Schriftgrad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Schriftgröße)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite, unter Lemma, angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Bleiletter (Schema)

Details:
1. Punze
2. Schriftbild
3. Fleisch
4. Konus
5. Achselfläche
6. Schriftkegel
7. Signatur
8. Gießrille

Abmessungen:
a Kopf
b Schulterhöhe
a+b Schrifthöhe
c Dickte
d Kegelhöhe

Die Begriffe Schriftgrad, Schriftsatzmaß oder Kegelhöhe (auch Kegelstärke) bezeichnen in der Typografie ein Maß für die Größe einer Schrift. Der Kegel (im Bild #6) ist im Bleisatz der Körper, der das etwas kleinere, spiegelverkehrte Abbild des Buchstabens (#2) trägt. Die Kegelhöhe (Strecke d) bezeichnet die Höhe der Bleikegel. Da die Kegel etwas höher als die Buchstaben sind, ist die Kegelhöhe oder der Schriftgrad immer etwas größer als die Summe aus Ober-, Mittel- und Unterlänge und damit größer als die tatsächliche Buchstabengröße.

Für den Schriftgrad werden verschiedene Maßeinheiten verwendet und meistens als „Punkt“ bezeichnet. Diese Maßeinheiten werden bei Druckerzeugnissen nicht nur für den Schriftgrad, sondern auch für Zeilenabstände und Ähnliches verwendet.

Festgeschrieben sind die Maße in der DIN 16507-1 (aktuell Stand September 1998).

Das Messgerät für in Punkt anzugebende Größen ist das Typometer.

Optische Schriftgröße[Bearbeiten]

Helvetica Garamond Bickham

Das Bild zeigt die Schriften Helvetica, Garamond und Bickham Script bei gleichem Schriftgrad im Vergleich.

Da der Schriftgrad nur die Kegelhöhe (auch bei Fonts) beschreibt, sagt er nichts über den optischen Eindruck der Schriftgröße aus. Dieser ist vor allem von der Mittellänge der Schrift abhängig. Besitzt die Schrift eine besonders kleine Ober- und Unterlänge, so ist die Mittellänge auf dem Schriftkegel proportional größer, da der Schriftgestalter mit der Spannweite zwischen Ober- und Unterlänge meist die gesamte Kegelhöhe bespielt.[1]

Script-Fonts mit besonders ausschweifenden Ober- und Unterlängen (wie die Bickham Script) wirken daher oft sehr klein. Aus demselben Grund ist die Annahme, Antiqua-Schriften sähen generell kleiner aus als Grotesk-Schriften, falsch. Dies gilt nur für den Vergleich von klassischen Antiqua (wie der Garamond) mit klassischen Grotesken (wie der Helvetica), bzw. von Antiqua und Grotesken mit vergleichbarer Metrik.

Einheiten des Maßsystems[Bearbeiten]

Der Punkt (p) ist die Grundeinheit zur Angabe von Schriftgrößen.

Französische Punkte[Bearbeiten]

Das erste typographische Punktsystem wurde von Sébastien Truchet (1657–1729) konzipiert. Sein Punkt betrug genau 1/1728 „pied du Roi“ (Fuß), also etwa 0,188 mm und entspricht somit genau der Hälfte des späteren Didot-Punktes.

Etwa seit 1737 verwendete der französische Drucker Pierre Simon Fournier einen eigenen typographischen Punkt. Er betrug etwa 0,345 mm, also etwa elf Zwölftel spätere Didotpunkte. Der sogenannte Fournier-Punkt wurde dann nicht weiterverwendet.

Weiterentwickelt wurde das Maßsystem Ende des 18. Jahrhunderts von François Ambroise Didot und seinem Sohn Firmin Didot.

Der Didot-Punkt, der sich dann auch praktisch in ganz Europa durchsetzte, betrug traditionell 0,376065 mm (nach offizieller Umrechnung aber etwa 0,3759715 mm). Er wird üblicherweise mit 0,376 mm angegeben und auch so verwendet (mit +0,0173 % bzw. −0,0075 %, weit innerhalb aller technischen Toleranzen). Das Grundmaß war der Fuß, das alte französische Längenmaß Pied de roi. So entsprechen 6 × 12 × 12 = 864 Didotpunkte genau einem französischen Fuß.

1975 wurde vorgeschlagen, den Didotpunkt auf 0,375 mm abzurunden. Für die Verwendung mit den existierenden Druckmaschinen ist aber eine Modifikation von mehr als einem Viertel Prozent erheblich und war daher technisch zu schwierig zu verwirklichen. Außerdem wurde zu dieser Zeit gerade auf Fotosatztechnik umgestellt, die den DTP-Punkt verwendet. So wurde dieser Vorschlag in der Praxis nie vollständig umgesetzt, obwohl oft vereinfachend ein Didot-Punkt als 38 mm angegeben wird.

