Landkreis Rügen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Rügen Deutschlandkarte, Position des Landkreises Rügen hervorgehoben54.4413.39Koordinaten: 54° 26′ N, 13° 23′ O
Basisdaten (Stand 2011)
Bestandszeitraum: 1861–2011
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Verwaltungssitz: Bergen auf Rügen
Fläche: 974 km²
Einwohner: 67.526 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: RÜG
Kreisschlüssel: 13 0 61
Kreisgliederung: 41 Gemeinden
Landrätin: Kerstin Kassner
Lage des Landkreises Rügen in Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis Müritz Polen Königreich Dänemark Schleswig-Holstein Niedersachsen Brandenburg Sachsen-Anhalt Greifswald Neubrandenburg Rostock Schwerin Stralsund Wismar Landkreis Bad Doberan Landkreis Demmin Landkreis Güstrow Landkreis Ludwigslust Landkreis Mecklenburg-Strelitz Landkreis Rügen Landkreis Nordvorpommern Landkreis Ostvorpommern Landkreis Uecker-Randow Landkreis Parchim Landkreis NordwestmecklenburgKarte
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Der Landkreis Rügen war ein Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern, der im Zuge der Kreisgebietsreform 2011 im Landkreis Vorpommern-Rügen aufging.

Geografie[Bearbeiten]

Der Landkreis Rügen war zwischen 1994 und 2011 der flächenkleinste sowie, gemessen an der Einwohnerzahl, nach dem Landkreis Müritz der zweitkleinste Landkreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der Landkreis umfasste die gleichnamige Insel Rügen (95 % des Landkreises) – die größte Insel Deutschlands – in der Ostsee, sowie deren westlich vorgelagerte Inseln Hiddensee, Ummanz und einige kleinere Inseln. Auf dem Festland lagen der Landkreis Nordvorpommern sowie die kreisfreie Stadt Stralsund dem Landkreis Rügen am nächsten.

Der 1818 gegründete Landkreis gehörte 2011 mit über 190 Jahren zu den ältesten noch in praktisch unveränderter Form bestehenden Verwaltungseinheiten in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kreisgebiet 1905

Der Landkreis Rügen entstand 1818 im Zuge der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress und gehörte zum Regierungsbezirk Stralsund in der Provinz Pommern. Dieser umfasste die meist ländlichen Gebiete der gleichnamigen Insel. Das Landratsamt war in Bergen auf Rügen.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Rügen entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Januar 1939 führte der Kreis Rügen entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.

Der Landkreis Rügen umfasste am 1. Januar 1945 die beiden Städte Bergen/Rügen und Garz/Rügen sowie 60 weitere Gemeinden, von denen drei (Binz, Putbus und Saßnitz) mehr als 2.000 Einwohner besaßen [Nachweis ?]

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und wurde Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone.

1952 wurden die Länder der DDR aufgelöst und eine umfassende Gebietsreform durchgeführt. Dabei wurde der Landkreis Rügen aufgelöst und in die beiden Kreise Bergen und Putbus geteilt, die Teil des Bezirks Rostock wurden. Bereits 1956 wurden die beiden Kreise wieder zu einem Kreis Rügen vereinigt. Seit 1990 ist der nun wieder als Landkreis bezeichnete Kreis Teil des neugebildeten Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Im Zuge der Kreisgebietsreform im Jahr 2011 wurden die Landkreise Rügen, Nordvorpommern und die Hansestadt Stralsund Teile des neuen Landkreises Vorpommern-Rügen mit Verwaltungssitz in Stralsund.[1]

Kommunalverfassung bis 1945[Bearbeiten]

Der Landkreis Rügen gliederte sich in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung – in selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden Bergen auf Rügen und Garz auf Rügen führten jetzt die Bezeichnung Stadt.

Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung 2002 bis 2007

Der Landkreis Rügen verlor in der Zeit von der politischen Wende 1990 bis zum März 2004 fast 15 % seiner Bevölkerung . Diese und die ähnlichen Zahlen anderer Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern ließen Gremien in der Landesregierung immer wieder über eine Zusammenlegung / Neuordnung von Landkreisen sprechen. Die Bevölkerung des Landkreises Rügen sprach sich am 13. Juni 2004 in einem Bürgerentscheid zur Selbständigkeit Rügens mit über 92 % für den Erhalt des Landkreises aus.

Jahr Einwohner
1990
85.275
1992
82.431
1994
80.466
1996
78.331
1998
76.927
Jahr Einwohner
2000
75.386
2002
73.611
2004
72.663
2006
70.459
2008
68.872

Infrastruktur, Verkehr, Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Eisenbahn- und Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 96 ist die Hauptader des Straßenverkehrs auf Rügen. Eine zweite Brücke zum Festland wurde 2007, die erste Brücke, der Rügendamm zwischen Stralsund auf dem Festland und Altefähr auf Rügen, 1936 fertiggestellt. Die Bahnstrecke von Lietzow bis Stralsund ist zweigleisig und elektrifiziert. Die weiteren Abschnitte nach Sassnitz und Binz sind eingleisig ausgeführt.

