Kristiansand

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Wappen Karte
Wappen der Kommune Kristiansand
Kristiansand (Norwegen)
Kristiansand
Kristiansand
Basisdaten
Kommunennummer: 1001 (auf Statistik Norwegen)
Provinz (fylke): Vest-Agder
Verwaltungssitz: Kristiansand
Koordinaten: 58° 10′ N, 8° 0′ O58.178.0061111111111Koordinaten: 58° 10′ N, 8° 0′ O
Fläche: 277 km²
Einwohner:

86.704 (30. Jun. 2014)[1]

Bevölkerungsdichte: 313 Einwohner je km²
Sprachform: Bokmål
Postleitzahl: 4604-4698
Webpräsenz:
Verkehr
Bahnanschluss: Sørlandsbanen
Politik
Bürgermeister: Arvid Grundkjøn (H) (2011)
Lage in der Provinz Vest-Agder
Lage der Kommune in der Provinz Vest-Agder
.

Kristiansand [kristianˈsan] (früher Christianssand) ist eine Kommune in dem Fylke Vest-Agder und die fünftgrößte Stadt Norwegens mit 86.704 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2014). Kristiansand ist die Hauptstadt des sogenannten „Südland“ (Sørlandet). Um Verwechslungen mit der norwegischen Stadt Kristiansund im Fylke Møre og Romsdal zu vermeiden, wurde früher im norwegischen oft ein S an den Namen (Kristiansand S) angehängt. Mit den Postleitzahlen jedoch unterbleibt diese Regelung zunehmend. Am 1. Januar 1965 wurden die umliegenden Kommunen Oddernes, Randesund und Tveit in Kristiansand eingemeindet. Nach kontroversen Diskussionen der Bürger schlug der 2011 neu gewählte Bürgermeister vor, der Stadt den alten Namen Christianssand zurückzugeben, weil dieser Name für die Tradition der Stadt stehe.

Kristiansand
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: [2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kristiansand
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Max. Temperatur (°C) 1,3 1,9 4,4 8,9 14,3 18,6 20,1 19,3 15,6 11,4 6,2 3,0 Ø 10,5
Min. Temperatur (°C) -4,8 -5,1 -2,2 0,7 5,6 9,4 11,1 10,4 7,8 4,7 0,2 -3,4 Ø 2,9
Niederschlag (mm) 121 80 87 59 86 75 88 118 141 164 164 116 Σ 1.299
Regentage (d) 19 15 16 12 14 12 13 17 18 19 20 19 Σ 194
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Quelle: [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Ausgrabungen belegen, dass Besiedlungen an dieser Stelle bereits in der Steinzeit erfolgten. Wegen der strategisch wichtigen Lage am Skagerrak entstanden bereits 1555 unter König Christian III. erste Befestigungsanlagen. Die offizielle Gründung von Christianssand erfolgte im Jahr 1641 durch den dänisch-norwegischen König Christian IV, dessen Ziel es war, einen neuen Handelsmittelpunkt und einen militärischen Stützpunkt an der südnorwegischen Küste zu schaffen. Die Stadt wurde auf einer ebenen sandigen Landzunge an der Mündung des Otra in die Kristiansandbucht des Skagerrak angelegt. Den Plan hierzu entwarf der Däne Hans Jakobsson Schørt nach mitteleuropäischen Vorbildern des absolutistisch-merkantilistischen Städtetideals. Die Stadt wurde wie ein Schachbrett mit 54 quadratischen Feldern angelegt. Der etwa ein km² große Stadtkern hat wegen seiner quadratischen Anordnung der Straßen den Namen Kvadraturen. Kernstück der Anlage war der große Marktplatz inmitten der Quadratur, der heute stark verkleinert ist. Kristiansand wurde 1666 Garnisonsstadt und 1682 Bischofssitz.

Bereits wenige Jahre nach der Gründung der Stadt wurden die erste Kirche sowie die erste Lateinschule in der Nähe des Marktplatzes errichtet. Im Jahr 1650 wurde das erste Postamt am Postweg zwischen Christiania und Stavanger eröffnet. Um 1780 wurde die erste Zeitung, die Christianssandske Ugeblade gegründet, im gleichen Zeitraum begann der kulturelle Aufschwung der Stadt. Brände zerstörten in den Jahren 1734, 1859, 1880 und 1892 große Teile der vor allem aus Holzhäusern bestehenden Stadt. Die charakteristischen weißen Holzhäuser, die von dem Brand 1892 verschont blieben, befinden sich im Nordosten des Stadtkernes Kvadraturen, im Stadtteil Posebyen, was etwa "Taschenstadt" bedeuten soll. In der Altstadt wurden durch die große Feuersbrunst von 1892 viele der historischen Gebäude zerstört, so dass man beim Wiederaufbau Holzhäuser verbot. Infolge des in dieser Zeit vorherrschenden Historismus wurden Kirchen und öffentliche Gebäude im Stil der Gotik und Romantik sowie Bürgerhäuser oft im Stil der Antike oder Renaissance neu errichtet. Die Altstadt mit ihrer Vielfalt architektonischer Ausdrucksformen bietet deshalb heute ein für Norwegen untypisches Stadtbild. Dieser Stadtteil trägt auch den Namen Murbyen (Ziegelstadt). Im Jahr 1896 wurde mit der Setesdalsbahn ein Bahnanschluss geschaffen.