Die nächstgrößere Einheit in diesem System ist das Cicero. Ein Cicero entspricht 12 Didot-Punkten. Vier Cicero wiederum ergeben eine Konkordanz.

Amerikanische Punkte[Bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts kam aus den USA mit der Erfindung der Linotype-Zeilengussmaschine ein alternatives Punktmaß auch nach Europa: der Pica-Punkt (pp). Die amerikanischen Drucker verwendeten einen eigenen, amerikanischen „Druckerfuß“, der recht genau 1024/1000 römischem Fuß entspricht, also etwa 303,5 mm.

Von drei konkurrierenden, fast gleichen Definitionen verabschiedete das 15. Treffen der US-Type Founders Association of the U.S.A. (1886) das sogenannte Johnson Pica zu genau 0,166 Zoll. Der Vorschlag von Nelson C. Hawks (1200/7227 in/pt ≈ 0.166044 in/pc) sowie die direkte Bezugnahme auf das metrische System (83/350 pc/mm ≈ 0,1660184 in/pc) blieben unberücksichtigt.

Analog zum Verhältnis von Cicero zu Didot-Punkt wird hier ein Pica in 12 Punkt geteilt. Daher misst der traditionelle amerikanische Printer’s Point 351,36 µm.

In manchen Quellen wird der amerikanische Punkt als (näherungsweise) 100/7227 inch angegeben, das wäre ca. 351,4598 µm und entspricht der Definition nach Hawks. Der Punkt mit metrischem Bezug wäre etwa 351,4056 µm groß.

DTP-Punkt[Bearbeiten]

Im Desktop-Publishing (DTP) wird heute nahezu ausschließlich eine vereinfachte Definition des amerikanischen Punktes verwendet.

Der DTP-Punkt, abgekürzt ‚pt‘, gelegentlich auch PostScript-Punkt genannt, wurde als der 864. Teil des englischen foot von 1959 definiert. Er misst also exakt 172 Zoll, d. h. 0,0138 Zoll oder 0,3527 mm. Er ist zurzeit das einzig verlässliche Maß in den meisten Anwendungsprogrammen (Druckerkommunikation, Word, Photoshop etc. – CorelDraw hingegen wurde metrisch programmiert).

Das Satzsystem TeX verwendet ‚pt‘ als Abkürzung für den standardmäßigen Printer’s Point und nennt den DTP-Punkt entsprechend big point ‚bp‘, da er etwas größer ist.

In CSS wird dieser Punkt auch in ein einfaches Verhältnis von 4∶3 zum Referenzpixel ‚px‘ gesetzt, der nicht unbedingt dem Gerätepixel entspricht.

Bei einer im Heimdruck häufig anzutreffenden Punktdichte von 300 dpi entspricht ein DTP-Punkt dann ungefähr vier Bildpunkten in der Reproduktion. Ein Schriftzeichen mit 12 pt wird in der Höhe unter diesen Voraussetzungen mit 50 Punkten gedruckt.[2]

Metrischer Punkt[Bearbeiten]

Die deutsche Norm DIN 16507-2:1999 sieht für Schriftgrößenangaben und Zeilenhöhen im elektronischen Satz ein Modul von 250 µm vor, mit einem Submodul von 50 µm für Zwischengrößen. Dieser Modul wird teilweise auch wie eine dem Punkt entsprechende Einheit verwendet und heißt dann Quart (‚q‘), da sie einem Viertelmillimeter entspricht, und ist insbesondere in Japan als キュ kyu verbreitet. Als q ist es ab Level 3 auch Teil von CSS[3].

Statt der Kegelhöhe wird in DIN 16507-2 die messbare Größe der Versalhöhe zur Angabe der Schriftgröße verwendet. Dieses System hat bisher keine weite Verbreitung gefunden, allerdings unterstützen verschiedene Computertypographiesprachen (z. B. TeX, CSS, Framemaker) die Maßangabe in metrischen Einheiten.

Otl Aicher war einer der Befürworter dieses Systems und propagierte Schriftgrade, die teilweise an die traditionellen Namen angelehnt sind.

Metrische Schriftgrade
Anwendung (Name) q mm μm dd pt pp px
(Perl) 7 1750 4⅔ 5,0 5,0 6,7
Fußnote (Nonpareille) 9 2250 6 6,4 6,4 8,5
Tabelle 10 2500 6⅔ 7,1 7,1 9,5
Legende 11 2750 7⅓ 7,8 7,8 10,4
Zeitung (Petite) 12 3 3000 8 8,5 8,5 11,3
Buch, klein 13 3250 8⅔ 9,2 9,2 12,3
Buch, groß 14 3500 9⅓ 9,9 10,0 13,2
Foliant (Korpus) 15 3750 10 10,6 10,7 14,1
Titel (Cicero) 18 4500 12 12,8 12,8 17,1

Relative Größen[Bearbeiten]

