Schamhaar

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Woman with pubic hair and wedding ring.jpg Pubic hair male 1247.JPG
Weiblicher Venushügel mit Schambehaarung
Männlicher Genitalbereich mit Schambehaarung

Mit Schamhaar (Pubes[1]) wird das Haar an und auf den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen und der angrenzenden Region bezeichnet, die sich mit Beginn der Pubertät als Teil der Körperbehaarung und somit als sekundäres Geschlechtsmerkmal herausbildet. Die vollständige oder partielle Entfernung des Schamhaars im Genitalbereich wird als Schamhaarentfernung bezeichnet und stellt ein weit verbreitetes Schönheitsideal dar.

Ausprägung und Wachstum

Schamhaare beginnen in der Pubertät zu wachsen, bei Mädchen etwa ab dem zehnten und bei Jungen etwa ab dem zwölften Lebensjahr. Bei Mädchen bedecken die Schamhaare die äußeren Schamlippen und den Venushügel. Beim Jungen wachsen die Schamhaare auf dem Hodensack und um die Peniswurzel herum. Bei Frauen erinnert die Form der Behaarung oberhalb des Geschlechts an ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Bei Männern wachsen die Schamhaare in Form eines Trapezes oder in gerader Linie bis zum Bauchnabel hinauf.

Je nach genetischer Veranlagung kann sich die Behaarung bis auf den Afterbereich ausdehnen. Die Haare im Analbereich werden auch als perianale Behaarung bezeichnet. Behaart ist in der Regel nur der äußere Bereich des Analkanals, die so genannte Zona cutanea. Die Schleimhaut im unmittelbaren Umfeld des Afters selbst ist unbehaart. Der Ausdruck perianale Behaarung (von griech. περί peri- „ringsum, umgebend“) ist daher sachlich exakter.

Analhaar tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf und ist individuell und geschlechtsspezifisch unterschiedlich dicht und stark ausgeprägt. Die Entwicklung vom kaum sichtbaren, flaumartigen Vellushaar zum kräftigeren, pigmentierten Terminalhaar erfolgt erst im postpubertären Stadium.

Jedes menschliche Schamhaar wächst ohne explizite Haarentfernung nur ca. sechs Monate lang, ehe es ausfällt und ein neues Haar nachwächst. Dabei wächst es ungefähr einen Zentimeter pro Monat.[2][3]

Hygiene

Eine stark ausgeprägte perianale Behaarung führt häufig zu hygienischen Problemen und zwingt Betroffene zu besonderer Reinigung nach dem Stuhlgang.[4]

Struktur

Die Schamhaare sind meist kräftiger und dunkler als die Kopfhaare, bei Rothaarigen, sehr Hellblonden und Schwarzhaarigen gleichfarbig. Bei Europäern sind sie häufig gelockt oder gekräuselt, bei Afrikanern eng gekräuselt und bei Asiaten und den amerikanischen Ureinwohnern eher glatt und stärker anliegend. Auch die Haardichte und das Maß der Ausbreitung sowie die Länge der Schamhaare sind genetisch bedingt und daher individuell verschieden.

Funktion

Evolutionsbiologisch stehen die Schamhaare wahrscheinlich, wie die Achselhaare auch, im Dienst der Verdunstung von Duftdrüsen-Sekreten für den geschlechtsspezifischen Körpergeruch im Scham- und Leistenbereich, der sicher in der Frühzeit der menschlichen Abstammung, wie bei den nichtmenschlichen Primaten und den anderen Säugetieren heute noch, eine größere Bedeutung hatte. Die Verdunstung dieser als Pheromone bezeichneten Sekrete soll bei Primaten Paarungsbereitschaft signalisieren. Inwieweit bei der menschlichen Partnerwahl heute noch solche Pheromone eine Rolle spielen, und ob den Schamhaaren dabei eine besondere Bedeutung zukommt, ist nicht bekannt.

Schamhaare bieten in begrenztem Umfang auch Schutz vor Fremdkörpern und Krankheitserregern sowie vor übermäßiger Kälte und Hitze.

Sie fungieren in jedem Fall, so wie der Achselhaarwuchs und der Bartwuchs des Mannes, als sekundäres Geschlechtsmerkmal, indem sie indirekt die Zeugungsfähigkeit anzeigen.

Einsatz in der physiologischen Forschung und Forensik

Zur Klärung spezieller Fragen der Exposition[5] gegenüber bzw. der Akkumulation von Schwermetallen,[6] des Stoffwechsels von Ethanol[7] und der Exposition gegenüber Drogen[8][9] werden Schamhaare auch in der physiologischen Forschung und Forensik nach angemessener Probenvorbereitung eingesetzt.

