Prora

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Seebad Prora)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Prora (Begriffsklärung) aufgeführt.

54.43888888888913.5754Koordinaten: 54° 26′ 20″ N, 13° 34′ 30″ O

Prora
Gemeinde Binz
Höhe: 4 m
Eingemeindet nach: Binz
Postleitzahl: 18609
Vorwahl: 038393
Luftbild von Prora (2011)

Luftbild von Prora (2011)

Der „Koloss von Prora“ im Antlitz der ehemaligen NVA-Kaserne von der Meerseite
Plan Prora 1945/2009

Prora ist ein Ortsteil der Gemeinde Binz auf Rügen. Er ging aus dem zwischen 1936 und 1939 gebauten, jedoch unvollendet gebliebenen KdF-Seebad Rügen hervor.

Im Komplex sollten durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten eingestellt. Um 1950 begann der Aus- und Umbau weiter Teile des nunmehr Prora genannten Torsos zu einer der monumentalsten Kasernenanlagen in der DDR. Das unbefugte Betreten des Strandes war streng verboten. In der Wahrnehmung zweier Generationen war Prora eine Kaserne, die infolge der politischen Wende aus dem kollektiven Bewusstsein geriet.[1]

Heute ist der Koloss von Prora der Kern des Komplexes: acht auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern entlang der Küste aneinandergereihte baugleiche Häuserblocks, die ursprünglich Gästehäuser werden sollten. In einem der Blöcke befindet sich eine Jugendherberge.[2] Weitere Teile des gewaltigen Bauwerks werden zu Ferienwohnungen ausgebaut.

Einfluss auf die Bewertung des Ortes im Sinne seiner doppelten Vergangenheit in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR nahm die Initiative Denk-MAL-Prora.

Lage[Bearbeiten]

Prora liegt auf der Ostseeinsel Rügen zwischen den Orten Sassnitz und Binz an der Prorer Wiek, einer weitläufigen Meeresbucht, auf der so genannten Schmalen Heide (mit der Prora, einer bewaldeten Hügelkette), die den Kleinen Jasmunder Bodden vom Prorer Wiek der Ostsee trennt. Kern des Ortes ist der Koloss von Prora. Dieser Gebäuderiegel erstreckt sich über eine Länge von etwa fünf Kilometern in einem Abstand von circa 150 Metern zum Strand. Die Küste der Schmalen Heide bietet einen langen flachen Sandstrand, der von Binz bis zum neuen Fährhafen Sassnitz im Ortsteil Neu Mukran reicht und ideal für die Errichtung eines Seebades war. Der Bereich zwischen Gebäuden und Küste ist heute mit Kiefern und niedrigem Gebüsch bewachsen.

Der Name Prora ist vermutlich slawischen Ursprungs, seine genaue Bedeutung ist unbekannt. Ursprünglich bezeichnete er nur eine bewaldetete Hügelkette im Süden der Schmalen Heide. Im 19. Jahrhundert wurde ein Forsthaus gebaut, das ebenfalls den Namen Prora erhielt.[3]

Hintergrund[Bearbeiten]

„Koloss von Prora“ von der Landseite mit rechtwinkelig herausragenden Treppenhäusern mit Sanitäranlagen

Während der Zeit des Nationalsozialismus betrieb der Staat eine umfangreiche, ideologisch und propagandistisch geprägte Sozialpolitik. Die Organisation Kraft durch Freude sollte durch Projekte wie den KdF-Wagen und preisgünstigen Urlaub den Lebensstandard der Bevölkerung heben. Neben Kreuzfahrten auf KdF-eigenen Schiffen war der Bau von insgesamt fünf Seebädern für jeweils 20.000 Personen geplant, die es der Bevölkerung ermöglichen sollten, jeweils zwei Wochen im Jahr Urlaub zu machen. Das einzige in Teilen realisierte Bauprojekt aus diesem Plan ist das KdF-Seebad Rügen, Prora. Die KdF hatte vier Kreuzfahrtschiffe: Wilhelm Gustloff (ab 1938), Der Deutsche (ab 1935), Dresden (ab 1934) und Robert Ley (ab März 1939).

Architektur und Konzeption[Bearbeiten]

Panorama der Seeseite eines Blocks des Prora-Komplexes (der Eindruck der Krümmung entsteht durch den nahen Sichtpunkt und Zylinderprojektion)
Panorama der Landseite eines Blocks des Prora-Komplexes im DDR-typischen grauen Rauputz.

Der Auftrag zur Errichtung des Seebades wurde nach einer Ausschreibung im Februar 1936 an den Architekten Clemens Klotz (1886–1969) erteilt. Zwar waren insgesamt zehn renommierte Architekten an dem Verfahren beteiligt, allerdings hatte Klotz bereits andere nationalsozialistische Propagandabauten errichtet und im Auftrag seines Förderers, des KdF-Führers Robert Ley, auch für diese Anlage vorher schon Pläne entwickelt. Sie wurden nach dem Wettbewerb auf Weisung Hitlers nur dahingehend modifiziert, dass aus dem Entwurf des Architekten Erich Putlitz die große Festhalle als weiteres zentrales Element übernommen und architektonisch angepasst wurde. Der Gesamtentwurf wurde auf der Weltausstellung in Paris 1937 mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Er wurde während der Bauausführung bis 1939 noch verändert; zum Beispiel verzichtete man auf die genannte Festhalle.

Typisches Zimmer aus der Zeit der Kasernennutzung des Gebäudes im vierten Stock (Zustand November 2010)

Die Planungen sahen vor, für die Unterbringung der Urlauber acht jeweils 550 Meter lange, sechsgeschossige, völlig gleichartige Häuserblocks mit insgesamt 10.000 Gästezimmern zu errichten. Durch diese langgestreckte, über etwa fünf Kilometer entlang der Küstenlinie reichende Bauweise sollte erreicht werden, dass alle Zimmer Meerblick hatten, während die Flure zur Landseite hin gelegen waren. Die geplante Ausstattung der nur 2,5 mal 5 Meter großen Zimmer, von denen jeweils zwei mittels einer Tür verbunden werden konnten, war an heutigen Maßstäben gemessen recht karg: zwei Betten, eine Sitzecke, ein Schrank und ein Handwaschbecken. Weitere sanitäre Einrichtungen fanden sich jeweils in den landwärts gerichteten Treppenhäusern der Blocks. Alle Gästezimmer sollten über Lautsprecher verfügen.

