Sonderschutzfahrzeug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Dienstfahrzeug des Deutschen Bundespräsidenten mit der Widerstandsklasse B6/B7. Bei dem gezeigten Fahrzeug handelt es sich um ein Pool-Fahrzeug. Bei Repräsentationsterminen des Bundespräsidenten wird am jeweiligen Fahrzeug das Kennzeichen „0-1“ angebracht.

Als Sonderschutzfahrzeuge werden PKW oder Nutzfahrzeuge bezeichnet, die durch eine integrierte Panzerung die Insassen und/oder das Ladegut vor äußeren Angriffen schützen sollen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im Jahre 1928 bot Mercedes-Benz die ersten Sonderschutzfahrzeuge an. Der W08 hatte verschiebbare Stahlplatten, mit denen die Fensterscheiben von innen gesichert wurden. Mithilfe eines Periskops konnte man nach außen sehen. Der erste vollständig gepanzerte Mercedes wurde 1930 an den japanischen Kaiser Hirohito ausgeliefert. Neben den Sonderschutzfahrzeugen der Markenhersteller werden auch von anderen Unternehmen Umbauten derartiger Fahrzeuge angeboten. Durch diese Unternehmen werden auch solche Fahrzeuge verändert, die ab Werk nicht als Sonderschutzfahrzeug erhältlich sind. Der Aufwand hierfür ist hoch, da die Serienfahrzeuge vor dem Umbau nahezu vollständig demontiert werden müssen.

Widerstandsklassen[Bearbeiten]

Sonderschutzfahrzeuge werden in verschiedene Widerstands- bzw. Beschussklassen unterteilt. Hierbei wird jedoch nicht die Widerstandsfähigkeit des gesamten Fahrzeuges, sondern die Widerstandsfähigkeit der verschiedenen eingesetzten Werkstoffe ermittelt.

Die Widerstandsklassen werden nach DIN und Euronorm danach zertifiziert, welcher Schusswaffeneinwirkung die Panzerung widersteht. Für durchsichtige Materialien (Verglasung) gilt EN 1063. EN 1522 und EN 1523 definieren die Eigenschaften für die undurchsichtigen Materialien der übrigen Karosserieteile. Die Zertifizierung des Fahrzeuges in die jeweilige Widerstandsklasse erfolgt in Deutschland durch die Beschussämter Mellrichstadt, München und Ulm.[1]

Die Klassen wurden früher von B1 bis B7 („Beschussklasse“) für Karosserieteile und analog dazu mit BR1 bis BR7 für Verglasung unterteilt. Das heutige Kürzel VR steht für „Vehicle Resistance“. Es folgt eine tabellarische Auflistung gemäß BRV 1999[2]:

Wider­stands­klasse Kaliber Schuss­entfernung Einschlags­geschwin­digkeit Waffenart
VR1 .22 LR 10 Meter 360 m/s Kurzwaffe
VR2 9 mm Parabellum 5 Meter 400 m/s Kurzwaffe
VR3 .357 Magnum 5 Meter 430 m/s Kurzwaffe
VR4 .44 Rem. Magnum
.357 Magnum
5 Meter 440 m/s Kurzwaffe
VR5 5,56 × 45 mm NATO 10 Meter 950 m/s Gewehr
VR6 7,62 × 51 mm NATO Weichkern
5,56 × 45 mm NATO Weichkern mit Stahlpenetrator
10 Meter 830 m/s Gewehr
VR7 7,62 × 51 mm NATO Hartkern 10 Meter 830 m/s Gewehr
VRSG1 12/70 Massivgeschoss 10 Meter 420 m/s Flinte

Sind mehrere Kaliber angegeben, muss die Prüfung mit beiden Kalibern durchgeführt werden, um die Widerstandsklasse zu erreichen.

