Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten)

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Logo der EVP-Fraktion

Der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) im Europäischen Parlament gehören hauptsächlich die Abgeordneten der Europäischen Volkspartei (EVP) an, einer christdemokratisch-konservativen europäischen Partei. Mit 221 Abgeordneten ist sie in der Legislaturperiode 2014–19 die größte Fraktion im Europäischen Parlament (Stand: 26. Juni 2014).

Die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament existierte – zunächst unter dem Namen Christdemokratische Fraktion seit der Gründung des Parlaments 1952. Von 1992 bis zur Europawahl 2009 gehörten ihr auch die Mitglieder der Europäischen Demokraten, eines konservativen Parteienbündnisses, an; die Fraktion trug daher von 1999 bis 2009 den Namen Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten. 2009 gründeten die Mitgliedsparteien der Europäischen Demokraten jedoch zusammen mit anderen Parteien die neue Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten, sodass die EVP wieder allein eine Fraktion bildete. Allerdings gibt es in der Fraktion weiterhin einige nationale Parteien, die auf europäischer Ebene keiner europäischen Partei, also auch nicht der EVP angehören.

Außer im Europäischen Parlament trägt auch eine Fraktion in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates diesen Namen.

Mitglieder der Fraktion[Bearbeiten]

In der Legislaturperiode 2014-2019 umfasste die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament Parteien aus allen EU-Mitgliedsländern mit Ausnahme Großbritanniens sowie zwei parteilose Abgeordnete. Im Einzelnen handelte es sich um folgende (Stand: 20. Oktober 2014):

Land Kürzel Partei Abgeordnete
BelgienBelgien Belgien CDH Centre Démocrate Humaniste 1
CD&V Christen Democratisch en Vlaams 2
CSP Christlich Soziale Partei 1
BulgarienBulgarien Bulgarien GERB Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens 6
DSB Demokraten für ein starkes Bulgarien 1
DanemarkDänemark Dänemark KF Det Konservative Folkeparti 1
DeutschlandDeutschland Deutschland CDU Christlich Demokratische Union 29
CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 5
EstlandEstland Estland IRL Isamaa ja Res Publica Liit 1
FinnlandFinnland Finnland KOK Kansallinen Kokoomus-Samlingspartiet 3
FrankreichFrankreich Frankreich UMP Union pour un mouvement populaire 20
GriechenlandGriechenland Griechenland ND Nea Dimokratia 5
IrlandIrland Irland FG Fine Gael 4
ItalienItalien Italien PdL Forza Italia 13
UDC Unione dei Democratici cristiani e dei Democratici di Centro 5
NCD - UdC Nuovo Centrodestra - Unione di Centro 3
SVP Südtiroler Volkspartei(*) 1
KroatienKroatien Kroatien HDZ Hrvatska demokratska zajednica 4
NSS Kroatische Bauernpartei 1
LettlandLettland Lettland V Vienotība 4
LitauenLitauen Litauen TS-LKD Tėvynės Sąjunga - Lietuvos krikščionys demokratai 2
LuxemburgLuxemburg Luxemburg CSV Chrëschtlech Sozial Vollekspartei 3
MaltaMalta Malta PN Partit Nazzjonalista 3
NiederlandeNiederlande Niederlande CDA Christen Democratisch Appèl 5
OsterreichÖsterreich Österreich ÖVP Österreichische Volkspartei 5
PolenPolen Polen PO Platforma Obywatelska 19
PSL Polskie Stronnictwo Ludowe 4
PortugalPortugal Portugal CDS-PP Centro Democrático e Social – Partido Popular 1
PSD Partido Social Democrata 6
RumänienRumänien Rumänien UDMR Uniunea Democrată a Maghiarilor din România 2
PD Partidul Democrat Liberal 5
PNȚCD Partidul Național Țărănesc Creștin Democrat 1
PNL Partidul Național Liberal 5
SchwedenSchweden Schweden KD Kristdemokraterna 1
M Moderata samlingspartiet 3
SlowakeiSlowakei Slowakei SDKÚ-DS Slovenská Demokratická a Kresťanská Únia - Demokratická strana 2
SMK-MKP Strana Maďarskej Koalície/Magyar Koalíció Pártja 1
KDH Kresťanskodemokratické hnutie 2
M-H Most–Híd 1
SlowenienSlowenien Slowenien SDS Slovenska Demokratska Stranka 3
N.Si Nova Slovenija 1
SLS Slovenska Ljudska Stranka 1
SpanienSpanien Spanien PP Partido Popular 16
UDC Unió Democràtica de Catalunya 1
TschechienTschechien Tschechien KDU-ČSL Křesťanská a demokratická unie - Československá strana lidová 3
TOP 09 TOP 09 a Starostové 4
UngarnUngarn Ungarn Fidesz-MPSZ Fidesz-Magyar Polgári Szövetség 11
KDNP Kereszténydemokrata Néppárt 1
Zypern RepublikRepublik Zypern Zypern DISY Dimokratikos Synagermos 2

