Klafter

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Die Längenmaße Schuh, Elle und Klafter am Alten Rathaus in Regensburg
Erwin Reidinger erklärt die Gründungsvermessung (1192) von Wiener Neustadt am Absteckpunkt beim ehemaligen Fischauer-Tor. Die symbolischen Absteck-Linien im Boden wurden in der Abmessung des Klafters bemessen

Das – seltener der, veraltet auch dieKlafter ist ein historisches Längen-, Raum- und Flächenmaß.

Längenmaß[Bearbeiten]

Als Längenmaß geht das Klafter auf die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines erwachsenen Mannes zurück und wurde traditionell mit 6 Fuß definiert, entsprach also etwa 1,80 m. In Österreich betrug seine Länge zum Beispiel 1,8965 m, in Preußen 1,88 m. In Bayern betrug ein Klafter hingegen lediglich etwa 1,75 m, in Hessen war es mit 2,50 m deutlich größer. Die Wiener oder niederösterreichische Klafter wurde durch Rudolf II. bereits am 19. August 1588 als Längenmaß festgelegt.[1] Als 1835 die schweizerischen Maßeinheiten über das metrische System definiert wurden, entsprach 1 Schweizer Klafter (zu 6 Fuß à 0,30 m) exakt 1,80 m.

Als maritimes Tiefenmaß entspricht dem Klafter der Faden.

Raummaß[Bearbeiten]

Hauptartikel: Holzklafter

Vom Längenmaß leitete sich das alte Raummaß für Scheitholz ab. Ein Klafter Holz entsprach einem Holzstapel mit einer Länge und Höhe von je einem Klafter; die Tiefe dieses Stapels entsprach der Länge der Holzscheite und damit in der Regel 3 Fuß, also 0,5 Klafter. Das Volumen eines Klafters Scheitholz betrug also nur 0,5 Kubikklafter. Dies wiederum entsprach, je nach Gegend, 3 bis 4 rm beziehungsweise etwa 2 bis 3 Festmetern Holz. Das altpreußische Klafter entsprach 3,339 ; in Österreich war ein Klafter äquivalent mit 3,386 m³.[2]

In der Schweiz, im Werdenfelser Land und in Teilen Unterfrankens entspricht ein Klafter Scheitholz seit der Einführung des metrischen Systems 3 m³ (Raummeter oder Ster) aufgeschichteten Brennholzes; üblicherweise sind die Scheite 1 m lang. 1 Klafter Brennholz entspricht damit etwa 2,2 Festmetern.

Auch Heu wurde im 19. Jahrhundert teilweise in Klaftern gemessen.[3]

Die Kubikklafter war nicht einheitlich. Regionsabhängig war das Maß von dem geltenden Fuß. Die Kubikklafter für Holz konnte abweichen. Hier das Beispiel für das österreichische Maß[4].

  • 1 Fuß (Wiener) = 140,131 Pariser Linien = 0,3161 Meter
  • 1 Kubikklafter (Wiener) = 216 Kubikfuß = 6,8224 Kubikmeter

Der Kubikfuß hatte allgemein 1728 Kubikzoll mit je 1728 Kubiklinien zu je 1728 Kubikpunkte.

  • 1 Kubikklafter (Wiener) = 6 Kubikklafter-Fuß zu 12 Kubikklafter-Zoll zu 12 Kubikklafter-Linien zu 12 Kubikklafter-Punkten
  • 216 Kubikfuß zu 1728 Kubikzoll zu 1728 Kubiklinien u. s. w.
  • 1 Wiener Kubikklafter = 6,82234457176 Kubikmeter
  • 1 Kubikklafter-Fuß = 1,1370574286 Kubikmeter
  • 1 Kubikklafter-Zoll = 94754785,7 Kubikmillimeter
  • 1 Kubikklafter-Linie = 7896232,1 Kubikmillimeter
  • 1 Kubikklafter-Punkt = 658019,3 Kubikmillimeter
  • 1 Kubikfuß = 0,0315749412 Kubikmeter
  • 1 Kubikzoll = 18249,3 Kubikmillimeter
  • 1 Kubiklinie = 10,56 Kubikmillimeter

Die Rahmklafter[5], wie ein Holzmaß in Österreich genannt wurde, gab es für langes und kurzes Brennholz.

  • 1 Rahmklafter langes Brennholz = 6 Fuß lang und hoch, 1 1/4 Ellen Scheitlänge etwa 111 Kubikfuß
  • 1 Rahmklafter kurzes Brennholz = 6 Fuß lang und hoch, 1 Ellen Scheitlänge etwa 90 Kubikfuß

Zwei Klafter rechnete man für einen Stoß.

