Tanne (Harz)

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51.69722222222210.721944444444473Koordinaten: 51° 41′ 50″ N, 10° 43′ 19″ O

Tanne
Wappen von Tanne
Höhe: 473 m
Fläche: 27,8 km²
Einwohner: 525 (31. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38875
Vorwahl: 039457
Benneckenstein Elbingerode Elend Hasselfelde Königshütte Rübeland Sorge Stiege Tanne Trautenstein Landkreis HarzKarte
Über dieses Bild

Lage von Tanne in Oberharz am Brocken

Tanne im Harz ist ein Ortsteil der Stadt Oberharz am Brocken und ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Tanne liegt im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt, umgeben von Wäldern und Wiesenflächen, im Tal der Warmen Bode im Mittelharz. Durch den Ort führt die Bundesstraße 242, von der hier die Landstraßen nach Benneckenstein in südliche Richtung, sowie nach Königshütte in östliche Richtung abzweigen. Etwa 5 km entfernt liegt bei Trautenstein das Vorbecken der Rappbodetalsperre, die Rappbodevorsperre. Südlich des Ortes erstreckt sich die Lange.

Geologie[Bearbeiten]

Geologie des Harzes

Gesteine des Erdaltertums prägen das Gebiet um Tanne. Die sogenannte Tanner Zone leitet ihren Namen von der Ortschaft Tanne ab. Diese Zone besteht hauptsächlich aus Tanner Grauwacke und Plattenschiefer. Nördlich und südlich der Tanner Zone treten Umlagerungssedimente älterer Gesteine zu Tage. So befinden sich in diesen Gebieten u. a. Tonschiefer des Mitteldevons, Diabase und quarzitische Gesteine des Unterdevons und auch Bunt- und Bandschiefer des Oberen Mitteldevons. Hierbei ist der Elbingeröder Komplex wegen seiner oberdevonischen und mitteldevonischen Kalkgesteine noch heute von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung. Südlich der Tanner Zone schließt sich die von Silurgesteinen und Quarziten geprägte Harzgeröder Zone an.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Siedlung Tanne verdankt ihre Existenz einer Eisenhütte, die unweit des über den Harz führenden Thüringer Weges und der Thüringer Furt durch die Warme Bode errichtet wurde. Auf dem Gebiet des heutigen Ortes Tanne lässt sich die Eisen- und Kupferverhüttung bis ins frühe 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die älteste Hütte war die Kupferhütte am Silberkulk, die erstmals 1226 als silverkolch urkundlich erwähnt wurde. Diese Hütte taucht im Güterverzeichnis der Grafschaft Regenstein 1262 erneut auf, diesmal als casam, que in vulgari appelatur sylverkolch. Im Jahre 1504 wurde die Hütte in eine Sägemühle umgewandelt und brannte kurze Zeit später ab.

Die eigentliche Tanner Hütte wird erst 1355 erwähnt und war eine der ältesten Eisenhütten des Harzes. Belegt ist, dass am 8. November 1355 die Grafen Bernhard d. Ä. und Bernhard d. J. von Regenstein bekundeten gewillt zu sein, die Hälfte der Jagd- und Forstgerechtigkeit auf dem Harz, de Langelge und de hutten unde tollen tor Dannen (= „die Hütte und der Zoll zur Tanne“) für eine Summe von 200 Brandenburger Mark pfandweise vom Bischof Albrecht II. von Halberstadt (1325 bis 1358) für 20 Jahre zu übernehmen. Dies ist die urkundliche Ersterwähnung des heutigen Ortes Tanne. Durch einen Vergleich mit den Grafen von Regenstein gelangte die Langelge, die Hütte und der Zoll zu Tanne am 13. Juni 1427 im Tausch gegen das an Anhalt verpfändete regensteinische Schloss Neinstedt wieder in den Besitz des Bischofs von Halberstadt. Der Vertrag von 1427 wird einige Zeit später dahingehend geändert, dass Tanne vollständig in den Besitz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg gelangt und der Bischof von Halberstadt eine finanzielle und territoriale Entschädigung erhält. 1494 wird Graf Ulrich II. von Regenstein durch den Herzog von Braunschweig mit der Hütte und dem Zoll zu Tanne sowie dem Holzrecht auf der Lange belehnt. 1515 wird der Lehnsvertrag von den Regensteiner Grafen erneuert. Bis 1599 bleibt die Hütte im Besitz der Grafen von Blankenburg und Regenstein. Nach dem Erlöschen des Geschlechts der Regensteiner 1599 fiel das Lehen an deren Lehnsherr, den Herzog von Braunschweig, zurück. Tanne war bis 1945 Teil des Landes Braunschweig und gehörte zum Landkreis Blankenburg. Seit 1950 gehört der Ort zum Landkreis Wernigerode und deshalb heute zu Sachsen-Anhalt. 1965/66 stellte die Tanner Hütte ihren Betrieb ein, die Produktion des Hüttenwerkes wurde nach Königshütte verlagert. Seit dem 1. Juli 2007 gehört der Ort zum neu geschaffenen Landkreis Harz, welcher aus dem Zusammenschluss der Kreise Wernigerode, Quedlinburg und Halberstadt hervorgegangen ist.