Aus der Uniformität der Architektur der Gästeblocks und der sehr zweckmäßigen Einrichtung, die zusammengenommen eine Errichtung nach dem Baukastenprinzip erlaubten, wird deutlich, dass hier anders als bei anderen nationalsozialistischen Großprojekten zumindest in diesem Teil der Anlage die Funktionalität über die Architektur gestellt wurde.

Das Leben in der Ferienanlage sollte, dem totalitären Anspruch des Systems folgend, in der Gemeinschaft stattfinden. Zu diesem Zweck waren Gemeinschaftshäuser mit Gastronomie- und Wirtschaftsräumen sowie Kegelbahnen und Leseräumen geplant, die in regelmäßigen Abständen „wellenbrecherartig“ küstenwärts aus der Häuserfront heraus gebaut wurden. Offene, beheizbare Liegehallen innerhalb der Bettentrakte sollten den Urlaub vom Wetter unabhängiger machen.[4] Als weitere Gemeinschaftseinrichtungen sollten unter anderem zwei Wellenschwimmbäder, ein Kino und mehrere Gastronomiebetriebe errichtet werden. Weitere zentrale Elemente der Anlage waren der in der Mitte zwischen den Blocks geplante Aufmarschplatz und die Kaianlagen, die ein Anlegen von Seebäderschiffen ermöglichen sollten.

Parallel zu den Anlagen für die Urlauber musste die komplette Infrastruktur für eine derartige Menge Menschen aufgebaut werden. Landeinwärts wurden zu diesem Zweck ein Bahnhof, Personal- und Wirtschaftsgebäude geplant und auch zum Teil realisiert.

Von der ursprünglichen Planung der Hauptanlage konnten bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges nur die Bettenhäuser und die südliche Festplatzrandbebauung fertiggestellt werden. Baudirektor und Oberbauleiter war Willi Heidrich. Nach dem Krieg wurde der südlichste Block von der Roten Armee gesprengt und abgetragen und die beiden nördlichen Blocks nach Sprengübungen als Ruine hinterlassen. Der nachfolgende Nutzer, die Kasernierte Volkspolizei, komplettierte bis 1956 die Rohbauten. Da diese als Kasernen aber in erster Linie zweckmäßig sein mussten und die Originalpläne nicht mehr verfügbar waren, lässt sich an den Blocks heute zum Teil deutlich nachweisen, in welcher Periode Teile des Baus ergänzt wurden.

Heute steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz. Kritiker wie der Historiker Stefan Wolter bemängeln, dass der Denkmalschutz sich lediglich auf das unvollendete KdF-Modell, nicht aber auf die tatsächliche Nutzungsgeschichte des Kolosses und somit auf die Geschichte zweier Diktaturen bezieht. Daher greife der Denkmalschutz bei den gegenwärtigen Bauarbeiten an den Blöcken vor allem im äußeren Erscheinungsbild, das Innenleben werde nahezu ausnahmslos getilgt.[5]

Bau[Bearbeiten]

Das KdF-Seebad Rügen während der Bauphase

Die für das Seebad Rügen benötigten Flächen wurden durch die KdF-Organisation bereits 1935 von Malte von Putbus erworben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Mai 1936, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Ausschreibung für das Bauvorhaben noch lief. Der Termin war aber bewusst so früh gewählt worden, weil es sich um den symbolträchtigen dritten Jahrestag der Gewerkschaftszerschlagung handelte. Die eigentlichen Arbeiten begannen erst ein halbes Jahr später.

In den drei Jahren zwischen 1936 und 1939 wurden die acht Gästeblöcke errichtet. Neun renommierte Baufirmen (Philipp Holzmann, Hochtief, Dyckerhoff & Widmann, Siemens-Bauunion, Boswau & Knauer, DEUBAU, Sager & Woerner, Polensky & Zöllner, Beton- und Monierbau) waren an den Bauarbeiten beteiligt, es arbeiteten zeitweise 9.000 Bauarbeiter am KdF-Seebad Rügen. Außer der Firma Sager & Woerner (Bau der Kaianlage) errichteten alle anderen beteiligten Baufirmen jeweils einen Block, es entwickelte sich dabei eine Art Wettbewerb um die schnellste Bauleistung.

Damals fanden die Bauarbeiten internationale Beachtung. So wurde bei der Weltausstellung 1937 in Paris ein Modell des Seebades Prora mit einem Grand Prix ausgezeichnet.[6] Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass die von DAF-Chef Robert Ley vorgegebene Kostengrenze in Höhe von 50 Mio. Reichsmark (40 Mio. RM Baukosten und 10 Mio. RM Ausstattung) deutlich überschritten werden würde. Eine von der KdF-Bauleitung 1938 erstellte „Kostenzusammenstellung zum Neubau des KDF-Seebades Rügen“ bezifferte die Baukosten auf 237,5 Mio. RM (heutiger Gegenwert etwa 800 Mio. € bis 1 Mrd. €).[7]

Bei Kriegsbeginn 1939 wurden die Bauarbeiten weitgehend gestoppt. Mit Ausnahme eines Blocks waren die acht Wohnblöcke, die südliche Festplatzrandbebauung und die Kaianlage bereits im Rohbau fertiggestellt, nicht jedoch die Schwimmbäder, die Festhalle und weite Teile der Wirtschaftsgebäude. Sie wurden niemals verwirklicht. An den Rohbauten wurden noch die nötigsten Sicherungsarbeiten durchgeführt, dann wurden die Bautätigkeiten endgültig eingestellt. Das angelieferte Baumaterial verblieb vor Ort, was auf eine geplante Wiederaufnahme der Arbeiten nach Kriegsende schließen lässt.

Nutzung[Bearbeiten]

1939–1945[Bearbeiten]

Im Krieg diente ein Teil der späteren Wohnhäuser der Anlage als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und ein Polizeibataillon. Die Rohbau-Blöcke des Kolosses an sich blieben unbewohnbar. 1943 wurden Teile des südlichen Blocks ausgebaut, um Ersatzquartiere für im Rahmen der Operation Gomorrha ausgebombte Hamburger zu schaffen. Ab 1944 unterhielt die Wehrmacht in Prora ein kleines Lazarett. Gegen Ende des Krieges fanden auch Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Prora eine Bleibe, wiederum zumeist in den späteren Wohnhäusern.