Neben den absoluten Schriftgrößen, bei denen einem Schriftgrad eine bestimmte Länge zugeordnet werden kann, gibt es in der Computergrafik auch eine Maßangabe in Pixel (px). Während die reale Größe eines Pixels bei Geräten durch die Konstruktion festgelegt ist, kann es beim Drucken eines in Pixel angegebenen Schriftgrads zu Überraschungen kommen, wenn die Zuordnung nicht festgelegt wird. Deshalb ist z. B. bei CSS für Pixelwerte eine Umrechnung in DTP von 1 Zoll = 72 pt = 96 Pixel festgelegt.[4] Dadurch wird der relativen Schriftgröße eine absolute Schriftgröße zugeordnet. Andere in CSS definierte Einheiten wie "em" und "ex" beziehen sich auf die aktuell verwendete Schrift und sind deshalb erst mit Festlegung einer absoluten Schriftgröße umrechenbar.

Tabelle der Schriftgrade[Bearbeiten]

Im Bleisatzzeitalter musste jeder Schriftgrad eigens geschnitten werden. Die verwendeten Namen beziehen sich daher auf absolute Größen und nicht auf bestimmte Punktangaben in einem beliebigen System. So erklärt sich die Verschiebung der französischen Bezeichnungen zwischen Fournier- und Didot-Punkt.

Kegelhöhen verschiedener Schriftgrade aus dem Bleisatz[5]
Bezeichnung Fournier Didot Angelsächsisch
deutsch französisch fp mm dd alt (mm) neu (mm) pt Pica (mm) DTP (mm) englisch
Brillant Diamant 3 1,13 1,13 3 1,05 1,06 Excelsior
Diamant Sédanoise 4 1,50 1,50 4 1,40 1,41 Brilliant
Perl Parisienne 5 1,70 5 1,88 1,88 5 1,75 1,76 Pearl
Nonpareille Nonpareille 6 2,04 6 2,26 2,25 6 2,10 2,12 Nonpearl
Kolonel Mignone 7 2,38 7 2,63 2,63 7 2,45 2,47 Minion
Petit-texte 8 2,72 2,82 2,81
Petit Gaillarde 9 3,06 8 3,01 3,00 8 2,80 2,82 Brevier
Borgis Petit romain 10 3,40 9 3,38 3,38 9 3,15 3,18 Bourgeois
Korpus/Garmond Philosophie 11 3,74 10 3,76 3,75 10 3,51 3,53 Long Primer
Rheinländer Cicéro 12 4,08 11 4,14 4,13 11 3,86 3,88 Small Pica
Cicero St. Augustin 14 4,76 12 4,51 4,50 12 4,21 4,23 Pica
Mittel Gros-texte 16 5,44 14 5,26 5,25 14 4,91 4,94 English
Tertia 16 6,02 6,00 16 5,61 5,64 Columbian

Ab einem Schriftgrad von 4 Punkt gilt die „Deutsche Normalschriftlinie“. Die Unterscheidung „Grobe“ vor dem Schriftnamen weist oft auf eine Absenkung der Schriftlinie hin, um ein etwas größeres (groberes) Schriftbild auf einem gleich hohen Kegel unterzubringen.

Im Deutschen waren für die Didot-Grade teils auch noch weitere Bezeichnungen im Gebrauch: Non Plus Ultra (2 Didot-Punkt), Microscopique (2½), Insertio (6½), Paragon (18), Text (20), Kanon (36, klein: 32, grob: 42), Konkordanz (48), Missal (klein: 48, grob: 54), Sabon (60) sowie das Präfix Doppel für Cicero (24), Mittel (28) und Tertia (32).

Ab der „Kanon“ (36 Punkt) aufwärts bezeichneten die deutschen Namen nicht immer dieselben Schriftkegel. So findet man „Kanon“ für 32 und 36 Punkt, „Grobe Kanon“ für 40 und 42 Punkt, „Missal“ gar für 48, 54 und 60 Punkte. „Sabon“ und Bezeichnungen größerer Grade standen immer für verschiedene Kegelhöhen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Tschichold, 2001: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie, Kapitel Das typographische Maßsystem. Augsburg: Maro, ISBN 3-87512-413-8, ab Seite 53
  • Claudia Runk, 2006: Grundkurs Typografie und Layout, Abschnitt 1.7: Typografisches Maßsystem. Bonn: Galileo, ISBN 3-89842-406-5, Seiten 79 und 80
  • Eberhard Dilba: Typographie-Lexikon und Lesebuch für alle, 2. Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-2522-6, Seiten 130−132

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Williams, Jim: Type Matters! : Simple tips for everyday typography. Merrell Holberton Pub Ltd, 2012.
  2. Punktdichte, Wikibook Digitale bildgebende Verfahren Kapitel Wiedergabe
  3. CSS Values and Units Module Level 3 (Editor’s Draft)
  4. Festlegung des W3C
  5. nach Forssmann/de Jong: Detailtypographie (mit Millimetern, ohne Niederländisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schriftgrad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen