Selfoss

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Dieser Artikel behandelt die südisländische Stadt. Zum Wasserfall in Nordisland siehe Selfoss (Wasserfall).
Die Selfosskirkja

Selfoss (dt. Hüttenwasserfall) ist eine Stadt in der Gemeinde Árborg, die sich in der Region Suðurland im Süden Islands befindet. Mit 6.503 Einwohnern (Stand: 2010) ist Selfoss die größte Ortschaft in der Gemeinde Árborg und gleichzeitig die größte Stadt Südislands; die Stadt ist ein wichtiges Handelszentrum.

Geografie und Lage[Bearbeiten]

Selfoss liegt zwischen Hveragerði und Hella am Fluss Ölfusá. Etwa 3 km entfernt befindet sich der Tafelvulkan Ingólfsfjall.[1]

Selfoss ist mit seiner, auch touristischen, Infrastruktur kann als Ausgangspunkt für Ausflüge zu anderen Zielen im Süden Islands dienen, zum Beispiel nach Þingvellir oder zur Hekla.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfangsjahre der Gemeinde[Bearbeiten]

Bis um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestanden hier nur einige Bauernhöfe.

Als im Sommer 1891 die erste Hängebrücke über den Fluss Ölfusá bei Selfoss errichtet wurde, galt diese als enorme Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten im Süden Islands und erlaubte in der Folge die Entwicklung einer Ansiedlung.

Um die Jahrhundertwende wurden von Tryggva Gunnarsson, der auch den Brückenbau angeregt hatte, ein Restaurant und Gästehaus an der Brücke errichtet. Dieses bestand bis 1975. In den 20er Jahren kam ein Geschäft hinzu, aber das Dorf wuchs zu Beginn relativ langsam.

Um 1930 kamen als bedeutende Arbeitgeber die Molkerei Mjólkurbrú Flóamanna und der Kaupfélag Árnesinga hinzu, die gemeinsam mit der Schlachterei über viele Jahrzehnte hinweg die wichtigsten Industrieunternehmen vor Ort blieben. Zu ihnen fügten sich mit dem Jahren immer mehr andere und vielfältige Betriebe in Bereich von Fertigung, Handel und Dienstleistungen.

Schon ab Ende der 40er Jahre wurde die kleine Stadt von Laugadalur aus mit heißem Wasser für Heizung und anderen Gebrauch versorgt.[1]

Selfoss wurde am 1. Januar 1947 eine eigene Verwaltungsgemeinde, die Stadtrechte erhielt die Gemeinde am 2. Mai 1978.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Die britische Armee unterhielt während der Kriegsjahre bis 1941 eine Heeresniederlassung in Selfoss.

Im Februar 1941 kam es zu einem Luftangriff eines deutschen Kampfflugzeugs, bei dem drei britische Soldaten starben.[1]

Erdbeben und Überschwemmungen[Bearbeiten]

Da die Stadt in einem geologisch sehr aktiven Gebiet liegt, wo sich die südwestliche aktive Vulkanzone mit der südlichen Spaltenzone kreuzt, kommt es von Zeit zu Zeit auch zu heftigeren Erdbeben, worauf man sich allerdings inzwischen gebäudetechnisch eingestellt hat.

Bei einem starken Erdbeben im Herbst 1896 wurden die damals vorhandenen drei Bauernhöfe bis auf ein Haus vollständig zerstört.[2]

Im Juni 2000 lag das Hypozentrum des starken Erdbebens unter dem Berg Hestfjall ca.25 km entfernt. Es gab Beschädigungen an Gebäuden, aber Menschen kamen nicht zu Schaden.[3]

Am 29. Mai 2008 erschütterten zwei fast gleichzeitige Erdbeben der Stärke 6,1 und 6,3 auf der Richter-Skala die Region um Selfoss. Ein Hypozentrum lag etwas südwestlich von Selfoss, das andere unter dem Berg Ingólfsfjall. Gebäude kamen zu Schaden. Personen wurden verletzt, Todesopfer gab es jedoch nicht.[4][5]

Der Fluss Ólfusá neigt bei Tauwetter auch dazu über die Ufer zu fließen. So kam es in den Jahren 1930, 1948 und 1968 zu größeren Überschwemmungen in und um Selfoss.[2]

Politik[Bearbeiten]

Am 7. Juni 1998 verlor die Stadt Selfoss (Selfosskaupstaður) die Selbstständigkeit. Gemeinsam mit den bis dahin gleichfalls selbstständigen Landgemeinden Eyrarbakki (Eyrarbakkahreppur), Sandvík (Sandvíkurhreppur) und Stokkseyri (Stokkseyrarhreppur) wurde die kreisfreie Stadtgemeinde Árborg gebildet.

Selfoss gehört zum isländischen Wahlkreis Suðurkjördæmi.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt Selfoss ist ein wichtiges Handelszentrum der Region. Die 1929 gegründete Molkerei ist die älteste und größte des Landes.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehrsanbindung und Brücke[Bearbeiten]

Selfoss liegt heute direkt am wichtigsten Verkehrsweg Islands, der Ringstraße Nr. 1, die mitten durch die Stadt führt.

Bis zum Jahre 1890 gab es keine Brücken über die zahlreichen und oft sehr wasserreichen sowie strömungsintensiven Flüsse in Südisland. Diese Flüsse mussten mühsam gefurtet werden, was die Verkehrsverbindungen stark behinderte.

Im Jahre 1890 wurde die erste Hängebrücke über den Fluss Ölfusá bei der Stadt Selfoss fertiggestellt. Man sah die Brücke aus den oben genannten Gründen als ganz besondere technische Errungenschaft an. Diese Brücke, Vorgänger der heutigen, war aber keineswegs für schwere Autos gemacht. Sie brach im September 1944 unter der Last von zwei Milchlastwagen zusammen.

Im folgenden Jahr wurde allerdings mit Hilfe der amerikanischen Armee die heutige Brücke geschaffen, die 1945 in Betrieb genommen wurde[6] und sich als sehr resistent erwies, da sie sogar zwei starke Erdbeben sowie diverse Fluten heil überstand.

Kirchen und Schulen[Bearbeiten]

Als im Jahre 1956 die Selfosskirkja eingeweiht wurde, verlegte man gleichzeitig den Sitz des (evangelisch-lutherischen) Pfarrers von Hraungerði nach Selfoss.[7]

In Selfoss gibt es zahlreiche Kindergärten (isl. leikskólar), Gesamtschulen, eine Musikschule und die größte weiterführende Schule im Süden Islands, Fjölbrautaskóli Suðurlands.[8]

Bibliothek[Bearbeiten]

Selfoss verfügt über eine beachtliche Bibliothek. Ein bedeutender Teil der Bücher stammt aus dem Besitz des Pfarrers Séra Eiríkur J. Eiríksson, der Nationalparkaufseher in Þingvellir war, und der Stadt seine eigene Bibliothek vermachte. Die Stadtbücherei besteht seit 1964 im Safnahús, wo man auch das Heimatmuseum vorfindet.[9]

Sport[Bearbeiten]

Wie überall in Island werden zahlreiche Sportarten gepflegt und seit 1960 besitzt die Stadt ein eigenes Schwimmbad.[9] Zur Auswahl stehen etwa Reiten, Schwimmen, Handball, Fußball, Leichtathletik, Taekwondo, Judo, Golf, Motocrossfahren und viele weitere.

Einen Großteil des Sportvereine betreut der Ungmennafélag.[10]

Es existiert auch ein spezieller Verein, der den Behindertensport betreut.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der ehemalige Schachweltmeister Bobby Fischer, der am 17. Januar 2008 starb, liegt auf dem Friedhof der Kirche Laugadalur in Selfoss begraben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Selfoss hatte zwischen 1997 und 2008 wegen der Nähe zur Hauptstadt Reykjavík und einem entsprechenden Wirtschaftsboom einen ungewöhnlich großen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, welcher sich besonders zwischen 2005 und 2006 bemerkbar macht (ca. 9% Zunahme in einem Jahr). Seit 2009 ist die Einwohnerzahl etwas rückläufig.[12]

Datum Einwohner
1. Juli 1997 4.261
1. Juli 1998 4.350
1. Juli 1999 4.397
1. Juli 2000 4.580
1. Juli 2001 4.693
1. Juli 2002 4.870
1. Juli 2003 4.989
1. Juli 2004 5.159
1. Juli 2005 5.457
1. Juli 2006 5.922
1. Juli 2007 6.139
1. Juli 2008 6.476
1. Juli 2009 6.580
1. Juli 2010 6.503

Siehe auch[Bearbeiten]

Selfoss mit dem Ingólfsfjall im Hintergrund

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Selfoss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c vgl. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 819.
  2. a b Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 821.
  3. http://hraun.vedur.is/ja/skyrslur/contgps/node21.html Veðurstofa Íslands (englisch); Zugriff: 16. Juli 2011
  4. http://en.vedur.is/about-imo/news/2008/nr/1305 Veðurstofa Íslands (englisch); Zugriff: 16. Juli 2011
  5. vgl.http://en.vedur.is/about-imo/news/2008/nr/1312 Veðurstofa Íslands (englisch); Zugriff: 16. Juli 2011
  6. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 820
  7. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 820f.
  8. http://www.arborg.is/skolar/ Website der Gemeinde Árborg zum Schulwesen (isländisch); Zugriff: 16. Juli 2011
  9. a b Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 821
  10. vgl. http://wayback.vefsafn.is/wayback/20090930203955/arborg.is/stjornsysla/svid-og-deildir/fjolskyldumidstod-arborgar/ithrotta--og-tomstundamal/felagasamtok-i-arborg/ithrottafelog Website der Gemeinde Árborg (isländisch); Zugriff. 16. Juli 2011
  11. vgl. http://wayback.vefsafn.is/wayback/20091007160804/arborg.is/Vefsidan/data/MediaArchive/Ithrottafelag_Sudri.pdf Íþóttafélagið Suðri (isländisch); Zugriff: 16. Juli 2011
  12. http://hagstofa.is/?PageID=2593&src=/temp/Dialog/varval.asp?ma=MAN08212%26ti=Mi%F0%E1rsmannfj%F6ldi+eftir+kyni%2C+aldri+og+bygg%F0akj%F6rnum+1997%2D2010+++++++++%26path=../Database/mannfjoldi/Byggdakjarnar/%26lang=3%26units=Fj%F6ldi Hagstofa Íslands (Isländisches Statistisches Amt) (isländisch); Zugriff: 16. Juli 2011

63.933108333333-20.997116666667Koordinaten: 63° 56′ N, 21° 0′ W