Sonstiges

  • In verschiedenen älteren Kulturen in der Südsee, Afrika (Pygmäen) und Melanesien stehen die Schamhaare als Symbol für Fruchtbarkeit und Heiratsfähigkeit.[10] Auch in Japan gilt eine starke Schambehaarung bei Frauen als Symbol der Weiblichkeit. Dort tragen manche Frauen mit wenig Schambehaarung aus Kopfhaar hergestellte Perücken, die in Japan unter dem Namen „Blume der Nacht“ bekannt sind.
  • Das 1866 veröffentlichte Gemälde Der Ursprung der Welt (L’Origine du monde) von Gustave Courbet stellte Schambehaarung in explizit demonstrativer Weise dar. Das Bild löste seinerzeit einen Skandal aus und ruft auch heute noch heftige Reaktionen im Publikum hervor.
  • Dem Kunsthistoriker und Philosophen John Ruskin wird zugeschrieben, dass er sich von seiner frisch verheirateten Frau nach der ersten Hochzeitsnacht scheiden ließ, nachdem er von der Entdeckung zutiefst schockiert wurde, dass sie im Intimbereich behaart war. Zu Ruskins Lebzeiten im 19. Jahrhundert war es nicht üblich, vor der Hochzeitsnacht sexuell zu verkehren oder Frauen nackt zu sehen.[12]
  • Die von dem Wiener Medien-Künstler Gerald Zahn geschaffene Videoinstallation Hairy Monsters widmet sich ausschließlich dem Thema der Schambehaarung, insbesondere deren ausgiebige Präsenz in der Pornografie der 1960er- bis 1970er-Jahre.[13]
  • Die Schauspielerin Sienna Miller musste für ihren Film Hippie Hippie Shake, welcher in der Hippie-Zeit spielt, für einige Nacktszenen nachträglich am Computer mit Schamhaaren versehen werden. Da zu jener Zeit die heute unter Jugendlichen häufige Entfernung der Schamhaare noch nicht verbreitet war, hätten die Szenen sonst unauthentisch gewirkt.[14]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Von lat. pubes, is: „Unterleib, Schoß“, meton. „Scham“. Nicht zu verwechseln mit pubes, -eris „mannbar, erwachsen“, von dem lat. pubertas abstammt, das wiederum metonymisch auch „Bartflaum“ – also männliche Gesichtsbehaarung – bedeutet. (vgl. Der kleine Stowasser, München 1971). Wird Pubes als Schamhaar übersetzt oder gebraucht, so handelt es sich um einen pars pro toto: Pubes ist der gesamte Bereich der Schamregion.
  2. Bravo zum Thema Schamhaar (1)
  3. Bravo zum Thema Schamhaar (2)
  4. Henning Rohde: Lehratlas der Proktologie. Thieme, Stuttgart 2007, ISBN 3-13-140881-2, S. 222 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. M. Wilhelm, F. K. Ohnesorge, D. Hötzel: Cadmium, copper, lead, and zinc concentrations in human scalp and pubic hair. In: Science of the Total Environment. Band 92, 1990, PMID 2326621. S. 199–206
  6. D. Wiechuła, K. Loska, D. Ungier, A. Fischer: Chromium, zinc and magnesium concentrations in the pubic hair of obese and overweight women. In: Biological Trace Element Research. Band 148, 2012, PMID 22351101. S. 18-24
  7. P. Kintz, M. Villain, E. Vallet, M. Etter, G. Salquebre, V. Cirimele: Ethyl glucuronide: unusual distribution between head hair and pubic hair. In: Forensic Science International. Band 176, 2008, PMID 17997064. S. 87-90
  8. A. M. Tsatsakis: Judicial applications of hair testing for addicts in Crete: sectional hair analysis of heavy heroin abusers. In: Journal of Clinical Forensic Medicine. Band 5, 1998, PMID 15335529. S. 109–113
  9. R. Cordero, S. Paterson: Simultaneous quantification of opiates, amphetamines, cocaine and metabolites and diazepam and metabolite in a single hair sample using GC-MS. In: Journal Of Chromatography. B, Analytical Technologies In The Biomedical And Life Sciences. Band 850, 2007, PMID 17210273. S. 423–431
  10. Bronisław Malinowski: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien.
  11. Michael Sims: Adams Nabel und Evas Rippe: eine Erkundung des menschlichen Körpers
  12. Schönes neues Haar. In: Der Tagesspiegel vom 1. Januar 2007
  13. Hairy Monsters. Videoperformance von Gerald Zahn zum Thema der weiblichen Schambehaarung
  14. Siennas virtuelle Veränderung. In: vienna.at
  15. Winslet trug unechtes Schamhaar - Kino.de

Weblinks

 Commons: Schamhaar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien