Sender Marnach

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Sender Marnach
Hauptantenne im Mai 2006
Hauptantenne im Mai 2006
Basisdaten
Ort: Marnach
Distrikt: Diekirch
Staat: Luxemburg
Höhenlage: 518 m ü. NHN
Verwendung: Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Broadcasting Center Europe (BCE)
Baustoff: Stahl
Daten der Sendeanlage
Anzahl der Türme/Masten: 5
Höhe der Türme/Masten: 105 m, 60 m, 65 m
Bauzeiten der Türme/Masten: (1.) 1955
(2.) 1955
(3.) 1963
(4.) 1969
(5.) 1976
Betriebszeiten der Türme/Masten: (1.) seit 1955
(2.) seit 1955
(3.) seit 1963
(4.) seit 1970
(5.) seit 1976
Wellenbereich: MW-Sender
Rundfunk: MW-Rundfunk
Positionskarte
Sender Marnach (Luxemburg)
Sender Marnach
Sender Marnach
50.0419436.08229Koordinaten: 50° 2′ 31″ N, 6° 4′ 56,2″ O

Der Sender Marnach ist ein Rundfunksender in der Gemeinde Clerf im Großherzogtum Luxemburg. Er arbeitet auf der Frequenz 1.440 kHz im Mittelwellenbereich und ist einer der stärksten Rundfunksender (Sendeleistung bis zu 1.200 Kilowatt).[1]

Aufbau[Bearbeiten]

Die Sendeanlage besteht aus zwei Richtantennen:
Hauptantenne: drei gegen Erde isolierte Sendemasten von 105 Metern Höhe.
Reserveantenne: ein 60 Meter hoher, gegen Erde isolierter abgespannter Stahlfachwerkmast und einem als Reflektor dienenden freistehenden 65 Meter hohen Stahlfachwerkturm mit dreieckigem Querschnitt.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufbau der Sendeanlage und Sendebeginn[Bearbeiten]

Die Sendeanlage ging im Dezember 1955 ca. 1,5 Kilometer südöstlich des Ortes Marnach zunächst mit zwei Sendemasten und 200 Kilowatt Leistung in Betrieb, um den Empfang des englischsprachigen Programms gegenüber der bisherigen, seit 1951 in Betrieb befindlichen Mittelwellensendeanlage in Junglinster zu verbessern und ein deutschsprachiges Programm senden zu können.

Im Jahr 1956 wurde ein weiterer Mittelwellensender mit einer Leistung von 150 Kilowatt von Junglinster nach Marnach verlagert und die Sendeleistung auf 350 Kilowatt erhöht.

Am 15. Juli 1957 nahm das deutschsprachige, noch heute von dieser Sendeanlage ausgestrahlte Programm RTL Radio über den Sender Marnach seinen Betrieb auf. Die Sendezeit war zuerst täglich von 14 bis 15 Uhr, ab Ende 1957 dann von 15 bis 18 Uhr. Im April 1958 wurde das Programm schließlich ganztags ausgestrahlt, mit Ausnahme der Abendstunden, in denen weiterhin das englischsprachige Programm verbreitet wurde.

Aufbau und Einsturz des UKW-Senders[Bearbeiten]

Von November 1962 bis zur Inbetriebnahme der neuen Sendeanlage in Hosingen waren in Marnach auch UKW-Sender anfangs für die UKW-Frequenz 97,0 MHz installiert. Im Mai 1967 kam ein weiterer UKW-Sender auf der Frequenz 88,9 MHz hinzu. Am 17. Januar 1969 stürzte der 1960 errichtete und 220 Meter hohe UKW-Sendemast um und beschädigte das Sendergebäude. Bis zur Inbetriebnahme des neuen Senders in Hosingen wurde für die UKW-Ausstrahlungen eine provisorische Sendeantenne benutzt.

Weiterer Ausbau[Bearbeiten]

Im Jahr 1963 wurde ein weiterer Mast zu der Tagantenne hinzugefügt, um die Richtwirkung der Tagausstrahlungen nach Deutschland (90°) und die Nachtausstrahlungen nach Großbritannien (314°) zu verbessern. Durch unterschiedliche Anspeisung der Masten konnte eine umschaltbare Richtstrahlung erzielt werden.

Im Sommer 1964 folgten Gebäudeerweiterungen und im September 1965 die Inbetriebnahme eines weiteren 300 Kilowatt Senders, womit die Sendeleistung auf 600 Kilowatt erhöht werden konnte. Im November 1967 wurde ein weiterer Mittelwellensender installiert, welcher drei alte Sender von 1952 und 1955 ersetzte. Im Oktober 1968 konnte durch Inbetriebnahme eines weiteren 600 Kilowatt starken Senders die Sendeleistung auf 1.200 Kilowatt erhöht werden.

