Fremdwort

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Fremdwörter sind Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen wurden. Das Fremdwort ist hinsichtlich Lautstand, Betonung, Flexion, Wortbildung oder Schreibung der Zielsprache meistens so unangepasst, dass es (im Gegensatz zum integrierteren Lehnwort) als „fremd“ empfunden werden kann.

In der modernen Sprachwissenschaft ist die Unterscheidung zwischen „Fremd-“ und „Lehnwörtern“ unüblich, da es viele Zweifelsfälle gibt. Wie auch in vielen anderen Sprachen – vgl. frz. mots d’emprunt und engl. loanwords – wird allgemein nur von „Entlehnungen“ bzw. „Lehnwörtern“ gesprochen.

Die Quantitative Linguistik modelliert den Prozess der Übernahme von Fremd- und Lehnwörtern mit Hilfe des Sprachwandelgesetzes (Piotrowski-Gesetzes). Die Entlehnung geschieht, wie sich immer wieder zeigt, im Sinne bestimmter Gesetze. Dasselbe gilt für das Fremdwortspektrum, das eine Übersicht gibt, aus welchen Sprachen wie viele Wörter übernommen wurden.[1]

Beschreibung von Fremdwörtern im Deutschen und ihre Bedeutung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Lateinische Lehn- und Fremdwörter[Bearbeiten]

Latein verbreitete sich durch Lehnwörter wie Straße, Frucht, Sichel, Koch erstmals im germanischen Sprachbereich, als das Römische Reich zwischen dem 1. Jh. v. Chr. und dem 6. Jh. n. Chr. große Teile Europas beherrschte. Die Begriffe drangen vor der zweiten Lautverschiebung in die deutsche Sprache ein und wurden von ihr erfasst und umgeformt (tegula > Ziegel, fenestra > Fenster).

Auch nach dem Zusammenbruch des römischen Imperiums und nach der zweiten Lautverschiebung kamen lateinische Ausdrücke, jetzt schon stärker als Fremdwörter empfunden, ins Deutsche:

  • zur Zeit der Christianisierung (6.–9. Jahrhundert, über Kirche und Klöster)
  • durch die Einführung des römischen Rechts im Deutschen Reich (Ende des 15. Jahrhunderts, Akte, Familie, Konferenz, Advokat)
  • im Zeitalter des Humanismus (Addition, Professor, Sekunde)
  • während der industriellen Revolution (Industrie, Lokomotive, Omnibus)[2]

Seit dem Ende der Antike war Latein die Sprache der Wissenschaft. Griechisch begann erst mit der Renaissance wieder eine Rolle zu spielen.

Seit dem Ausgang des Mittelalters[Bearbeiten]

In der Zeit der Entstehung der großen Handelsgesellschaften wurden im deutschsprachigen Raum kaufmännische Ausdrücke aus dem Italienischen eingebürgert (Konto, Saldo). Das Italienische prägte auch Kunst (Torso, Fresko) und Musik (forte, Tempobezeichnungen wie andante).

Zur Zeit des Barocks und der Aufklärung war in Deutschland das Französische die Sprache der guten Gesellschaft. Die Sprachpuristen Philipp von Zesen und Johann Heinrich Campe versuchten dem durch gekonnte Verdeutschungen entgegenzuwirken (z. B. Abstand [Distanz], Anschrift [Adresse], Augenblick [Moment], Beistrich [Komma], Bücherei [Bibliothek], Gesichtskreis [Horizont], Leidenschaft [Passion], Mundart [Dialekt], Nachruf [Nekrolog], Rechtschreibung [Orthographie], altertümlich [antik], herkömmlich [konventionell], Erdgeschoss [Parterre], Lehrgang [Kursus], Stelldichein [Rendezvous], tatsächlich [faktisch], Voraussage [Prophezeiung], Wust [Chaos]).

Viele derartige Neuschöpfungen haben sich, nicht zuletzt durch den Nationalismus des 19. Jahrhunderts, in der deutschen Alltagssprache durchsetzen können. Post und Bahn deutschten systematisch Wörter aus ihren Fachbereichen ein (Bahnsteig [Perron]; Umschlag [Kuvert], Einschreiben [recommandé]). Andere Länder sind damit noch weiter gegangen (z. B. die Türkei, in der so viele arabische Begriffe durch neugeschaffene türkische ersetzt wurden, dass die heutigen Türken die Osmanische Sprache nicht mehr verstehen). Neuere Versuche von Verdeutschungen (Nuance > Abschattung) sind wenig erfolgreich geblieben.

