Sagittarius A*

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Röntgenbild von Sagittarius A* und von zwei Lichtechos (markiert) einer früheren Explosion

Sagittarius A* (gesprochen: Sagittarius A Stern; abgekürzt: Sgr A*; eine Region im Sternbild Schütze) ist eine Quelle von Radiowellen im Zentrum der Milchstraße. Nach derzeitigem radioastronomischen Forschungsstand handelt es sich dabei um ein supermassereiches Schwarzes Loch von etwa 4 Millionen Sonnenmassen,[1] welches sich an der Stelle befindet, die den Mittelpunkt der Milchstraße darstellt.

Die Entdeckung des supermassereichen Schwarzen Lochs gelang unabhängig Teams um Andrea Ghez am Keck-Observatorium und Reinhard Genzel am La-Silla-Observatorium und Very Large Telescope in mehrjährigen Beobachtungsreihen ab den 1990er-Jahren.

Die Namensgebung des Schwarzen Lochs bzw. des Milchstraßenzentrums entstammt der groben Richtung des Auffindens, nämlich in Richtung des Sternbilds Schütze, dessen lateinischer Name Sagittarius ist.

Objekte im Umfeld von Sgr A*[Bearbeiten]

Sterne[Bearbeiten]

2002[2] konnten Wissenschaftler (um Reinhard Genzel), die am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) forschen, einen Stern beobachten, der sich der Region Sagittarius A* auf 17 Lichtstunden (~ 18,36 Milliarden Kilometer) genähert hatte. Die Forscher konnten bei ihren Beobachtungen eine plötzliche Kehrtwendung des 15 Sonnenmassen schweren Sterns S0-2 (oder kurz „S2“) erkennen. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Sterns kann dieser Vorgang nur als Bahnbewegung um ein Schwarzes Loch interpretiert werden. Durch die geringe Entfernung von S0-2 zu der enormen Masse des Schwarzen Loches ist seine Umlaufgeschwindigkeit sehr hoch; seine Bahngeschwindigkeit beträgt bis zu 5000 km/s. Seine Umlaufbahn ist relativ stabil; erst wenn sich S0-2 dem Schwarzen Loch auf 16 Lichtminuten genähert hat, wird er durch die Gezeitenkräfte zerrissen werden. Für einen Umlauf um das Zentrum benötigt S0-2 nur 15,2 Jahre. Für einen weiteren Stern, den 16-mal lichtschwächeren Stern S0-102, wurde 2012 ebenfalls die Umlaufbahn vermessen und eine noch kürzere Periode von 11,5 Jahren gemessen. Diese beiden Sterne sind bis jetzt die einzigen Objekte, die bei einem so geringen Abstand zu Sgr A* beobachtet worden sind.

Die Beobachtung des Sterns S0-2 bei seiner Bewegung um Sagittarius A* wurde durch ein adaptives Optiksystem (NAOS) ermöglicht, das störende Einflüsse der Atmosphäre ausgleichen kann. Durch diese Beobachtungsmethode ist es jetzt möglich, auszuschließen, dass es sich bei Sgr A* um etwas anderes handelt als ein supermassereiches Schwarzes Loch – beispielsweise um einen Haufen von Neutronensternen.

Gaswolke[Bearbeiten]

Forscher des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik entdeckten außerdem eine Gaswolke mit der etwa dreifachen Erdmasse, die sich auf Sagittarius A* zubewegt und im Jahr 2013 lediglich 40 Milliarden Kilometer (37 Lichtstunden) vom Schwarzen Loch entfernt sein wird. Bereits jetzt wird die Wolke auseinandergezerrt und von der Ultraviolettstrahlung benachbarter Sterne zum Leuchten gebracht. Durch weitere Beobachtungen in den nächsten Jahren erhoffen sich die Forscher Informationen über die physikalischen Vorgänge während der Annäherung an ein Schwarzes Loch.[3]

Zweites Schwarzes Loch[Bearbeiten]

Sgr A* und IRS 13 im Zentrum der Milchstraße

Im Jahr 2004 wurde mit dem Gemini-Teleskop auf Hawaii mit IRS 13 ein zweites Schwarzes Loch entdeckt, das eine Masse von etwa 1300 Sonnenmassen besitzt und Sagittarius A* im Abstand von drei Lichtjahren begleitet. Bei IRS 13 handelt es sich genau betrachtet um eine Gruppe von sieben Sternen, die sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt drehen. Untersuchungen weisen dort auf ein mittelgroßes Schwarzes Loch hin. Dieses umrundet Sgr A* auf engstem Raum mit einer ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit von etwa 280 km/s. Ein weiteres Indiz für das Vorliegen eines Schwarzen Loches ist neben den hohen Geschwindigkeiten die Röntgenstrahlung, welche von IRS 13 ausgesendet wird.[4]

Weitere Schwarze Löcher[Bearbeiten]

Im Januar 2005 wurden mit dem Röntgen-Teleskop Chandra Helligkeitsausbrüche in der Nähe von Sgr A* beobachtet, die darauf schließen lassen, dass sich im Umkreis von etwa 70 Lichtjahren 10.000 bis 20.000 Schwarze Löcher befinden, die das supermassereiche zentrale Schwarze Loch in Sgr A* umkreisen[5]. Dadurch wird eine seit 2003 kursierende Theorie gestützt, nach der das zentrale Schwarze Loch über kleinere Löcher „gefüttert“ wird: Dabei sammeln die kleinen Schwarzen Löcher in den weiter außen befindlichen Bereichen der Milchstraße Haufen von Sternen um sich herum an, die sie dann gefangen halten, bis sie sich auf einer Spiralbahn bis in die unmittelbare Nähe von Sgr A* bewegt haben. Dort werden die Sternhaufen irgendwann durch die extrem großen Gezeitenkräfte aufgelöst und verlieren den einen oder anderen Stern an das supermassereiche Schwarze Loch. Die bisherige Theorie zum Fütterungsprozess ging davon aus, dass eine riesige ringförmige Gaswolke um das Schwarze Loch kreist und dabei immer schwerer wird. Sobald eine kritische Masse überschritten wird, kollabiert diese Wolke und stürzt in das Zentrum der Milchstraße. Vermutlich spielen beide Prozesse eine wichtige Rolle bei der Fütterung von Sgr A*.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sagittarius A – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Monster im Visier – Artikel bei Bild der Wissenschaft, vom 10. Dezember 2008
  2. R. Schödel, Reinhard Genzel u. a.: A star in a 15.2-year orbit around the supermassive black hole at the centre of the Milky Way. In: Nature. 419, 17 October 2002, S. 694–696, doi:10.1038/nature01121, S. Gillessen, F. Eisenhauer, S. Trippe, T. Alexander, R. Genzel, F. Martins, T. Ott Monitoring stellar orbits around the Massive Black Hole in the Galactic Center, Astroph. Journal, Band 692, 2009, S. 1075, Preprint 2008
  3. http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1135882
  4. Jean-Pierre Maillard Paumard, Stolovy, Rigaut The nature of the Galactic Center source IRS 13 revealed by high spatial resolution in the infrared, Astron. and Astrophys., Band 423, 2004, S. 155, Neues Schwarzes Loch entdeckt – Artikel bei Raumfahrer.net, vom 9. November 2004
  5. Bild der Wissenschaft 2005. Nach einem Vortrag von Michael Muno