Stammersdorfer Lokalbahn

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Stammersdorf–Dobermannsdorf
Kursbuchstrecke (ÖBB): 912
Streckennummer (ÖBB): 182 01
Streckenlänge: in Betrieb: 30,6 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 10 
Minimaler Radius: 173 m
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
   
0,0 Stammersdorf Übergang zur Straßenbahn
   
3,5 Hagenbrunn
   
5,9 Enzersfeld
   
7,9 Großebersdorf
   
9,9 Eibesbrunn
   
Laaer Ostbahn
   
12,2 Obersdorf Übergang zur Laaer Ostbahn
Haltepunkt, Haltestelle
13,7 Pillichsdorf
Bahnhof, Station
16,1 Groß Engersdorf
Bahnhof, Station
18,6 Bockfließ
Haltepunkt, Haltestelle
21,9 Auersthal
Haltepunkt, Haltestelle
25,8 Raggendorf Markt
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
von Gänserndorf
Bahnhof, Station
29,3 Groß Schweinbarth
   
Abschnitt der Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach
   
33,9 Bad Pirawarth
   
nach Gaweinstal (–Mistelbach)
   
36,6 Klein Harras
   
38,8 Hohenruppersdorf
   
42,7 Sulz Museumsdorf früher Sulz-Nexing
   
47,9 Loidesthal
   
51,4 Groß Inzersdorf
   
53,9 Zistersdorf Stadt
   
54,6 Zistersdorf
   
nach Drösing
   
56,1 Gösting
   
58,2 Am Steinberg
   
61,1 Palterndorf
   
von Korneuburg
Bahnhof ohne Personenverkehr
63,0 Dobermannsdorf
   
nach Hohenau
   
nach Poysdorf

Die Stammersdorfer Lokalbahn (heute auch als Weinviertel-Landesbahn bezeichnet) ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte und von den ÖBB betriebene Nebenbahn im Weinviertel in Niederösterreich. Diese verlief ursprünglich von Stammersdorf über Auersthal nach Dobermannsdorf, heute ist noch der Abschnitt ObersdorfGroß-SchweinbarthBad PirawarthSulz Museumsdorf in Betrieb, Personenzüge verkehren noch auf der Strecke Obersdorf–Groß-Schweinbarth–Bad Pirawarth.

Geschichte der Lokalbahn[Bearbeiten]

ÖBB 2143 mit Spantenwagen im Bahnhof Stammersdorf, März 1988

Am 7. Juni 1884 wurde, gemeinsam mit der Linie FloridsdorfGroß Enzersdorf, die Dampftramwaystrecke Stephaniebrücke–Stammersdorf eröffnet. Zwei Jahre später, am 15. Juni 1886, nahm die Dampftramway Krauss & Comp. Güterverkehr auf der Gesamtstrecke auf. Am 2. Dezember 1897 empfahl erstmals der niederösterreichische Landesausschuss dem Landtag den Bau einer Lokalbahn von Stammersdorf nach Auersthal. Knapp ein Jahr später, am 4. September 1898, lag der Technische Bericht für das Projekt einer normalspurigen Lokalbahn Stammersdorf–Auersthal vor. Neben Stammersdorf wurden die Stationen Eibesbrunn H, Pillichsdorf, Groß Engersdorf HL und Bockflüss vorgesehen.[1]

Gestützt auf die Konzessionsurkunde vom 16. November 1901[2] begann im August 1902, in Regie des niederösterreichischen Landeseisenbahnamtes[1], die Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp.[Anm. 1] mit dem Bau der Lokalbahn Stammersdorf – Auersthal. Die technisch-polizeiliche Abnahme der Strecke erfolgte am 15. April 1903[1], ihre Eröffnung am 26. April 1903[3].

Formalrechtlich wurde die Bahnlinie, die für die Versorgung Wiens mit Lebensmitteln (insbesondere Milch[4]) von Bedeutung war[3], am 1. Jänner 1907 von der Stadt Wien übernommen, als diese das Unternehmen Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. durch Kauf an sich brachte (mit eingeschlossen 229 Bedienstete). Wegen mancherlei aufgetauchter Schwierigkeiten erfolgte die Betriebsübernahme jedoch erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1907. (Die Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. wurde mit 3. Jänner 1908 aufgelöst und am 29. Dezember 1914 aus dem Handelsregister gelöscht.) [Anm. 2]

Mit Urkunde vom 6. Jänner 1908 wurde der Aktiengesellschaft „Lokalbahn Stammersdorf—Auersthal“ die Konzession zum Bau und Betrieb einer normalspurigen Lokalbahnlinie von der gesellschaftlichen Station Auersthal zur Station Schweinbarth der Lokalbahn Gänserndorf–Gaunersdorf und von der Station Pyrawarth über Zistersdorf zur Station Dobermannsdorf der Lokalbahn Ernstbrunn–Hohenau erteilt.[5] Am 9. August 1909 wurde die Strecke nach Groß Schweinbarth eröffnet.[6]

Die Strecke Groß-Schweinbarth – Bad Pirawarth war bereits seit 13. September 1903 Teil der Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach. Am 14. August 1909 wurde der nördliche Ast von Dobermannsdorf nach Zistersdorf [7], am 15. Juli 1911 die Strecke Zistersdorf – Bad Pirawarth eröffnet [8]. Am 1. Mai 1913 übernahmen die Niederösterreichischen Landesbahnen die Strecke, rückwirkend mit 1. Jänner 1921 schließlich die Bundesbahnen Österreichs.

Im Mai 1988 wurden einschließlich mehrerer anderer Lokalbahnen im Weinviertel die Abschnitte Hohenruppersdorf – Dobermannsdorf und Obersdorf – Stammersdorf eingestellt, auf zweiterem 1995 auch die Gleise abgetragen. 2004 wurde der Personenverkehr zwischen Bad Pirawarth und Gaweinstal eingestellt, die Strecke Hohenruppersdorf – Sulz Museumsdorf (früher: Sulz-Nexing) jedoch wieder in Betrieb genommen. Die Bahnlinie selbst wird seither nicht mehr als Stammersdorfer Lokalbahn, sondern als Weinviertel-Landesbahn bezeichnet. Mit dem Fahrplanwechsel 2010/11 am 12. Dezember 2010 wurde das Teilstück Bad Pirawarth – Sulz Museumsdorf wieder eingestellt,[9] und steht aktuell (Juli 2012) von der ÖBB Infrastruktur AG zum Verkauf angeboten.[10]

2011 legte die Österreichische Post als Teil einer Sonderpostmarkenserie das 90-Cent-Wertzeichen 100 Jahre Stammersdorfer Lokalbahn auf. [11]

Die Weinviertel-Landesbahn[Bearbeiten]

Heute wird auch die Strecke Gänserndorf–Groß Schweinbarth, ein Teilstück der ehemaligen Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach zur Weinviertel-Landesbahn gezählt. Anschluss zur Wiener S-Bahn besteht in Obersdorf (S2) und in Gänserndorf (S1).

Beide Strecken werden von den ÖBB betrieben. Es werden die Dieseltriebwagen der Reihe ÖBB 5047 eingesetzt. Es wurden auch schon Probefahrten mit Desiro-Triebwagen (ÖBB 5022) durchgeführt.

Die Strecke Obersdorf–Groß Schweinbarth–Gänserndorf wird an Werktagen in der Regel im Stundentakt befahren. An Wochenenden verkehren die Züge nur im Zweistundentakt. Die Strecke Obersdorf–Groß Schweinbarth–Bad Pirawarth (in Groß Schweinbarth längerer Aufenthalt) wird in der Regel ebenfalls im Stundentakt befahren, wodurch sich im Abschnitt Obersdorf–Groß Schweinbarth ein annähernder Halbstundentakt ergibt.