Bis heute ist der Löwenanteil der deutschen Fremdwörter französischen Ursprungs. Erst mit dem technischen und industriellen Siegeszug der USA, und seit im 20. Jahrhundert das Englische das Französische auch als Sprache der Diplomatie abzulösen begonnen hatte, ist der Strom französischer Ausdrücke ins Deutsche versiegt. Heute überwiegt die Übernahme von Wörtern aus dem Englischen, besonders dem amerikanischen (Meeting [Treffen], Computer [Rechner]).

Von den rund 140.000 Begriffen des heutigen Duden hat etwa jedes viertes fremdsprachliche Wurzeln. Jeweils etwa 3,5 Prozent stammen aus dem Englischen und dem Französischen. Jeweils etwa fünf bis sechs Prozent stammten aus dem Lateinischen und Griechischen.[3] Ein fortlaufender Zeitungstext erreicht beispielsweise etwa 8 bis 9 Prozent Fremdwörter, werden nur Substantive, Adjektive und Verben gezählt steigt der Anteil auf etwa 16 bis 17 Prozent. In Fachtexten mit vielen Termini techniciT liegt der Anteil meist wesentlich höher.[4]

Beispiele[Bearbeiten]

Zu den Fremdwörtern ist in der linken Spalte eine Gebersprache angegeben.[5][6]

Viele Lehnwörter und Fremdwörter sind auf dem Weg über mehrere Sprachen ins Deutsche gekommen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit stehen auch solche Wörter jeweils nur bei einer Gebersprache. Bei der zugeordneten Sprache handelt es sich also entweder um die Ursprungssprache oder um eine vermittelnde Sprache. In den meisten der verlinkten Artikel findet man nähere Angaben zur Etymologie. Genaue Auskünfte erteilen etymologische Wörterbücher.