Die Festungsbauwerke, welche an den den Hafen schützenden Inseln angelegt worden sind, verloren bereits im 19. Jahrhundert ihre Bedeutung, ebenso die etwa sieben km entfernt liegenden Festungen Fredriksholm und Christiansø (ursprünglich Flekkerhus genannt). Ihre strategische Bedeutung erlangte die Stadt während des Zweiten Weltkrieges zurück. Am 9. April 1940 war Kristiansand eine der ersten norwegischen Städte, die im Rahmen der Operation Weserübung durch die deutsche Wehrmacht eingenommen wurde. Während der deutschen Besetzung ließ die Organisation Todt auf der Insel Møvik vor Kristiansand eine Befestigungsanlage durch sowjetische Kriegsgefangene errichten, in der sich heute ein Kanonenmuseum befindet.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Hauptelement im Stadtwappen ist der norwegische Löwe vor einer Kiefer, die den einheimischen Wald symbolisiert. Der Löwe ist auch Bestandteil des norwegischen Reichswappens. Die Königskrone verweist darauf, dass die Stadt durch den König gegründet wurde. Unter der Krone stehen die Buchstaben R.F.P. Die Abkürzungen bedeuten Regna Firma Pietas (Gottesfurcht stärke das Reich). Das war der Wahlspruch von Christian IV. Das Wappen wird eingerahmt durch den Text Cavsa Triumphat Tandem Bona (Gottes Sache siegt bis zum Schluss). Das ist der Wahlspruch der Stadt.

Stadtansichten[Bearbeiten]

Wirtschaft/Industrie[Bearbeiten]

Bereits im 19. Jahrhundert war die Ausbesserung vorbeisegelnder, vom Sturm beschädigter Segelschiffe ein bedeutender Wirtschaftszweig in Kristiansand. Es bestand eine „mechanische Werkstatt“. Da die Stadt über einen vortrefflichen, leicht zugänglichen Naturhafen verfügt, wurde dieser von den vorbeisegelnden Schiffen bei Stürmen aufgesucht. Außerdem legten in diesem die von Christiania (Oslo) nach Bergen, Hull, London, Hamburg, Rotterdam und die von Trondheim nach Hamburg, Kopenhagen und Stettin gehenden Dampfschiffe an. Die Hafenplätze waren vor allem auf den Holzexport aus den Agder-Provinzen in die Niederlande ausgerichtet. Zu den traditionsreichsten Unternehmen der Stadt gehört die Christianssand Brauerei, die seit 1859 in Betrieb ist. Mit dem Ausbau der Wasserkraft im "Südland" siedelten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue Industriebetriebe an. Hier liegen die Wurzeln für einige der bedeutenden Unternehmen Kristiansands in der heutigen Zeit. Dazu gehört das 1910 gegründete Kristiansands Nikkelraffineringsverk, das 1929 durch die kanadische Bergbaugruppe Falconbridge übernommen und 2006 an Xstrata, einer internationalen Bergbaugruppe verkauft wurde. Das Werk, das jetzt unter der Bezeichnung Xstrata Nikkelwerk AS arbeitet, verfügt über eine jährliche Kapazität von 92.000 Tonnen Nickel, 38.000 Tonnen Kupferkathoden, 5.200 Tonnen Kobalt sowie anderen wertvollen Metallen. Die bedeutenden maritimen Traditionen haben die Ingenieure und Arbeiter wie z. B. von National Oilwell Varco (ehemals Hydralift) und Aker Kværner MH (ehemals Maritime Hydraulics) zu Marktführern auf dem Weltmarkt im Bereich der Offshore-Öl- und Gasförderung gemacht. Die 1904 durch Sam Eyde gegründete Elkem AS im südlichen Stadtteil Vågsbygd entwickelte sich zu einem weltweit bekannten Produzenten auf dem Gebiet der Elektrochemie, unter anderem bei der Erzeugung von Anodenmassen für Elektrohochöfen. Heute liegen die Schwerpunkte des Betriebes, der seit 2011 zur chinesischen Bluestar-Gruppe gehört, auf der Produktion von Ferrosilizium und superreinem Silizium für die Solarzellen-Industrie.

Ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig ist die Fischereiindustrie.

In der Nähe von Kristiansand befindet sich die Stromrichterstation der HGÜ Cross-Skagerrak.

Kultur[Bearbeiten]

  • Kilden Theater und Konzerthaus
    • Agder Teater
    • Kristiansand Symfoniforkester
  • Night Gallery (experimentelle open-air video art)
  • Quart Festival für Bands& Solisten aus In- und Ausland (einmal im Jahr im Juli)
  • Sørlandets Kunstmuseum

Tourismus[Bearbeiten]

Im Sommer ist Kristiansand einer der beliebtesten Ferienorte Norwegens. Die Kombination von Sonne, Stränden und Freizeitvergnügen wie Odderøya Live, Palmesus und der Kristiansand Dyrepark, ein Tier- und Freizeitpark, machen Kristiansand zu einer attraktiven Touristenstadt.

Hochschule/Bildung[Bearbeiten]

Die Universität in Agder (Universitet i Agder), die 2007 aus dem Zusammenschluss von 6 früheren Hochschulen entstanden ist, gehört mit 9.100 Studenten, darunter 7.000 in Kristiansand und 2.100 in Grimstad, sowie 920 Angestellten zu den größten Universitäten in Norwegen. Es werden 140 Kurse in 6 Fakultäten angeboten. Die Hochschule ist sehr stark international ausgerichtet; es bestehen zahlreiche Partnerschaften mit Universitäten und Hochschulen auf der ganzen Welt. Folgende Fachrichtungen sind vertreten:

  • Fakultät für Gesundheit und Sport
  • Fakultät der Künste
  • Fakultät für Ingenieurs- und Naturwissenschaften
  • Fakultät für Mathematik und Wissenschaften
  • Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
  • Fakultät für die Lehrerausbildung
  • Humanistische Fakultät

Verkehr[Bearbeiten]

Kristiansand ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Süden Norwegens.

Fernstraßen[Bearbeiten]

Die Europastraße E 18 (Rijksvej Rv 91) von Oslo endet in Kristiansand. Sie ist nicht durchgängig mit getrennten Fahrbahnen vierspurig ausgebaut. Bei Kristiansand überquert die E 18 den Topdalsfjorden mit der 1956 erbauten Varoddbrua (Varodd-Brücke), die mit einer Spannweite von 337 Metern zu den weltweit 100 größten Brücken mit großer Spannweite gehört. Die Stadt ist gleichzeitig Ausgangspunkt der Europastraße E 39 nach Stavanger.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Kopfbahnhof Kristiansand

Eisenbahnverbindungen bestehen mit der Sørlandsbahn nach Oslo und Stavanger.

Fernbusverbindungen[Bearbeiten]

Gegenüber dem Hauptbahnhof befindet sich der zentrale Busbahnhof mit täglichen Busverbindungen in viele Städte Norwegens. U.a. bieten die Firmen Sørlandsekspressen, Lavprisekspressen und Konkurrenten täglich mehrere Fahrten nach Oslo mit mehreren Stopps entlang der Route an, darunter Porsgrunn und Larvik.

Fährverbindungen[Bearbeiten]

Eine der bedeutendsten Fährverbindungen Südnorwegens verbindet Kristiansand mit Hirtshals in Dänemark. Die Color Line Reederei setzt auf dieser Strecke das Fährschiff SuperSpeed 1 ein, welches die Christian IV und die Schnellfähre Silvia Ana ersetzt.

Fjord Line verkehrt ebenfalls zwischen Hirtshals und Kristiansand, allerdings nur in den Sommermonaten: von April bis September. Die Katamaranfähre Fjord Line Express ist mit nur 2 Stunden und 15 Minuten die schnellste Fährverbindung nach Norwegen überhaupt.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Nationale und internationale Flugverbindungen werden über den Flughafen Kristiansand in Kjevik abgewickelt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Thilo Schoder (1888–1979), Architekt aus Gera, wanderte 1932 nach Kristiansand aus, wo er bis zu seinem Tod 1979 arbeitete.
  • Kirsten Flagstad, norwegische Opernsängerin, lebte seit ihrer Heirat 1930 vor allem in den Sommermonaten in der Heimatstadt ihres Mannes, der in der örtlichen Holzindustrie tätig war.

Zeitungen[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Kristiansand war Austragungsort der Beach-Volleyball-Europameisterschaften 2011.

Bild des Stadtzentrums

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralph Tuchtenhagen, Kleine Geschichte Norwegens, Verlag C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58453-4
  • Sørlandet Guide 2003, Herausgegeben durch Destination Sørlandet

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kristiansand – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kristiansand – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistics Norway – Population and quarterly changes, Q2 2014
  2. WMO