Shōgi

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kleines Shōgibrett
Spielsteine (japanisch , koma)

Shōgi (jap. 将棋, veraltet auch: 象戯/象棋/象棊[1]) ist die japanische Variante des Schachspiels.

Schach kam vom Kaiserreich China über Korea oder über Birma und Malaysia im 8. Jahrhundert nach Japan. Das Shōgi hat sich in Japan zu vielfältigen Varianten verändert. Es gab verschiedene Brettgrößen von drei mal drei bis hin zu 36 mal 36 Feldern und etwa achthundert Spielfiguren (Taikyoku-Shōgi; „Ultimatives Shogi“). Heute werden noch das unten vorgestellte Shōgi und die Varianten Chū-Shōgi („Mittleres Shōgi“) und Tori-Shōgi („Vogel-Shōgi“) gespielt. Die gebräuchlichste Brettgröße war und ist neun mal neun Felder groß.

Es gibt markante Unterschiede zu anderen Schachspielen und Gemeinsamkeiten:

Die Shōgi-Spielsteine (, Koma) sind keiner Farbe zugeordnet: Ihre Zugehörigkeit zu einem Spieler wird durch die Richtung, in der sie auf dem Spielfeld stehen, angezeigt; wenn sie geschlagen werden, können sie vom Gegner wieder eingesetzt werden. Erreicht eine Figur den Startbereich des Gegners, kann sie befördert werden: der flache, fünfeckige Spielstein wird umgedreht, und die neue Figur mit erweiterten Zugmöglichkeiten erscheint auf der Rückseite. Geschlagene Umwandlungsfiguren reduzieren sich auf ihren Ausgangswert, es können also keine beförderten Figuren eingesetzt werden.

Obwohl das japanische Schachspiel sich weit von den kontinentalasiatischen Schachspielen (indisches Schach Chaturanga, chinesisches Schach Xiangqi) entfernt hat, gibt es deutlich erkennbare Gemeinsamkeiten. Die Zugmöglichkeiten der Figuren König, Streitwagen (Turm), Pferd und Soldat (Bauer) ähneln denen aller anderen Schachspiele.

Steine und Zugvorschriften[Bearbeiten]

Stein zieht beliebig weit in diese Richtung
Stein zieht ein Feld in diese Richtung

Stein Japanischer Name Zug Stein Japanischer Name Zug
König 王将 (ōshō = König) und 玉将 (gyokushō = Juwelengeneral)
Alle angrenzenden Felder.
Turm 飛車 (hisha = Fliegender Streitwagen)
   
   
Horizontal und vertikal beliebig weit Drache 龍王 (ryūō = Drachenkönig)
Turm + König.
Läufer 角行 (kakugyō = Schrägläufer)
 
   
 
Diagonal beliebig weit Pferd 龍馬 (ryūma oder ryūme = edles Ross)
Läufer + König
Goldener General 金将 (kinshō = Goldener General)
   
Horizontal, vertikal oder vorwärts diagonal
Silberner General 銀将 (ginshō = Silberner General)
   
 
Diagonal oder vorwärts vertikal Beförderter Silber 成銀 (narigin = Befördertes Silber)
   
Wie ein goldener General
Springer 桂馬 (keima = Lorbeerpferd)
 
     
   
Zwei Felder nach vorne und dann eines seitwärts, kann andere Figuren überspringen Beförderter Springer 成桂 (narikei = Beförderter Lorbeer)
   
Wie ein goldener General.
Lanze 香車 (kyōsha = Wohlriechender Streitwagen)
   
   
     
Beliebig weit nach vorne Beförderte Lanze 成香 (narikyō)
   
Wie ein goldener General
Bauer 歩兵 (fuhyō = Fußsoldat)
   
   
     
Ein Feld nach vorne Beförderter Bauer と金 (tokin = Vergoldeter)
   
Wie ein goldener General.

Stein zieht beliebig weit in diese Richtung
Stein zieht ein Feld in diese Richtung

Der Schachspieler Werner Golz machte das Shōgi im deutschsprachigen Raum einem größeren Kreis bekannt. Er entwickelte für Shōgi-Interessierte ohne Kenntnisse der japanischen Sprache eine leicht verständliche ideografische Darstellung der Spielfiguren. Die Oberseite dieser Spielsteine zeigt die Zugmöglichkeiten der Originalspielsteine, die Unterseite die der Umwandlungsfiguren, soweit vorhanden.