Aztekisch Schokolade, Tomate
Arabisch Admiral, Algebra, Alkohol, Azimut, Baklava, Borretsch, Chemie, Gamasche, Gitarre, Haschisch, Kaffee, Kaliber, Kamel, Kebap, Koffer, Laute,Minarett, Mokka, Moschee, Nadir, Scheich, Tara, Zenit
Englisch Aids, Boykott, chillen, Computer, Container, Cowboy, Crash, Cup, Date, Fastfood, Feedback, Film, Fun, Gangster, Hamburger, Handout, Hit, Jet, Jetlag, Joke, Keks, Kid, Meeting, Mountainbike, Party, Pullover, Rallye, Sandwich, Show, skaten, Skyline, Snack, Software, Spin, Sport, Steak, Stopp, Streik, Thriller, Ticket, Toast, Tool
Pseudoanglizismus: Handy
Finnisch Sauna
Französisch à propos, Atelier, Baguette, Ball, beige, Billet, Bon, Bonbon, Bordell, Branche, Büro, Coup, Crème fraîche, Crêpe, Dame, Diamant, Enfant terrible, enorm, Etüde, Fauteuil, Fauxpas, Friseur, Genre, Girlande, Haute Couture, Hotel, Journalist, Kai, Kampagne, Kanaille, Karamell, Karosserie, Couscous, lila, Limousine, Mätresse, Mode, Parapluie, Paravent, Pavian, Pol, Portemonnaie, Prärie, Prinz, Rasse, Rendezvous, savoir-vivre, Silhouette, Soße, Sujet, Trottoir, Turnier, violett, vis-à-vis, voilà
Griechisch Akademie, Alphabet, Altar, anonym, Antilope, Arzt, Astronomie, Atom, Basilika, Bibel, Chirurg, Chor, Chrysantheme, Dattel (< daktylos „Finger“), Demokratie , Dilemma, Elefant, Eukalyptus, Geranie, Gymnasium, Harmonie, Idiot, Ironie, Kaktus, Kirche, Komet, Krater, Kristall, Krokodil, Labyrinth, Lilie, Mandel, Melodie, Melone, Meteorologie, Nomade, ocker, Ökonomie, Öl, Orchester, Papier, parallel, Parodie, Pfeffer, Pfirsich, Philosophie, Physik, Planet, Plastik, Psalm, Psalter, Pseudonym, Samt, Schalmei (< kálamos), Skandal, Strophe, Suflaki, Szene, Theater, Thema, These, Thermometer, Thron
Neologismus: Xylophon
Gälisch Clan (clann < lat. planta)[7]
Sprache der Guugu Yimidhirr Känguru
Hebräisch und Jiddisch Gauner, Kaff, pleite, Sabbat, Schickse Schlamassel, Stuss, Tacheles, Tinnef,
siehe auch Liste deutscher Wörter aus dem Hebräischen
Hindi Shampoo
Hochchinesisch Feng Shui, Kung Fu, Litschi, Qigong, Sampan, Tai Chi, Tofu
Inuktitut Anorak, Iglu, Kajak
Italienisch Agio, Ambiente, Arie, Bank, Bankrott, basta, Bilanz, Bratsche, brutto, Cappuccino, Cembalo, Coda, Da Capo, Disagio, Espresso, Fagott, Falsett, Fiasko, Gambe, Gondel, Granate, Grappa, Inferno, Kapital, Karneval, Kartoffel, Konto, Kontokorrent, Lotto, Melone, Mezzosopran Modell, netto, Olive, Partitur, Piano Pizza, Rabatt, Rendite, Risotto, Salat, Saldo, Salto mortale Sconto, Sopran, Spaghetti, Skalen, Sonate Stracciatella, Stuck, Tiramisu, Zucchini
Japanisch Judo, Kaki, Karate, Kimono, Samurai, Soja, Sudoku, Sushi, Tsunami, Zen
Kantonesisch Chop Suey, Mah-Jongg, Tee
Karibisch Papaya
Sprache der Khoikhoi Gnu
Kroatisch Krawatte
Lakota Tipi
Latein Aggression, Aprikose, Aquädukt, Äquator, Attentat, Brezel, Creme, dirigieren, Dom, ergo, Export, Fenster, Gletscher, Hostie, Humor, Kaiser, Kapelle, kapieren, Klausur, Kloster, konkret, koordinieren, Konkubine, Koralle, Kruzifix, Laterne, Latrine, Lingua franca, Mensa, Messe, Moderator, Modus vivendi, Monster, multiplizieren, Münze, Natur, null, Operation, opfern, Palme, Pappel, Pergament, Pflaume (prunum), pfropfen (propagare), Produkt, Rose, Satellit, Satire, Seide, Sekte, sic, Silvester, Sinus, Skulptur, Soldat, Status quo, Substanz, Sympathie, Teller, Tempel, Terror, total, Turm, Universität, Vakuum, Vulkan, Wall, Zentrum, Ziegel
Malaiisch bzw. Indonesisch Amok, Bambus, Guttapercha, Ketchup, Orang-Utan
Māori Kiwi
Norwegisch Fjord, Krill, Loipe, Ski
Persisch Ajatollah/Ayatollah, Basar, Bronze, Kiosk, Parse, Schach, Schah, Diwan, Tschador
Polnisch Gurke, Mazurka
Portugiesisch Marmelade, Pagode
Rotwelsch Bock haben, Kohldampf, Schmu; weitere Beispiele siehe hier
Russisch Babuschka, Balalaika, Borschtsch, Datscha, Wodka, Zar
Sanskrit Avatar, Dschungel, Guru, Ingwer, Moschus, Nirwana, Zucker
Schwedisch Ombudsmann
Serbokroatisch Kukuruz (österreichisch für Mais), Vampir
Spanisch Embargo, Moskito, Nachos, Salsa, Siesta, Tango, Tapas, Vanille, Zigarre, Zorro
Taíno Mais, Tabak
Tamilisch Mango, Pampelmuse
Sprache der Tharawal Bumerang
Türkisch Döner, Joghurt, Schabracke
Tupi-Sprache Ananas, Jaguar, Kaschu, Maracuja, Maniok, Piranha, Tapir
Ungarisch Csárdás, Dolmetscher, Gulasch, Palatschinken, Kutsche, Puszta, Tollpatsch

Deutsche Wörter in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Auch deutsche Wörter werden in andere Sprachen übernommen und sind dort dann Fremdwörter.

