Sigmundur Davíð Gunnlaugsson

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Sigmundur bei seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden der Fortschrittspartei Anfang 2013

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson (* 12. März 1975) ist ein isländischer Politiker. Er ist Abgeordneter des isländischen Parlaments Althing und Vorsitzender der Fortschrittspartei. Seit dem 23. Mai 2013 ist er amtierender Ministerpräsident von Island. Seit Ende August 2014 ist er zugleich Justizminister.[1]

Leben[Bearbeiten]

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson wuchs in Breiðholt auf, einem Stadtbezirk im Osten der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Seine Eltern sind Gunnlaugur Magnús Sigmundsson und Sigríður G. Sigurbjörnsdóttir. Gunnlaugur war von 1995 bis 1999 Abgeordneter der Fortschrittspartei im isländischen Althing und des Weiteren ebenfalls Leiter der isländischen Fluggesellschaft Icelandair. Da Gunnlaugur von 1982 bis 1985 bei der Weltbank in Washington beschäftigt war, verbrachte Sigmundur einige Jahre seiner Kindheit in den USA[2].

Im Jahre 1995 machte Sigmundur seinem Schulabschluss an der Menntaskólinn in Reykjavík. Danach begann er Wirtschaftswissenschaften zu studieren und absolvierte im Jahre 2005 eine BS-Prüfung (BS-próf) im Fach Betriebswirtschaft an der Universität von Island[3]. Zusätzlich absolvierte er Studienaufenthalte in Moskau und Kopenhagen. Weiterhin brachte er insgesamt fünf Jahre an der Universität Oxford zu, wo er Aufbaustudien in den Fächern Wirtschafts- und Politikwissenschaften betrieb und sich auch in einem Spezialfach Wirtschaftsplanung fortbildete. Das alles hatte zum Ziel einen Abschluss als DPhil zu erlangen. Zu diesem angestrebten Abschluss in Oxford kursierten jedoch widersprüchliche Angaben, was dazu führte, dass sich im Jahre 2011 die isländische Presse mit der Angelegenheit beschäftigte. Am Ende nahm Sigmundur auf seiner Webseite zu dem Sachverhalt Stellung und erklärte, dass er zwar insgesamt 5 Jahre in Oxford zugebracht, jedoch das Studium dort nicht mit einer Graduierung zum Doktor abgeschlossen habe. Er habe zwar eine Abschlussarbeit geschrieben, es aber aus zeitlichen Gründen bisher nicht geschafft, die dazugehörende mündliche Verteidigung zu absolvieren. Er wolle dies jedoch irgendwann nachholen[4][5]. Trotzdem war er nicht bereit, isländischen Medien die Zustimmung zu geben, seine Angaben vor Ort in Oxford zu überprüfen[6][7].

Sigmundur arbeitete von 2000 bis 2007 auch als Teilzeit-Journalist beim staatlichen Sender RÚV.

Politik[Bearbeiten]

Im Januar 2009 wurde von der Fortschrittspartei ein Nachfolger für Valgerður Sverrisdóttir im Parteivorsitz gewählt. Sigmundur erhielt dabei zunächst 40,9 Prozent der Stimmen, seine Gegenkandidaten 37,9 Prozent (Höskuldur Þórhallsson) bzw. 18,9 Prozent (Páll Magnússon).[8]. Da keiner der Kandidaten über die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen gekommen war, musste ein weiterer Wahlgang angesetzt werden. Bei dieser zweiten Wahl am 18. Januar 2009 wurde Sigmundur mit 56 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der Fortschrittspartei gewählt[9]. Bei der Parlamentswahl 2009 trat er als Spitzenkandidat seiner Partei an und konnte im Wahlkreis Reykjavík-Nord ein Mandat erlangen.

Sigmundur und der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson in April 2013

Parlamentswahl 2013

Bei der Parlamentswahl 2013 trat er erneut als Spitzenkandidat seiner Partei an, die bei dieser Wahl mit 24,4 Prozent der Stimmen die zweitstärkste Partei im Lande wurde und zukünftig mit 19 Sitzen im Parlament vertreten sein wird, ebenso wie die Unabhängigkeitspartei von Bjarni Benediktsson, die mit 26,7 Prozent der Stimmen wieder die größte Partei des Landes ist[10][11].