Flächenmaß[Bearbeiten]

In Österreich umfasste 1 Joch (mit dem die Größe von Feldern gemessen wurde) 1600 Quadratklaftern mit der Kantenlänge 8 Klafter mal 200 Klafter, folglich etwa 5754 m² bzw. 0,575 ha. 1 Quadratklafter (Wiener) entsprach 3,5979 Quadratmeter.[6]

Im schweizerischen Churer Rheintal und im Prättigau wurde das Wiesland in Klaftern gemessen.[3]

Im angrenzenden Fürstentum Liechtenstein ist das Quadratklafter heute noch zur Messung von Grundstücksflächen gebräuchlich. 1 m² entspricht 0,27804 Quadratklafter, 1 Quadratklafter entspricht 3,59665 m². Das Klafter als Längeneinheit war dort folglich ca. 1,8965 m lang.

Die Quadratklafter war in Darmstadt 1 Quadratklafter = 100 Quadratfuß = 10000 Quadratzoll = 6,25 Quadratmeter[7]

Anderssprachige Bezeichnungen für Klafter[Bearbeiten]

Umrechnungstabelle von 1838[8]

  • Kanton Neuenburg, Kanton Bern (französischsprachiger Teil)
    • 1 Toise = 10 Fuß (pieds)[9]
  • Kanton Wallis (französischsprachiger Teil)
    • 1 Klafter = 6 französische Fuß (pieds de roi)[9]
  • Kanton Waadt (ab 1822 metrisch basiert)
    • 1 Toise = 10 Fuß (pieds) = 3,00 Meter
    • 1 Toise carrée (Quadratklafter) = 100 Quadratfuß = 9,00 Quadratmeter
    • 1 Toise cube oder Toise courante (Kubikklafter) = 1000 Kubikfuß = 27 Kubikmeter
  • Kanton Tessin
    • 1 Spazzo = 6 Fuß (piedi) = 1,808 Meter
    • 1 Tesa = 6 Fuß (piedi) = 1,80 Meter (1851 eingeführt)[9]
  • Frankreich
    • 1 Toise usuelle = 6 Pieds = 2 Meter = 1,026148 Pariser Toise (alt)
  • Piemont während der französischen Herrschaft
    • 1 Tesa = 5 Piedi manuali = 759,17 Pariser Linien = 3,0826 Meter
  • Mailand unter französischer Besatzung
    • 1 Cavese di Modena, Modeneser Klafter = 6 Modeneser Fuß (1 Fuß = 281,2 Pariser Linien = 0,63433 Meter)
  • Russland
    • 1 Saschen = 3 Arschin = 2,13356 Meter
  • Polen
    • 1 Sazen = 8 Fuß
  • Spanien und ehemalige Kolonien
    • 1 Toesa, Braza, Estado = 2 Varas = 6 Pies
  • Portugal, auch Brasilien (Wert abweichend )
    • 1 Braça = 2 Varas = 8 Polegadas
  • Italien, Spanien, Frankreich, Nordküste Afrika
    • 1 Cañe, Canne (große Elle)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Jäckel: Zimmentirungs Lexikon für alle Handels- und Gewerbsleute nach den österreichischen Zimmentirungsschriften. Anton Strauß, Wien 1824, S. 108.
  2. Peters: Rechne, schreibe, rechne richtig! Völlig neu überarbeitete Auflage. Buchgemeinschaft Donauland, Wien 1964, S. 456.
  3. a b Schweizerisches Idiotikon Bd. III Sp. 633, Artikel Chlāfter.
  4. Benjamin Scholz, Joseph Franz Jacquin: Anfangsgründe der Physik als Vorbereitung zum Studium der Chemie. Camesina Buchhandlung, Wien 1816, S. 133.
  5. Illustrierter Bürger-Calender für alle Kronländer der österreichischen Monarchie. Jahrgang 1852, Anton Schweiger, Wien 1852, S. 147.
  6. Johann Conrad Gernrath: Abhandlung der Bauwissenschaften oder Theoretisch-praktischer Unterricht in der gemeinen bürgerlichen Baukunst, in dem Strassenbau (etc.). J. G. Gastl, Brünn 1825, S. 573.
  7. Christian Noback, Friedrich Eduard Noback: Vollständiges Taschenbuch der Münz-, Maass- und Gewichtsverhältnisse, der Staatspapiere, des Wechsel- und Bankwesens und der Usancen aller Länder und Handelsplätze. Band 1, F. A. Brockhaus, Leipzig 1851, S. 215, 463.
  8. Gesellschaft Gelehrter und praktischer Kaufleute: Allgemeine Enzyklopädie für Kaufleute und Fabrikanten so wie für Geschäftsleute überhaupt: oder, Vollständiges Wörterbuch. Verlag Otto Wigand, Leipzig 1838.
  9. a b c Anne-Marie Dubler: Klafter im Historischen Lexikon der Schweiz.