Zum Vergleich die Prüfstufen nach der VPAM-Richtlinie APR 2006[3]:

Wider­stands­klasse Kaliber Schuss­entfernung Einschlags­geschwin­digkeit Waffenart Geschoss­energie (Joule)
VR1 .22 LR 10 Meter 360 ± 10 m/s Kurzwaffe 168
VR2 9 mm Parabellum 5 Meter 360 ± 10 m/s Kurzwaffe (Pistole) 518
VR3 9 mm Parabellum 5 Meter 415 ± 10 m/s Kurzwaffe (Maschinen­pistole) 689
VR4 .357 Magnum Weichkern
.44 Rem. Magnum Weichkern
5 Meter
5 Meter
430 ± 10 m/s
440 ± 10 m/s
Kurzwaffe 943
1510
VR5 .357 Magnum Vollmessing 5 Meter 580 ± 10 m/s Kurzwaffe 1194
VR6 7,62 × 39 mm Eisenkern 10 Meter 720 ± 10 m/s Sturm­gewehr 2074
VR7 5,56 × 45 mm NATO Weichkern mit Stahlpenetrator
7,62 × 51 mm NATO Weichkern
10 Meter
10 Meter
950 ± 10 m/s
830 ± 10 m/s
Gewehr 1805
3289
VR8 7,62 × 39 mm Stahlhartkern, Brandsatz 10 Meter 740 ± 10 m/s Sturmgewehr 2108
VR9 7,62 × 51 mm NATO Stahlhartkern 10 Meter 820 ± 10 m/s Sturmgewehr 3261
VR10 7,62 × 54 mm R Stahlhartkern, Brandsatz 10 Meter 860 ± 10 m/s Sturmgewehr 3846
VR11 7,62 × 51 mm NATO Wolframcarbid, 8,4 Gramm 10 Meter 930 ± 10 m/s Sturmgewehr 3633
VR12 7,62 × 51 mm NATO Wolframcarbid, 12,7 Gramm 10 Meter 810 ± 10 m/s Sturmgewehr 4166
VR13 12,7 × 99 mm NATO Stahlhartkern keine Vorgabe 930 ± 20 m/s Maschinen­gewehr 18.595
VR14 14,5 × 114 mm Stahlhartkern, Brandsatz keine Vorgabe 911 ± 20 m/s Schweres Maschinengewehr (an Fahrzeug) 26.308

Die üblicherweise eingesetzten Widerstandsklassen sind B4 und B6/B7. Der Schrägstrich bei der Angabe für die sogenannten Schwerpanzer bedeutet, dass die Karosserie der Beschussklasse B7 und die Verglasung der Beschussklasse BR6 entspricht.

Neben Angriffen mit Schusswaffen schützen solche Fahrzeuge die Insassen auch vor Attacken mit Sprengstoffen, Äxten, Brechstangen und Brandbomben (Molotowcocktails).

Zielgruppe[Bearbeiten]

Sonderschutzfahrzeug des Präsidenten der USA, auch Cadillac One genannt.

Fahrzeuge der höchsten Widerstandsklasse[Bearbeiten]

Das Angebot von Sonderschutzfahrzeugen der höchsten Widerstandsklasse B6/B7 richtet sich hauptsächlich an Sicherheitsbehörden wie das Bundeskriminalamt und die Landeskriminalämter, die für den Schutz der Verfassungsorgane und deren ausländischer Gäste zuständig sind. Zunehmend gehören auch Privatpersonen zur Zielgruppe.[4]

Mehrere deutsche Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, vorwiegend geländetaugliche Fahrzeuge in der Schutzstufe B6/B7 zu panzern. Diese werden von Behörden, Unternehmen und Hilfsorganisationen in Krisengebieten eingesetzt.

Gerüchte, Fahrzeuge der höchsten Widerstandsklasse seien von Privatpersonen nicht käuflich zu erwerben, lassen sich nicht mit Quellen belegen. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind derartige Fahrzeuge in ansehnlicher Stückzahl – auch von staatlichen Stellen – für jedermann verfügbar. So befindet sich beispielsweise heute ein ehemaliges Dienstfahrzeug von Hans-Dietrich Genscher in den Händen eines privaten Sammlers.[5]

Details und Produktionszahlen dieser Fahrzeuge werden von den Herstellern zumeist geheim gehalten. Dies dient einerseits dem Schutz der Kunden und soll andererseits den Mitbewerbern keine Vorteile verschaffen.