  • im Bosnischen/Kroatischen/Serbischen (oft von österreichischer Aussprache beeinflusst): auspuh' (Auspuff), tašna [ˈtaʃna] (Tasche); nur im Bosnischen: paradajz (Paradeiser=Tomate), šrafciger [ˈʃraftsɪga] (Schraubenzieher), vinkl (Winkel)
  • im Englischen:[8] abseilen, angst, ansatz, blitzkrieg, bratwurst, dachshund, doppelganger, ehrgeiz, fräuleinwunder, gedanken experiment, glockenspiel, hinterland, hohlraum, kindergarten, leitmotiv, nazi, poltergeist, putsch, rucksack, sauerkraut, schadenfreude, stillstand, übermensch, wanderlust, weltschmerz, wunderkind, zeitgeist, zwieback, eigen- (als Präfix mehrerer math./phys. Fachtermina, z. B. eigenvalue oder eigenspace)
  • im Französischen: bunker, leitmotiv, nouilles (Nudeln), weltanschauung, waldsterben
  • im Italienischen: hinterland, kindergarten, leitmotiv, weltanschauung, wurstel
  • im Japanischen: アルバイト, sprich: arubaito (Studentenjob, von Arbeit), カルテ, sprich: karute (Karteikarten in der Medizin), バウムクーヘン, sprich: baumukūhen (Baumkuchen), ゲレンデ, sprich: gerende (Skigelände)
  • im Niederländischen: ansichtkaart, sowieso, überhaupt
  • im Polnischen: bukmacher (Buchmacher) → zakład bukmacherski (Wettbüro), brytfanka (Kasserolle, von Bratpfanne), durszlak (Sieb, von durchschlagen), fajerwerk (Feuerwerk), gwałt (Vergewaltigung, von Gewalt), kształt (Gestalt, Form), kubeł (Kübel) oder westpolnisch: kibel (Klo, von Kübel), ogórek (Gurke), szlafmyca (Schlafmütze), sznur (Schnur), szwagier/ka (Schwager/Schwägerin), wihajster (Du weißt schon.., von Wie heißt er)...

Sprachwissenschaftliche Forschungen ergaben, dass bis zu 2500 Wörter der polnischen Sprache einen Ursprung in deutschen oder mittelhochdeutschen Wörtern haben könnten. Eine Auflistung aller bisher bekannten Lehnwörter findet sich auf der Homepage der Universität Oldenburg.

  • im Russischen: buterbrod (Butterbrot, hier jedoch allgemein ein belegtes Brot bezeichnend), ajsberg (Eisberg), landschaft, schlagbaum, zejtnot (Zeitnot), galstuk (Halstuch, hier jedoch allgemein Krawatte / Schlips bezeichnend), waltorna (Waldhorn)
  • im Spanischen: fuss, platz, sitz (Hundekommandos), kinder (Kindergarten in Lateinamerika, über das Englische ins Spanische gelangt), kuchen (in Chile), leitmotiv, weltanschauung
  • im Swahili: shule
  • im Tschechischen: švagr [ʃvagr] (Geselle)

siehe auch: Germanismus, Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen

Internationale Suche „Wörterwanderung“[Bearbeiten]

Für eine Ausschreibung mit dem Titel „Wörterwanderung“ sammelten im Sommer 2006 über 1600 Menschen aus 57 Ländern „ausgewanderte Wörter“ mit persönlichen Erlebnissen und Erläuterungen zu Bedeutungsverschiebungen in anderen Sprachen. Der Deutsche Sprachrat hat einige Ergebnisse inzwischen veröffentlicht (vgl. Limbach 2007).

Das deutsche „Hinterland“ steht beispielsweise in England für das Gebiet hinter einem Frachtschiffhafen, in Italien für die dicht besiedelte Gegend um Mailand und in Australien für Gebiete, die in einem größeren Abstand von der Küste liegen, jedoch im Gegensatz zu den riesigen Flächen im Landesinneren („Outback“).