1945–1990[Bearbeiten]

Die Nutzungsgeschichte des Kolosses von Prora rückt infolge der Bemühungen der Initiative Denk-MAL-Prora erst in jüngerer Zeit allmählich ins Bewusstsein. Historiker Stefan Wolter, der von einem kollektiven Verdrängen hinsichtlich der Nutzung der Anlage in der DDR spricht, sieht Prora als ein „Symbol für die heimliche Aufrüstung in der DDR“ und als eine „Welle im Getriebe der Militarisierung der DDR-Gesellschaft“. Aufstieg und Fall des DDR-Regimes, der Bau und der friedliche Fall der Mauer, seien mit den Geschehnissen in Prora verknüpft. Andererseits gehörte Prora wegen seines militärischen Drills und seiner Abgeschiedenheit zu den berüchtigsten Kasernenanlagen des Landes, mit Suiziden und tödlichen Unfällen, deren Zahl „in die hundert“ ging. Details wurden verschleiert und sind vielfach bis heute nicht bekannt, doch etliche Zeitzeugenberichte bestätigen die Verzweiflungstaten junger Soldaten.[8][9] Die Tatsache, dass viele junge Männer entgegen ihrem Willen in Prora stationiert waren und die Blöcke in der weiteren Baugeschichte eine von den ursprünglichen Planungen abweichende Entwicklung genommen haben, gebiete es, die irreführende, mittlerweile jedoch gängige Bezeichnung ehemaliges KdF-Seebad zu vermeiden und stattdessen besser vom Koloss von Prora zu sprechen, was beiderlei Vergangenheiten einschließt.[10]

Als ab Mai 1945 die Sowjetunion die Kontrolle auf Rügen übernahm, wurde die Anlage zunächst zur Internierung von Grundbesitzern und weiterhin zur Unterbringung von Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten genutzt. Teile der Anlagen wurden für den Abtransport als Kriegsreparationen demontiert. Zwischen 1948 und 1953 wurde das Gelände von der Roten Armee genutzt, die den südlichsten Rohbau sprengte und abtrug. An den beiden nördlichsten Häuserblocks wurden ebenfalls Sprengübungen durchgeführt. Die Bauten wurden dabei aber nur schwer beschädigt und blieben teilweise stehen. Stationiert war hier die sowjetische 13. Panzerjäger-Brigade. In der Nachbarschaft betrieb die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ 1949 ihr 1. Pionierlager „Georgij Dimitroff“. Eingeschworen wurde die Jugend auf den zweiten deutschen Staat, der im Oktober 1949 gegründet wurde.

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die künftige Nutzung des damals nach dem nördlich benachbarten Ort Mukran benannten Komplexes noch öffentlich diskutiert. Vorgeschlagen wurde dabei der weitere Ausbau zu einem Erholungsort. „Wenn man bedenkt, daß für diese Bauten Arbeitergelder von etwa 60 Millionen Mark aufgewendet wurden, kann es wohl kaum ein anderes Ziel geben, als diese Badeanlage für die Werktätigen weiter auszubauen“ hieß es in einem Pressebericht. Auch die Nutzung als Industriegebiet wurde diskutiert.[11]

Bald darauf war aber der militärische Ausbau der Anlage beschlossene Sache. Nachdem Ansprüche des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) auf die Anlage abgelehnt worden waren, gab es in Prora bereits 1949 eine Infanterieschule für knapp 1000 Mann. 1950 ging daraus eine kasernierte Polizeibereitschaft hervor, die in die 1952 gegründete Kasernierte Volkspolizei integriert wurde. Aus ihr ging 1956 die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR hervor. Prora beherbergte erstmals in seiner Geschichte rund 10.000 Mann. Das Gebiet um die Prora-Blöcke wurde um 1950 zum Sperrgebiet erklärt. 1953 beteiligten sich Proraer Volkspolizisten an der Aktion Rose, zudem rückten sie zur Niederschlagung des Volksaufstandes nach Berlin aus.[12]

Auch die stalinistische Ära schätzte Monumentalbauten. Bis 1956 waren die KdF-Ruinen zu gewaltigen Kasernen umgebaut, der weitere Ausbau erfolgte bis in die 1980er Jahre hinein. Erst jetzt erhielten die Blöcke Zimmer, Türen, Fenster, Installationen und den bis heute sichtbaren grauen Rauputz. Als in den 1980er Jahren seeseitig neue Fenster eingesetzt wurden, führte das zu einer Verknappung der Alurahmen in der Republik. Krankenhäuser mit geplanten OP-Erweiterungen mussten warten, weil Prora als Landesverteidigungsobjekt Vorrang hatte.[13]

Zunächst waren in Prora militärische Kampfverbände stationiert, darunter das zur Absicherung des Mauerbaus in Berlin mit herangezogene Motorisierte Schützenregiment 29 (MSR-29). Ab 1960 (zunächst getarnt, erst ab 1962 offiziell) bis 1982 war in Block V am Standort der heutigen Jugendherberge Prora das Luftsturmregiment 40, ein Eliteverband der NVA Landstreitkräfte, disloziert.

Ab Ende der 1970er Jahre dienten die Kasernen in der Hauptsache der militärischen Ausbildung; in Block V entstand ab November 1982 zudem der größte Standort für Bausoldaten; bis zu 500 zeitgleich stationierte Waffenverweigerer und Regimegegner, die am Bau des in der nördlichen Umgebung des Objektes gelegenen Fährhafens Mukran zu arbeiten hatten. Sie hatten Repression und Willkür zu ertragen; berufliche Aufstiegschancen blieben ihnen später vielfach versagt. Mit ihrer grundsätzlichen Einstellung der Gewaltlosigkeit wurden sie zu Wegbereitern für die Friedliche Revolution. Auch in Prora engagierten sie sich politisch: 1984 gelang es Bausoldaten, erstmals in der DDR eine Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen aufzudecken. Das Gebäude der heutigen Jugendherberge Prora wurde zu einem Sammelbecken andersdenkender, kreativer Jugendlicher. Ein Stockwerk unter ihnen befand sich eine Einheit der Verwaltung 2000, eine Sondereinheit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) innerhalb der NVA, deren Aktivitäten bis heute (2014) nicht aufgeklärt wurden. Viele Jugendliche erlebten Prora in den 1980er Jahren als einen prägenden Ort, nicht selten verbunden mit traumatischen Erfahrungen. Sie empfanden das Gebäude wie ein Gefängnis, der Strand war verbotenes Terrain. Eine an der Universität Mainz getätigte Untersuchung des Buches Der Prinz von Prora, das eine Debatte über die Nutzungsgeschichte angestoßen hatte, bestätigt die Totale Institution.[14] Vielen Zeitzeugen fällt es schwer, über diese Zeit zu sprechen. Etliche betraten auch nach der politischen Wende den Ort, inzwischen tourismusstrategisch zum „ehemaligen KdF-Seebad“ erklärt und als solcher vermarktet, nie wieder.[15][16] Unmittelbar neben ihnen, im südlichen Abschnitt von Block V, war eines der größten Reserveausbildungsregimenter der DDR stationiert, was die systemstabilisierende Funktion Proras in der DDR unterstreicht. Allein mit dem Gelände der heutigen Jugendherberge werden weit mehr als ein Dutzend Todesfälle durch Suizid und Unfälle in den Jahren zwischen 1950 und 1990 in Verbindung gebracht.[17]

