Sergei Jurjewitsch Glasjew

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Sergei Glasjew (2011)

Sergei Jurjewitsch Glasjew (russisch Сергей Юрьевич Глазьев; * 1. Januar 1961 in Saporischschja, Ukrainische SSR) ist ein russischer Ökonom und Politiker, der in den frühen 1990er-Jahren in der russischen Regierung tätig war sowie im Jahre 2004 als Präsidentschaftskandidat zur Wahl stand.

Biografie[Bearbeiten]

Geboren 1961 in einer Arbeiterfamilie, nahm Sergei Glasjew 1978 das Studium an der Moskauer Lomonossow-Universität auf, zunächst der Chemie, ab dem zweiten Studienjahr dann der Wirtschaftskybernetik. Dieses Fach schloss er 1983 mit Auszeichnung ab. Anschließend arbeitete er an einem Moskauer Forschungsinstitut für Wirtschaft und Mathematik, später als Leiter eines Wirtschaftslabors. 1989 habilitierte er in Wirtschaftswissenschaften und wurde zum jüngsten Dozenten der Ökonomie in der damaligen Sowjetunion. Bis zur Habilitation arbeitete Glasjew mit mehreren jungen Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, die einige Jahre später eine wichtige Rolle in den wirtschaftlichen Reformen des postsowjetischen Russland spielen sollten, so beispielsweise mit Anatoli Tschubais.

Nach einer mehrmonatigen Arbeit in Wien wurde Glasjew im Dezember 1991 zum stellvertretenden Chef des (heute nicht mehr existenten) Ministeriums für außenwirtschaftliche Beziehungen Russlands. Im Juli 1992 trat Glasjew den Posten des Ministers an und gehörte seitdem mehrere Monate lang der liberalen Regierung des Reformers Jegor Gaidar an. Von diesem Amt trat Glasjew im September 1993 aus Protest gegen die verfassungswidrige Parlamentsauflösung durch Präsident Boris Jelzin zurück, die zur Verfassungskrise führte.

Im Dezember 1993 wurde Glasjew bei den Wahlen 1993 zum Duma-Abgeordneten über die Liste der Demokratischen Partei Russlands gewählt. Bei den Wahlen zwei Jahre später kandidierte er als Mitglied des Kongress der Russischen Gemeinden unter Leitung von Dmitri Rogosin, verfehlte jedoch damit die Fünfprozenthürde. In den darauffolgenden Jahren übte Glasjew vorwiegend Beratertätigkeiten aus. Er kritisierte die Wirtschaftspolitik unter Jelzin stets und unterstützte bei den Präsidentschaftswahlen 1996 den General Alexander Lebed.

Bei den Duma-Wahlen 1999 gelang es Glasjew, erneut ins Parlament einzuziehen, diesmal als Abgeordneter der KPRF-Fraktion. Bei den Nachfolgewahlen 2003 trat Glasjew erfolgreich als Mitinitiator des Wahlblocks Rodina an. Am 8. Februar 2004 wurde er als Kandidat dieses Wahlblocks bei den Präsidentschaftswahlen 2004 registriert. Bei den Wahlen, die am 14. März stattgefunden haben, erhielt Glasjew jedoch nur 4,18 % der Wählerstimmen.

Kurz nach den Wahlen verlor Glasjew aufgrund der Streitigkeiten mit dem Rodina-Vorsitzenden Dmitri Rogosin seinen Posten als Fraktionschef des Blocks. Neuer Fraktionschef wurde Rogosin. Daraufhin trat Glasjew aus Rodina aus und versuchte mit dem Bündnis Für ein würdiges Leben eine Nachfolgeorganisation zu gründen. Später erwog Glasjew eine Teilnahme an der Putin-kritischen Bewegung Das andere Russland, was jedoch an der Kritik Glasjews am äußerst liberalen politischen Konzept des Ex-Premiers Michail Kassjanow, eines der Anführer der Bewegung, scheiterte.

Glasjew wurde im Februar 2009 Leiter des Sekretariats des von Russland, Weißrussland und Kasachstan gebildeten einheitlichen Wirtschaftsraumes (russ.: KTS). Im Juli 2012 wurde er zu Putins Berater für die eurasische Wirtschaftsintegration ernannt.[1]

Im April 2014 setzte die EU Glasjew auf eine Sanktionsliste infolge der Ukraine-Krise, die Glasjew die Einreise in die Mitgliedsstaaten der EU verbietet.[2]

Glasjew ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften sowie der russischen Industrie- und Handelskammer. Bis heute veröffentlichte er rund 150 wissenschaftliche Publikationen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die eurasische wirtschaftliche Integration nimmt Fahrt auf, Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung vom 3. Juni 2013
  2. zeit.de:EU-Russland Sanktionen: Liste, Glasjew