Schahada

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Die Schahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in Lahore
Die Schahada als kalligrafischer Schriftzug in der Wasir-Khan-Moschee in Lahore

Die Schahada الشهادة‎ / aš-šahāda auch: taschahhud تشهد ‎ / tašahhud aus dem Verb schahida / شهد ‎ / šahida /„bezeugen“ (auch im juristischen Sinne) abgeleitet, ist das Glaubensbekenntnis des Islams. Sie ist die erste der fünf Säulen des Islam.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Aufbau des Glaubensbekenntnisses

  • Lā ilāha illā ʾllāh(u) لا إله إلا الله‎ : „Es gibt keinen Gott außer Gott“ [1] ist der erste Teil des Glaubensbekenntnisses und kommt in dieser Form im Koran an zwei Stellen vor: in Sure 37:35 und in Sure 47:19. [2] Welche Bedeutung dieser erste Teil des Glaubensbekenntnisses als Bekräftigung des Tauhid im Islam hat, bestätigen neben der Traditionsliteratur die islamischen Prophetenlegenden aus dem 8. Jahrhundert. Denn bereits Noah (arab. Nūḥ) soll seinen Söhnen zwei Befehle und zwei Verbote erteilt haben: Die Befehle waren, sich zu bekennen zu:: a) „es gibt keinen (Gott) außer Gott“ , b) „Lob sei Gott“ - wie es auch zu Beginn der al-Fatiha steht. Die Verbote waren: a) Götzendienerei (Schirk), b) Arroganz (kibr).[3]

Der zweite Teil des Glaubensbekenntnisses ist die Bestätigung Mohammeds als Gesandter Gottes:

  • Muḥammadun rasūlu ʾllāh(i)محمد رسول الله‎ – Mohammed ist der Gesandte Gottes. In dieser Form wird Mohammed in Sure 48, Vers 29 genannt; inhatlich vergleichbar sind damit auch: Sure 3, Vers 144; und Sure 33, Vers 40.

Somit spricht man im islamischen Recht und in der Theologie von den zwei Glaubensbekenntnissen: asch-schahadatan الشهادتان‎ / aš-šahādatān oder Ausdruck des Monotheismus kalimat at-tauhid / كلمة التوحيد ‎ / kalimatu ʾt-tauḥīd. [4]

Die Schiiten fügen meist noch einen dritten Satz hinzu:

  • ʿAlīy walīyu ʾllāh(i)علي ولي الله‎ – Ali ist der Freund Gottes.

Die Schahada erscheint in einem Sakralbau erstmalig in der Inneninschrift am Felsendom aus dem Jahr 691-692 in ihrer Kombination mit der Basmala wie folgt:

لا اله إلا الله وحده لا شريك له محمد رسول الله ‎ / lā ilāha illā ʾllāhu waḥdahu lā šarīka la-hu Muḥammadun rasūlu ʾllāh(i) /„Es gibt keinen Gott außer Gott allein, er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft), Mohammed ist der Gesandte Gottes“. [5]

[Bearbeiten] Die Schahada im Gebetsritual

Beim Gebetsruf werden beide Teile dieser ursprünglich asyndetischen Konstruktion im Arabischen mit der Konjunktion wa و‎ („und“) verbunden und mit dem konjugierten Verb: aschhadu an أشهد أن‎ „Ich bezeuge, dass …“ eingeleitet.

Das islamische Glaubensbekenntnis, das jedem Gebet vorausgeht, lautet:

Aschhadu an lā ilāha illa ʾllāh(u) wa-aschhadu anna Muhammadan rasūlu ʾllāh(i): „ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und ich bezeuge, dass Muhammed Gesandter Gottes ist.“

[Bearbeiten] Die Schahada im profanen Bereich

Im profanen Leben erscheint die Schahada auf umayyadischen Münzen bereits gegen 705-714. Auf der Vorderseite (oder am Rand)steht: lā ilāha illā ʾllāh …; auf der Rückseite: Muḥammad rasūlu ʾllāhi; am Rand steht das Prägungsdatum. [6]