Shōgi-Ideogramme nach Werner Golz
Shōgi-Figur deutsche Entsprechung Ideogramm Umwandlungsfigur deutsche Entsprechung Ideogramm
Gyokushō König Gyoku,König.png - - -
Hisha Turm Hisha,Turm.png Ryūō Drache: gekrönter Turm Ryo=Turm befördert.png
Kakugyō Läufer Kaku=Läufer.png Ryūma Pferd: gekrönter Läufer Uma=Läufer befördert.png
Kinshō Goldgeneral Kin,Goldgeneral.gif - - -
Ginshō Silbergeneral Gin=Silbergeneral.png Narigin beförderter Silbergeneral Nari-Gin-beförderter Silbergeneral.png
Keima Springer Kei,Springer.gif Narikei beförderter Springer Nari-Kei-beförderter Springer.png
Kyōsha Lanzenreiter Lanzenreiter.png Narikyō beförderter Lanzenreiter Nari-Kyo-beförderter Lanzenreiter.png
Fuhyō Bauer Fu,Bauer.png Tokin beförderter Soldat To-Kin=beförderter Bauer.png
Grundstellung des Shogi

Beförderung[Bearbeiten]

Wenn der Zug einer Spielfigur innerhalb der Zone der hintersten drei Reihen – dem Bereich, in dem die Spielfiguren des Gegners zu Spielbeginn aufgestellt sind – beginnt oder endet, kann diese Figur befördert werden. Zu beachten ist, dass eine Figur, die in dieser Zone eingesetzt wird, nicht sofort befördert werden kann, sondern erst wenn sie ein weiteres Mal gezogen wird. Auch Figuren, die im beförderten Zustand geschlagen werden, können nur im unbeförderten Zustand eingesetzt werden.

Auf die Beförderung kann verzichtet werden, solange die nicht-beförderte Figur noch mindestens einen theoretisch möglichen legalen Zug zur Verfügung hat: Eine Lanze, die auf die hinterste Reihe gezogen wird, muss befördert werden. Zieht sie jedoch auf die vorletzte Reihe, muss sie nicht befördert werden, auch wenn das letzte Feld von einer eigenen Figur besetzt ist: Die eigene Figur kann wegziehen oder geschlagen werden, wodurch der Lanze wieder ein legaler Zug ermöglicht würde.

Notation[Bearbeiten]

Feldkoordinaten

Zum Aufschreiben von Shogipartien wird eine der Notation des internationalen Schachs angelehnte Kurznotation verwendet. Dabei werden die Reihen mit den Buchstaben von a - i und die Linien mit den Zahlen von 1 - 9 bezeichnet. Von Schwarz aus gesehen, wird das rechte Eckfeld mit "1i" bezeichnet, das Eckfeld links oben ist "9a".

Die Bedeutungen der weiteren Symbol wird anhand folgender Tabellen ersichtlich:

Symbol (deut. /eng.) Bedeutung
 : oder x schlägt auf
' oder * wird eingesetzt auf
+ wird befördert
= wird nicht befördert
- zieht nach
# Schachmatt
  • Anm.: Das Zeichen „-“ wird oft weggelassen.


Stein Symbol (deutsch) Symbol (englisch)
König K K
Turm T R
Läufer L B
Gold G G
Silber S S
Springer Sp N
Lanze La L
Bauer (B)* (P)*
Drache (beförd. Turm) D +R
Pferd (befördeter Läufer) P +B
befördeter Silber +S +S
befördeter Springer +Sp +N
beförderte Lanze +La +L
Tokin (beförderter Bauer) To +P

*Beim Notieren von Zügen wird das Symbol des Bauern normalerweise ausgelassen. Beispiele:

K5i (König zieht nach 5i)
G4i-5h (der Gold auf dem Feld 4i zieht nach 5h)
3f (Bauer zieht nach 3f)
Sp'4e (Springer wird auf 4e eingesetzt)
Sx3g+ (Silber schlägt auf 3g und wird befördert)
  • Anm.: Obwohl es eine deutsche Notation fürs Shogi gibt, haben es sich aufgrund der Internationalität der Shogiszene in Deutschland die meisten Shogispieler angewöhnt, die englische Notation zu verwenden.