Das dänische „habengut“ für Dinge, die man besitzt und mit sich tragen kann, kam mit deutschen Wandergesellen. Ein Teilnehmer aus der Schweiz berichtete von „schubladisieren“, abgeleitet von „Schublade“, in der französischsprachigen Schweiz im Sinne von zu den Akten legen, auf die lange Bank schieben bzw. nicht behandeln wollen. In der englischen Jugendsprache hat sich das Wort „uber“ – „über“ ohne Umlaut – als Steigerungsform von „super“ oder „mega“ herausgebildet. Das deutsche Wort „Zeitgeist“ wird dort sogar als Adjektiv „zeitgeisty“ verwendet. In Italien, so ein Einsender, hat sich das Wort „Realpolitik“ in der Zeit des Eisernen Vorhangs verbreitet, mit Willy Brandt assoziiert, heute zunehmend als „wahre, sinnvolle, lebensnahe Politik“ verstanden.

Die meisten Zusendungen nannten ins Englische, Russische, Ungarische und Polnische ausgewanderte Wörter. Auch Vietnamesisch, Koreanisch, Chinesisch, Japanisch, Arabisch, Persisch, Hebräisch, Brasilianisch, Spanisch, Finnisch, Estnisch, Afrikaans, Swahili, Wolof und Kirundi kommen vor.

Spitzenreiter ist nach wie vor das französische „vasistas“ für „Oberlicht“ oder „Kippfenster“, abgeleitet vom deutschen „Was ist das?“. An zweiter Stelle steht der „kindergarten“, den es im englischen, französischen, spanischen und japanischen Sprachgebrauch gibt, gefolgt vom russischen „butterbrot“, das ein belegtes Brot, allerdings auch ohne Butter, bezeichnet und dem Wort „kaputt“ im Englischen, Spanischen, Französischen und Russischen.

Zitate[Bearbeiten]

Immanuel Kant schrieb in Kritik der reinen Vernunft (B 402 Fußnote):

„Übrigens habe ich wegen der lateinischen Ausdrücke, die statt der gleichbedeutenden deutschen wider den Geschmack der guten Schreibart eingeflossen sind, […] zur Entschuldigung anzuführen: dass ich lieber etwas der Zierlichkeit der Sprache habe entziehen als den [philosophischen] Schulgebrauch durch die mindeste Unverständlichkeit erschweren wollen.“

Ludwig Reiners erzählt eine Geschichte vom falschen Umgang mit Fremdwörtern:

„Berühmt ist die Geschichte, wie sich ein paar Leute beim Wein verabreden, ein völlig neues sinnloses Fremdwort »repunsieren« zu erfinden und in jeder beliebigen Bedeutung zu verwenden. Und wirklich wagt niemand, sie nach der Bedeutung zu fragen, jeder tut, als ob er es längst kenne, und versucht je nach dem Zusammenhang seinen Sinn zu erraten: Gestern haben wir herrlich repunsiert.O, war es interessant? Oder Herr Ober, wo kann man hier repunsieren?Bitte geradeaus, zweite Tür links. Nur bei Deutschen, die vor jedem fremdländischen Wort auf die Knie fallen, ist dies Experiment möglich.“

Ludwig Reiners: : Stilkunst, Fünfter Teil: Ein Streitgespräch über den Gebrauch von Fremdworten

Goethe gegen jene, die jeden Gebrauch eines Fremdworts ablehnen:

„Gott Dank! daß uns so wohl geschah:
Der Tyrann sitzt auf Helena!
Doch ließ sich nur der eine bannen,
Wir haben jetzo hundert Tyrannen.
Die schmieden, uns gar unbequem,
Ein neues Kontinentalsystem.
Teutschland soll rein sich isolieren,
Einen Pestkordon um die Grenze führen,
Daß nicht einschleiche fort und fort
Kopf, Körper und Schwanz von fremdem Wort.“

Goethe: Die Sprachreiniger (aus den Xenien)

Fremdwörter als Überreste einstiger Landessprachen[Bearbeiten]

