Rosy Bindi

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Rosy Bindi (2011)

Maria Rosaria Bindi, genannt Rosy Bindi (* 12. Februar 1951 in Sinalunga, Provinz Siena) ist eine italienische Politikerin und eine der Initiatoren der Demokratischen Partei Italiens. Von Mai 2006 bis Mai 2008 war sie Familienministerin im zweiten Kabinett von Romano Prodi. Am 6. Mai 2008 wurde sie neben drei weiteren Kandidaten zur Vizepräsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer gewählt.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Nach ihrem Politikwissenschaft-Studium war Rosy Bindi Assistentin des renommierten Verwaltungsrechtlers Vittorio Bachelet, der am 12. Februar 1980 in ihrem Beisein von den Roten Brigaden an der römischen Universität La Sapienza ermordet wurde.

Sie engagierte sich im italienischen Jugendverband der Katholischen Aktion, deren stellvertretende Vorsitzende sie von 1984 bis 1989 war. 1989 wurde sie Mitglied der Democrazia Cristiana (DC) und kandidierte erfolgreich für das Europäische Parlament in Straßburg, wo sie zunächst stellvertretende Vorsitzende des Entwicklungsausschusses und dann Vorsitzende des Petitionsausschusses war.

Nach der Auflösung der DC schloss sie sich dem Partito Popolare Italiano an, als dessen Vertreterin sie 1994 in die italienische Abgeordnetenkammer gewählt wurde. Als Mitstreiterin des unter Romano Prodi entstandenen Mitte-Links-Bündnisses L’Ulivo wurde sie 1996 Gesundheitsministerin in Prodis erstem Kabinett und bekleidete diese Funktion auch in den beiden nachfolgenden Regierungen Massimo D’Alemas.

2001 schloss sie sich der christdemokratischen Neugründung La Margherita - Democrazia è Libertà an, wurde zum dritten Mal in Folge für ihren Wahlkreis Cortona (Provinz Arezzo) in die Abgeordnetenkammer gewählt und arbeitete dort im Sozialausschuss mit. 2006 gewann sie erneut ihren toskanischen Wahlkreis und wurde Familienministerin der neuen Mitte-Links-Regierung unter Prodi. Ihr Name wird seither auch mit dem erfolglosen Gesetzentwurf zur Anerkennung eingetragener Lebenspartnerschaften (DiCo = Diritti e doveri delle persone stabilmente conviventi) in Verbindung gebracht, welcher von ihrem Ministerium erarbeitet wurde und auf harsche Kritik, besonders aus kirchlichen Kreisen, stieß.

Am 23. Mai 2007 gehörte sie zu den Unterzeichnern des Gründungskomitees der Demokratischen Partei (PD) und erklärte am 16. Juli ihre Kandidatur für den Vorsitz der aus Links- und Christdemokraten neu gebildeten Partei. Bei der am 14. Oktober 2007 durchgeführten Urabstimmung in der italienischen Bevölkerung unterlag sie mit 12,9 % der Stimmen jedoch deutlich ihrem starken Rivalen Walter Veltroni (75,8 %). In der Wahl zum Nachfolger Veltronis im Oktober 2009 unterstützte sie Pier Luigi Bersani, der die Abstimmung klar gewann. Im November 2009 wurde sie auf dem Parteitag in Rom in das repräsentative Amt der Präsidentin des Partito Democratico gewählt.

Seit Mai 2008 ist Rosy Bindi Vizepräsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer. Im Oktober 2009 solidarisierten sich über 100 000 Italienerinnen in einer Unterschriftensammlung mit Rosy Bindi, nachdem die Linkskatholikin von Ministerpräsident Silvio Berlusconi in einer bekannten TV-Talkshow beleidigt worden war[1]. Als Bindi Berlusconi in der Diskussionsrunde wegen seiner Regierungspolitik angriff, sagte dieser zu der äußerlich als eher unattraktiv geltenden Oppositionspolitikerin: „Wie ich sehe, Signora, sind Sie noch immer schöner als intelligent“.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKordula Doerfler: Der Aufstand der Frauen. 100 000 Italienerinnen solidarisieren sich mit einer Oppositionspolitikerin, die von Premier Silvio Berlusconi beleidigt wurde. Berliner Zeitung, 24.10.2009, abgerufen am 2. Oktober 2013.
  2.  dpa: Berlusconi beschimpft Präsident, Verfassungsgericht und Abgeordnete. Immunitätsgesetz. In: Zeit Online. 8. Oktober 2009 (URL, abgerufen am 2. Oktober 2013).

Weblinks[Bearbeiten]