Radweg Dampfross und Drahtesel[Bearbeiten]

Zwischen 2002 und 2005 wurde auf der Trasse der ehemaligen Lokalbahn von Stammersdorf nach Pillichsdorf der Radweg Dampfross und Drahtesel angelegt und am 10. September 2005 seiner Bestimmung übergeben. Über weite Teile verläuft auch der Radweg EuroVelo 9 über diese Trasse.[12] 2010 wurde der Radweg über Großengersdorf, Bockfließ, Strasshof bis Deutsch-Wagram verlängert. Die Streckenlänge beträgt 39,2 km und verläuft großteils auf asphaltiertem Radweg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Laula, Hans Sternhart: Dampftramway Krauss & Comp. in Wien. 97 Fotos, 180 Zeichnungen. Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 20. Slezak, Wien 1974, ISBN 3-900134-15-4.
  • Robert Wiche, Erwin Parfy: Stammersdorfer Lokalbahn. Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 31. Verlag Slezak, Wien 1982, ISBN 3-85416-074-7.
  • Wolfdieter Hufnagl: Die Niederösterreichischen Landesbahnen. 1. Auflage. Transpress-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71214-8.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Mit 27. August 1888 hatte die Gesellschaft Dampftramway Krauss & Comp. neue Statuten erhalten, verbunden mit einer Namensänderung. – Hufnagl: Landesbahnen, S. 182.
  2. Zufolge Vereinbarung mit dem n. ö. Landesausschuss als Konzessionär wurde von der Dampftramway Gesellschaft vormals Krauss & Comp. der Betrieb ab Eröffnungstag, 26. April 1903, gegen feste Vergütung geführt, ab 1. Jänner 1907 bis Betriebsübergabe für Rechnung der Stadt Wien. – Laula: Dampftramway Krauss, S. 57–59.
  3. Architektonischer Entwurf: Emil Hoppe, Marcel Kammerer, Otto Schönthal. Aus: Der Architekt. Wiener Monatshefte für Bauwesen und dekorative Kunst. Band 17.1911. Eduard Kosmack, Wien 1911, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund, S. 65–68. – Text online. (ANNO).
  4. Fahrplan grafisch bereinigt um die Auersthal bzw. Stammersdorf nicht anlaufenden Tagesverbindungen. – Inset: Billett Eibesbrunn–Floridsdorf, abgefahren am 11. April 1908.
  5. Lokalbahnlokomotive Nr. 32 (150 PS; Kupplung für Dampftramwaywagen; Zug- und Stoßvorrichtungen gemäß Vollbahnnormalien), ausgeliefert von Krauss & Comp., Linz, 1904.
    Bei der am 16. April 1904 mit der baugleichen Lokomotive Nr. 31, „Stammersdorf“ (Abbildung), unternommenen Probefahrt wurden in a) richtiger und b) verkehrter Stellung auf der 9,7 km langen Strecke Stammersdorf–Eibesbrunn und zurück als maximal/mittlere Geschwindigkeit a) 55/39 und b) 55/36 km/h gemessen. – Hufnagl: Landesbahnen, S. 184.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stammersdorfer Lokalbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hufnagl: Landesbahnen, S. 182 f.
  2. RGBl 1901/196.
  3. a b Volkswirthschaftliche Zeitung. Eröffnung der Localbahnlinie Stammersdorf-Auersthal. In: Das Vaterland, Morgenblatt (Nr. 114/1903), 26. April 1903, S. 10 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  4. Laula: Dampftramway Krauss, S. 120.
  5. RGBl 1908/15.
  6. Lokalbahneröffnung. In: Wiener Zeitung, 8. August 1909, S. 10, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  7. Handel, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. (…) Lokalbahn Dobermannsdorf–Zistersdorf. In: Wiener Zeitung, 15. August 1909, S. 9, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  8. Bahneröffnung. In: Wiener Zeitung, 16. Juli 1911, S. 4 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  9. Heinz Bidner: NÖ: Heuer wird jeder 30. Zug gestrichen. In: noen.at, 18. Oktober 2010, abgerufen am 18. Oktober 2010;
    Thomas Schindler: Neuer Fahrplan der ÖBB: Freude und Wut zugleich! In: noen.at, 14. Dezember 2010, abgerufen am 21. Dezember 2010.
  10. Anlage Streckenverkauf - Strecke 1823 Bad Pirawarth (a) - Sulz Museumsdorf (e). In: Infra:fundus, Website der ÖBB Infrastruktur AG.
  11. Eisenbahnen – 100 Jahre Stammersdorfer Lokalbahn. Sonderpostmarkenserie. In: austria-lexikon.at, 12. Juli 2011, abgerufen am 8. September 2011.
  12. virtuelle Radtour zu Dampfross und Drahtesel, Abruf am 23.Juli 2011