Petro Poroschenko

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Petro Poroschenko während der 46. Münchner Sicherheitskonferenz 2010
Kyrillisch (Ukrainisch)
Петро Олексійович Порошенко
Transl.: Petro Oleksijovyč Porošenko
Transkr.: Petro Olexijowytsch Poroschenko

Petro Olexijowytsch Poroschenko (ukr. Петро Олексійович Порошенко, wiss. transl. Petro Oleksijovyč Porošenko; * 26. September 1965 in Bolhrad) ist ein ukrainischer Industrieller und Politiker. Sein Reichtum gründet auf den Einnahmen seiner Unternehmensgruppe Ukrprominvest (Schokolade, TV-Sender, Schiffbau- und Rüstungsunternehmen), mit dieser ist er einer der größten Unternehmer der Ukraine. 2013 wurde er von der Wirtschaftszeitschrift Forbes auf Platz sieben der ukrainischen Oligarchen, mit einem geschätzten Vermögen von 1,6 Milliarden Dollar, gelistet. Im Jahre 2005 wurde laut dem polnischen Nachrichtenmagazin Wprost sein Vermögen noch auf etwa 350 Millionen USD geschätzt. [1]

Er bekleidete schon verschiedene Regierungsämter, er war Vorsitzender des „Nationalen Sicherheitsrates“, von Februar 2007 bis März 2012 Notenbank-Aufsichtsrat und Direktor der Nationalbank der Ukraine und Außen- und Wirtschaftsminister, sowohl unter der pro-westlichen Regierung des Präsidenten Viktor Juschtschenko und Ministerpräsidentin Julija Timoschenko als auch unter Präsident Viktor Janukowitsch. Er kandidiert bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Als Sohn eines Maschinenbauingenieurs und späteren Fabrikdirektors[2] aus der Oblast Odessa studierte Poroschenko an der Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew von 1982 bis 1985 und von 1986 bis 1989 an der Fakultät für Internationale Beziehungen und Internationales Recht mit einem Abschluss in Internationaler Ökonomie. In den Jahren 1984 bis 1986 leistete er seinen Wehrdienst ab.

Nach seinem Studienabschluss arbeitete Poroschenko als Aspirant am Lehrstuhl für Wirtschaftsbeziehungen am Institut für Internationale Beziehungen und Internationales Recht an der Kiewer Taras-Schewtschenko-Universität. Seine „kleine“ Doktorarbeit (Kandidatendissertation) veröffentlichte er 2002 an der Odessaer Nationalen Juristischen Akademie unter dem Titel „Die rechtsgemäße Regulierung der Verwaltung des staatlichen Gesellschaftsrechts in der Ukraine“ (ukr. Правове регулювання управління державними корпоративними правами в Україні).

Karriere als Unternehmer[Bearbeiten]

Roshen-Schokolade von Poroshenko.

Den Grundstein für seinen wirtschaftlichen Aufstieg legte Poroschenko in den Umbruchzeiten der 1990er-Jahre, zunächst handelte er mit Kakaobohnen, dann erwarb er mehrere Süßwarenfabriken, die er zu dem Konzern Roshen (eine Wortkreation aus Poroshenkos Nachnamen) verschmolz. Roshen produziert jährlich 450.000 Tonnen Konfekt und macht über 40 Prozent seines Umsatzes in Russland und den GUS-Staaten (Stand 2013). Der Nahrungsmittelkonzern Roshen brachte ihm den Spitznamen „Schokoladenkönig“ sowie „Zuckerbaron“ ein.

Er war stellvertretender Direktor in der Vereinigung kleiner Unternehmer und Unternehmen „Respublika“; seit 1991 Generaldirektor der Aktiengesellschaft Börsenhaus „Ukraina“ und ab 1993 der Geschlossenen Aktiengesellschaft Ukrprominvest (ukr. Група «Укрпромінвест»), einem Investment- und Mischkonzern dem unter anderem das Schiffbau- und Rüstungsunternehmen[3] Leninska Kuznya gehört. Der Vater Poroschenkos, Alexey Poroshenko (* 1936) (Порошенко, Алексей Иванович), ist der Geschäftsführer von Ukrprominvest.[4]

Über seine Anteile an der Holding Ukrprominvest kontrolliert Poroschenko unter anderem eine Mediengruppe mit TV- und Radiosendern, darunter den einflussreichen Kanal 5 (5.ua), einen liberalen privaten Fernsehsender, die Nachrichtenmagazine Bigmir.net und Korrespondent.net[5] Als einer der reichsten Männer der Ukraine, wird er zu den Oligarchen gerechnet.