Eine Ausnahme bildet hierbei regelmäßig das Dienstfahrzeug des Präsidenten der USA. Dieses auf dem nebenstehenden Bild abgelichtete Fahrzeug lässt sich in keine der normierten Schutzklassen einordnen. Die Schutzwirkung dürfte allerdings weit über die bisher höchste B6/B7 Schutzklasse hinausgehen. Hinweise darauf geben unter anderem die nicht gewölbten Fahrzeugscheiben, die von Experten als bis zu 14 cm dick eingeschätzt werden, sowie der Sonderaufbau auf Basis eines Klein-Lkw statt der regulären Pkw-Limousine.[6][7]

Fahrzeuge der mittleren Widerstandsklasse[Bearbeiten]

Sonderschutzfahrzeug zum Transport von Wertgegenständen

Die Zielgruppe für Sonderschutzfahrzeuge der mittleren Widerstandsklasse B4 stellen Personen dar, die sich in Gebieten mit Gefährdungen durch kriminelle Angriffe (beispielsweise Carjacking, Kidnapping oder Raubüberfälle) bewegen.

Auch werden Sonderschutzfahrzeuge von Sicherheitsunternehmen zum Transport von Wertgegenständen eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind so genannte Geldtransporter. Solche Fahrzeuge werden bei der Bestellung mit den jeweiligen Anforderungen entsprechenden Widerstandsklassen ausgerüstet.

Sonderschutzfahrzeuge ab Werk[Bearbeiten]

Sonderausstattungen[Bearbeiten]

Sonderschutzfahrzeuge werden oft mit zusätzlichen Sonderausstattungen ausgerüstet, die für herkömmliche Fahrzeuge selten lieferbar sind. Dazu gehören unter anderem interne Feuerlöschanlagen, Gegensprechanlagen nach außen (so genannte Intercom-Anlagen), Reifen mit Notlaufeigenschaft, GPS-Ortungssystem, explosionssicherer Tank, Außenluftfilteranlagen gegen Gasangriffe und vieles mehr.

GPS-Ortungssystem[Bearbeiten]

Selbst weitgehende Panzerung bietet keinen ausreichenden Schutz vor unbefugtem Zugriff. Beispielsweise wurde 2004 der Dienstwagen des DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp gestohlen. Der Wagen konnte trotz Fahndung der Polizei und diverser Ortungsversuche über das im Fahrzeug eingebaute GPS-System nicht ausfindig gemacht werden. Ein Sprecher von DaimlerChrysler bestätigte lediglich, „dass ein gepanzerter Mercedes aus dem Fuhrpark gestohlen wurde“.

Auch der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth war einst aus der Garage ihres Chauffeurs der Dienstwagen gestohlen worden. In diesem Fall allerdings konnte das Fahrzeug einen Tag später über das Ortungssystem in einem Frankfurter Parkhaus ausfindig gemacht werden.[13]

Fernbedienung[Bearbeiten]

Ein gepanzerter Wagen muss sofort einsatzbereit sein können. Da beim Ausstieg der zu schützenden Person aus selbigem Wagen zumeist auch Fahrer und Begleiter das Fahrzeug verlassen, ergibt sich die Notwendigkeit, in Gefahrensituationen jegliche Verzögerung beim Verlassen eines Gefahrenortes zu vermeiden. So gibt es die Sonderfunktion Fernstarter. Noch bevor die zugangsberechtigten Personen das Fahrzeug erreicht haben, kann der Motor des Fahrzeuges mittels Fernbedienung gestartet werden. Vorsichtige Fahrer starten das Fahrzeug mit Hilfe dieser Funktion auch im Normalfall aus der Ferne. So besteht keine Gefahr, im Fahrzeug während des Motorstartes von einer eventuell zuvor in Abwesenheit installierten, zündungsgekoppelten Autobombe erfasst zu werden.

