Schelfkirche

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Schelfkirche St. Nikolai
Grundriss von Schlie
Schelfe und Vorgängerbau der Schelfkirche vor 1651

Die Schelfkirche St. Nikolai ist eine barocke Backsteinkirche im Schweriner Stadtteil Schelfstadt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Schelfgemeinde Schwerin St. Nikolai in der Propstei Wismar, Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Überlieferungen zeugen davon, dass es bereits im 11. Jahrhundert die kleine Siedlung namens „Schelfe“ gab. Nach der Stadtgründung Schwerins 1160 durch Heinrich den Löwen kam es zu einem Zuzug von Bewohnern. 1117 wird bereits ein Pfarrer sowie ein Kirchenbau auf der Schelfe erwähnt. Heinrich I. stiftete bereits 1228 eine neue Kirche, somit wohl an gleicher Stelle das zweite Kirchengebäude. 1238 erwarb das Domkapitel einen Teil der Schelfe. Die war dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute, gewidmet. Das gotische Bauwerk wurde bis 1553 genutzt und aufgrund seiner Baufälligkeit 1586 notdürftig saniert. Ein Sturm zerstörte am 8. Dezember 1703 den Turm der Kirche, woraufhin diese 1705 abgerissen wurde, auch weil die alte Kapelle für die neu geplante Stadtanlage der Schelfe zu klein und zu wenig repräsentativ erschien.

Grundsteinlegung für das heutige Kirchengebäude war am 15. Mai 1708. Die Bauleitung übernahm der Ingenieurkapitän Jacob Reutz und nach seinem Tod im Jahr 1710 der Architekt, Architekturtheoretiker, Mathematiker und Theologe Leonhard Christoph Sturm. Der Rohbau war bereits zwei Jahre nach Baubeginn fertig. Finanziert wurde das Projekt durch Kollekten aus Hamburg und Lübeck sowie aus Strafgeldern für Steuerrückstände. Mit dem Bau von Gesims, Pilaster und Deckengewölbe wurde wahrscheinlich schon unter Reutz begonnen. 1711 entstanden die Türstöcke aus Haustein und das fürstliche Grabmal im Ostarm. Schließlich war der Kirchenbau Ende 1712 vollendet, die Einweihung erfolgte am 24. September 1713. Die Form der Kirche ist ein Kreuz mit stark gekürztem Fuß und einem Turm auf der westlichen Seite, ein Griechisches Kreuz.

Der Bau wurde zu einem Musterfall der Umsetzung protestantischer Kirchbautheorie im frühen 18. Jahrhundert. Sturm hielt die von Reutz gewählte Form des griechischen Kreuzes für ungeeignet und wich beim Innenausbau bei der Anordnung des Altars und der Kanzel von den ursprünglichen Plänen Reutz’ ab, indem er einen Kreuzarm durch eine Art Lettner abteilte und dem Gemeinderaum damit eine T-Form gab. 1712 veröffentlichte er sein Architectonisches Bedencken zum Bau und zur Inneneinrichtung in Hamburg.

Ausstattung[Bearbeiten]

Bei einer grundlegenden Renovierung 1856 bis 1858 wurde die Inneneinrichtung Sturms entfernt und die Kirche gemäß den ersten Plänen Reutz’ eingerichtet, so stammen die Orgel von Friedrich Friese III, der Taufstein, das Altarbild Christi Himmelfahrt von Gaston Lenthe (1858) und die Fenster mit Malereien von Ernst Gillmeister aus dieser Zeit. Die Turmuhr aus dem Jahr 1863 ist die älteste öffentliche Uhr der Stadt. Sie wurde bis 2005 noch täglich von Hand aufgezogen. Die Orgel wurde 1932 von Marcus Runge umgestaltet. 1993 wurde die Orgel wieder in den Ursprungszustand von 1858 zurückversetzt.