Im benachbarten Block IV wurden seit 1981 Soldaten aus politisch befreundeten Entwicklungsländern wie Äthiopien und Mosambik an der Offiziershochschule für die Ausbildung ausländischer Militärkader „Otto Winzer“ gegen Devisen ausgebildet. Diese Ausbildung gilt heute vielfach als umstritten, unter anderem, weil etliche der Länder Konfliktherde darstellen. Der jüngste ausgebildete Offizier war erst 15 Jahre alt, was allerdings schon damals nicht kritiklos hingenommen wurde.[18]

In Prora-Ost befand sich die Militärtechnische Schule „Erich Habersaath“ der NVA, wozu auch die einzige Ausbildungsmöglichkeit für Militärmusiker in der DDR gehörte. Die Schüler wurden mit Einwilligung der Eltern bereits mit 16 Jahren aufgenommen.[19] Viele von ihnen finden diesen Berufseinstieg heute als beschämend. Etliche erhielten an der Militärtechnischen Schule eine bis heute geschätzte Ausbildung in technischen Berufen. Auch von ihnen sprechen nur wenige über diese Zeit; die heutige Fokussierung auf das nie in Betrieb gegangene Seebad nehmen sie als Teil der Abwicklung der DDR-Geschichte hin. Bis zum Jahr 1990 hatten mehr als eine halbe Million junge Männer die auf Verteidigung nach außen und Disziplinierung nach innen (Wolter) zielenden Proraer Kasernen erlebt.

Der südlichste Teil der Anlage (heute Block I) stand Angehörigen von NVA und Grenztruppen als Erholungsheim (benannt nach Walter Ulbricht), Campingplatz, Kinderferienlager und Ferienort zur Verfügung.

Seit 1990[Bearbeiten]

Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 übernahm die Bundeswehr den Komplex, stellte die Nutzung Ende 1992 ein und verließ Prora. Seit Anfang 1993 ist die Anlage öffentlich zugänglich. Durch eine „Allianz von Unwissenheit westlich sozialisierter Historiker einerseits und interessenbedingter Verdrängung vor Ort andererseits“ (Wolter) rückte einseitig die bis dahin nicht thematisierte Planungsgeschichte des KdF-Seebades in den Fokus.[20] Dabei erkannten Politik und Medien das Potenzial für den Tourismus - und verkannten zugleich die ebenfalls gebotene Aufarbeitung der Geschichte der SED-Diktatur. 1994 wurde der Koloss als eine der größten Hinterlassenschaften des NS-Regimes unter Denkmalschutz gestellt. Seither weisen Wegweiser das „KdF-Seebad“ aus, womit die beinahe ein halbes Jahrhundert währende Ausbau- und Nutzungsgeschichte der Blöcke unter dem DDR-Regime übergangen wurde. Die Kasernen wurden weithin entkernt und die Kasernenruinen zu „KdF-Ruinen“ stilisiert, obgleich ihr Aussehen nur wenig mit dem geplanten Seebad zu tun hat und sie auch nicht einen Tag als solches genutzt wurden. Schon das verbietet die heute geläufige Gleichsetzung mit anderen Monumentalbauten aus der NS-Zeit, etwa dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Die Geschichte der NVA blieb einem privat geführten Museum überlassen, das zum Teil von ehemaligen Proraer Offizieren betrieben wird und daher ebenfalls eine eingeschränkte Sichtweise auf den Komplex vermittelt. Mit den Jugendevents Prora 03, Prora 06 und Prora 10 nahm die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern wiederum Einfluss auf die Wahrnehmung des Ortes im Sinne des KdF-Seebades. Die Mahnung, an die reale Geschichte an diesem Ort zu erinnern, ging wiederum von jenen aus, die sich in Prora schon einmal dem Mainstream widersetzen mussten - ehemalige Bausoldaten. Die Prora-Trilogie (2005-09)[21] von Stefan Wolter und in der Folge die Schriftenreihe Denk-MAL-Prora (2011-14), welche neben der Aufarbeitung auch die vielen Diskussionen der jüngsten Zeit widerspiegeln, verändert allmählich die Wahrnehmung. Während sich die Politik (auch aufgrund der Privatisierung der Anlage) neuerdings weitgehend zurückhält, beharren jedoch selbst die öffentlich-rechtlichen Medien weiterhin auf der einseitigen Beurteilung des Ortes als geplantes NS-Bad. Zur Eröffnung der Jugendherberge Prora im Jahr 2011 fokussierte eine Medienkampagne auf die frühe Bauphase des Gebäudes und schaltete Kritiker regelrecht aus.[22][23] Auch in den meisten Reiseführern zu Rügen ist so gut wie nichts zu den Bemühungen um die Transparenz der DDR-Geschichte zu erfahren.[24]