Busverkehr[Bearbeiten]

Den Hauptanteil der Busverbindungen auf Rügen betreibt die Rügener Personennahverkehrs GmbH.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Flugverkehr mit kleinen Maschinen erfolgt über den Flugplatz Rügen.

Politik[Bearbeiten]

Kreistag[Bearbeiten]

Mandatsverteilung im Kreistag des Landkreises Rügen nach der Wahl 2009

Der Kreistag des Landkreises Rügen bestand zuletzt aus 47 Abgeordneten. Nach der Wahl vom 7. Juni 2009 setzte er sich wie folgt zusammen:

Partei Sitze
CDU 16
Die Linke 11
FDP 7
Bündnis für Rügen (BfR) 6
SPD 5
Grüne 2

Näheres zum Wahlverfahren und zu rechtlichen Bestimmungen: Kreistag (Mecklenburg-Vorpommern)

Wappen, Flagge und Dienstsiegel[Bearbeiten]

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern hat dem Landkreis am 18. Januar 1993 die Genehmigung erteilt, das nachfolgend beschriebene Wappen zu führen, das unter der Nr. 68 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert ist. Der Entwurf des Wappens stammt von Gerhard Koggelmann aus Sagard.

Wappenbeschreibung
„Geteilt von Gold über Blau; oben ein rot gekrönter und bewehrter schwarzer Löwe mit Doppelschweif, der aus dem im unteren Felde befindlichen, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone; sie besteht aus einem mit roten Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist.“[2]

Der Kreistag des Landkreises hat in seiner Sitzung am 7. Dezember 1995[3] die Annahme der nachfolgend beschriebenen Flagge beschlossen.

Flaggenbeschreibung
„Die Flagge des ehemaligen Landkreises Rügen ist eine Wappenflagge. Sie zeigt zwei gleich breite Längsstreifen in den Farben Gelb (oben) und Blau (unten). Auf dem oberen Streifen liegt ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, welcher aus dem auf dem unteren Streifen liegenden, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3.“[2]
Dienstsiegel

Der Landkreis Rügen führte ein Dienstsiegel. Das Dienstsiegel enthält das Wappen mit der Umschrift „LANDKREIS RÜGEN“ sowie eine Kennnummer.[2]

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

(Einwohner am 31. Dezember 2010[4])

Amtsfreie Gemeinden

Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden und Städten
* Sitz der Amtsverwaltung

  1. Bergen auf Rügen, Stadt * (14.030)
  2. Buschvitz (238)
  3. Garz/Rügen, Stadt (2343)
  4. Gustow (643)
  5. Lietzow (275)
  6. Parchtitz (779)
  7. Patzig (485)
  8. Poseritz (1110)
  9. Ralswiek (254)
  10. Rappin (346)
  11. Sehlen (898)
  1. Baabe * (837)
  2. Gager (413)
  3. Göhren (1242)
  4. Lancken-Granitz (377)
  5. Middelhagen (571)
  6. Sellin (2412)
  7. Thiessow (415)
  8. Zirkow (680)
  1. Altenkirchen (999)
  2. Breege (774)
  3. Dranske (1203)
  4. Glowe (1015)
  5. Lohme (513)
  6. Putgarten (267)
  7. Sagard * (2552)
  8. Wiek (1148)
  1. Altefähr (1191)
  2. Dreschvitz (807)
  3. Gingst (1332)
  4. Insel Hiddensee (1034)
  5. Kluis (421)
  6. Neuenkirchen (308)
  7. Rambin (991)
  8. Samtens * (1959)
  9. Schaprode (516)
  10. Trent (749)
  11. Ummanz (623)
Altefähr Altenkirchen (Rügen) Baabe Bergen auf Rügen Binz Breege Buschvitz Dranske Dreschvitz Gager Garz/Rügen Gingst Glowe Göhren (Rügen) Gustow Hiddensee Kluis Lancken-Granitz Lietzow Lohme Middelhagen Neuenkirchen (Rügen) Parchtitz Patzig Poseritz Putbus Putbus Ralswiek Rambin Rappin Sagard Samtens Sassnitz Schaprode Sehlen Sellin Thiessow Trent (Rügen) Ummanz Wiek (Rügen) Zirkow Putgarten Mecklenburg-VorpommernMunicipalities in RÜG.png
Über dieses Bild

Gebietsänderungen[Bearbeiten]

In den Jahren seit 1993 fanden im Gebiet des Landkreises Rügen wie im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern umfangreiche Gebietsänderungen statt.

Aus den ursprünglich sieben Ämtern wurden nach Abschluss der Gebietsreform am 1. Januar 2005 vier Ämter. Die Stadt Bergen auf Rügen und die Gemeinde Insel Hiddensee verloren ihre Amtsfreiheit. Die Anzahl der Gemeinden verringerte sich von 45 auf 42.

Ämterfusionen[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Namensänderungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landkreis Rügen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.mv-regierung.de/im/verwaltungsreform/redaktion/download.php?id=43&type=file
  2. a b c § 2 der Hauptsatzung des Landkreises Rügen
  3. Flaggenkurier Nr. 3, Achim 1996, Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Flaggenkunde, ISSN 0949 - 6173
  4. Mecklenburg-Vorpommern Statistisches Amt – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2010 (PDF; 522 KB)