Sitting Bull

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Sitting Bull (1885)
Sitting Bull mit Buffalo Bill (1885)
Sitting Bull (1885)

Sitting Bull (englisch für „Sitzender Bulle“, eigentlich Tȟatȟáŋka Íyotake – „Sich setzender Bulle“; * um 1831 am Grand River, South Dakota; † 15. Dezember 1890 in seinem Lager am Grand River in der Standing Rock Reservation, North Dakota) war Stammeshäuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux. Als vor allem spiritueller Anführer leistete er jahrelangen Widerstand gegen die US-amerikanische Regierungspolitik. Nach der Niederschlagung der letzten militärischen indianischen Aufstände, zu denen er wesentlich beigetragen hatte, wurde er unter anderem durch Auftritte bei Wildwestshows bekannt und setzte sich für eine Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern ein. 1883 konvertierte er angeblich zum katholischen Christentum[1][2] und wurde 1890 von Indianerpolizisten bei einer versuchten Verhaftung erschossen.

Kindheit & Jugend[Bearbeiten]

Einige Quellen behaupten, Sitting Bull sei 1831 am Grand River geboren. Sein Urenkel Ernie LaPointe hingegen schreibt in seiner Biographie über Sitting Bull, dass er am Yellowstone River unweit der Black Hills im heutigen Montana nahe Miles City geboren wurde. In seiner Kindheit trug Sitting Bull den Namen Jumping Badger (Springender Dachs). Da er ein sehr ruhiger Junge war, der sehr bedacht handelte und diszipliniert war, wurde er von seinem Stamm Hunkesni, „der sich langsam bewegt“ genannt. Wie bei den Lakota üblich, wurde der junge Jumping Badger von seinem Onkel Four Horns, der Bruder seines Vaters Returns Again, groß gezogen. Sein Onkel war Häuptling und sein Vater Medizinmann der Bad Bow Gruppe der Hunkpapa-Lakota und somit waren beide angesehene Männer. Bereits in jungen Jahren bewies er Großmütigkeit und Bescheidenheit und gewann die Aufmerksamkeit des ganzen Stammes. Im Alter von 10 Jahren erlegte er seinen ersten Büffel und mit 14 zeigte sich Jumping Badger zum ersten Mal als ein unerschrockender Krieger, indem er während eines Raubzuges gegen die Absarokee (Crow) seinen ersten „Coup“ erzielen konnte. Nach diesem Ereignis erhielt Jumping Badger seinen Namen „Tȟatȟáŋka Íyotake“ (Sitting Bull) von seinem Vater, der den Namen Jahre zuvor nach einer Vision angenommen hatte und sich von nun an Jumping Bull nannte. Bei einem weiteren Kampf gegen die Crow einige Jahre später verwundete eine Kugel Sitting Bulls linken Fuß. Diese Wunde verheilte nie richtig und so hinkte er bis zum Ende seines Lebens. Jedoch behinderte das Hinken ihn nicht als Krieger und Jäger und in den folgenden Jahren zählte er in Kämpfen gegen benachbarte Stämme wie die Crow, Flathead oder Assiniboine 69 Coups. Sitting Bull wurde ein Mitglied und später Führer der renommiertesten Kriegergesellschaft der Hunkpapa, der Strong Heart Society.[3]

Leben[Bearbeiten]

Sitting Bull war ein wichtiger Anführer der Sioux-Indianer und forcierte deren Widerstand Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Landnahme amerikanischer Siedler und deren militärische Unterstützung. Er war ein Medizinmann und auch einer der mächtigsten Kriegshäuptlinge der Sioux. In zuletzt genannter Funktion wurde er weltberühmt, vor allem durch sein Wirken bei der Schlacht am Little Bighorn von 1876.

An der strategischen Schlachtführung waren neben ihm auch weitere Kriegshäuptlinge beteiligt, wie beispielsweise Crazy Horse und Big Foot. Sie leiteten die Krieger der Stämme der Sioux, Cheyenne und Arapaho an, die vereint das 7. Kavallerieregiment unter Oberstleutnant George A. Custer am Little Big Horn vernichtend schlugen. Die Vernichtung von Custers Abteilung des 7. US-Kavallerieregiments und der Tod Custers war die größte Niederlage der US-Armee während der Indianerkriege.

Sitting Bull nahm an der eigentlichen Schlacht nicht als aktiver Kämpfer teil, sondern wirkte nur vorab auf schamanistische Weise. So hat er einige Tage zuvor die Festlichkeiten zum Sonnentanz angeleitet, aus dem die an der Schlacht teilnehmenden Krieger ihre Kampfbereitschaft bezogen haben sollen.