Bis heute divergieren die Interessen der Tourismusindustrie, die am Standort der Jugendherberge aus „grau = bunt“ machen will und Zeitzeugen, die ein Recht darauf haben, dass ihre Geschichte endlich umfassend aufgearbeitet und auch vermittelt wird. Wegen dieser Schwierigkeiten und dem ausstehenden Aufbau eines Bildungszentrums richtete Stefan Wolter 2012 einen offenen Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck[25] sowie 2013 an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in den Proraer Kasernen 1990 ihr Direktmandat für den Bundestag geholt hatte.[26] Beide Schreiben, in denen Wolter eine „beispiellose Verharmlosung der SED-Diktatur“ beklagt, blieben unbeantwortet. Die Weiterentwicklung des Ortes nach dem Krieg, wie sie etwa bei der Stadt-des-KdF-Wagens bei Fallersleben (heute =Wolfsburg) akzeptiert wird, wird infolge des Rückbaus der DDR-Gebäude und der Restaurierung der Anlage nach NS-Originalplänen (unter Verzicht der Dokumentation der Spuren der tatsächlichen Geschichte der Blöcke) immer schwerer vermittelbar. Während dem KdF-Wagen in der NS-Propaganda eine weitaus höhere Bedeutung zukam, wird doch die Geschichte von Wolfsburg nicht annähernd so vehement präsentiert, wie die des geplanten Seebades. Andere NS-Planungen, etwa die der Welthauptstadt Germania, wurden als Geschichte ad acta gelegt. In Prora aber ist das fragwürdige Kuriosum (Wolter) gegeben, dass die KdF-Anlage erst in diesen Tagen nach Originalplänen vollendet und als Seebad erlebbar gemacht wird. Aufsehen erregte, als die heutigen Bauherren von Block II im Jahr 2013 „Richtfest nach 73 Jahren“ feierten. Das war in der DDR einer der Stationierungsorte des berüchtigten MSR-29 und später unter anderem des Raketenausbildungszentrums (RAZ-40) sowie der Militärmusikschule.[27]

Im Einzelnen: Da die unter Denkmalschutz stehenden Bauten zunächst nicht durch die Bundesvermögensverwaltung verkauft werden konnten, wurden an weiten Teilen der Anlage nur die unbedingt erforderlichen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Ansonsten wurden die leerstehenden Bauten dem Verfall und Vandalismus preisgegeben.

Museumsmeile Prora,
aufgenommen 2004

Eine Ausnahme hiervon bildete zunächst nur der Block 3, Prora Mitte, der von 1995 bis 2005 die Museumsmeile Prora mit einem KdF-Museum (Museum Prora), Museum der NVA, Rügen-Museum und diversen Sonderausstellungen, die Bildergalerie Rügenfreunde und ein Wiener Kaffeehaus beherbergte. Ein von Prof. Joachim Wernicke betriebenes „Museum zum Anfassen“ ist 2004 geschlossen worden, ebenso wie ein dort ebenfalls ansässiges Boxsportmuseum.

Zwischen 1993 und 1999 befand sich hier die größte Jugendherberge Europas, ab 2002 das One World Camp Youth Hostel mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten, dessen Mietvertrag im Hinblick auf mögliche Verkäufe aber nicht verlängert wurde.

Vom 22. bis 24. August 2003 fand im Gelände rund um Block V unter dem Motto „Wer, wenn nicht wir! Wo, wenn nicht hier!“ ein vom Land Mecklenburg-Vorpommern organisiertes und finanziertes Wochenend-Sommerfest (Prora03) mit rund 15.000 internationalen Teilnehmern statt. Während die tatsächliche Nutzung des Gebäudes ausgeblendet blieb, lenkten Verantwortliche in Politik, Kirche und Gesellschaft den Blick auf das nie vollendete KdF-Seebad.[28] Nicht unumstritten blieb, als der heutige Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, in mitternächtlicher Stunde zu Aufklärungszwecken aus Hitlers "Mein Kampf" vorlas.[29] 2006 fand vom 30. Juni bis zum 2. Juli eine Neuauflage dieser Veranstaltung unter dem Titel Prora06 statt. Die Wiederholung Anfang September 2010 wurde ein teurer Flop, bei dem es zu Auseinandersetzungen mit rechtsextremen Jugendlichen kam. Wiederholt hatten im Vorfeld ehemalige Waffenverweigerer vergeblich gefordert, gerade an diesem Platz den Blick auf die Friedenszeichen der unabhängigen Friedensbewegung wie Schwerter zu Pflugscharen! zu lenken. [30]

Jugendherberge 2012

Neben dem ehemaligen Haus der NVA, einst geplant als Theater, betreibt die Stiftung Neue Kultur seit dem Jahr 2000 das Dokumentationszentrum Prora, das eine Dauerausstellung beherbergt und Wechselausstellungen anbietet, zumeist mit Themen zur NS-Geschichte, die jedoch dazu verleiten, die Anlage einseitig als NS-Relikt zu interpretieren.

Treppenhaus im südlichen Gebäudeteil,
aufgenommen 2010

In der südlichen Festplatzrandbebauung befindet sich seit 2000 das Dokumentationszentrum Prora. Hier wird neben Sonderausstellungen unter anderem die Dauerausstellung „MACHTUrlaub – Das KdF-Seebad Rügen und die deutsche Volksgemeinschaft“ gezeigt, in der vor allem die Planungs- und frühe Baugeschichte der Anlage dokumentiert wird. Thematisiert werden dabei sowohl die Hintergründe des Projekts als auch seine Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Propaganda. Außerdem organisiert das Dokumentationszentrum Prora seit 2001 jährlich eine Begegnungswoche von ehemaligen (vorwiegend polnischen) Zwangsarbeitern mit Schülerinnen und Schülern aus Mecklenburg-Vorpommern und ist in der Bildungsarbeit aktiv.[31] Der Vorsitzende des Dokumentationszentrums Prora ist der Historiker, Publizist und Rabbiner Andreas Nachama. Zum wissenschaftlichen Beirat des Dokumentationszentrums gehören unter anderem der Architekturhistoriker Wolfgang Schäche, der Politikwissenschafter Johannes Tuchel, die Zeithistoriker Peter Steinbach, Wolfgang Benz und Hans-Ulrich Thamer.[32]

Seit 2004 gelang es zunehmend, die anderen Blöcke der Anlage einzeln zu veräußern, wobei ein Abschluss der Entwicklungen hin zu einer definitiven Nutzung für die gesamte Anlage noch nicht erreicht scheint:

Am 23. September 2004 wurde Block 6 für 625.000 Euro an einen unbekannten Ersteigerer veräußert. Block 3, die ehemalige Museumsmeile, wurde am 23. Februar 2005 an die Inselbogen GmbH verkauft, die in der Folgezeit den Betreibern der dort ansässigen Museen kündigte und eine Nutzung als Hotel- und Kulturbetrieb ankündigte. Im Oktober 2006 wurden die Blöcke 1 und 2 an die Prora Projektentwicklungs GmbH in Binz veräußert. Diese hatte Block 1 schon im Vorfeld an den österreichischen Investor Johann Christian Haas verkauft, der die finanziellen Mittel bereitstellte. Der Bebauungsplan wurde gemeinsam entwickelt. Die Pläne der neuen Eigentümer sahen in den beiden Blöcken südlich der jetzigen Museumsmeile vor allem Wohnungen vor. Für das Erdgeschoss war eine Mischung aus Kultur, Kunst, Gastronomie, Kleingewerbe und Einkaufsmöglichkeiten geplant. Nach Abschluss der Planungen und Erreichung der Planungssicherheit verkaufte Haas - Investor und Immobilienhändler - Block 1 erneut. Bei einer Auktion am 31. März 2012 wurde die Immobilie von einem Berliner Investor für 2,75 Millionen Euro erworben.[33]

Flur im vierten Stock des südlichen Gebäudeteils,
aufgenommen 2010

Im November 2006 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem Landkreis Rügen einen Kaufvertrag über Block 5 abgeschlossen. Der Landkreis Rügen beabsichtigte in Block 5 mit finanzieller Unterstützung von Bund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der EU die Errichtung einer Jugendherberge mit ca. 400 Betten für das DJH. Ein internationaler Jugendzeltplatz mit 250 Plätzen ist seit September 2007 geöffnet.[34][35]

Seit 2007 befindet sich das PRORA-ZENTRUM Bildung-Dokumentation-Forschung in einem provisorischen Workshop- und Ausstellungsraum im Block 5 beim Jugendzeltplatz. Der gemeinnützige Verein betreibt seit 2001 historisch-politische Bildungsarbeit in Prora, zeigt Ausstellungen und veranstaltet Rundgänge durch das historische Gelände. Bei der Bildungsarbeit kooperiert er unter anderem mit den Schulen der Region und den Einrichtungen des DJH-MV und behandelt Themen der NS- und seit Ende 2009 auch der DDR-Geschichte, insbesondere der Bausoldaten in Prora. Am 22. Juni 2010 trat das Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung MV im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens zusammen und beschloss, dass das PRORA-ZENTRUM auf Grund seiner Bewerbung die Trägerschaft der geplanten Bildungs- und Begegnungsstätte im Block 5 bei der Jugendherberge Prora übernehmen soll.

Im Jahr 2008 gründete sich um den Berliner Historiker und Buchautor Dr. Stefan Wolter die Initiative Denk-MAL-Prora. Infolge der Anbringung einer Gedenktafel und denkmalpflegerischen Unterschutzstellungen im Sinne der doppelten Vergangenheit hat sie die Sichtweise auf die Anlage maßgeblich verändert. Seit 2011 dokumentiert die Schriftenreihe Denk-MAL-Prora die Annäherung an die mit Repression und Opposition verbundene Ausbau- und Nutzungsgeschichte des Ortes, welche weithin aus dem Blickfeld geraten war. Dabei beklagt Wolter, dass die Jugendherberge Prora an sich frei von der realen Geschichte des Ortes gehalten wird und der benachbarte Bildungsträger Begegnungen von Zeitzeugen und Gästen, etwa in Form von Lesungen und Rundgängen über das Gelände, nicht zustande kommen lässt.[36][37]

2007 beabsichtigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, den verbliebenen Gebäudekomplex 4 sowie den Bereich des Zentrums von Prora auf den Markt zu bringen. Angesichts der positiven Entwicklung, die sich in den verkauften Bereichen abzeichnete, war die zuständige Hauptstelle Rostock optimistisch, auch für diesen Abschnitt einen Käufer mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept zu finden. Am 15. März 2008 eröffnete auf dem 3,7 Hektar großen Küstenwald-Areal des Komplexes ein Hochseilgarten. Insgesamt wurden 460.000 Euro in den Bau der neuen Sportanlage investiert.

Im September 2010 wurden Planungen bekannt gegeben, nach denen eine deutsch-österreichische Investorengruppe ab 2011 die Blöcke I und II sanieren will. Vorgesehen ist der Bau von 400 teils altersgerechten Wohnungen, eines Hotels mit 300 Betten samt Tennishalle und Schwimmbad sowie eines kleinen Einkaufszentrums. Die Investitionskosten werden auf 100 Mio. € beziffert. Der Eigentümer von Block I - Johann Christian Haas - hatte zu keiner Zeit vor, selbst umzubauen.[38]

Im nördlichsten Teil des Komplexes (Block V) wurde in fünf aneinandergrenzenden Gebäudeteilen im Juli 2011 die schon lange geplante große Jugendherberge mit 402 Betten in 96 Zimmern eröffnet[39] und im November 2011 wurde der letzte von fünf Blöcken durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an einen privaten deutschen Investor verkauft.[40]

Diverses[Bearbeiten]

  • Die Nationalsozialisten stützten sich auf Ideen aus der Zeit der Weimarer Republik, vergleichbar dem Autobahnbau, der ebenso propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Durch die Einführung eines bezahlten Urlaubsanspruchs in den 1920er Jahren wurde ein Tourismus der arbeitenden Bevölkerung überhaupt erst möglich. Die Planungen aus den 1920er Jahren bezogen auch den Rügendamm ein, mit dessen Bau 1931 begonnen wurde und der die logistischen Voraussetzungen schaffte, um 20.000 Urlauber gleichzeitig an- und abreisen zu lassen.
  • Der Name Prora ist entgegen der weitverbreiteten Ansicht kein Akronym wie beispielsweise Napola, sondern der Name der umgebenden Landschaft und Namensgeber für die Prorer Wiek.
  • Obwohl es sich bei Prora um eines der Vorzeigeprojekte der Organisation KdF handelte, kam Hitler nie auf die Baustelle.
  • Der Grundstein von Prora wurde nie gefunden. Er müsste laut alten Fotos und Berichten in der Gegend der Kaianlagen liegen. Die Originalpläne gingen in den Wirren des Kriegsendes verloren.
  • Am nördlichen Ende der Anlage stehen noch die eingezäunten Ruinen von zwei Blocks. Es kursiert das Gerücht, dass die von der Sowjetarmee dort durchgeführten Sprengungen diese beiden Gebäude beseitigen sollten. Dies ist ein Irrtum, da an den Blocks lediglich Sprengübungen durchgeführt wurden. Einzig der abgetragene südlichste Block, der im Gegensatz zum Rest der Bettenhäuser nie seine geplante Stockwerkszahl erreicht hatte, wurde gezielt gesprengt und abgetragen.
  • Prora wurde im zweiten Vierjahresplan der Nationalsozialisten ausdrücklich erwähnt und hatte damit höchste Priorität bei der Zuteilung der Mittel. Göring persönlich war für den Vierjahresplan verantwortlich. Dies wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass Prora im fest geplanten Krieg als Lazarett dienen sollte. Alle Einrichtungen waren darauf ausgerichtet. In den Restauranttrakten, die sich in Richtung See erstreckten, sollten zum Beispiel die Operationssäle eingerichtet werden. Die Planungen sahen bereits alle notwendigen Installationen vor. Die Betten der Hotelzimmer waren sinnigerweise Krankenhausstandardbetten, die Aufzüge sollten zwei Krankenhausbetten gleichzeitig fassen.
  • Gerüchte über eine im Prorakomplex existierende U-Boot-Durchfahrt unter der Insel hindurch wurden vor 1989 systematisch verbreitet. Es sei geplant worden, U-Boote durch eine Schleuse vor der Küste in die Durchfahrt einlaufen zu lassen. Dieses „politisch nützliche“ Gerücht diente der NVA unter anderem dazu, die militärische Nachkriegsnutzung zu legitimieren, da anderenfalls der FDGB Nutzungsansprüche hätte geltend machen können.[41] Durch das Fehlen der Originalpläne und die Tatsache, dass einige Kelleranlagen durch Überflutung unzugänglich sind, wurden diese und vergleichbare Theorien gefördert. Gegen eine Nutzung durch U-Boote spricht jedoch der sehr große Flachwasserbereich vor dem Strand, der in etwa 500 Metern Entfernung vom Ufer eine Wassertiefe von weniger als 2 Metern aufweist,[41] sowie die starke Versandung der Ostseeküste, die auch anhand von Luftbildaufnahmen nachzuvollziehen ist.
  • Zur Erschließung des Seebads wurde die Bahnstrecke Lietzow–Binz gebaut, die im Mai 1939 eröffnet wurde. An der der Strecke entstand der Bahnhof KdF-Seebad Rügen, der heutige Bahnhof Prora. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging außerdem im Südosten des Komplexes der Haltepunkt Prora Ost in Betrieb.
  • Der Bau einer U-Bahn zur Erschließung der weitläufigen Anlage wurde 1936 von Robert Ley erwähnt, jedoch finden sich keine Hinweise auf eine tatsächliche Projektierung. Die Kellergeschosse sind für den Betrieb einer U-Bahn ungeeignet, spätere Planungen gingen von einem Omnibusverkehr innerhalb des Seebades aus.[42]
  • Ebenso wie von der Chinesischen Mauer wird von dem Prora-Bau das Gerücht verbreitet (z.B. in Ostseeküste-Reiseführern), er sei aus dem Weltraum sichtbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Rostock: Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend Prora/Rügen. Herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung von Qualifizierung und Beschäftigung in Prora mbH 1991/1992.
  • Joachim Wernicke, Uwe Schwartz: Der Koloss von Prora auf Rügen – gestern – heute – morgen. 2., erweiterte u. aktualisierte Auflage. Prora u. Königstein i. Ts. 2006, ISBN 3-7845-4902-0.
  • Jürgen Rostock, Franz Zadniček: Paradiesruinen – Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen. Ch. Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-414-3.
  • Bernfried Lichtnau: Prora – Das erste KdF-Bad Deutschlands: Prora auf Rügen. Das unvollendete Projekt des 1. KdF-Seebades in Deutschland. 3. akt. Auflage. Greifswald 1995, ISBN 3-930066-33-5.
  • Hendrik Liersch: Ein freiwilliger Besuch – als Bausoldat in Prora. 2. Auflage. Verlag amBATion / Randlage 2003, ISBN 3-928357-06-9.
  • Hasso Spode: Ein Seebad für zwanzigtausend Volksgenossen. Zur Grammatik und Geschichte des fordistischen Urlaubs. In: Peter J. Brenner (Hrsg.): Reisekultur in Deutschland. Von der Weimarer Republik zum 'Dritten Reich'. Max-Niemeier-Verlag, Tübingen 1997, ISBN 3-484-10764-2.
  • Hasso Spode, Albrecht Steinecke: Die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude. In: Zur Sonne, zur Freiheit! Beiträge zur Tourismusgeschichte. Verlag für Universitäre Kommunikation, Berlin 1991, ISBN 3-928077-10-4.
  • Hasso Spode: Fordism, Mass Tourism and the Third Reich: the Strength through Joy Seaside Resort as an Index Fossil. In: Journal of Social History. 38(2004), S. 127–155.
  • Stefan Wolter: Hinterm Horizont allein – Der ’Prinz’ von Prora. Erfahrungen eines NVA-Bausoldaten. 3. Auflage. Projekte-Verlag 188, Halle 2010, ISBN 978-3-86634-028-2.
  • Stefan Wolter: Der „Prinz von Prora“ im Spiegel der Kritik. Das Trauma NVA und Wir. Projekte-Verlag, Halle 2007, ISBN 978-3-86634-370-2.
  • Stefan Wolter: Der Prinz und das Proradies. Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen. Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2009, ISBN 978-3-86634-808-0.
  • Stefan Wolter: Kdf und Kaserne. (Un)sichtbare DDR-Geschichte in der Jugendherberge Prora. Spurensuche am Standort (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 1). 2011, ISBN 978-3-86237-503-5.
  • Stefan Wolter (Hrsg.): Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten in Prora. Courage in der Kaserne, der heutigen Jugendherberge (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 2). Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2011, ISBN 978-3-86237-629-2.
  • Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit in Prora auf Rügen (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 3). Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3.
  • Wolfgang Repke: Prora, Block V, TH 4. Mein NVA-Reservistendienst 1988 (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 5). 2013, ISBN 978-3-95486-388-4.
  • Gabi Dolff-Bonekämper: Das KdF-Bad Prora auf Rügen. und Ein Versuch über Architektur und Moral. In: Annette Tietenberg (Hrsg.). Das Kunstwerk als Geschichtsdokument. Festschrift für Hans-Ernst Mittig. Klinkhardt & Biermann, München 1999, ISBN 3-7814-0419-6, S. 144–157.
  • Rainer Wilkens: Gebaute Utopie der Macht. Das Beispiel Prora. In: Romana Schneider, Wilfried Wang (Hrsg.). Moderne Architektur in Deutschland 1900 bis 2000. Macht und Monument. (Frankfurt am Main: Deutsches Architekturmuseum 24. Januar - 5. April 1998). Hatje, Ostfildern-Ruit 1998, ISBN 3-7757-0713-1, S. 117ff.
  • Hartmut E. Arras: Entwicklungskonzept Prora für Rügen: [Bedarfs- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung] / [S.T.E.R.N. Gesellschaft der Behutsamen Stadterneuerung. http://www.stern-berlin.com/ Red.: Hartmut E. Arras …]. S.T.E.R.N., Berlin 1997.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prora – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Wolter (Hrsg.): Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten in Prora. Courage in der Kaserne, der heutigen Jugendherberge. (Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 2). Projekte-Verlag, Halle 2011, ISBN 978-3-86237-630-8.
  2. http://prora.jugendherbergen-mv.de/
  3. Das Forsthaus Prora auf ruegen-inselinfo.de, abgerufen am 7. Juni 2014.
  4. Jürgen Rostock, Franz Zadnicek: Paradiesruinen. Ch. Links Verlag, S. 60.
  5. Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit in Prora auf Rügen. Band 3, Projekte-Verlag Halle, 2012, ISBN 978-3-86237-888-3.
  6. Johannes Schweikle: Großer Klotz und kleines Karo. In: Die Zeit. 47/2007.
  7. Martina Rathke: Prora wurde den Nazis zu teuer. In: Sächsische Zeitung. online, 25. April 2011 (Abruf 25. April 2011)
  8. Zum Beispiel: http://www.denk-mal-prora.de/html/ein_grundwehrdienstleistender.html
  9. Zuletzt:Günter Hagemann, Gedient in Prora. Erinnerungen an meinen NVA-Wehrdienst, BEBUG mbH 2014, ISBN 978-3-86789-819-5, S. 58.
  10. Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Geschichte von Prora auf Rügen (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 3). Projekte-Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3.
  11. Was wird aus Mukran? In: Neue Zeit, 19. August 1949, S. 4.
  12. Ebd., S. 20 ff.
  13. Stefan Wolter(Hrsg.): Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten in Prora. Courage in der Kaserne, der heutigen Jugendherberge. (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 2). Projekte-Verlag, Halle 2011, ISBN 978-3-86237-630-8.
  14. Stefan Wolter: Hinterm Horizont allein - Der Prinz von Prora. 3. Auflage. Projekte-Verlag, Halle 2010, ISBN 978-3-86634-028-2.
  15. Stefan Wolter(Hrsg.): (Un)sichtbare DDR-Geschichte in der Jugendherberge Prora (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 1). Projekte-Verlag, Halle 2011, ISBN 978-3-86237-503-5.
  16. proraer-bausoldaten.de
  17. Wolfgang Repke: Prora, Block IV, TH 4. Mein Reservistendienst 1988. Eine Zeitreise. (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 5). Projekte-Verlag Halle, 2013, ISBN 978-3-95486-388-4.
  18. Klaus Storkmann: Geheime Solidarität: Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die »Dritte Welt«. Links-Verlag Berlin, ISBN 978-3-86153-676-5.
  19. Andreas Kurth: Sturz vom Olymp: Die Rückkehr des Nostradamus (Selbstverlag, 2011)
  20. Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit von Prora auf Rügen. (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 3). Projekte-Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3.
  21. Der Prinz von Prora, Der 'Prinz von Prora im Spiegel der Kritik, Der Prinz und das Proradies. Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2005-09.
  22. Ebd., S. 179–222.
  23. inselkuenstler.de
  24. Unter den wenigen Ausnahmen vgl. Holger Teschke: Gebrauchsanweisung für Rügen und Hiddensee. Piper-Verlag, 2013, ISBN 978-3-492-27621-4.
  25. Abgedruckt in: Stefan Wolter: Pastorenkinder im Weltkrieg. Ein Lazarett- und ein Feldtagebuch von Martin und Tutti Begrich 1914–1918 (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 6). Projekte-Verlag, Halle 2014, ISBN 978-3-95486-455-3.
  26. tagesspiegel.de
  27. berliner-zeitung.de
  28. Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit von Prora auf Rügen. (= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 3). Projekte-Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3.
  29. http://www.tagesspiegel.de/kultur/zukunft-wird-aus-mut-gemacht/442228.htm.
  30. Stefan Wolter: Asche aufs Haupt! Vom Kampf gegen das kollektive Verdrängen der DDR-Vergangenheit von Prora auf Rügen.(= Schriftenreihe Denk-MAL-Prora, Band 3). Projekte-Verlag, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-888-3, S. 142f.Stefan Wolter: Der Prinz und das Proradies,Projekte-Verlag, Halle 2009, ISBN 978-3866348080
  31. Maik Trettin: „Deutsch-polnische Begegnungen auch ganz privat“. In: Ostsee-Zeitung. 24. April 2009.
  32. dokumentationszentrum-prora.de
  33. Prora-Block für 2,75 Millionen Euro versteigert. In: Ostsee-Zeitung. 31. März 2012.
  34. spiegel.de
  35. rueganer-anzeiger.de
  36. Andreas Montag: Das Monsterhaus macht Staat. In: Mitteldeutsche Zeitung. 14. Oktober 2010.
  37. Andreas Montag: Prora erinnert an Bausoldaten der NVA. In: Mitteldeutsche Zeitung. 23. November 2010.
  38. Rügen: Investoren bauen Nazi-Koloss um. In: Ostsee-Zeitung. (Ausgabe Ribnitz-Damgarten) vom 25./26. September 2010.
  39. Jugendherberge in Nazi-Bau in Prora eröffnet. NDR, 4. Juli 2011.
  40. Nazi-Ferienanlage Prora ist komplett verkauft. In: welt.de. 3. November 2011. Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  41. a b Jürgen Rostock, Franz Zadnicek: Paradiesruinen. Ch. Links Verlag, S. 104.
  42. Jürgen Rostock, Franz Zadnicek: Paradiesruinen. Ch. Links Verlag, S. 107 ff.
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 25. Januar 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.