Sicherheitsreifen[Bearbeiten]

Schnitt durch einen Sicherheitsreifen

Sicherheitsreifen stellen ein System aus Felgen und Reifen dar, das selbst nach erfolgtem Anstoß (Fremdkörpereinwirkung) sowie nach Luftdruckverlust gewisse Notlaufeigenschaften besitzt. Mercedes-Benz bot diese Sicherheitstechnik Anfang der 1990er-Jahre unter dem Namen CTS-Reifen vorübergehend auch für Serienfahrzeuge an.

Atemluftversorgung/Filteranlage[Bearbeiten]

Um Schutz vor Angriffen mit Reiz- oder Giftgasen bieten zu können, sind Anlagen erhältlich, die dem Innenraum zugeführte Luft filtern oder eine eigenständige Atemluftversorgung über Pressluftflaschen ermöglichen. Dabei wird im Fahrzeug ein leichter Überdruck erzeugt, der keine Außenluft in das Fahrzeug eindringen lässt.

Anti-Kidnapping-Funktionen[Bearbeiten]

Für den Fall von Kidnapping, bei dem das Opfer im eigenen Wagen entführt werden soll, existieren Einrichtungen, um den Wagen stillzulegen und die Türen zu verriegeln. Diese Maßnahmen können unbemerkt, z.B. durch ein verstecktes Bedienpanel im Kofferraum, ausgelöst werden.

Notausgänge[Bearbeiten]

Eine besondere Gefahr bei gepanzerten Fahrzeugen ist, dass man es in einem Notfall, z. B. nach einem Unfall, nicht mehr verlassen kann. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie Verformung der Türen oder Ausfall der Elektronik für Schlösser und Fensterheber. Durch die Panzerung ist es jedoch nicht möglich, die Scheiben einzuschlagen, und die Feuerwehr hätte erhebliche Mühe, das Dach zu demontieren. Einige Fahrzeuge haben deshalb elektrisch unabhängige hydraulische Fensterheber, die wegen des hohen Mehrgewichts der gepanzerten Scheiben ohnehin nötig sind.

Eine erst in den letzten Jahren aufgekommene Sicherheitseinrichtung bildet die per Fernzündung heraussprengbare Frontschutzscheibe. Um ein gepanzertes Fahrzeug auch nach einem Unfall auf unkonventionelle Weise verlassen zu können, blieben als einziger Rettungsweg die Fenster. Da diese aber zu schwer sind, um sie nach einem Unfall (zumal in geschwächtem körperlichem Zustand) heraushebeln zu können, installierte man Sprengschnüre in den Fensterfassungen. Diese sollen gegebenenfalls den Fensterkorpus vom Rahmen lösen. Der Betätigungsschalter befindet sich zumeist unter einem kleinen (meist farblich abgesetzten) Klappdeckel.

Audi bietet mittlerweile als Rettungsmöglichkeit das Heraussprengen aller vier Türen über einen in der Mittelkonsole befindlichen Auslöseknopf an.

Verwendete Materialien[Bearbeiten]

Seitenscheibe eines Sonderschutzfahrzeuges des Typs Mercedes-Benz W 126 nach Beschuss mit verschiedenen Kalibern
VR7-Panzerung an einem Mercedes-Benz S600 Guard (BR 220)

Die zur Panzerung verwendeten Materialien sind zumeist Stahl, Kunststoffe (z. B. Kevlar) und Panzerglas. Stahl wird eingesetzt, um die Wirkungskraft von Geschossen zu eliminieren, Kunststoffe sollen das Eindringen von Geschosssplittern verhindern.

Auch werden Kunstfasern, wie zum Beispiel Aramid (Kevlar), von Verbundwerkstoffen und auch spezielle Keramiken verwendet, da eine Gewichtsersparnis gegenüber den zur Panzerung verwendeten Sonderstählen möglich ist. Die verstärkte Verwendung dieser modernen Materialien in den neueren Sonderschutzfahrzeugen trägt auch dazu bei, die Modifikationen unauffälliger in die Fahrzeuge zu integrieren, um die Auffälligkeit solcherart ausgestatteter Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr möglichst gering zu halten.