Am 14. Januar 1970 wurde der 60 Meter hohe Sendemast der Nachtantenne in Betrieb genommen, welcher die Richtstrahlung nach Großbritannien verbessern sollte. Der dazugehörige Reflektormast wurde am 3. Dezember 1976 in Betrieb genommen. Heute dient diese Anlage als Reserveantenne.

Mitte der 70er Jahre kamen weitere zwei Masten zur Hauptantenne hinzu, die die Richtstrahlung nach Deutschland (90°) verbessern sollten. Diese Masten wurden mittlerweile jedoch wieder abgebaut, da die Antenne nicht den gewünschten Anforderungen entsprach.

Im Zuge des Genfer Wellenplans wurde die Frequenz im Jahr 1978 von 1439 kHz auf 1440 kHz geändert.

1981 wurde der 300 Kilowatt starke Mittelwellensender aus dem Jahr 1967 abgebaut und durch einen neuen 300 Kilowatt starken Mittelwellensender ersetzt. Im folgenden Jahr wurde auch der 600 Kilowatt starke Mittelwellensender aus dem Jahr 1965 durch einen neuen gleich starken Mittelwellensender mit der Bezeichnung Telefunken S4006 ersetzt.

Spätere Jahre[Bearbeiten]

Bis zum 30. Dezember 1991 wurde der am 31. Dezember 1992 schließlich ganz eingestellte englischsprachige Dienst von Radio Luxemburg vom Sender Marnach aus ausgestrahlt. Seitdem wurde über den Sender das deutschsprachige Programm RTL Radio ausgestrahlt. Später kamen auch andere Programmveranstalter hinzu, darunter auch seit 1. Januar 2002 Radio China International, das am Abend einige Stunden Sendezeit gemietet hat.[2] Von Januar 2001 bis April 2003 sendete auch das deutschsprachige Programm Megaradio von diesem Sender aus. In dieser Zeit wurden die Programme von Megaradio und von RTL Radio mit 300 Kilowatt Sendeleistung ausgestrahlt, während für die religiösen Programmanbieter 1.200 Kilowatt Sendeleistung genutzt wurde. Ab dem 8. September 2003 wurde die Sendeleistung aufgrund eines Relaunchs der Morgensendung von RTL Radio von 5:30 Uhr bis 10 Uhr auf 1.200 Kilowatt erhöht. Diese morgendliche Leistungserhöhung wurde 2005 jedoch wieder rückgängig gemacht.[1]

Im Jahr 2005 wurde ein neuer Mittelwellensender des Typs TRAM/P 600 von der Firma Transradio Sendersysteme Berlin (vormals Telefunken Sendersysteme) installiert, der bereits am 20. Dezember 2004 an der Sendestation in Marnach eintraf.[1] Der Sender ermöglichte eine Ausgangsleistung von 600 Kilowatt in der analogen Amplitudenmodulation und 280 Kilowatt in der digitalen Digital Radio Mondiale. Meist wurde die Sendeanlage digital tagsüber mit 240 Kilowatt bzw. nachts mit 120 Kilowatt betrieben. Die Richtstrahlung war dabei tagsüber in Richtung Deutschland (45°) und nachts in Richtung Großbritannien (320°). Die drei alten Sender (zwei Telefunken S4006 als Hauptsender und ein Telefunken S1445/2 als Reservesender mit jeweils 600 Kilowatt Leistung) blieben jedoch weiterhin erhalten. Da die Antenne nur eine maximale HF-Leistung von 1.200 Kilowatt zulässt, wäre kein Zusammenschalten der alten Sender mit dem neu installierten zu 2.000 Kilowatt möglich.[1][3]

Am 1. Januar 2005 startete RTL Radio mithilfe dieses neu installierten Senders nach im Dezember 2004 erfolgten Tests in der Zeit zwischen 1:05 Uhr bis 4:50 Uhr sowie zwischen 9 Uhr und 18 Uhr Ausstrahlungen in DRM vom Sender Marnach aus. Diese Sendungen wurden Anfang 2011 jedoch wieder eingestellt.[1][4]

Seit dem Ende der DRM-Sendungen war der Sender in der Zeit zwischen 9 Uhr und 18 Uhr außer Betrieb. Anfang Dezember 2011 wurde der Sendebetrieb in dieser Zeit allerdings wieder mit analogen Sendungen aufgenommen.[4]

Heute werden von Sender Marnach aus von 5 Uhr bis 8 (darin mehrere Sendungen von verschiedenen Missionswerken), von 13 bis 18:15 sowie von 18:30 bis 19:30 Uhr RTL Radio, von 18:15 bis 18:30 sowie von 19:30 bis 20 Uhr (an einigen Tagen bereits ab 19:15 Uhr) religiöse Sendungen von verschiedenen Missionswerken und von 8 bis 13 sowie von 20 Uhr bis 1 Uhr Radio China International in deutscher Sprache in analoger Modulation ausgestrahlt.[5][4] Die Sendungen von RTL Radio und von den religiösen Programmanbietern werden meist mit 300 Kilowatt Leistung ausgestrahlt, während die Sendungen von Radio China International mit 600 Kilowatt Leistung ausgestrahlt werden.[6]