Eine Variante der Schahada ist in einem Protokoll auf Papyrus, aus dem Jahr 705 in folgendem Wortlaut, wie am Felsendom, dokumentiert:

Arabische Handschrift (Januar 907)
Arabische Handschrift (Januar 907)

lā ilāha illā 'llāhu waḥdahu lā šarīka lahu Muḥammadun rasūlu ʾllāhi - dies in Anlehnung an Sure 6, Vers 163:lā šarīka la-hu: „Er hat keinen Teilhaber (an der Herrschaft)“. [7] Daß die Schahada im profanen Bereich bis in die letzten Jahrzehnte des 8. Jahrhunderts keine endgültige Form angenommen hat, zeigt eine Felsinschrift aus dem zentralen Negev, die wie im obigen Protokoll auf Papyrus formuliert und - diesmal mit dem Zusatz: wa-ʿabduhu „sein Diener“ - auf das Jahr 780-781 datiert ist. [8]

Eine ähnliche Variante steht in einem Handschriftenfragment - datiert auf Rabi' II. 294 / Januar 907 in der letzten Zeile der Reproduktion -, das in Zeile 6, am Ende des 2. Buches über Zakat, die Schahada mit der islamischen Eulogie ergänzt: lā ilāha illā 'llāh Muḥammadun rasūlu ʾllāhi ṣallā ʾllāhu ʿalaihi wa-sallam.

Epigraphische Funde südlich von Medina aus dem späten 8. Jahrhundert belegen, daß man die obige Variante der Schahada auch in der 3. Pers. Sing. formuliert hatte; ihr geht dann der Name des Urhebers voraus. Am Ende wird nach dem Namen des Propheten die Eulogie hinzugefügt:

عتيق بن يعقوب بن صديق بن موسى بن عبد الله بن الزبير يشهد ألا إله إلا الله وحده لا شريك له وأن محمدا رسول الله صلى الله عليه وسلم ‎ / ʿAtīq b. Yaʿqūb b. Ṣudaiq b. Mūsā b. ʿAbd Allāh b. az-Zubair yašhadu allā ilāha illā ʾllāh waḥdahu lā šarīka la-hu wa-anna Muḥammadan rasūlu ʾllāh ṣallā ʾllāhu ʿalaihi wa-sallam. - Der Urheber ist biographisch bekannt: er war einer der Schüler von Malik ibn Anas in Medina. [9]

Die Schahada als kalligraphischer Schriftzug auf der Flagge Saudi-Arabiens.
Die Schahada als kalligraphischer Schriftzug auf der Flagge Saudi-Arabiens.

Die Schahada ist auch der Schriftzug auf der Flagge von Saudi-Arabien, des Staates, dessen Territorium die Heimat des Propheten Mohammed einschließt.

[Bearbeiten] Die Schahada bei den Mystikern

Manche Sufis (islamische Mystiker) lehnen die zwei zusätzlichen Teile ab und übersetzen den ersten Teil mit:

  • „Es gibt Allah“ bzw. „Es gibt nichts, sondern nur den Einen (die Einzigkeit; arabisch tauhid)“

Die meisten Sufis sind allerdings der Ansicht, dass gerade der zweite Teil der Schahada sehr wichtig ist, weil Schaitan (arabisch für Satan) selbst ebenfalls den ersten Teil der Schahada akzeptiert. Schließlich weiß er selber sehr genau, dass es nur einen einzigen Gott gibt; Mohammed als Prophet lehnt er jedoch ab.

