Saint-Pierre-le-Jeune protestant

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Turm, Ansicht von Norden
Hauptportal
Inneres: Langhaus mit Lettner und Silbermann-Orgel
Inneres: Silbermann-Orgel (Rückseite)
Inneres: Seitenkapelle mit neugotischer Ausstattung und Taufstein von Hans Hammer (15. Jahrhundert)
Ansicht vom Kreuzgang
Ansicht vom Kreuzgang

Die Église Saint-Pierre-le-Jeune protestant („Jung Sankt-Peter protestantisch“) ist eines der kunstgeschichtlich und architektonisch bedeutendsten Kirchengebäude der Stadt Straßburg im Elsass. Der Name hat seinen Grund im Vorhandensein dreier weiterer Peterskirchen in derselben Stadt: „Alt-Sankt-Peter“, aufgeteilt in eine katholische und eine protestantische Kirche, und „Jung-Sankt-Peter (katholisch)“, eine mächtige neuromanische Kuppelkirche aus dem späten 19. Jahrhundert.

Geschichte[Bearbeiten]

An der Stelle der heutigen Kirche befand sich in merowingischer Zeit eine St.-Kolumban-Kapelle mit Pilgerherberge. 1031 gründete Bischof Wilhelm hier das Kollegiatstift St. Peter. Ein romanischer Stiftskomplex entstand. Die Kirche wurde bis 1320 im gotischen Stil erneuert.[1]

1524 führte Straßburg die Reformation ein und St-Pierre-le-Jeune wurde lutherisch. Das katholische Stiftskapitel ging nach Molsheim, durfte aber für Investituren und andere feierliche Anlässe den Chor von Saint-Pierre weiter benutzen. Nach der Eingliederung Straßburgs in das Königreich Frankreich 1681 wurde die Kirche auf Betreiben des Kapitels mit einer Mauer geteilt. Das Langhaus blieb lutherisch, der Chor wurde katholische Stifts- und Pfarrkirche.

Dieser Zustand dauerte bis ins späte 19. Jahrhundert, als der Chor für die gewachsene katholische Gemeinde nicht mehr ausreichte. Für sie wurde bis 1893 die neuromanische Kirche Saint-Pierre-le-Jeune catholique gebaut. Danach wurde die Trennmauer entfernt, und Saint-Pierre-le-jeune protestant wurde grundlegend restauriert.[2]

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten]

  • Ältester Teil der Kirche ist die als Grabkrypta verwendete kleine Unterkirche, Überrest einer im 7. Jahrhundert errichteten Columbankirche.
  • Aus dem 11. Jahrhundert stammen drei der vier Arkadengänge des Kreuzgangs[3], der vierte Arkadengang stammt aus dem 14. Jahrhundert.[4]
  • Der gotische Hauptbau mit seinen zahlreichen Kapellen und dem aufwändigen Kreuzrippengewölbe[5] stammt aus dem 14. Jahrhundert. Aus dieser Zeit und den folgenden anderthalb Jahrhunderten sind zahlreiche Fresken[6], Grabplatten und -Denkmäler, der Taufstein [7], das Mittelbild des Hauptaltars [8] sowie der im Elsass inzwischen einzigartige Lettner erhalten.[9]
  • Kanzel sowie ein anderer Altar stammen aus dem 18. Jahrhundert.
  • 1897–1901 wurde die zum Teil verfallene Kirche vom Karlsruher Architekten Carl Schäfer, einem der wichtigsten Vertreter der neugotischen Sakralarchitektur Deutschlands, grundlegend überholt. Dabei wurde unter anderem der Eingang seitlich verlegt und ein neues Hauptportal geschaffen, eine Kopie des Nordportals der Fassade des Straßburger Münsters. Der Kreuzgang erhielt eine polychrome Bemalung nach dem Vorbild des Hortus Deliciarum.[10] Auch die lebensgroße Taufengelsstatue samt Kapelle und die Chorglasfenster [11] stammen aus dieser Zeit.

Orgeln[Bearbeiten]

Im Jahr 1780 entstand die (1948 und 1966 restaurierte) Lettnerorgel von Johann Andreas Silbermann, die überregionale Bekanntheit genießt. Helmut Walcha nahm hier einen großen Teil seiner Einspielung des Bachschen Orgelwerks auf. Das Instrument hat 41 Register auf 3 Manualen und Pedal.[12]

I Positif de Dos C–g3
Bourdon 8'
Prestant 4'
Nasard 22/3'
Doublette 2'
Tierce 13/5'
Fourniture III
Cromorne 8'
II Grand Orgue C–g3
Bourdon 16'
Montre 8'
Bourdon 8'
Prestant 4'
Flûte à cheminée 4'
Quinte 22/3'
Doublette 2'
Sifflet 1'
Cornet V
Fourniture IV
Cymbale III
Trompette 8'
Clairon 4'
III Récit expressif C–g3
Bourdon 8'
Prestant 4'
Flûte 4'
Doublette 2'
Larigot 11/3'
Sesquialtera II
Cymbale II
Trompette 8'
Voix humaine 8'
Tremblant
Pédale C–f1
Flûte 16'
Soubasse 16'
Bourdon 16'
Montre 8'
Flûte 8'
Prestant 4'
Quarte de nasard 2'
Fourniture IV
Cymbale II
Bombarde 16'
Trompette 8'
Clairon 4'
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P


Eine 1762 von Johann Andreas Silbermann im katholischen Teil der damals zweigeteilten Kirche eingerichtete Orgel wurde 1865 in die Sankt-Moritz-Kirche der Gemeinde Soultz-les-Bains überführt. 2006 bis 2008 wurde sie dort vom Hause Alfred Kern & fils in ihren Zustand von 1848 restauriert, der einen Kompromiss zwischen der ursprünglichen, barocken Silbermann-Einstellung und der späteren romantischen Klang- und Harmonieerweiterung darstellt.

Restaurierungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Gegenwärtig (2009) befindet sich die Gesamtausmalung des Innenraums (Fresken und Farbauftragung) in einem Zustand fortgeschrittenen Verfalls. Das Kirchenkapitel plant, bis spätestens 2012 mit der Instandsetzung des denkmalgeschützten Gebäudes beginnen zu können, hat jedoch das notwendige Kapital noch nicht beisammen beziehungsweise vom französischen Staat zugesichert bekommen. Seit dem Jahr 2000 wurden der Kreuzgang restauriert, die elektrischen Anlagen des Gotteshauses erneuert und die Türflügel der Portale neu angestrichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. landeskunde-online.de
  2. saintpierrelejeune.org
  3. Ansicht
  4. Ansicht
  5. Ansicht
  6. Ansicht
  7. Ansicht
  8. Ansicht
  9. Ansicht
  10. Ansicht
  11. Ansicht
  12. Nähere Informationen zur Lettnerorgel

Weblinks[Bearbeiten]

48.5855555555567.7463888888889Koordinaten: 48° 35′ 8″ N, 7° 44′ 47″ O