Am 30. April 2013 wurde nun vom isländischen Präsidenten Ólafur Ragnar Grímsson angekündigt, dass er dem Parteivorsitzenden der Fortschrittspartei, Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, das Mandat zur Bildung der neuen Regierung übergeben werde. Sigmundur kam damit die Aufgabe zu, mit anderen Parteien mögliche Koalitionen zu sondieren und verhandeln[12].

Am 18. Mai 2013 berichteten isländische Medien, dass die Koalitionsverhandlungen zwischen Fortschrittspartei und Unabhängigkeitspartei erfolgreich verlaufen seien und als erstes Ergebnis wurde angekündigt, dass Sigmundur Davíð Gunnlaugsson der nächste Ministerpräsident von Island sein werde, während Bjarni Benediktsson von der Unabhängigkeitspartei das Finanz- und das Wirtschaftsministerium leiten werde.[13][14] Am 23. Mai wurde die Regierung ernannt.

Wahlversprechen

Außenpolitisch will SDG, wie er in isländischen Medien auch genannt wird, als ausgesprochener EU-Skeptiker, ebenso wie sein politischer Konkurrent Bjarni Benediktsson von der Unabhängigkeitspartei, die Gespräche über eine EU-Mitgliedschaft Islands abbrechen.

Innenpolitisch hat er den Wählern versprochen, die Verschuldung der Haushalte durch außerplanmäßige Abschreibungen zu reduzieren und ebenfalls hat er die Abschaffung von inflationsindizierten Hypotheken für den Fall der Regierungsbeteiligung angekündigt. Er sagte, dass er dies erreichen wolle, indem er die ausländischen Gläubiger der gescheiterten isländischen Banken bitten werde, einen weitgehenden Verlust ihrer Vermögensanlagen zu akzeptieren.

Insbesondere die Abschaffung der inflationsindizierten Hypotheken wird so manchen Wähler in Island bewogen haben, SDG seine Stimme zu geben, denn in vielen Fällen hat sich die Situation für Inhaber bestimmter Hypothektypen in den letzten fünf Jahren inflationsbedingt enorm verschlechtert[15].

Familie[Bearbeiten]

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson hat vor einigen Jahren die fast gleichaltrige Anthropologin Anna Sigurlaug Pálsdóttir geheiratet und beide haben seit 2012 ein gemeinsames Kind[16][17].

Literatur[Bearbeiten]

  • Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, in: Internationales Biographisches Archiv 26/2013 vom 25. Juni 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nýtt embætti dómsmálaráðherra í innanríkisráðuneyti (Isländisch) Innanríkisráðuneytið (Isländisches Innenministerium). 26. August 2014. Abgerufen am 16. September 2014.
  2. Víkingur og vaskur til verka, Morgunblaðið, 7. október 2004 bei: mbl.is
  3. Brautskráðir kandidatar frá hagfræðideild 2005: hi.is
  4. Vegna umfjöllunar fjölmiðla um menntun mína (Wegen der Mediendiskussion über meine Ausbildung) sigmundurdavid.is
  5. Menntun Sigmundar Davíðs aftur í sviðsljósið (Sigmundur Davíðs Ausbildung erneut im Scheinwerferlicht) eyjan.pressan.is
  6. Spegill, spegill herm þú mér (Spieglein, Spieglein an der Wand) frettatiminn.is
  7. DV má ekki grennslast fyrir um námsferil Sigmundar (DV darf sich nicht über die Studienzeit Sigmundurs erkundigen) dv.is
  8. Sigmundur kjörinn formaður, Artikel von 18. Januar 2009 bei mbl.is
  9. Sigmundur Davíð kjörinn formaður Framsóknar, Artikel vom 18. Januar 2013 bei pressan.is
  10. Erdrutsch bei Parlamentswahlen, Artikel vom 28. April 2013 bei icelandreview
  11. Wahlergebnisse der isländischen Parlamentswahl 2013. bei mbl.is
  12. Regierungsbildung und Parlamentarier, Artikel vom 30. April 2013 bei icelandreview
  13. Sigmundur Davíð næsti forsætisráðherra ruv.is 18. Mai 2013
  14. Iceland Election: Sigmundur Davíð to be Prime Minister icelandreview.com, 18. Mai 2013
  15. Iceland's center-right Progressives to form new government, Artikel vom 30. April 2013 bei: reuters.com
  16. Sigmundur Davíð er sagður hafa beitt sér fyrir eiginkonuna, Artikel vom 29. September 2012 bei: dv.is
  17. althingi.is/cv Lebenslauf (isländisch)
Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.