Streit um die Strahlenbelastung und abgewendete Schließung der Sendeanlage[Bearbeiten]

Im Jahr 2002 wurde die Bürgerinitiative „Fir méi Liäwensqualitéit“ gegründet. Sie führte seit 2003 mehrere Sammelklagen und Petitionen gegen den Betreiber BCE durch, da es gehäuft Meldungen über Störungen von elektrischen Geräten seitens der Bürger gab. Die von der Bürgerinitiative geforderte Immissionsgrenze von 3 V/m wurde in Messungen teils um das neunfache überschritten. Auslöser war eine von 2003 bis 2005 stattgefundene morgendliche Sonderausstrahlung mit 1.200 Kilowatt Leistung, für die BCE laut Angaben der Bürgerinitiative 2002 eine Erlaubnis bekam. Da die Sendeanlage jedoch stets mit einer maximalen Sendeleistung von 1.200 Kilowatt betrieben werden durfte und die Sendeleistung seit den 90er Jahren auf 250 Kilowatt reduziert wurde, war dieses Argument jedoch unberechtigt. Aufgrund des Streits war 2007 sogar ein Neubau der Sendeanlage in der Ortschaft Helzingen angedacht. In den Jahren 2010 und 2011 wurde in einem Urteil einer Sammelklage entschieden, dass der Betreiber die Immissionsgrenze einhalten muss.[7] Am 3. Oktober 2011 gab es vorläufige Ankündigungen des Kommunikationsministers, dass die Sendeanlage stillgelegt werden soll; die Betriebserlaubnis des Senders wurde noch ein letztes mal bis zum 3. Oktober 2014 verlängert. Nach der Stillegung sollte auf dem heutigen Sendergelände ein neues Rechenzentrum gebaut werden.[8] Später wurde jedoch ein Aufschub bis zum 30. Dezember 2014 erwirkt. In der Folge ging BCE in Berufung und erreichte eine Aufhebung des Urteils, da es auf EU-Ebene keine Immissionsgrenze für Sendeanlagen gibt. Das Gericht entschied, dass die von der Bürgerinitiative geforderte Immissionsgrenze von 3 V/m nicht auf Sendeanlagen anzuwenden sei. Somit darf RTL die Sendeanlage auch über den 30. Dezember 2014 hinaus betreiben; das Gebiet um die Sendeanlage hätte nicht so dicht bebaut werden dürfen.[9] Gleichzeitig verlängerte China Radio International den Ausstrahlungsvertrag mit BCE über diesen Termin hinaus. Besonders stark ausgeprägt waren die Störungen laut Presseberichten beim Betrieb der nach England gerichteten Antenne, die jedoch bereits seit September 2013 nicht mehr genutzt wird.[10]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Wegen der Umstellung der Richtstrahlung sind täglich jeweils gegen 18 und 22 Uhr kurze Betriebsunterbrechungen zu beobachten.
  • Der Mittelwellenfrequenz 1440 kHz Sender Marnach zählte neben der Kurzwellenfrequenz 6090 kHz des Senders Junglinster und den UKW-Frequenzen 88,9 MHz und 97,0 MHz des Senders Düdelingen bzw. des Senders Hosingen (bis 1969 ebenfalls aus Marnach) zu den vier fröhlichen Wellen des einstigen Radio Luxemburg.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Informationen über den Sender Marnach auf der Webseite von Hansjörg Biener
  2. Informationen über Radio China International auf der Webseite von Hansjörg Biener
  3. transradio.de: 600kW MW Marnach, Luxembourg
  4. a b c 1440 kHz aus Luxemburg soll abgeschaltet werden
  5. fmscan.org: Marnach AM transmitter info
  6. Euro-African Medium Wave Guide
  7. lq-marnach.lu: Doch bald „ausgestrahlt"? – Zeitungsartikel aus dem Luxemburger Wort veröffentlicht auf der Webseite der Initiative gegen den Sender (PDF; 574 kB)
  8. Activités futures sur le site de l’émetteur de Marnach (Version vom 11. Oktober 2013 im Internet Archive)
  9. Guido Romaschewsky: Ein Sender, eine Gemeinde – und eine Bürgerinitiative: Was noch nicht über Marnach gesagt wurde. Tageblatt, 31. Mai 2014, abgerufen am 21. Juni 2014 (pdf, deutsch).
  10. Kai Ludwig: Mittelwelle 1440 kHz bleibt in Betrieb. radio eins Medienmagazin, 19. Juni 2014, abgerufen am 21. Juni 2014.