Schloss Anif

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Ansicht von Nordwesten

Das Wasserschloss Anif steht an einem künstlich angelegten Weiher in der gleichnamigen österreichischen Gemeinde Anif am südlichen Stadtrand von Salzburg. Es gehört mit Burg Kreuzenstein und Schloss Grafenegg bei Krems zu den bedeutendsten Schlossbauten des romantischen Historismus in Österreich.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Seine Entstehung kann heutzutage nicht mehr genau datiert werden, doch existiert eine Urkunde von etwa 1520, die belegt, dass zu jener Zeit an gleicher Stelle schon ein Schloss namens Oberweiher gestanden hat. Sein Besitzer war der damalige Urbaramtmann Lienhart Praunecker.

Ab 1530 wird das Wasserschloss regelmäßig als Lehen des jeweiligen Erzbischofs von Salzburg vergeben. 1693 gelangte es auf diese Weise nach einer Renovierung durch Johann Ernst Graf von Thun an die Bischöfe von Chiemsee, die es nachfolgend bis 1806 als Sommersitz nutzten. Der letzte von ihnen, Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg, legte den bedeutenden englischen Park des Schlosses an.

Nach dem Ende des Erzstifts Salzburg[Bearbeiten]

Als das Erzstift Salzburg im Dezember 1806 an Österreich fiel, kamen Schloss und Weiher entsprechend in österreichischen Staatsbesitz. Zwar wurde es fortan verpachtet, doch die jeweiligen Nutzer nahmen keine nennenswerten Umbau- oder Erhaltungsmaßnahmen vor.

Schloss Anif im Jahr 1852, Stahlstich von Johann Fischbach

Dies änderte sich, als der Besitz 1837 an Aloys von Arco-Stepperg (1808–1890) verkauft wurde, einen Urenkel von Kaiserin Maria-Theresia. Er ließ das Schloss nach Vorbild der englischen Tudorschlösser zwischen 1838 und 1848 im neugotisch romantisierenden Stil umgestalten und dekorieren. Es erhielt den Turm, weitere Türmchen und Zinnenmauern. Der Südbau wurde um ein Stockwerk erhöht. Damit verlieh er ihm sein heutiges Aussehen. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte das Schloss lediglich aus einem schlichten vierstöckigen Wohnhaus und einem zweistöckigen Verbindungsbau zu einer Kapelle bestanden.

Nach dem Tod des Grafen fiel der Besitz 1891 über seine Erbtochter Sophie, die mit dem Grafen Ernst von Moy de Sons verheiratet war, an dieses alte französische Adelsgeschlecht.

1918 rückte die Schlossanlage in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, als König Ludwig III. von Bayern mitsamt seiner Familie und Gefolge vor der Novemberrevolution dorthin flüchtete. Mit der Anifer Erklärung vom 12./13. November 1918 verweigerte Ludwig III. zwar seine Abdankung, entband jedoch die bayerischen Beamten, Soldaten und Offiziere von ihrem Eid, da er nicht mehr in der Lage wäre, die Regierung weiterzuführen.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs waren im Schloss deutsche Wehrmachtseinheiten untergebracht, denen 1945 amerikanische Truppen folgten.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Schloss Anif diente in den 1960er Jahren als Kulisse in dem Kinofilm Das große Rennen rund um die Welt mit Tony Curtis, Jack Lemmon und Natalie Wood.[2] 1965 war das Schloss Filmkulisse für den Film Sound of Music und ist so Teil der Sound of Music Tour. Im Jahr 1974 wurde ein Teil von Frederick Forsyths Die Akte Odessa im Wasserschloss verfilmt. Jon Voight spielt darin die Hauptrolle und trifft im Schloss seinen Gegenspieler, gespielt von Maximilian Schell. 1976 war das Schloss wieder einmal Drehort, diesmal für die britische Verfilmung der Aschenputtel-Geschichte The Slipper and the Rose mit Richard Chamberlain und Gemma Craven. Des Weiteren diente das Gebäude als Filmkulisse für Pater BrownEr kann’s nicht lassen mit Heinz Rühmann. In der deutschen TV-Serie Kir Royal (1986) ist das Schloss in der Folge „Karriere“ von außen und innen sowie in der US-Serie Agentin mit Herz in der Folge „Das Geisterschloss“ kurz von außen zu sehen.

Im Oktober 2001 gerieten das Schloss und sein Besitzer Johannes Moy de Sons in die Schlagzeilen, als sich herausstellte, dass ein Teil der Einrichtung, die mitsamt dem Schlossgebäude 1943 als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt worden war, bei Sotheby’s in Amsterdam zum Kauf angeboten wurden. Einige Stücke konnten nach Österreich zurückgeführt werden und sind nun zu Teilen im Salzburg Museum zu besichtigen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Das Schloss Anif ist auch heute noch im privaten Besitz der gräflichen Familie von Moy, die es in den Jahren von 1995 bis 2000 grundlegend renovieren ließ, und kann deshalb von innen nicht besichtigt werden. Der Schlosspark ist zweimal im Jahr teilweise öffentlich zugänglich: zu Fronleichnam für die kirchliche Prozession und am 8. Dezember für das abendliche Turmblasen der Anifer Bläser.

Literatur[Bearbeiten]

  • Schloß Anif. In: Kunsthistorisches Institut der k. k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege (Hrsg.), Max Dvořák (Red.): Österreichische Kunsttopographie. Band XI: Paul Buberl, Franz Martin (archivalischer Teil): Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg. III. Teil: Gerichtsbezirk Salzburg. (Die Denkmale des Gerichtsbezirkes Salzburg). Schroll, Wien 1916, ZDB-ID 515450-9, S. 19–27.  Volltext online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Anif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Florian Sepp: Anifer Erklärung, 12./13. November 1918. In: Historisches Lexikon Bayerns. (online).
  2. http://www.amazon.com/The-Great-Race/dp/B001N2GUNK

47.74513.070277777778Koordinaten: 47° 44′ 42″ N, 13° 4′ 13″ O