Gehorsam

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Gehorsam ist prinzipiell das Befolgen von Geboten oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Das Wort leitet sich (ähnlich wie Gehorchen) von Gehör, horchen, hinhören ab und kann von einer rein äußerlichen Handlung bis zu einer inneren Haltung reichen.

Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität, das Befolgen eines Befehls, die Erfüllung einer Forderung oder das Unterlassen von etwas Verbotenem. Die Autorität ist meistens eine Person oder eine Gemeinschaft, kann aber auch eine überzeugende Idee, ein Gott oder das eigene Gewissen sein. Man kann zwischen freiwilligem und erzwungenem Gehorsam unterscheiden (s. u.).

Das Gegenteil von Gehorsam ist Ungehorsam, Widerstand oder Renitenz.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Unterscheidung von Arten

Militärischer Gehorsam:

Der Begriff des Militärischen Gehorsams ist ambivalent und wertneutral. Die Bedeutung muss im Kontext der Umstände betrachtet werden. Wird militärischer Gehorsam geleistet, führt dies in menschenverachtenden Diktaturen und in hochentwickelten Demokratien zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Militärischer Gehorsam wird nämlich definiert als „Erfüllung eines Auftrages, auf dessen Grundlage innerhalb der geltenden ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Sinne des Kommandanten selbstständig beurteilt und gehandelt wird.“[1] In besonderen Fällen kann also auch das Verweigern des Gehorsams geboten sein, wie z.B. die Befehlsverweigerung aus rechtlichen oder ethischen Gründen. Das Nichtbefolgen, also der Ungehorsam, bedeutet oftmals ein Risiko für die Sicherheit anderer, weshalb dies häufig Sanktionen nach sich zieht. Außerdem zeichnet sich militärischer Gehorsam noch dadurch aus, dass er beim Gehorchenden die Fähigkeit voraussetzt, „die eigenen subjektiven Neigungen und Triebfedern bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens und zum Tod zu überwinden“.[2]
Das Spannungsverhältnis zwischen Befehl und Gewissen hat Heinrich von Kleist literarisch in seinem Drama Der Prinz von Homburg aufgearbeitet.
Kindlicher Gehorsam
das Sich-Fügen von Kindern in den Familienverband, das sich aus einem natürlichen Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern ergibt. Im übertragenen Sinn versteht man darunter auch das kindlich-kindische Verhalten Erwachsener. Alice Miller brandmarkte eine Erziehung, die darauf zielt, den Willen des Kindes durch Machtausübung und Manipulation zu brechen und so Gehorsam zu erreichen, als Schwarze Pädagogik.
Solidarischer Gehorsam: ein Sich-Einfügen in die Gruppe aus Solidarität, auch wenn man im Einzelnen nicht selbst von einer Idee oder Handlung überzeugt ist.
Soziologischer Gehorsam
„Gehorsam“ als zentrales definitorisches Merkmal für „Herrschaft“ im Kontrast zur „Macht“ bei dem Soziologen Max Weber.
Gehorsam als erzwungenes Verhalten
in extremen Drucksituationen (siehe dazu die Gehorsams-Experimente von Stanley Milgram), was freilich, laut Aussage Milgrams, den meisten Zeitgenossen nicht schwerfällt. Er vermutet: Wir haben keine Verhaltensmuster erlernt, die man Widerstehen (gegen unsinnige Befehle oder Autorität) nennen könnte.
Freiwilliger Gehorsam
gegenüber Normen, die als gut anerkannt sind (wie die Zehn Gebote), gegenüber dem Willen Gottes überhaupt[3] (vgl. Resignation, Gelassenheit) oder gegenüber dem eigenen Gewissen – man könnte hier auch von „Unterordnung“ sprechen. Damit verwandt ist
Gehorsam in religiösen Gemeinschaften
in Ordens-, aber auch anderen Gemeinschaften als freiwilliges Gelübde gegenüber dem Oberen im Sinne der evangelischen Räte, wie Armut, Keuschheit und eben der Gehorsam.
Gehorsam als Selbstdisziplin
Dahinter steht eine Haltung, die den Sinn von Anordnungen und das ihnen zugrunde liegende Sozialgefüge positiv sieht.
Vorauseilender Gehorsam
Das Erspüren einer Erwartung; bevor eine Anweisung ausdrücklich formuliert wurde, wird schon „gehorcht“. Als Maxime der Jesuiten wurde es erstmals formuliert. Er spielte eine bedeutende Rolle für die Wirksamkeit nationalsozialistischer Kampforganisationen.
Kadavergehorsam
Er ist das sacrificium intellectus, also das Opfer des Verstandes, nach einer Wendung aus den Ordensregeln des Jesuitenordens. Blinder Gehorsam ist eine andere Variante des an die Autorität sozialer Organisationen verschenkten Ichs, beispielsweise in der Floskel „Die Partei hat immer recht“.

[Bearbeiten] Literatur

  • Stanley Milgram: Das Milgram-Experiment – Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. Rowohlt Verlag, Reinbek 1982, ISBN 3499174790.

[Bearbeiten] Siehe auch

Wiktionary Wiktionary: gehorsam – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Gehorsam – Zitate

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christian Strnad: Mündigkeit und Gehorsam – ein Widerspruch? Wiener Neustadt 2004, S. 94
  2. Bernhard Josef Meurers: Befehl und Gehorsam im Österreichischen Bundesheer als Problem der Wehrpädagogik. Wien 1999, S. 138
  3. Papst Benedikt XVI.: „Im Eintreten in den Willen Gottes kommen wir erst zu unserer wahren Identität. Das Zeugnis dieser Erfahrung braucht die Welt heute gerade mitten in ihrem Verlangen nach ‚Selbstverwirklichung‘ und ‚Selbstbestimmung‘.“
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