Situation

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Das Wort Situation bezeichnet die "Lage", die Gebundenheit an Gegebenheiten oder Umstände, vor die jemand oder unter die ein Vorhaben oder eine Sache gestellt ist und die als konkrete Bedingungen die Möglichkeiten des Tuns oder Erleidens stellen und begrenzen, allgemein die Befindlichkeit in einer Umgebung, einem Zusammenhang oder einer Abhängigkeit (z.B. Dilemma, Sachzwang, Notlage).
Situation ist dabei stets "Situation von ...". Auch wenn "die Situation" ohne expliziten Bezug auf ein Subjekt genannt wird, ist sie auf ein Situiertes (Gelegenes, Gestelltes, Betroffenes) bezogen. Sie ist der zeitlich, räumlich oder persönlich-existenzial bestimmte Zusammenhang von Sachverhalten, in denen das Situierte steht. (Vom lateinischen situs ~ Stelle, Stellung, Sitz, jedoch erst im späten 16. Jhd. als Fremdwort in der Bedeutung geografische Lage, Lageplan, Gegend aus dem Französischen entlehnt.) Das Adjektiv situativ, als auf eine konkrete Situation bezogen, hat dabei auch einen Hang zum spontanen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beispiele

  • Die "soziale Situation" bezieht neben wirtschaftlichen auch z. B. familiäre Sachverhalte ein. (Sie ist von der "situationalen" Analyse in der Soziologie zu unterscheiden, die sehr kurzfristige soziale Prozesse untersucht, z. B. unter Aspekten der sozialen Rolle.)
  • emotionale Situation davon stark abweichen kann., z.B. reiche, aber dennoch traurige oder depressive Personen.
  • Situationskomik ist eine Art des Humors, die sich auf eine gegenwärtige - von mehreren Personen - wahrnehmbare Lage bezieht.
  • Manche Entscheidungen werden situativ (Adjektiv von Situation), das heißt lageangepaßt, entschieden.

[Bearbeiten] Philosophie

In der Philosophie ist die Situation ein wichtiger Begriff etwa bei Martin Heidegger, Karl Jaspers, Kierkegaard und Sartre oder den Situationisten. Durch den Existentialismus bekam der Begriff eine subjektive Färbung. Situation meint den Menschen in der Welt. Demgegenüber beschreibt der Begriff Lage einen mehr objektiv vorhandenen Zusammenhang. Auch in der Phänomenologie von Husserl sind wichtige Überlegungen zum Situationsbegriff vorhanden.

[Bearbeiten] Wissenschaft

In der Psychologie verwendet C.F.Graumann den Begriff Situation um die Perspektivität des Wahrnehmens zu beschreiben. Die menschliche Wahrnehmung bildet nur einen Ausschnitt der Welt ab, thematisiert die Welt. Dieser Ausschnitt wird wesentlich vom Zustand und der Motivation des Subjekts bestimmt. Graumann entwickelte dieses Modell unter Anlehnung an Begriffe die aus der Gestalt- und Ganzheitspsychologie stammen. Diese Psychologie entstand Anfang des 20. Jh.s als Reaktion auf die mehr naturwissenschaftlich ausgerichtete Psychologie, die Ende des 19.Jh.s herrschende Lehre war.

Die Soziologie entdeckte vor allem in den 60er Jahren den Situationsbegriff für sich. Sie knüpft dabei sowohl an die Phänomenologie Edmund Husserls, die Lebensphilosophie Wilhelm Diltheys, als auch an die Graumannsche Psychologie der Perspektivität. Der Begriff Situation und die, sich in den 80er Jahren daran anschließende empirische Situationsforschung, hatte das Ziel, industriell organisierte Arbeitsprozesse zu analysieren.

[Bearbeiten] Literaturhinweise

Bühler, K.: Die Krise der Psychologie, Jena 1927

Finke, W.: Untersuchungen über den Begriff der Situation. Diss. Uni Göttingen, 1955

Graumann, C. F.: Grundlagen einer Phänomenologie und Psychologie der Perspektivität. Phänomenologisch-Psychologische Forschungen Band 2, Berlin 1960

Thomas, K.: Analyse der Arbeit. Möglichkeiten einer interdisziplinären Erforschung industrialisierter Arbeitsvollzüge. Göttinger Abhandlungen zur Soziologie und ihrer Grenzgebiete, Band 16, Stuttgart 1969

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary
 Wiktionary: Situation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
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