Die Kirche wurde in den 1960er Jahren anhand von Farbschnitten in Anlehnung der ersten Ausmalung gestaltet. Zwischen 1983 bis 1990 fanden Restaurierungsarbeiten an der Außenfassade statt. Die bunten Fenster des 19. Jahrhunderts wurden wegen der großen Zerstörungen zeitgleich ausgebaut und die durchsichtigen Fenster in Anlehnung der Erstverglasung wieder eingesetzt. Reste der bunten Verglasung konnten im Turmraum, vor der Herzogsloge als doppelte Innenverglasung eingebaut werden.

Das Geläut besteht aus der bronzenen Nikolaus-Glocke aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und zwei Eisenglocken von 1959. Sie sind Ersatzstücke der im Weltkrieg abgeholten Glocken.

Gruft[Bearbeiten]

Särge in der Fürstengruft

Bis zum Tod von Herzogin Ulrike Sophie 1813 diente die Kirche auch als Grablege der herzoglichen Familie. In der Gruft ruhen die Körper von 12 Erwachsenen und 5 Kindern, darunter Herzog Friedrich Wilhelm, Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin, Königin in Preußen, und Herzog Christian Ludwig II. Bei der Kirchensanierung von 1858 wurde bei der sogenannten Fürstengruft nicht auf ausreichende Durchlüftung geachtet, es wurde ein Luftschacht zugemauert, wodurch sich Hausschwamm ausbreiten konnte und die Särge infolgedessen stark beschädigt wurden.[2]

Nach der Förderzusage der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Dezember 2007, einer Förderung des Landes und durch private Spenden konnte mit der etwa 400.000 Euro kostenden und bis etwa 2013 dauernden Sanierung der Gruft begonnen werden. Am 15. Mai 2008 wurde zum 300. Jahrestag der Grundsteinlegung der Kirche der historische Zugang vom Altarraum zur Gruft wieder hergestellt, der Sarg Friedrich Wilhelms ist bereits saniert. Dieser und zwei weitere Särge, die noch in 2008 aufbereitet wurden, sollen künftig durch eine Glastür zu besichtigen sein.[3][4] In der Fürstengruft konnten bis 2011 dank Spenden der Sparkassenstiftungen 10 der 17 Särge restauriert werden. Regina Ströbl übernahm jeweils die Rückbestattungen. Bis zum 300. Weihejubiläum am 24. September 2013 soll die Fürstengruft komplett restauriert sein.

Die Kirche heute[Bearbeiten]

Neben Gottesdiensten und Amtshandlungen bietet die Kirchengemeinde Führungen sowie Konzerte unter anderem der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Pastoren[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Gemeinde
  2. Siehe Regina Ströbl: Wolgast – Schwerin – Mirow: Die drei großen Herzogsgrüfte in Mecklenburg-Vorpommern. in: Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur 2009 (Digitalisat)
  3. NDR Nordmagazin, 15. Mai 2008
  4. Fürstengruft in der Schweriner Schelfkirche restauriert - kirche-mv.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonhard Christoph Sturm: Architectonisches Bedencken Von Protestantischer Kleinen Kirchen Figur und Einrichtung/ An Eine Durchläuchtige Person über einem gewissen Casu gestellet / Und Als eine offtmahls vorkommende Sache zum gemeinen Nutzen im Druck gegeben/ Mit dazu gehörigen Rissen. Schiller, Hamburg 1712 (Digitalisat, Bayerische Staatsbibliothek)
  • Edgar Jakobs: Etwas von der Schelfkirche. In: Monatshefte für Mecklenburg. Schwerin, Bd. 14 (1938), 165, S. 397–398. (Digitalisat; PDF; 506 kB)
  • Rudolf Conrades: St. Nikolai in Schwerin. Die erste Kirche auf der Schelfe, eine Kaufmannskirche aus der Zeit vor der Stadtgründung? Thomas Helms Verlag Schwerin 2005, ISBN 978-3- 935749-59-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schelfkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

53.632511.417777777778Koordinaten: 53° 37′ 57″ N, 11° 25′ 4″ O