Stromer von Reichenbach

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Das Wappen der Stromer

Die Stromer von Reichenbach sind eine der ältesten Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1254. Familiensitz ist bis heute das 1754 (durch Heirat) von den Haller von Hallerstein übernommene Schloss Grünsberg aus dem Erbe der Paumgartner. Die Stromer waren seit Beginn der Überlieferung 1318, mit längeren Unterbrechungen im 16. und 17. Jahrhundert, bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1806 im Inneren Rat vertreten und gehörten nach dem Tanzstatut zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung der Stromer (im Mittelalter auch Strohmeyer, Stromeir, Stromair, Stromeyr oder Stromayr) ist im Umfeld der staufischen Reichsministerialenfamilie der Ramung von Kammerstein-Reichenbach-Schwabach zu suchen (so erstmals Ulman Stromer (1329–1407) in seiner berühmten Familienchronik). Der um 1240 (sicher erst 1254) in Nürnberg als Zeuge bei Rechtsgeschäften auftretende Stammvater Conrat (oder Cunradus) Stromeier nannte sich von Schwabach. Verwandtschaftliche Verhältnisse zu den Waldstromer von Reichelsdorf und den Stromer von Auerbach [1] sind nicht zufriedenstellend geklärt. Eine besonders angesehene Linie der Familie nannte sich im 14./15. Jahrhundert nach ihrem Stammhaus "zur goldenen Rose". Ab dem späten 16. Jahrhundert, als viele Patrizierfamilien nach dem Vorbild des Adels ihre Familiennamen um Ortsbezeichnungen erweiterten, nannten sich die Stromer nach ihrem überlieferten Herkunftsort von Reichenbach. 1697 wurde der Zusatz als Adelstitel anerkannt. 1813 als Edle in den bayerischen Adel immatrikuliert, wurden die Stromer von Reichenbach 1820 in den Freiherrenstand erhoben.

Mit der Gruber-Podmer-Stromerschen Handelsgesellschaft spielten die Stromer eine zentrale Rolle im Nürnberger Handel des 14./15. Jahrhunderts. In dieser Zeit sind auch immer wieder enge Kontakte der Familie zu römischen Kaisern (v.a. Karl IV.) und hohen Reichsfürsten (Ruprecht II. von der Pfalz) nachzuweisen, meist war das Geschlecht doppelt im Inneren Rat vertreten. Ab den 1420er Jahren zerrütteten jedoch innere Wirrnisse das Familienunternehmen, bis es schließlich Bankrott machte. Von dem hieraus resultierenden Bedeutungsverlust konnten sich die Stromer lange Zeit nicht wieder erholen, so dass sie im 16. und 17. Jahrhundert jeweils über längere Phasen gar nicht im Inneren Rat vertreten waren.

Heute ist die 'Stromer'sche Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung' mit Erhalt und Pflege des verbliebenen Stromer- (und v.a. auch Paumgartner-) Erbes auf Schloss Grünsberg betraut, in deren Stiftungsrat noch mehrere Familienmitglieder sitzen.

Wappen[Bearbeiten]

In Rot ein gestürztes silbernes Dreieck, an den Spitzen halbe silberne Lilien.

Besitzungen[Bearbeiten]

Alle aufgeführten Güter befinden sich nicht mehr in Familienbesitz, sondern gehören Stiftungen, an deren Administration Mitglieder der Familie Stromer derzeit beteiligt sind.

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten]

In und um Nürnberg herum hatten die Stromer große Besitzungen. Ihr Nürnberger Stammhaus lag ab 1387 hinter der Lorenzkirche an der Ecke Lorenzer Platz/Totengäßchen (heute: Areal der Stadtsparkasse), das sie 1795 verkauften.

Weiterhin besaßen sie:

  • 1310–1336 ca. das Zeltnerschloss in Gleißbühl,
  • 13??–1391 das Burgfriedschlösschen in Nürnberg Sündersbühl,
  • 1370–1411 Landgut mit Schloss Harrlach bei Allersberg [3]
  • 1354–1576 ca. den Herrensitz und Besitzungen in Mausgesees (Lkr. Erlangen-Höchstadt),
  • 1356–1506 das Haus zur goldenen Rose (Theresienstraße 7, der spätere Welserhof)
  • 1368–1479 Prächtiges Geschäfts- und Wohnhaus unmittelbar nördlich der Frauenkirche (Hauptmarkt 16 / Obstgasse 2, Verkaufspreis 1479: 5500 Gulden)
  • 1391–1463 die Hadermühle
  • 1412–1414 Kalbensteinberg [4]
  • 1448–1454 ca. das Hallerweiherhaus (heute: Gelände der Bundesagentur für Arbeit)
  • 1453–1491 die Unterbürg in Laufamholz
  • 1559–1943 den Stromerschen Herrensitz in Almoshof, Almoshofer Hauptstraße 84 (1943 zerstört)
  • 1747–???? Grundherrschaft in Fischbach,
  • 1766–1813 Schloss Holnstein (Lkr. Amberg-Sulzbach) [5]
  • 1880–1891 das Waldstromerschlösschen in Reichelsdorf.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten]

  • Konrad III. Stromer vor den Predigern (1303–1383), der "lange Stromer", Baumeister des Schuldturmes in Nürnberg (1323)
  • Ulrich I. "Hasto" Stromer vom Zotenberg/ bei unser Frauen († 1385), Bankier und Kaufmann, Aufruhrrat 1348/49, Aushandlung der verhängnisvollen Markturkunde Karls IV. in Prag, die ca. 500 Juden das Leben kostete, enge Verbindung zur Frauenkirche
  • Ulrich II. Stromer zur goldenen Rose († 1379), Handelsherr, 1. Oberster Hauptmann, Erwerb des Hauses zur Goldenen Rose (Theresienstr. 7), Pfleger des Egidienklosters, Gastgeber Herzog Rudolfs IV., Fensterstiftung im Ostchor der Sebalduskriche.
  • Peter I. Stromer († 1388), Rats- und Handelsherr, Erfinder der Nadelwaldsaat
  • Ulman I. Stromer (1329–1407), Rats- und Handelsherr, Montanunternehmer, Verfasser des Püchl von mein geslecht und abentwr und Gründer der ersten Papiermühle nördlich der Alpen (Hadermühle), Erwerb eines prächtigen Anwesens am Hauptmarkt, Beteiligung an der Judenschuldentilgung und am Sturz König Wenzels.
  • Sigmund I. Stromer zur goldenen Rose († 1435), spielte eine wichtige Rolle bei der Rettung der Reichskleinodien aus Ungarn (1424), Vertrauter von Kaiser Sigismund
  • Hans X. Stromer (1517–1592), Nürnberger Stadtrichter, der sogenannte Bratwurst-Stromer
  • Wolf Jacob I. Stromer von Reichenbach (1561–1614), Stadtbaumeister von Nürnberg (von 1589–1614): Leitung des Baues der Fleischbrücke, Festung Lichtenau, Fertigstellung der Stadtbefestigung
  • Wolf Albrecht Stromer von Reichenbach (1626–1702), Verfasser von "Die edle Gartenwissenschaft" (1671) [6] und einer Reisebeschreibung Deutschlands (1676)
  • Christoph Friedrich I. Stromer (1712–1794), Vorderster Losunger (1764–1794, längste Amtsperiode überhaupt!) und Reichsschultheiß, Geisel des preußischen Generalmajors Friedrich Ludwig von Kleist (1762).
  • Christoph Wilhelm Friedrich Stromer von Reichenbach (1737–1805), Assessor am Stadt- und Ehegericht, Initiator des Selekt des Nürnberger Patriziats
  • Freiherr Karl Otto Stromer von Reichenbach (1831–1891), Erster Bürgermeister der Stadt Nürnberg (1867-1891)
  • Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach (1871–1952), deutscher Paläontologe und Saurierforscher
  • Wolfgang Freiherr Stromer von Reichenbach (1922–1999), Professor für Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte
  • Rotraut Stromer von Reichenbach-Baumbauer, Administratorin der 1999 gegründeten Stromerschen Kulturgut,- Denkmal- und Naturstiftung. Ehemaliges Mitglied des Erlanger Stadtrates.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stromer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stromer von Auerbach
  2. Geschichtliches. Der Bauherr und der Stifter. In: tetzelschloss.de. Abgerufen am 14. Dezember 2010: „Seit 1729 obliegt [die Verwaltung der Stiftung] dem von Volckhamerschen Geschlecht, in neuerer Zeit gemeinsam mit der Familie von Stromer.“
  3. Die Geschichte von Harrlach
  4. Geschichte von Kalbensteinberg. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original, abgerufen am 22. August 2009 (PDF). (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.gasthof-zur-post-kalbensteinberg.de
  5. Schloss Holnstein
  6. Die edle Gartenwissenschaft

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Fleischmann: Rat und Patriziat in Nürnberg. Die Herrschaft der Ratsgeschlechter vom 13. bis zum 18. Jahrhundert, Nürnberg 2008 (= Nürnberger Forschungen 31), Bd. 2: Ratsherren und Ratsgeschlechter.
  • Ernst Stromer von Reichenbach: Unsere Ahnen in der Reichsstadt Nürnberg 1250 bis 1806. Nürnberg: Fromman, 1951, 44 S.
  • Wolfgang Stromer von Reichenbach: Die Nürnberger Handelsgesellschaft Gruber-Podmer-Stromer im 15. Jahrhundert. Dissertation Universität Erlangen-Nürnberg. Nürnberg: Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg, 1963, 192 S. (Nürnberger Forschungen; Band 7)
  • Adalbert Scharr: Die Nürnberger Reichsforstmeisterfamilie Waldstromer bis 1400 und Beiträge zur älteren Genealogie der Familien Forstmeister und Stromer von Reichenbach. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Band 52, 1963/64, S. 1-41
  • Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. Nürnberg: Hofmann, 1984, 425 S., ISBN 3-87191-088-0; 2., erg. u. erw. Auflage, 1989, 459 S.; Neuauflage: Edelmann GmbH Buchhandlung, Oktober 2000
  •  Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (online).

Filme[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]