Studiengesellschaft für Elektrische Schnellbahnen

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Logo der Gesellschaft auf einem Versuchsfahrzeug

Die Studiengesellschaft für Elektrische Schnellbahnen (St.E.S.) wurde am 10. Oktober 1899 in Berlin gegründet mit dem Ziel, praktische Erfahrungen mit hohen Geschwindigkeiten bei elektrischer Traktion zu sammeln.

Die Versuche sollten auch klären, ob eine Oberleitung für die Stromzuführung auch bei hoher Geschwindigkeit geeignet sei anstelle einer Stromschiene, wie sie bei den ersten elektrischen Bahnen oft verwendet wurde.

Gesellschafter[Bearbeiten]

Gesellschafter waren die führenden Elektrokonzerne Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft und Siemens & Halske, die Banken Delbrück Leo & Co, Deutsche Bank, Nationalbank für Deutschland und Jacob S.H. Stern sowie die Maschinenbauunternehmen von August Borsig, Philipp Holzmann & Co., Friedrich Krupp und Van der Zypen & Charlier. Die Deutsche Bank führte das Konsortium mit zwanzig Prozent Anteil an; es folgten AEG, Krupp und Siemens mit jeweils rund dreizehn Prozent.

Teststrecke[Bearbeiten]

Bahnhof Zossen

Für die geplanten Testfahrten wurde ein 23 km langes Teilstück der Militär–Eisenbahn Marienfelde–Zossen–Jüterbog zwischen Marienfelde und Zossen ausgesucht. Nach der Genehmigung durch den Preußischen Kriegsminister wurde die Strecke im Frühjahr 1901 hergerichtet. Die ersten Fahrten, bei denen Geschwindigkeiten bis 160 km/h erreicht wurden, zeigten, dass der Oberbau einem solchen Tempo nicht gewachsen war, er wurde daher verstärkt. Zwei Jahre später bauten Soldaten die Strecke erneut um und statteten sie mit schwereren Schienen aus. Die elektrische Fahrleitung verlief nicht mittig, sondern mit drei Leitungen übereinander seitlich über den Gleisen in einer Höhe zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Metern.

Fahrzeuge und Versuchsfahrten[Bearbeiten]

Die Kölner Firma Van der Zypen & Charlier baute die beiden Triebwagen, AEG und Siemens & Halske lieferten jeweils die elektrische Ausrüstung. Die Vorgabe war, dass in dem Fahrzeug etwa fünfzig Personen Platz finden sollten. Zwischen Mitte September und Ende November 1903 fanden die eigentlichen Schnellfahrversuche statt, bei denen beide Fahrzeuge Tempo 200 übertrafen. Die schnellste Fahrt war am 28. Oktober, als mit dem von der AEG gebauten Fahrzeug 210 km/h erreicht wurden.

Die Versuche zeigten, dass mit Fahrzeugen herkömmlicher Bauart weit höhere Geschwindigkeiten zu erreichen waren, als sie die damalige Betriebsordnung für Hauptbahnen vorsah. So erfolgreich die Versuche aus technischer Sicht waren, ließ sich wirtschaftlich aus ihnen erst auf lange Sicht Gewinn ziehen. Insbesondere die beiden Elektro-Unternehmen wollten jedoch rasch die Früchte der Arbeit ernten und legten Anfang 1904 eine Denkschrift für eine Schnellbahn zwischen Berlin und Hamburg vor. Auf der Louisiana Purchase Exposition, der Weltausstellung in St. Louis im selben Jahr, wurden große Fotografien der Wagen gezeigt und die Versuchsfahrten eingehend beschrieben. Die erhofften Aufträge blieben jedoch aus [1]

Ende der Gesellschaft[Bearbeiten]

Denkmalsplakette am Bahnhof Berlin Marienfelde

Nachdem die Studiengesellschaft ihren Zweck erfüllt hatte, wurde im Dezember 1905 der Beschluss zur Liquidation gefasst. Die Versuchsstrecke der Militärbahn wurde 1920 stillgelegt und bald abgebaut.

Denkmäler[Bearbeiten]

Im Dezember 1985 ließ das Bezirksamt Tempelhof am Bahnhof Marienfelde eine Plastik der Künstler Irene Schultze-Seehof und Maximilian Pfalzgraf aufstellen, die an die Weltrekordfahrt vom 28. Oktober 1903 erinnert. Das Denkmal aus Aluminium zeigt einen aufgeteilten preußischen Meilenstein mit großen Plaketten, auf denen Einzelheiten zu der Fahrt dargestellt sind.[2] Am Bahnhof in Zossen wurde durch den Förderverein Naturpark Baruther Urstromtal e.V.im Oktober 2004 ebenfalls eine Gedenktafel aus Bronze eingeweiht.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drehstrom-Versuchsbetrieb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschen Bank (Hg.): Historische Rundschau Nr. 3, November 2003, S. 5ff (PDF; 759 kB)
  2. Der Tagesspiegel, 21. Dezember 1985, S. 8
  3. Abbildung der Tafel auf der ehemaligen Website von Zossen. Abgerufen am 27. Juni 2010. über archive.org.