Als die US-Armee als Antwort konzentrierte Strafexpeditionen gegen ihn und seine Leute durchführte, floh er mit etwa 2000 bis 3000 Gefolgsleuten nach Kanada und blieb dort im Exil, bis er freiwillig zurückkehrte und sich am 19. Juli 1881 in Fort Randall ergab. Die Lebensgrundlage seiner Nomadenkultur, die eng verbunden mit der Büffeljagd gewesen ist, war von den Weißen durch Ausrottung der Büffel vernichtet worden. Anschließend lebte er im Standing-Rock-Reservat. Im Jahre 1883 hielt Sitting Bull eine bedeutende Rede vor den Vertretern einer US-Regierungskommission.

1885 nahm er in der Wild-West-Show von Buffalo Bill in den USA und in Kanada als Statist teil. Ihm war dabei wegen mangelnder Englischkenntnisse und Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht bewusst, dass es sich lediglich um eine Show handelte. Vielmehr glaubte er, auf diesem Wege (er hielt Ansprachen in Lakota) über die Verbrechen der Weißen an den Indianern aufklären zu können, und erhoffte sich davon ein Umdenken. Die Teilnahme an Buffalo Bills Europatournee lehnte er 1887 ab.

Den amerikanischen Behörden galt Sitting Bull weiter als Unruhestifter, weil er die weitere Verkleinerung des Reservats und das Ausbleiben vertraglich zugesicherter Lebensmittel und Materialien kritisierte. Außerdem hielt er an der indianischen Lebensweise fest und leitete als Vorbild seine Stammesgenossen dazu an. Die amerikanische Presse stellte Sitting Bull grundsätzlich als feindlich gesinnten Indianer dar, der ein Unruhestifter sei und alles, was den Weißen an den Indianern missfiel, als Person verkörpere. Weite Teile der Öffentlichkeit, vor allem aber des Militärs, hielten ihm zeit seines Lebens die Schlacht am Little Bighorn als Untat vor. Sie beurteilten sein damaliges Vorgehen als arglistig, hinterhältig und mordlustig.

Als er die Geistertanz-Bewegung unter seinen Anhängern erneut förderte, sollte er von der indianischen Reservatspolizei mit Unterstützung von aus Fort Yates anrückenden Soldaten festgenommen werden. Als seine Anhänger Widerstand leisteten, wurde Sitting Bull am 15. Dezember 1890 von den Indianerpolizisten Bull Head (Tatankapah) und Red Tomahawk (Marcelus Chankpidutah) hinterrücks getötet.

Familienverhältnisse[Bearbeiten]

Vater: Returns Again / Sitting Bull I (ca. 1801–1859)

Mutter: Her Holy Door (1808–1884), Arikara / Ree (?)

Geschwister:

  1. Good Feather Woman / Wiyaka Wastewiŋ (1827–1886?)
  2. Twin Woman & Brown Shawl Woman (Zwillinge, ca. 1838–1871?)
  3. Fool Dog (Halbbruder, Ree-Hunkpapa)

Ehefrauen:

  1. Light Hair (1833–1857)
  2. Snow-On-her (1840–?) & Red Woman (1840–1871)
  3. Four Robes (1848–1929) & Seen-By-Her-Nation (1837–1897 / Schwestern)

Kinder:

  1. Her Many Horses (F / 1865–1897)
  2. Walks Looking (F / 1868–1887)
  3. Lodge In Sight (F / 1876–1898)
  4. Runs-Away-From / William / Theodore (1879–1909 / Zwilling?)
  5. Crowfoot (1875–1890)
  6. Standing Holy / Mary Sitting Bull (1878–1927)
  7. zwei Stiefsöhne und weitere Kinder, die früh starben

Verfilmung[Bearbeiten]

  • In dem Kinofilm Little Big Man wird die Schlacht am Little Bighorn ebenfalls thematisiert.

Gedenken[Bearbeiten]

Während er in der weißen amerikanischen Bevölkerung zeitlebens als Unruhestifter und Feind wahrgenommen worden war, änderte sich seine Beurteilung im Laufe der Jahre. Sitting Bull wurde langsam zu einer Symbolfigur und Widerstandskämpfer gegen die Vernichtung bzw. Entrechtung des indianischen Volkes. 1989 brachte der United States Postal Service eine Serie der großen Amerikaner heraus und Sitting Bull zierte in dieser die 28¢-Marke[4] 1996 wurde das Standing Rock College in Sitting Bull College umbenannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sitting Bull – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Whittaker, A Complete Life of General Custer, Volume 2, p. 535.
  2. Sitting Bull becomes a Catholic. New York Times. 13. April 1883. Abgerufen am 11. April 2011.
  3. Sitting Bull – Sein Leben und Vermächtnis, Ernie LaPointe, TraumFänger, Hohenthann 2011.
  4. United States Postal Service, Postal History Website.