Gewicht[Bearbeiten]

Durch die Panzerung kann sich das Fahrzeuggewicht je nach Widerstandsklasse um 1.000 Kilogramm oder mehr erhöhen. Eine einzige Fahrzeugtür wiegt oft mehr als 100 Kilogramm; zum leichteren Öffnen und Schließen sowie zum Heben und Senken der schwereren Panzerglasscheiben werden hier oft hydraulische Systeme eingesetzt.

Bei modernen Fahrzeugen wird heutzutage der Gewichtsnachteil nicht mehr durch stärkere Motoren, sondern eher durch angepasste Fahrwerke in Bezug auf das Fahrverhalten und die Fahrleistungen größtenteils kompensiert. Der damit einhergehende erhöhte Kraftstoffverbrauch spielt in der Zielgruppe dieser Fahrzeuge eine untergeordnete Rolle. Von einer Kompensation durch pure Motorgröße wird aus Umweltschutzgründen immer mehr Abstand genommen.

Da manche Sonderschutzfahrzeuge die Gesamtmasse von 3.500 Kilogramm überschreiten und zum Führen des Fahrzeugs eine Fahrerlaubnis für LKW benötigt wird, sieht die Zweite Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften der Fahrerlaubnis-Verordnung[14] vor, dass Fahrzeuge, die vom Bundeskriminalamt oder den Polizeien der Länder für den Personenschutz eingesetzt werden, mit der Fahrerlaubnis der Klasse B (für PKW) geführt werden dürfen. In diesem Fall muss das Fahrzeug bestimmte bauliche Anforderungen erfüllen. Der Fahrer muss zudem eine besondere, mindestens dreitägige Fahrausbildung absolviert haben. Auch dann darf das zu steuernde Fahrzeug höchstens 4.100 Kilogramm schwer sein.

Sicherheit[Bearbeiten]

Die Panzerung eines Sonderschutzfahrzeuges kann dessen Insassen keine absolute Sicherheit garantieren. Meist stellen Sonderschutzfahrzeuge auch nur einen Teil der Maßnahmen zum Schutze einer Person dar. Ein sehr wichtiger Bestandteil zum sicheren Transport ist das Fahrkönnen und -verhalten des Chauffeurs. Meist haben Führer eines Sonderschutzfahrzeuges eine Personenschutzausbildung und spezielle Fahrtrainings hinter sich. Häufig befinden sich noch weitere Personenschützer im Fahrzeug. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, werden oft Konvois gebildet, wobei die Begleitfahrzeuge meist nur Personenschützer oder auch Gepäck der Schutzperson transportieren. Bei hohen Ansprüchen handelt es sich auch bei den Begleitfahrzeugen um Sonderschutzfahrzeuge. So kann eine unverletzte Schutzperson zum Beispiel nach einem Unfall in ein gepanzertes Begleitfahrzeug wechseln. Auf Autobahnen werden Begleitfahrzeuge zum Abschirmen gegen überholende Fahrzeuge eingesetzt. Bei einem gezielten Angriff kann die Besatzung eines Begleitfahrzeuges die Angreifer bekämpfen, um dem Fahrzeug der Schutzperson eine schnellstmögliche Flucht zu ermöglichen.

Bekannte Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • Bei einem Sprengstoffattentat mit einer lichtschrankengesteuerten Bombe aus etwa 7 kg TNT ähnlich einer Panzermine[15][16] – die jedoch anders als oft fälschlich berichtet keine Hohlladung enthielt[15] – starb 1989 der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen in einer Mercedes S-Klasse der Widerstandsklasse B6/B7, während sein Fahrer nur leicht verletzt wurde. Ein Teil der Türinnenverkleidung war durch den Explosionsdruck abgesprengt worden und hatte Herrhausens Oberschenkelschlagader verletzt. Aufgrund ausbleibender erster Hilfe durch die in einem zweiten Wagen folgenden Personenschützer verblutete Herrhausen binnen weniger Minuten.[17][18] Die Türen, der Kofferraum und die Motorhaube waren durch die Explosion aufgerissen worden.[19][15]
  • Am 20. April 1995 überlebte José María Aznar, zum damaligen Zeitpunkt noch Oppositionsführer in Spanien, einen ähnlichen Sprengstoffanschlag in einem Audi V8 der gleichen Widerstandsklasse mit leichten Verletzungen.
  • Am 9. Februar 1998 wurde ein Anschlag auf den damaligen georgischen Staatspräsidenten Eduard Schewardnadse verübt. Die Attentäter verwendeten panzerbrechende Granaten des Typs RPG-7. Trotz zweier Treffer in der Motorhaube der gepanzerten B6/B7-S-Klasse gelang es dem Fahrer, das Fahrzeug aus der Gefahrenzone zu bringen. Obwohl das Fahrzeug schwer beschädigt war, blieben Schewardnadse, dessen Fahrer sowie zwei seiner Leibwächter nahezu unverletzt.
  • Im März 1981 wäre dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan seine gepanzerte Limousine fast zum Verhängnis geworden. Als er wenige Meter neben seinem Auto stand, schoss ein Attentäter auf Reagan, die Kugel traf aber stattdessen auf das Panzerglas der Limousine, prallte davon ab und verletzte Reagan.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

  • Eine ähnliche Klassifikation der Sicherheit gilt bei beschusshemmenden Westen.
  • STANAG 4569 beschreibt die Schutzstufen für Insassen von Logistik- und leichten Panzerfahrzeugen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sonderschutzfahrzeug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Financial Times Deutschland, 27. Oktober 2006. Es erscheinen in der Presse auch Artikel, die diese Prüffunktion dem Bundeskriminalamt zuschreiben. Das Bundeskriminalamt prüft jedoch lediglich Fahrzeuge für den eigenen Bedarf.
  2. [1]
  3. [2]
  4. "Rollende Rüstung" - Manager-Magazin, 14. November 2005
  5. S-Klasse-Club, Bildbericht Jahrestreffen 2004
  6. Welt.de, [3]
  7. Autoscout24.de, [4]
  8. Auto Motor und Sport, 15. April 2009 (News) http://www.auto-motor-und-sport.de/news/bmw-x5-security-plus-mit-xdrive-allradsystem-suv-sicherheitsfahrzeug-der-widerstandsklasse-6-1164023.html
  9. http://www.alpa-gatt.com/ALPa_GATTConstr/HTMLsE/E67classE.html
  10. Autobild.de: Luxus ganz sicher Mercedes S 600 Pullman Guard auf Pariser Motor Show vorgestellt
  11. classicdriver.de: Gepanzerter Jaguar XJ Sentinel in Moskau enthüllt
  12. Conquest Vehicles aus Kanada
  13. Die Welt, 23. November 2004 http://www.welt.de/print-welt/article354122/Wie_stehle_ich_den_Mercedes_von_Daimler_Chef_Juergen_Schrempp.html
  14. Zweite Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften der Fahrerlaubnis-Verordnung vom 16. Dezember 2011 (BGBl. I S. 3113), pdf-Dok. 30 KB.
  15. a b c Thomas Kirn: Der ungesühnte Mord. faz.net, 30. November 2009
  16. Der Sprengstoff war als Platte geformt und mit einer Kupferplatte beschichtet, wodurch die Explosionsenergie nach dem Misznay-Schardin-Effekt gebündelt wird, wobei die Bündelung jedoch deutlich schwächer als bei einer Hohlladung ist, die nach dem Munroe-Effekt funktioniert
  17. Andres Veiel: Black Box BRD. Alfred Herrhausen, die Deutsche Bank, Die RAF und Wolfgang Grams. S. 10-13, Fischer Verlag, 2004, ISBN 3596159857
  18. Lutz Wernicke: Stammheim 1977. S. 95/96
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChristoph Gunkel: Tod in der Lichtschranke. spiegel.de, 30. November 2009, abgerufen am 2. Dezember 2011.