Poroschenko kündigte an, den Roshen-Konzern zu verkaufen, sollte er die Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014 gewinnen.[6]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Parteiämter[Bearbeiten]

Poroschenko war von Juli bis November 2000 Vorsitzender der Partei (Solidarnost) („Solidarität“), anschließend stellvertretender Vorsitzender in der Partei der Arbeitssolidarität der Ukraine, und von März bis November 2001 stellvertretender Vorsitzender der Partei der Regionen. Von Oktober 1998 bis Februar 2002 war Poroschenko Mitglied im Politbüro der „Vereinten Sozialdemokratischen Partei der Ukraine“.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Die regionale Hochburg Poroschenkos ist die Stadt Winnyzja sowie große Teile des gleichnamigen Gebietes im Westen der Zentralukraine. Mit 32 Jahren wurde Poroschenko erstmals über seinen Wahlkreis in der Oblast Winnyzja im März 1989 ins Parlament gewählt. Als Wirtschaftsspezialist betätigte Poroschenko sich unter anderem führend in den Ausschüssen für Wertpapiere, Fonds- und Investitionsmärkte im Komitee für Finanz- und Bankfragen. Er schloss sich der Fraktion Sozialdemokratische Partei der Ukraine an, die den damaligen pro-russischen Präsidenten Leonid Kutschma unterstützte und wurde Mitglied des politischen Rates dieser Partei. Nach zwei Jahren gründete Poroschenko die Partei Solidarnost, die er noch im selben Jahr mit vier weiteren Parteien zu einer neuen Partei zusammenführte – diese wurde im März 2001 als Partei der Regionen registriert und Poroschenko zum Stellvertreter des Vorsitzenden Mykola Asarow gewählt.[7]

In der vierten Wahlperiode der Werchowna Rada, die von 2002 bis 2006 andauerte, war Poroschenko erneut Abgeordneter. Er gehörte der Fraktion Unsere Ukraine an, die den späteren Präsidenten Wiktor Juschtschenko unterstützte. Poroschenko war zeitweise Vorsitzender des Haushaltsausschusses und Mitglied des Nationalbankrates. Neben Julija Tymoschenko war er nach dem Wahlsieg Wiktor Juschtschenkos 2005 einer der Anwärter auf das Amt des Premierministers.[8][9][10]

Regierungsämter[Bearbeiten]

Von seinem Amt des Vorsitzenden des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, das Poroschenko nach der Regierungsbildung Juschtschenkos innehatte, trat er im September 2005 kurz vor der Entlassung der gesamten Regierung zurück. Als Ursachen wurden Konflikte mit der Regierung Tymoschenko sowie Korruptionsvorwürfe genannt.

Am 9. Oktober 2009 wurde Poroschenko zum neuen Außenminister der Ukraine gewählt, dieses Amt hatte er bis zum März 2010 inne.[11] Von März bis Dezember 2012 gehörte er als Wirtschaftsminister dem Kabinett von Mykola Asarow an.

Euromaidan-Proteste[Bearbeiten]

Münchner Sicherheitskonferenz 2014 - Petro Poroschenko und der Außenminister der Vereinigten Staaten John Kerry schütteln sich die Hände, links davon Vitali Klitschko, rechts Arsenij Jazenjuk.

Bei den Parlamentswahlen 2012 erreichte Poroschenko in der Oblast Winnyzja als unabhängiger Bewerber wieder ein Mandat für die Werchowna Rada. Sein Fernsehsender "TV5" berichtete seit 2013 zunehmend kritisch über die Politik der Regierung Janukowytsch und unterstützte die Forderungen des Euromaidan.[12]

Am 20. Dezember 2013 sprach Poroschenko der ukrainischen Regierung die Legitimität ab. Die Ukraine brauche zur Realisierung von Reformen „die Erfahrung der EU“ und eine „entschlossene Haltung der politischen Kräfte“. Manche dieser Reformen, darunter wirtschaftliche Reformen, würden unpopulär sein. Er sprach sich auch für einen gemeinsamen Kandidaten der Opposition gegen Präsident Janukowytsch bei den kommenden Präsidentschaftswahlen aus. Gefragt ob er sich als zukünftiger Präsident der Ukraine sehe, sagte er: „Poroschenko kann vieles.“[12]