Spielbetrieb in Europa[Bearbeiten]

In Europa gibt es derzeit (1. Juli 2010) 400 aktive Spieler. Diese sind organisiert in 17 nationalen Verbänden, darunter Shogi Deutschland e. V. und der Österreichische Shogiverband. Den größten Landesverband stellt mit gut 80 Spielern die Ukraine. Hier spielen auch verhältnismäßig viele Kinder und Jugendliche. Es folgen die Verbände von Deutschland und Frankreich mit jeweils 60 bis 70 Spielern sowie Weißrussland, Schweden, Russland und die Niederlande mit 30 bis 40 Spielern.

Der Dachverband der nationalen Organisationen ist die FESA (Federation of European Shogi Associations). Ihre Aufgaben sind zum einen die Organisation der jährlichen Europameisterschaft (ESC European Shogi Championship) und einem parallel stattfindenden offenen Turnier (WOSC World Open Shogi Championship), zum anderen der Aufbau und die Aufrechterhaltung eines Ratingsystems mit Elo-Zahlen für die aktiven Spieler sowie die Vergabe von Rängen (20 Kyū bis 6 Dan).

Turniere[Bearbeiten]

Die Landesverbände führen regelmäßig Turniere durch. Das Problem der Shogiszene in Europa ist, dass es nur sehr wenige Spieler gibt. Ein Turnier mit 20 Teilnehmern ist schon ein größeres Ereignis und rund 40 Teilnehmer gibt es außerhalb der Ukraine nur einmal im Jahr, wenn die FESA ihr ESC/WOSC ausrichtet. An fast allen Turnieren nehmen Spieler aus mehreren Ländern teil.

Die Bedenkzeiten für Turniere werden meist so gewählt, dass eine Partie etwa eineinhalb bis zwei Stunden dauert (beispielsweise 45 Minuten pro Spieler plus 30 Sekunden Byōyomi). So lassen sich drei bis vier Partien an einem Tag spielen. Viele Turniere werden an einem Wochenende mit fünf bis sieben Runden über zwei Tage oder vier Runden an einem Tag gespielt.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland spielen (Stand: 1. Juli 2010) 68 Menschen organisiert Shōgi. Aktive Spieler dürfte es einige Hundert geben, die mehr oder weniger regelmäßig über das Internet spielen. Im Gegensatz zur Schachszene gibt es außer dem Landesverband keine eingetragenen Vereine, sondern nur locker organisierte Clubs oder Spielabende mit jeweils etwa einem halben Dutzend Spieler. Die größte Gruppe ist als "Shogi Kurpfalz" mit rund 20 Spielern in Ludwigshafen aktiv.

Bis 2009 fanden in Deutschland drei bis vier Wochenendturniere pro Jahr statt. 2010 wurde mit dem Kurpfalz-Grand-Prix alleine in Ludwigshafen das Angebot auf neun Turniere im Jahr ausgeweitet. Das wichtigste Turnier in Deutschland ist die jährliche offene Deutsche Meisterschaft (ODM), die 2014 in Ludwigshafen von Thomas Leiter gewonnen wurde. Im November 2009 wurde in Ludwigshafen erstmals eine Deutsche Damenmeisterschaft ausgetragen. Erste deutsche Meisterin der Damen ist Kirstin Auburger, die auch in der zweiten Damenbundesliga für die TSG Mutterstadt Schach spielte. Seit 2010 wird jährlich eine deutsche Jugendmeisterschaft in drei Altersklassen (U10, U14 und U18) ausgetragen.

Shogi Deutschland e. V.[Bearbeiten]

Shogi Deutschland e. V., kurz: ShD, ist der Shogi Dachverband Deutschlands. Er wurde kurz nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze im November 1989 in Heidelberg als Unterorganisation des Europäischen Shogiverbandes (FESA) unter Führung von Pieter Stouten (NL) gegründet. Hauptziel des Verbands ist die Bildung einer Plattform zwecks Verbreitung und Förderung des japanischen Schachs. Erster Vorsitzender ist aktuell Jochen Drechsler.

Das ESC/WOSC[Bearbeiten]

Die wichtigste Shōgiveranstaltung Europas ist das alljährlich im Sommer abgehaltene ESC/WOSC. ESC bedeutet European Shogi Championship und ist die über fünf Runden im KO-System ausgetragene Europameisterschaft. Qualifiziert sind die 32 nach Elo-Zahl stärksten am ESC/WOSC teilnehmenden europäischen Spieler. Das WOSC ist das World Open Shogi Championship, eine Art offene Europameisterschaft, an der auch Spieler von außerhalb Europas teilnehmen können. Das WOSC geht über neun Runden. Dabei sind die Runden des ESC in das WOSC integriert, die Spielergebnisse des ESC zählen also auch für das WOSC. Im dritten Turnier der Veranstaltung wird noch die Europäische Meisterschaft im Blitzshōgi ausgespielt.