Wenn ein fremdes Volk einem Gebiet seine Kultur so flächendeckend aufzwingt, dass seine Sprache ganz in ihm zu herrschen beginnt, nehmen die verbleibenden örtlichen Ausdrücke den Charakter von Fremdwörtern an. Beispiele im Amerikanischen sind toboggan (Rutschschlitten) und canoe aus dem Indianischen oder adobe (an der Sonne getrockneter Lehmziegel), lasso, sierra, desperado aus der Zeit der spanischen Kolonisation.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor W. Adorno: „Wörter aus der Fremde.“ In: Noten zur Literatur (Teil 2). Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt am Main 1959, ISBN 3-518-01071-9.
  • Karl-Heinz Best: Wo kommen die deutschen Fremdwörter her? In: Göttinger Beiträge zur Sprachwissenschaft 5, 2001, 7–20.
  • Karl-Heinz Best: Ein Beitrag zur Fremdwortdiskussion. In: Die deutsche Sprache in der Gegenwart. Festschrift f. Dieter Cherubim zum 60. Geburtstag. Hrsg. v. Stefan J. Schierholz in Zusammenarbeit mit Eilika Fobbe, Stefan Goes u. Rainer Knirsch. Lang, Frankfurt u. a. 2001, S. 263–270, ISBN 3-631-37009-1.
  • Karl-Heinz Best (2006). Quantitative Linguistik. Eine Annäherung. 3., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Göttingen: Peust & Gutschmidt, ISBN 978-3-933043-17-7.
  • Karl-Heinz Best, Emmerich Kelih (Herausgeber): Entlehnungen und Fremdwörter: Quantitative Aspekte. RAM-Verlag, Lüdenscheid 2014, ISBN 978-3-942303-23-1.
  • Duden: Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter, 4. Auflage, Dudenverlag 2007, ISBN 3-411-04164-1.
  • Peter Eisenberg: Das Fremdwort im Deutschen. de Gruyter, Berlin und New York 2011, ISBN 978-3-11-023564-7 ; E-Book ISBN 978-3-11-023565-4.
  • Helle Körner: Zur Entwicklung des deutschen (Lehn-)Wortschatzes. In: Glottometrics 7, 2004, S. 25–49.
  • Jutta Limbach: Ausgewanderte Wörter. Hueber, Ismaning 2007, ISBN 3-19-107891-6.
  • Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Band I: Einführung, Grundbegriffe, 14. bis 16. Jahrhundert, de Gruyter, Berlin und New York 1991 (2. überarb. u. ergänzte Aufl. 2000.), ISBN 3-11-016478-7.
  • Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Band II: 17. und 18. Jahrhundert, de Gruyter, Berlin und New York 1994, ISBN 3-11-014608-8.
  • Ludwig Reiners: Stilkunst. Ein Lehrbuch deutscher Prosa. Beck, München 1991, ISBN 978-3-406-34985-0.
  • Andrea Stiberc: Sauerkraut, Weltschmerz, Kindergarten und Co. Deutsche Wörter in der Welt. Herder, Freiburg/ Basel/ Wien 1999, ISBN 3-451-04701-2.
  • Katharina Ternes: Entwicklungen im deutschen Wortschatz. In: Glottometrics 21, 2011, S. 25–53.
  • Reinhard von Normann: Das treffende Fremdwort. Wörterbuch deutsch–fremd. Über 30.000 Stichwörter. 378 Seiten, Eichborn-Verlag, 1998, ISBN 978-382181262-5.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fremdwort – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Best: Das Fremdwortspektrum im Türkischen. In: Glottometrics 17, 2008, S. 8–11; Karl-Heinz Best: Zum Fremdwortspektrum im Japanischen. In: Glottotheory 3/1, 2010, S. 5–8.
  2. Harald Wiese: Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Logos, Berlin 2010, S. 37–38.
  3. Jürgen Kuri, Uta Knapp, dpa: Vorwurf "lächerliche Angeber-Anglizismen": Duden zum "Sprachpanscher" gekürt. 2. September 2013, abgerufen am 13. September 2013 (Erklärung von Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht).
  4. Das Fremdwort - Lesenswertes und Interessantes. In: Duden - Das Fremdwörterbuch. Duden-Redaktion, 2010, S. 22 (PDF-S. 6), abgerufen am 13. September 2013 (PDF; 1,6 MB).
  5. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1
  6. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. (in 32 Teilbänden). Leipzig, S. Hirzel 1854–1960
  7. Harald Wiese: Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Logos, Berlin 2010, S. 65
  8. siehe dazu ausführlicher: Karl-Heinz Best: Deutsche Entlehnungen im Englischen. In: Glottometrics, Heft 13, 2006, Seite 66–72.
  9. André Maurois: Die Geschichte Amerikas. Rascher, Zürich 1947, S. 23, 27, 37