Präsidentschaftskandidatur[Bearbeiten]

Nach dem Umsturz im Februar 2014 wurde Poroschenko am 29. März 2014 von Vitali Klitschko auf einem Parteitag der Partei UDAR als Kandidat für die ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2014 vorgeschlagen. [13] Kurz zuvor trafen sich Poroschenko und Klitschko in Wien mit dem RosUkrEnergo-Gaszwischenhändler Dmytro Firtasch, der u.a. über die Inter Media Group Limited Ukraines TV-Kanal mit der größten Reichweite, Inter, kontrolliert und warben – so Beobachter – um Unterstützung. [14] [15]

Am 31. März erklärte Poroschenko in einer Sendung des Fernsehkanals 1+1, er stehe für Kompromisse mit Russland in allen Fragen, ausgenommen dem Status der Krim und der Integration mit der Europäischen Union. Die Ukraine habe sich für Europa entschieden und wolle ein vollwertiges EU-Mitglied werden. Die Mitgliedschaft könnte bis zum Jahr 2025 erreicht werden. Einer föderativen Ukraine erteilte er eine Absage.[16]

Poroschenko gab Anfang April 2014 in einem Interview mit der Bildzeitung bekannt, sollte er die Präsidentenwahl gewinnen, würde er den Roshen-Konzern verkaufen, teilte jedoch nicht mit, an wen und was mit seinen Anteilen an der einflussreichen Holding UkrPromInvest geschehe. [17]

Privates[Bearbeiten]

Poroschenko ist seit seiner Studienzeit verheiratet mit Marina Poroschenko, einer Kardiologin. Das Paar hat Zwillingstöchter (* 2000), deren Pate Wiktor Juschtschenko ist, und zwei Söhne. Das letzte Kind wurde 2001 geboren. Poroschenko wiederum ist Pate eines Sohnes von Juschtschenko.[18]

Poroschenko gründete die Stiftung Petro Poroschenko. Seine Ehefrau ist die Vorsitzende.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Petro Poroshenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Poroschenko und Timoschenko schachmatt, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. vom 13. September 2005
  2. Der „Schoko-König“ sponsert die Opposition, ksta.de vom 29. Dezember 2004 (abgerufen am 31. März 2014)
  3. "Plant "Leninska Kuznya" (abgerufen am 29. März 2014)
  4. politrada.com Dossier Poroschenko Alexey (Порошенко Алексей Иванович), abgerufen am 31. März 2014)
  5. Interview mit Porochenko, KyivPost vom 2. Juni 2011 abgerufen am 31. März 2014)
  6. Ukraines Wahlfavorit Petro Poroschenko: „Die Deutschen sollten russisches Gas boykottieren“. Bild.de, 4. April 2014.
  7. Neuer Wirtschaftsminister – Petro Poroschenko, Bundeszentrale für politische Bildung, 21. Mai 2012.
  8. Biographie, Korrespondent, abgerufen am 2. April 2014.
  9. Порошенко Петр Алексеевич Poroshenko Petr Aleksiyovych, ЛІГА.net, abgerufen am 2. April 2014.
  10. Hryvnia exchange rate could strengthen, says NBU Council head, Interfax-Ukraine, 16. März 2011.
  11. NEWSru.ua: Порошенко стал министром иностранных дел. За назначение проголосовали БЮТ, НУ-НС, БЛ и по одному нардепу от ПР и КПУ
  12. a b Ukrainischer Milliardär: "Wir erwarten eine deutliche Geste der EU", SPON vom 19. Dezember 2013.
  13. Klitschko geht in die zweite Reihe, Tagesschau am 29. März 2014.
  14. Timoschenko: "Die Oligarchie muss ein für alle Mal weg" diepresse.com vom 12. April 2014 (abgerufen am 14. April 2014)
  15. Klitschko & Poroschenko geheim mit Firtasch in Wien oe24.at vom 1. April 2014 (abgerufen am 14. April 2014)
  16. Poroshenko stands for compromise with Russia on every issue but Crimea, European integration, Interfax-Ukraine am 31. März 2014.
  17. Ukraines Wahlfavorit Poroschenko, Bild.de, 2. April 2014.
  18. kommersant.com vom 28. Januar 2005 (abgerufen am 31. März 2014)