufgaben für den Herrscher bestehen. Indem er einen Zauberer, der den König Irans (Kai Kawous) mit Blindheit schlug, besiegen konnte, gibt er dem Land einen neuen Schah. Als Kämpfer für das Land des Lichtes, Iran, gegen das Land der Finsternis, Turan, führt er Lasso, Keule, Lanze, Köcher und Bogen und Schwert. Er erzog auch den Sohn des Kai Kawous namens Siyawasch.

Rostam besiegt den Div. Darstellung in der Zitadelle des Karim Khan (Arg e Karim Khan), Schiraz, Iran, 19. Jahrhundert

Untrennbar mit den Erfolgen Rostams verknüpft ist die Unterstützung durch sein treues Pferd Rachsch („Blitz“), das durch seine übernatürlichen Fähigkeiten immer wieder Rostam die Möglichkeit gibt, sich aus der Bedrängnis zu befreien. Selbstverständlich gehorcht Rachsch nur seinem Herrn, lässt sich nicht von anderen reiten und beweist fast menschenähnliche Intelligenz und Geschicklichkeit.

Rostam besteht im Laufe der Zeit erfolgreich sieben Abenteuer. Aber auch Tragik umfasst das Epos. Unwissend ersticht Rostam im Zweikampf seinen mit der Turanerin Tahmine gezeugten, ihm unbekannten Sohn Sohrab. Diesen erkennt er an einem Armreif, den er ihm bei seiner Geburt geschenkt hatte. Ebenso folgt der Tod des Helden, nachdem er älter als 500 Jahre geworden war, durch Verrat seiner Familie.

Aufgrund auffallender Ähnlichkeiten wird diese Tragödie oft mit dem Hildebrandlied verglichen. Entweder liege dem Stoff eine indogermanische Ursage zugrunde oder es könne eine direkte Beeinflussung angenommen werden. Auch zur Legende des irischen Kriegerhelden Cú Chulainn weist Rostam deutliche Übereinstimmungen auf.

Wie wichtig diese Sagengestalt für Iran ist, lässt sich an der achämenidischen Königsnekropole ablesen, die den Helden im Namen trägt: Naqsch-e Rostam.

Nach Ansicht einiger Iranisten verkörpert er den keulenschwingenden Keresaspa, der wiederum als eine Inkarnation des arischen Windgottes Vayu erscheint. Nach anderen Meinungen verkörpert er Bahram.

Rostams sieben Prüfungen („Haft Ḫān-e Rostam“)[Bearbeiten]

Der unvernünftige, gierige König Kai Kawous begeht Torheiten, aus deren Konsequenzen Rostam ihn befreien muss. Kai Kawous wird vom Div-e Sepid (Weißen Dämon) in Mazandaran gefangen gehalten. Rostam zieht nach Mazandaran, um Kai Kawous zu befreien. Auf dem Weg dorthin macht er siebenmal Rast und wird dabei jeweils einer Prüfung unterzogen:

  1. Rostams Pferd Rachsch tötet einen Löwen, während Rostam schläft.
  2. Rostam durchquert die Wüste.
  3. Rostam besiegt einen Drachen.
  4. Rostam vereitelt die bösen Pläne einer Hexe. Die Hexe hat sich in eine schöne Frau verwandelt und Rostam zum Essen eingeladen, um ihn zu vergiften. Aber als Rostam zufällig „In Gottes Namen“ sagt, bricht der Zauber, und Rostam tötet die Hexe.
  5. Rostam gewinnt den Helden Olad zum Kampf gegen den Weißen Dämon (Div-e Sepid). Nachdem Rostam den Marschall des Olads bestraft und Olad besiegt hat, verschont Rostam ihn, falls er mit ihm gegen Div-e Sepids Burg zieht.
  6. Rostam kämpft gegen den Burgvogt des Weißen Dämon, Ardschang Div (etwa: Buntdämon), bei dem er den Schlüssel zur Festung des Weißen Dämon in seinen Besitz bringt.
  7. Rostam tötet den Weißen Dämon und befreit Kai Kawous. Hiernach setzte er Olad als König von Masandaran ein.

Rostam trifft Tahmine[Bearbeiten]

Tahmine besucht Rostam

Nachdem Rostam die zahlreichen Prüfungen mit Erfolg gemeistert hat und Iran und Turan eine kurze Friedenszeit genießen können, begibt sich Rostam mit seinem Pferd Rachsch auf die Jagd. Bei einer Rast schläft Rostam ein und herannahende Türken entführen das Pferd und bringen es zu mehreren Stuten, um aus dem Pferd Nachkommen zu züchten. Rostam begibt sich auf der Suche nach Rachsch in die nahegelegene Hauptstadt von Samangan. Er wird vom König von Samagan festlich empfangen. Um Mitternacht begibt sich die Tochter des Königs von Samagan, Tahmine, ins Schlafgemach von Rostam.

Charakterisierung Rostams durch Tahmine übersetzt von Ehlers[Bearbeiten]

„Ich habe viele Geschichten über dich gehört, die wie märchenhafte Erzählungen klangen. Und daher weiß ich: Du fürchtest dich nicht vor Dîvs und Löwen und Panthern und Krokodilen und hast eine starke Hand mit scharfen Krallen. In dunkler Nacht bist du allein nach Turan gekommen, an diese Grenze hier, mutig und ohne zu ermüden. Ganz allein röstest du dir einen Wildesel, und mit deinem scharfen Schwert bringst du die Luft zum Weinen. Wenn sie die Keule in deiner Hand sehen, zerreißt den Löwen das Herz und den Panthern das Fell. Wenn der Adler dein blankes Schwert erblickt, wagt er nicht mehr, das Wild zu jagen. Der Löwe trägt die Spuren deines Lassos, und die Wolke regnet Blut aus Angst vor deiner Lanze. Als ich solche Berichte über dich hörte, erstaunte ich über dich und war voller Bewunderung. Ich sehnte mich nach deinem Körper, deinen Armen und Schultern, und nun hat Gott dich Aufenthalt nehmen lassen in dieser Stadt. Wenn du mich willst, gehöre ich jetzt dir.“

Charakterisierung Rostams durch Tahmine übersetzt von Rückert[Bearbeiten]

„Wie eine Wundersag' hab' ich gehört aus jedem Munde
Gehört zu jeder Stund', an jedem Ort die Kunde,
Wie du so tapfer bist, und trägest keine Scheu
Vor Tiger, Elefant und Krokodil und Leu.
Du schirmest ganz allein Iran mit deiner Kraft,
Und Turan zittert, wenn sich rührt dein Lanzenschaft.
Du reitest ganz allein bei Nacht in Turan ein,
Und streifest dort umher, und schläfest dort allein.
Dergleichen Kunde ward mir vom Gerücht vertraut;
Lang wünscht' ich dich zu sehn, heut hab ich dich geschaut.
Wenn Du zu(m) Weibe mich begehrst, bin ich dein Weib;
Nie Mond- und Sonnenstrahl berührte diesen Leib.
Vom Schleier meiner Zucht erwuchs ich tief umfangen;
Den Zügel der Vernunft entzog mir dies Verlangen:
Ich bitte Gott, von dir zu tragen einen Sproß,
Der einst, an Kraft dir gleich, beherrsche dieses Schloß.
Zur Mitgift will ich jetzt, o Held, dies Schloß dir bringen,
Zur Morgengab' alsdann, Rostem, dein Roß dir bringen!“[1]

Der Vater von Tahmine ist mit der Verbindung von Rostam und seiner Tochter einverstanden:

„Dem Ritter in der Nacht gab er der Tochter Hand;
Und wie die Kund' erscholl, war Freud' in Stadt und Land.
[…]
Nach kurzer Freudennacht als an der Morgen brach,
Wand aus Tehmina's Arm sich Rostem los, und sprach,
Indem vom Arm er nahm ein goldenes Gespang,
[…]
Das gab er ihr und sprach: Liebtraute! dies bewahr!
Wenn eine Tochter dir nun bringen wird das Jahr,
So nim dies Goldgespang, und schling es ihr ins Haar!
[…]
Wenn aber einen Sohn dir die Gestirne reichen,
So bind ihm um den Arm, wie ich es trug, das Zeichen.
[…]
Neun Monde waren schon Tehminen hingegangen,
Als sie gebar den Sohn wie eines Mondes Prangen.“[2]

Viele Jahre später wird Rostam auf seinen Sohn Sohrāb treffen, der das Erkennungszeichen nicht am Arm sondern unter seinem Hemd versteckt auf der Brust trägt. Rostem tötet Sohrāb im Zweikampf. Erst im Sterben eröffnet ihm Sohrāb, dass er der Sohn des Rostam, also sein Sohn, sei.

Rezeption[Bearbeiten]

  • Mehrere Ortschaften und Bauwerke in Afghanistan und im Iran tragen seinen Namen als Namensbestandteil (siehe Rostam)
  • Richard Wagner hatte den Plan, eine Episode aus Schacks Übersetzung zu einer Oper zu bearbeiten. Wäre diese gesprächsweise gegenüber dem Grafen geäußerte Idee zur Ausführung kommen, so wäre Firdausi ohne Zweifel heutzutage in Europa weit populärer. Der Bayreuther Meister war schon so weit gekommen, dass er zwischen zwei bestimmten Episoden, nämlich der Sage von Rostam und Esfandiyar oder dem Untergange des Siyawasch schwankte.
  • Der Dirigent und Komponist Loris Tjeknavorian, ein Schüler Carl Orffs, stellte seine Oper Rostam und Sohrab (op. 8a) in zwei Akten, die Ereignisse von der Vermählung Rostams mit Tahmine bis zum Tode Sohrabs durch die Hand des Vaters behandelt, im Jahre 1963 fertig. Er schuf ein Klavierstück (op. 11) und eine Suite (op. 8b) mit demselben Titel und eine weitere Oper mit dem Titel Rostam und Esfandjar (op. 50).
  • Der Regisseur Behrus Gharibpurs Marionettenoper Rostam und Sohrab soll als Ehrenvorführung bei der Abschlusszeremonie des 11. internationalen Puppentheaterfestivals in Prag vorgeführt werden.
  • Im Computerspiel Prince of Persia: The Sands of Time wird zweimal direkt auf Rostam Bezug genommen.
  • Die amerikanische Comicserie Rostam: Tales from the Shahnameh von Hyperwerks erzählt die Sage um Rostam neu.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Rückert: Rostam und Sohrab. Neuausgabe. Epubli, 2010 ISBN 978-3-86931-684-0. (Details)
  • Friedrich Rückert: Rostam und Sohrab. Neuausgabe E-Book. Epubli, 2011 ISBN 978-3-86931-939-1. (Details)
  • Friedrich Rückert: Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern. Nachdruck der Erstausgabe von 1838. epubli, Berlin, 2010, ISBN 978-3-86931-571-3. (Details)
  • Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. Aus dem Nachlaß herausgegeben von E. A. Bayer, 1890. Nachdruck: epubli, Berlin 2010 ISBN 978-3-86931-356-6.
  • Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch (Schahname) Sage XV-XIX. Aus dem Nachlaß herausgegeben von E. A. Bayer. 1894. Nachdruck: epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-407-5.
  •  Friedrich Rückert (Übersetzer), Edmund Alfred Bayer (Hrsg.): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Georg Reimer, Berlin 1895 (Nachdruck: Imperial Organisation for Social Service, Teheran 1976 (The Pahlevi Commemorative Reprint Series)).
  •  Rostam. Die Legenden aus dem Schahname von Abu´l-Qasem Ferdausi. Reclam, Stuttgart 2002 (übersetzt von Jürgen Ehlers), ISBN 3-15-050039-7.
  •  Werner Heiduczek (Hrsg.): Die schönsten Sagen aus Ferdousis Königsbuch. 4. Auflage. Kinderbuchverlag, Berlin 1989, ISBN 3-358-01413-4.
  •  Marianne Tölle (Hrsg.): Weiser Herr des Himmels. Persien. Time Life Books, Amsterdam 1999, ISBN 90-5390-815-3 (Mythen der Menschheit).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Rückert: Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern. Nachdruck der Erstausgabe von 1838. epubli, Berlin, 2010, Erstes Buch, Kapitel 7-2.
  2. Friedrich Rückert: Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern. Nachdruck der Erstausgabe von 1838. epubli, Berlin, 2010, Erstes Buch, Kapitel 8-1 bis 10-1.