ESC/WOSC 2010
2010 fand die Veranstaltung erstmals in Ungarn am 16. und 17. April in der Universität Debrecen statt. Folgende Spieler erreichten jeweils die ersten drei Plätze[2]:

Platz ESC (European Shogi Championship) Europameisterschaft im Blitzshōgi WOSC (World Open Shogi Championship)
1 Jean Fortin (Frankreich),
der erste Spieler,
der diesen Titel erfolgreich verteidigte
Laszlo Abuczki (Ungarn) Kimio Takahashi (Japan/München)
2 Gergely Buglyo (Ungarn) Michiel Boekschoten (Niederlande) Jean Fortin (Frankreich)
3 Thomas Leiter (Deutschland) Karolina Styczynska (Polen) Frank Rövekamp (Deutschland)

ESC/WOSC 2011
2011 findet diese Veranstaltung erstmals in Ludwigshafen zwischen dem 14. und 17. Juli statt. Durch gezielte Werbemaßnahmen und ein umfangreiches touristisches Zusatzprogramm (u. a. Vorträge und Workshops für Anfänger) empfiehlt sich Ludwigshafen den Spielern und Spielerinnen aus dem europäischen und nicht-europäischen Ausland (vornehmlich China und Japan)[3].

Handicapspiele[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den anderen Spielen der Schachfamilie ist es bei Shogi üblich mit Vorgabe (Handicap) zu spielen. Der stärkere Spieler gibt dabei dem schwächeren ein paar Figuren vor. Diese werden vor Beginn der Partie aus dem Spiel genommen und können nicht wie die geschlagenen Figuren wieder eingesetzt werden. Das System ist soweit etabliert, dass Handicappartien in Europa sogar zur Auswertung für die Elo-Zahlen herangezogen werden können. Ist die in Elo-Zahlen gemessene Differenz der Spielstärke zweier Gegner bekannt und nicht zu groß, kann durch die Auswahl der richtigen Vorgabe eine annähernde Chancengleichheit in einer Partie hergestellt werden. So können auch bei größerer Spielstärkedifferenz noch interessante Partien zustande kommen und Anfänger haben recht bald eine Chance gegen mittelstarke Spieler.

Varianten[Bearbeiten]

Dōbutsu Shōgi[Bearbeiten]

Dōbutsu Shōgi, international: Let's Catch the Lion!, ist eine Variante auf 3×4-Feldern, die 2009 entwickelt wurde, um kleine Kinder an das Shōgi-Spiel heranzuführen.

Chū-Shōgi[Bearbeiten]

Grundstellung

Chū-Shōgi (jap. 中将棋) ist eine alte Shogivariante, die aber heute noch selbst in Europa gelegentlich gespielt wird. Es weist zu Shōgi folgende Unterschiede auf:

  • Das Brett ist größer (zwölf mal zwölf Felder groß).
  • Geschlagene Figuren werden nicht wieder eingesetzt.
  • Es gibt keine Springer.
  • Jeder Spieler hat zu Beginn 46 Figuren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Shogi Deutschland e. V. (Hrsg.): Shogi. 5. Auflage. Eigenverlag, Stuttgart 2006.
  • Frank Sölter, Shogi: Anfängerbuch ; das japanische Schach, 1. Aufl. Kassel. Wild. 1994. 125 S.. ISBN 3-928435-29-9 (kart.)
  • Dennis Schneider, Shogi - Das japanische Schach, 1. Auflage. Eigenverlag, 2010. http://shogi-ryu.npage.de/buch_36860242.html
  • Heinz Machatscheck, Zug um Zug - Die Zauberwelt der Brettspiele, Verlag Neues Leben Berlin

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shōgi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 将棋. In: 世界大百科事典 第2版 bei kotobank.jp. Hitachi Solutions, abgerufen am 31. März 2012 (japanisch).
  2. Informationen zum Turnier unter results, abgerufen am 2. Juni 2011
  3. Informationen sind in der Webseite zum ESC/WOSC 2011 veröffentlicht, abgerufen am 1. Juni 2011