Spoonerismus

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Karikatur von William Spooner in einer Ausgabe von Vanity Fair aus dem Jahre 1898
Ein Artikel in der New York Times von 1928 stellt fest, dass die meisten Spoonerismen auf William Spooners Studenten zurückgingen, nicht auf den Meister selbst.

Als Spoonerismus (ausgesprochen ˈspuːnərɪzmus) bezeichnet man eine absichtliche oder unabsichtliche Vertauschung von worteinleitenden Phonemen oder Morphemen, wodurch sich neue, meist witzige Bedeutungen von Worten oder Sätzen ergeben.

Benannt ist der Spoonerismus nach William Spooner (1844–1930), Dekan und Rektor am New College in Oxford.[1][2][3] Er war ein sehr kurzsichtiger Gelehrter kleiner Statur, der diesen sprachlichen Tick pflegte. Jedoch gehen vermutlich nur wenige Spoonerismen auf William A. Spooner selbst zurück. Das Umschichten von Sätzen nach diesem Muster wurde zum Hype bei Spooners Studenten in Oxford.

Ein Beispiel im Englischen ist: „The Lord is a shoving leopard.“ (anstelle von: „The Lord is a loving shepherd.“)[4] Der Begriff spoonerism fand Eingang in das Oxford English Dictionary.[5]

Der Spoonerismus ist auch als Marrowsky bekannt[6], angeblich nach einem polnischen Grafen benannt, der dieselbe sprachliche Angewohnheit gehabt haben soll.[7][8]

Literaturwissenschaftler haben sich um eine exakte Definition des Spoonerismus bemüht, sind sich jedoch uneins. Manche legen Wert auf die unfreiwillige Komik und lehnen einen elaboriert geschaffenen Wortwitz als Spoonerismus ab. Andere beschränken den Spoonerismus auf den Austausch der Anfangssilbe (meist ein oder zwei Buchstaben) zweier oder mehrere Worte, erlauben jedoch keine Wortumstellung innerhalb des Satzes (wie „Ich leg Dir ein Nest ins Ei“ – statt „ein Ei ins Nest“). Konsens ist, dass der Spoonerismus kein Wortspiel allein ist, sondern die neu arrangierten Worte einen neuen Sinn ergeben müssen, im besten Fall und um der Komik willen einen völlig anderen, wie etwa statt „Das hast du geschickt eingefädelt“: „gefickt eingeschädelt“; oder „Schluckspecht“ vs. „spuck schlecht“. Ein Leser kritisierte 1944 einen Artikel der New York Times über Spoonerismen, weil der dort erwähnte Ausdruck „nins and peedles“ (statt „needles and pins“) zwar komisch klänge, aber es weder „nins“, noch „peedles“ im Englischen gäbe. Es sei also kein Spoonerismus.[9]

In den 1990er-Jahren waren die Sketche „Kentucky schreit ficken“ aus der Fernsehsendung RTL Samstag Nacht populär. Bei dem Titel handelt es sich um eine „spoonerisierte“ Form des Namens der US-Restaurantkette Kentucky Fried Chicken. Der Humor dieser Sketche bestand oftmals aus derben Spoonerismen.[10] Eine neuere Variante des Scherztyps ist die SWR3-Comedy Tuten Gag.[11] Auch die britische Komikertruppe Monty Python arbeitete in ihren Sketchen mit Spoonerismen, ging aber häufig zu eigenen Wortschöpfungen über („Ring Kichard the Thrid“, „My dingkome for a shroe!“).[5]

2007 wurden auf der 4. internationalen Konferenz Fun with algorithms: FUN 2007 im italienischen Castiglioncello automatische Rechenverfahren (Computeralgorithmen) vorgestellt, mit denen sich Spoonerismen erstellen lassen.[12]

Der Spoonerismus ist nicht zu verwechseln mit dem deutschen Schüttelreim.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Names make news. In: Time, 29. Oktober 1928. Abgerufen am 20. September 2008.  (englisch)
  2. Spoonerism Message Lost in Translation. In: Toledo Blade, 3. November 1980.  (englisch)
  3. History of spoomerism in: Reader’s Digest Magazin, 1995 (englisch)
  4. Übersetzung: Der Herr ist ein schubsender Leopard anstelle von Der Herr ist ein liebender Hirte. David Weeks/Jamie James: Exzentriker. Über das Vergnügen, anders zu sein. Hamburg 1998, S. 66, ISBN 978-3-499-60549-9
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatRichard Nordquist: spoonerism. grammar.about.com, abgerufen am 18. November 2013.
  6. Marrowsky im Merriam Webster Dictionary
  7. Chambers Dictionary 1993 ISBN 0-550-10255-8
  8. Jeff Aronson: When I use a word . . . Medical Greek in: British Medical Journal vom 14. März 1998 (englisch)
  9. New York Times vom 3. Oktober 1944, Leserbrief von Frank W. Noxon vom 23. September 1944
  10. Der Affe fällt nicht weit vom Stamm – Malapropismen in Literatur und Alltag
  11. Tuten Gag auf der Internet-Seite swr3.de
  12. Hans Joachim Böckenhauer, Juraj Hromkovič, Richard Královič, Tobias Mömke, Abteilung für Computerwissenschaften der ETH Zürich; und Kathleen Steinhöfel, Abteilung für Computerwissenschaften, King’s College London: Efficient Algorithms for the Spoonerism Problem. In: Fun with algorithms: 4th international conference, FUN 2007, Castiglioncello, Springer-Verlag, 2007, ISBN 978-3-540-72913-6, S. 78–92, Online (PDF; 336 kB)
  13. J. Dominik Harjung: Lexikon der Sprachkunst. C.H.Beck, 2000, ISBN 978-3-406-42159-4, S. 77 Online