Grau hinterlegt sind Mitglieder der Fraktion, die nicht der EVP angehören. (*) Die Partei hat Beobachterstatus in der EVP.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom 10. bis zum 13. September 1952 traf sich zum ersten Mal, im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), eine parlamentarische Versammlung, bestehend aus 78 nationalen Abgeordneten, die von den jeweiligen nationalen Parlamenten gewählt worden waren. Die Christdemokraten stellten in dieser Versammlung 38 Abgeordnete und erreichten damit 48,7 % der Mandate. Am 23. Juni 1953 gründeten sie die Christlich-Demokratische Fraktion, deren erster Vorsitzender der Niederländer Emmanuel Sassen wurde. Der Deutsche Hans Joachim Opitz wurde am 1. Januar 1954 zum ersten Generalsekretär der Fraktion gewählt. Am 11. Mai wurde Alcide De Gasperi, ebenfalls Mitglied der christdemokratischen Fraktion, zum Parlamentspräsidenten gewählt.

Nach der Gründung der Europäischen Volkspartei benannte sich 1979 auch die Fraktion in "Fraktion der EVP" um. 1992 beschlossen die MEPs der Europäischen Demokraten (vor allem die konservativen Parteien aus Großbritannien und Dänemark sowie einige Mitglieder der französischen UDF), der Fraktion der EVP als assoziierte Mitglieder beizutreten. Diese wuchs dadurch auf 162 Mitglieder an und benannte sich in Fraktion der Europäischen Volkspartei und Europäischer Demokraten (EVP-ED) um. Seit der Europawahl 1999 war sie durchgehend die stärkste Fraktion im Europäischen Parlament. Nach der Europawahl 2009 zerfiel das Bündnis jedoch wieder, sodass die EVP erneut allein eine Fraktion bildete.

Mitglieder der Fraktion
seit 1979, jeweils zu Beginn und Ende der Legislatur
1979
108/410
1984
117/434
1984
110/434
1989
113/518
1989
121/518
1994
162/518
1994
156/567
1999
201/626
1999
233/626
2004
295/788
2004
268/732
2009
288/785
2009
256/736
2014
274/766

Fraktionsvorsitzende der EVP[Bearbeiten]

Zeitraum Fraktionsvorsitzender Land
1953 bis 1958 Emmanuel Sassen Niederlande
1958 bis 1958 Pierre Wigny Belgien
1958 bis 1966 Alain Poher Frankreich
1966 bis 1969 Joseph Illerhaus Deutschland
1969 bis 1975 Hans August Lücker Deutschland
1975 bis 1977 Alfred Bertrand Belgien
1977 bis 1982 Egon Klepsch Deutschland
1982 bis 1984 Paolo Barbi Italien
1984 bis 1992 Egon Klepsch Deutschland
1992 bis 1994 Leo Tindemans Belgien
1994 bis 1999 Wilfried Martens Belgien
1999 bis 2007 Hans-Gert Pöttering Deutschland
2007 bis 2014 Joseph Daul Frankreich
2014 bis heute Manfred Weber Deutschland

Weblinks[Bearbeiten]