[Bearbeiten] Die Schahada in der abendländischen Kunst

Auf dem Weg von Florenz nach Arezzo in einer kleinen Kirche von San Giovenale a Cascia identifizierte der italienische Denkmalpfleger Luciano Berti ein bis dahin unbekanntes Werk, ein Triptychon des Begründers der Frührenaissance-Malerei Masaccio (*1401, †1428). [10] Einige Jahre später hat man den deutschen Orientalisten Rudolf Sellheim auf das publizierte Bild der Madonna mit dem Heiligenschein aufmerksam gemacht, der möglicherweise orientalische (arabische) Schriftzüge tragen dürfte. Das Phänomen an sich, arabische Schriftzeichen, auch in entfremdeter Form und bis zur Unkenntlichkeit entstellt, zu verwenden, ist seit dem 11. Jahrhundert in der mittelalterlichen Kunst - in der Buch,- Glas,- Tafel- und Wandmalerei bekannt. [11]. R. Sellheim stellte fest, dass Masaccio im Heiligenschein der Madonna das islamische Glaubensbekenntnis – allerdings spiegelverkehrt – integriert hatte.[12]

Die Arbeit trägt das Datum 23. April 1422. Es wird angenommen, dass Masaccios Werk ursprünglich in der Brancacci-Kapelle von Santa Maria del Carmine aufgestellt war.[13]. Es ist allerdings unklar, wie Masaccio in den Besitz der Motive der Schahada gekommen ist. Sie und die Ligatur von Allah in ihrer Kombination der Buchstaben Alif - Lām - Lām- Hāʾ sind in der Ornamentik jener Zeit mehrfach verwendet worden. [14].

[Bearbeiten] Literatur

  • W. Montgomery Watt: Bell's Introduction to the Qurʾān. Edinburgh University Press 1970. Islamic Survey 8.
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 9. S. 201.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Übersetzung Rudi Paret
  2. William Montgomery Watt: Bell's Introduction to the Qurʾān. S. 149-150
  3. Uri Rubin: Prophets and Caliphs: The Biblical Foundations of the Umayyad Authority. In:Herbert Berg (Hrsg.): Method and Theory in the Study of Islamic Origins. Brill, Leiden 2003. S. 78
  4. Adam Gacek: The Arabic Manuscript Tradition. A Glossary of Terms & Bibliography. Handbook of Oriental Studies (Handbuch der Orientalistik). Brill, Leiden 2001. S. 80
  5. Siehe die gesamte Inschrift bei Raya Shani: The Iconography of the Dome of the Rock. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 23( 1999), S. 158ff. bes.die Abbildung zwischen S. 186-187; Yahuda D. Nevo: Towards a prehistory of Islam In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 17 (1994), S. 110.
  6. Gernot Rotter: The Umayyad fulūs of Mosul. In: The Amercan Numismatic Society. Museum Notes 19 (1974), S. 165-199
  7. Robert G. Hoyland: The Content and Context of Early Arabic Inscriptions. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam (JSAI), 21 (1997), S. 83. Anm. 38
  8. Yahuda D. Nevo: Towards a prehistory of Islam In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. 17 (1994), S. 133; ders. Sde Boker and the Central Negev 7th-8th Century AD. Paper presented to the 3rd International Colloquium: From Jahiliyya to Islam. Jerusalem 1985. S. 20-21 (Sonderdruck)
  9. Saʿd ʿAbd al-ʿAzīz ar-Rāšid: Kitābāt islāmiyya ġair manšūra min Ruwāwa, al-Madīna al-munawwara.(Unpublizierte islamische Inschriften aus Ruwawa, bei Medina). Riyad 1993. S. 91-93. Dokument Nr. 48
  10. Masaccio 1422. In: Commentari Rivista di critica e storia dell' arte, 12 (1961), S.84-107
  11. Kurt Erdmann: Arabische Schriftzeichen als Ornamente in der abendländischen Kunst des Mittelalters. In: Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Geistes- und sozialwissenschaftliche Klasse. Jahrgang 1953. Nr. 9. S. 467-513
  12. Rudolf Sellheim: Die Madonna mit der Schahāda. In: Erwin Gräf (hrsg.):Festschrift Werner Caskel zum siebzigsten Geburtstag 5.März 1966. Gewidmet von Freunden und Schülern. S. 307ff. Brill, Leiden 1968
  13. Rudolf Sellheim, op. cit. 313-314
  14. Rudolf Sellheim, op. cit. 309-311
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