Rube-Goldberg-Maschine

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Eine Rube-Goldberg-Maschine

Eine Rube-Goldberg-Maschine ist eine Nonsens-Maschine, die mit Absicht eine bestimmte Aufgabe auf zahlreichen unnötigen Umwegen und in komplizierten Einzelschritten auf umständliche Art und Weise ausführt. Die umständliche Ausführung einer einfachen Aufgabe hat dabei keinen praktischen Nutzen, sondern soll bei der Beobachtung Vergnügen bereiten.

Name[Bearbeiten]

Professor Lucifers automatische Serviette

Der Ausdruck Rube-Goldberg-Maschine geht auf den US-amerikanischen Cartoonisten Reuben „Rube“ L. Goldberg zurück, der Comics über einen Professor Lucifer Gorgonzola Butts zeichnete, der unnötig komplizierte Maschinen konstruierte. Der Name Rube-Goldberg-Maschine taucht 1931 erstmals schriftlich auf.[1]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Von „Unsinns-Maschinen“ oder kinetischer Kunst wie der Weltmaschine des Franz Gsellmann unterscheidet sich die Rube-Goldberg-Maschine dadurch, dass sie eine bestimmte Aufgabe konsequent, wenn auch auf äußerst umständliche Art und Weise, erledigt.

Anders als beim Domino-Effekt sind die Reaktionsschritte nicht gleichartig, sondern möglichst verschieden. Es handelt sich also nicht um eine Kettenreaktion, sondern um eine Reaktionskette.

Ähnliche Apparate[Bearbeiten]

  • Im Deutschen ist diese Art von Maschine auch als Was-passiert-dann-Maschine bekannt.
  • Der Begriff Heath Robinson Contraption, benannt nach den fantastischen Comic-Maschinen des britischen Zeichners William Heath Robinson, hat eine ähnliche Bedeutung, ist aber vor der Rube-Goldberg-Maschine datiert, mit Ursprung im Vereinigten Königreich im Jahr 1912.
  • In Frankreich wird eine ähnliche Maschine usine à gaz, oder ‚Gas-Werk‘ genannt, was ein sehr komplexes Werk mit überall verlaufenden Leitungen andeutet. Heutzutage vor allem unter Programmierern gebräuchlich, um ein komplexes Programm zu bezeichnen, auch im Journalismus für eine verwirrende Rechtslage.
  • In Dänemark nennt man sie Storm P Maskiner ‚Storm-P-Maschinen‘, nach dem dänischen Karikaturisten Robert Storm Petersen.
  • In Spanien sind Geräte ähnlich wie die Goldberg-Maschinen bekannt als Inventos del TBO (tebeo), benannt nach denen, die Zeichner Ramón Sabatés für einen Abschnitt im Magazin TBO erfunden und gezeichnet hat, angeblich von einem Professor Franz aus Kopenhagen entwickelt.
  • In der Türkei sind diese Geräte bekannt als Zihni Sinir Proceleri, angeblich erfunden von einem bestimmten Prof. Zihni Sinir (‚mürrischer Kopf‘), ein neugieriger Wissenschaftler gezeichnet von Irfan Sayar im Jahr 1977 für die Comic-Zeitschrift Gırgır.
  • In Japan werden sie ‚pythagoräische Geräte‘ oder ‚Pythagoras-Schalter‘ genannt. PythagoraSwitch (jap. ピタゴラスイッチ, Pitagora Suicchi) ist der Name einer TV-Show mit solchen Geräten.
  • In Bengalen verwendet der Humorist und Kinderbuch-Autor Sukumar Ray in seinem Gedicht Abol tabol (‚Unsinn‘) einen Charakter (Onkel) mit einer Rube-Goldberg-Maschine, genannt Onkel's contraption. Dieses Wort ist umgangssprachlich in Bengalisch, für ein komplexes und nutzloses Objekt.

Weitere künstlerische Rezeption des Themas[Bearbeiten]

  • Das Schweizer Künstler-Duo Peter Fischli und David Weiss hat darüber gearbeitet. Bekannt geworden ist besonders ihr Film Der Lauf der Dinge aus dem Jahr 1987.
  • Mehrere Kunstwerke von Tim Hawkinson enthalten komplexe Geräte, die in der Regel verwendet werden, um abstrakte Kunst oder Musik zu machen. Viele von ihnen basieren auf der Zufälligkeit von anderen Geräten (wie einem Spielautomaten) und sind abhängig von ihnen, um einige untergeordnete Effekte zu erzeugen.
  • Der 2003 fertiggestellte TV-Spot Cog für den Honda Accord enthält eine etwa zwei Minuten lange Sequenz sich gegenseitig aktivierender Autoteile, die authentisch gedreht und aus zwei Schnitten zusammengesetzt wurde.[2]
  • 2008 entwickelte der Künstler Christoph Korn eine Serie von digital basierten „NON Maschinen“. Diese Maschinen sind einfache, mitunter redundante Anwendungsprogramme, die die Aufmerksamkeit auf Aspekte wie Verlangsamung, Entnetzung, Wissensentzug, Agrammatikalität, Nicht-Funktionalität lenken. [3]

Weitere Comic-Arbeiten sind

  • Der norwegische Zeichner und Erzähler Kjell Aukrust kreierte eine Zeichentrickfigur namens Reodor Felgen, die ständig komplexe Maschinen erfindet. Auch wenn sie oft aus sehr merkwürdigen Teilen gebaut sind, funktionieren sie immer sehr gut. Felgen brilliert auch als Erfinder eines sehr mächtigen, aber allzu komplexen Autos, Il Tempo Gigante, in dem von Ivo Caprino animierten Puppentrickfilm Flåklypa Grand Prix (1975).
  • Auch in Tom und Jerry wird das Thema aufgegriffen, etwa in der Episode Designs on Jerry von 1953.

Ein weiteres Phänomen besteht im Zusammenhang mit der japanischen Kunst der hypothetisch nützlichen, aber unbrauchbaren Vehikel namens Chindōgu.

Verarbeitet wurde das Thema auch in mehreren Computerspielen, im Besonderen The Incredible Machine (Sierra 1993) und Crazy Machines (FAKT/Pepper Games 2004).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rube Goldberg - Eintrag in Merriam-Webster Dictionary
  2. Cog - Eintrag auf Snopes.com vom 10. Oktober 2006
  3. Einfache Loeschmaschine von Christoph Korn