Sewansee

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Der Sewansee vom Weltraum aus gesehen.
Blick vom Kloster Sewanawank auf den See.

Der Sewansee (armenischՍևանա լիճ) ist mit 940 km² (circa 78 km lang und 56 km breit) nicht nur der größte Süßwassersee Armeniens, sondern auch der größte des Kaukasus und mit seiner Höhe von etwa 1900 m über dem Meeresspiegel einer der größten Hochgebirgsseen der Welt. Er liegt 1894 m hoch und ist maximal 83 m tief. Sein Volumen beträgt 58,4 km2. Durch Entwässerung für Stromgewinnung seit 1936 sank der Wasserspiegel um 22m.

Die Artaniš- und Noratuz-Halbinseln unterteilen den See in den großen Sewan im Südosten und den kleinen Sewan im Nordwesten. Er hat 28 Zuflüsse, darunter der Archichi, Masrik, Gavaraget, Dzknaget und Pambak. Sein einziger Ausfluß ist der Hrazdan, der durch einen Kanal in den Araxes entwässert. Die Küstenebene ist im Südosten bis zu 17 km breit. Hier wird Getreide und Obst angebaut.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Der Sewansee liegt in der Provinz Gegharkunik im Osten Armeniens, unweit der Grenze zu Aserbaidschan. Er ist umgeben von den Sevan, Anti-Kaukasus, Gegham- und Vardenis-Gebirgszügen.

[Bearbeiten] Klima

Der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 350 mm am See selber, 350-446  in der Küstenebene. Die potentielle natürliche Vegetation der Küstenebene ist eine Federgrassteppe. Vorherrschende Böden sind Berg-Kastanozems.

[Bearbeiten] Fauna

In dem See kommen fünf Fischarten vor, von denen drei einheimisch sind (Salmo ischchan Kessi, Varicorhinus capoeta seirange und Barbus).

[Bearbeiten] Forschungsgeschichte

Waldemar Belck besuchte den Sewan-See Ende des 19. Jahrhunderts. 1906 grub Lalayan den bronzezeitlichen Friedhof von Tsovak aus. 1926 wurde der erste Abguß der urartäischen Inschrift von Tsovinar angefertigt.

[Bearbeiten] Geschichte

Die Region um den Sewansee ist geschichtsträchtig: Es wurden aufwendige Bestattungsplätze aus der Bronzezeit entdeckt. Die Urartäer gaben dem See seinen Namen. Das urartäische Wort Suina bedeutet so viel wie „Land des Sees“ bzw. „des Wassers“. Argišti I. erreichte in seinem 5. Regierungsjahr (782) den Sewan-See [1]. Die Inschrift von Lchašen[2]berichtet, daß er das Land Qihu eroberte und die Stadt Ištiquni erreichte. Sarduri II. führte ab seinem ersten Regierungsjahr mehrere Feldzüge zum Sewan-See und eroberte das südöstliche Seeufer, Likiu, Uelikuḫi, Tulihu und Uduri-Etiuni[3] und Länder südlich des Vardenis-Gebirges, Ediani, Irduani und Puinialḫi. Nach dem Tod von Sarduri gingen die Eroberungen am Sewan See vermutlich wieder verloren. Rusa I. rühmt sich des Sieges über 23 Länder und 19 Könige "von der anderen Seite des Sees, in den schrecklichen Bergen"[4]. Nach Rusa I. brechen die schriftlichen Überlieferungen ab. Burney nimmt an, daß das Gebiet seine Unabhängigkeit wieder erlangte, Salvini geht von einer urartäischen Herrschaft bis in die Zeit von Rusa II. aus und nimmt an, daß dieser das Gebiet an die Skythen abtrat. Skythische Funde aus dem Gebiet des Sewan-Sees sind jedoch spärlich und beschränken sich auf das Fragment eines Akinakes aus Geghovit sowie zwei Pfeilspitzen aus Karchaghbyur und Astghazor [5].

In persischer Zeit war der Sewan-See Teil von Armenien. Im Tal des Sewan-Sees wurden acht aramäische Inschriften des Artaxias I. gefunden, überwiegend am fruchtbaren Südufer. Im Mittelalter waren Tsar (Ayrk) und Kot (Geghakuni) die Hauptstädte. Von den alten armenischen Königs- und Fürstenfamilien zeugen die vielen um den See errichteten Kirchen und Klöster. Seit dem 17. Jahrhundert war das Becken weitgehend entvölkert. Nach dem Frieden von Edirne 1829 siedelten Armenier aus Beyazid in der Gegend. Die osmanischen Machthaber nannten den Sewansee „Gökcay“, was „himmelblaues Wasser“ bedeutet.

[Bearbeiten] Umweltprobleme

Die enorme Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Armenischen SSR erforderte extensive Bewässerungsmaßnahmen. Der Sewansee, rund doppelt so groß wie der Bodensee, ist das einzige große Wasserreservoir im Südkaukasus. Er wurde für groß angelegte Bewässerungsprogramme ausgebeutet und sein Pegel sank bedrohlich. Verantwortlich dafür war derselbe Ingenieur, der für die Verlandung des Aralsees verantwortlich war. In den achtziger Jahren drohte der See ganz aus dem ökologischen Gleichgewicht zu geraten. Erst in den letzten Jahren konnte der Wasserspiegel durch eine verstärkte Wasserzufuhr aus Flüssen anderer Gegenden wieder leicht angehoben werden. Im Zeitraum vom März 2005 bis zum März 2006 stieg der Wasserspiegel um 39 cm an und liegt nun 1 898,15 m ü. NN. [1] Die Fischbestände sind aber weiterhin stark bedroht.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Biscione et al., The Armenian-Italian archaeological survey in the Sevan Lake Basin, Campaigns 1994-2000. In: Raffaele Biscione, Simon Hmayakyan Neda Parmegiani (Hrsg.), The North-Eastern frontier Urartians and non-Urartians in the Sevan Lake basin. Rom: CNR, Istituto di studi sulle civiltà dell'Egeo e del Vicino Oriente, 2002, 9-18
  2. Г.А. Меликишвили, Урартские клинообразные надписи. Москва: Издательство АН СССР, 1960, Nr. 134
  3. Г.А. Меликишвили, Урартские клинообразные надписи. Москва: Издательство АН СССР, 1960, Nr. 155
  4. Г.А. Меликишвили, Урартские клинообразные надписи. Москва: Издательство АН СССР, 1960, Nr. 256
  5. Biscione et al., The Armenian-Italian archaeological survey in the Sevan Lake Basin, Campaigns 1994-2000. In: Raffaele Biscione, Simon Hmayakyan Neda Parmegiani (Hrsg.), The North-Eastern frontier Urartians and non-Urartians in the Sevan Lake basin. Rom: CNR, Istituto di studi sulle civiltà dell'Egeo e del Vicino Oriente, 2002, 12

[Bearbeiten] Weblinks

40.31055555555645.349166666667Koordinaten: 40° 18′ 38″ N, 45° 20′ 57″ O

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