Am 1. Januar 2010 schloss sich die Gemeinde Tanne mit den Gemeinden Sorge, Stiege und Elend sowie den Städten Elbingerode (Harz), Hasselfelde und Benneckenstein (Harz) zur Stadt Oberharz am Brocken zusammen.[1]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Tanne ab 1900:

  • bis 1922 Heinrich Schmidt
  • 1922 bis 1923 Karl Buchholz
  • 1923 bis 1925 August Kohlrusch
  • 1925 bis 1930 Rudolf Wagenschwanz
  • 1930 bis 1933 Wilhelm Schubert
  • 1933 bis 1934 Oswald Schubert
  • 1934 bis 1942 Armin Bieber
  • 1942 bis 1945 Fritz Schmalz
  • April bis Juni 1945 Hermann Greese
  • 1945 bis 1952 Karl Herfurth
  • 1952 bis 1954 Sigrid Zottmann
  • 1954 bis 1956 Ilse Ziesenhenne
  • 1956 bis 1990 Friedrich Simon
  • 1990 bis 1994 André Großheim
  • 1994 bis 1995 Gunter Bahlmann
  • 1995 bis 2010 Frank Damsch (letzter Tanner Bürgermeister)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Dreiberg drei grüne Tannen.“

Das Wappen nimmt Bezug auf den Ortsnamen und die uralten Fichten, die einst in der Umgebung des Ortes standen. Es wurde 1996 vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Tanne um 1890

Am 15. Oktober 1886 erhielt die Ortschaft über die Eisenbahn von Königshütte (bei Elbingerode (Harz)) nach Tanne Anschluss an das Bahnnetz der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn, 1968 wurde diese Bahnlinie stillgelegt und bis 1974 abgebaut.

Am 23. August 1899 erhielt Tanne Anschluss an die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne. Der Betrieb auf der Zweigstrecke Brunnenbachsmühle–Tanne wurde 1945 durch die Zonengrenze unterbrochen. Den Restgüterverkehr zwischen Sorge und der Tanner Hütte stellte man 1958 ein und baute die Gleise ab. Die Gemeinde Tanne ist seit 1993 Gesellschafter der Harzer Schmalspurbahnen GmbH, die Schmalspurbahn führt über das Gebiet das Ortes Tanne. Der Ort selbst besitzt aber keinen Bahnhof. Dafür halten im Ortskern Busse der Harzer Verkehrsbetriebe.

Postwesen[Bearbeiten]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Als Erklärung für den Ortsnamen Tanne wurden verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Eine Möglichkeit ist, dass der Name Tanne vom mittelhochdeutschen Tann (= Fichtenwald) abgeleitet ist. Der Harz war im 13. und 14.Jahrhundert durchweg von Laubmischwäldern überzogen. Wahrscheinlich gab es schon früher im Gebiet von Tanne einen ausgeprägten Fichtenwald, welcher damals als Besonderheit galt. Der Ort kann aber auch nach einem einzelstehenden, markanten Exemplar einer Fichte (im Harz volkskundlich auch Rottanne genannt) benannt worden sein, in deren Nähe die Hütte im 14. Jahrhundert angelegt worden ist.

Namensformen von Tanne:

  • 1355 tor Dannen
  • 1427 to der Danne
  • 1494 to dem Danne
  • 1515 zum Thann
  • 1553 zum Thanne
  • 1640 zu Danna
  • seit 1700 Tanne

Tourismus[Bearbeiten]

Aussichtspunkt (ca. 528 m ü. NN) am Kapitelsberg

Die Geschichte Tannes als Kur- und Erholungsort reicht bis in die Zeit vor 1900 zurück. Nach der Eröffnung der Bahnlinie Tanne–Blankenburg 1886 kamen die ersten Sommerfrischler nach Tanne und es entstanden die ersten Übernachtungsmöglichkeiten.

Bereits 1894 wurde Tanne als „Sommerfrische für Erholungsbedürftige“ bezeichnet. 1912 erfolgte der Bau des großen Kurhauses (heute Hotel Tannenpark), gleichzeitig erhielt Tanne 1913 den Titel Luftkurort zuerkannt. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Tourismus entscheidend und es entstanden mehrere Hotels und Pensionen. Seit 1926 führte der Ort den Titel Höhen-Luftkurort und Wintersportplatz. Durch den Bau eines Freibades(1928/29) und die Anlegung einer Rodelbahn, sowie einer Skisprungschanze(1926), wurde der Tourismus weiter ausgebaut. Im Jahr 1938 standen fast 800 Gästebetten zur Verfügung, im selben Jahr kamen schon 7500 Gäste in den Ort. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung setzte der Fremdenverkehr ab 1950 erneut ein. Für die Feriengäste des Ortes erfolgte ab 1960/61 die Anlegung des Kurparks. Etwa 5000 FDGB-Urlauber wurden in dieser Zeit jährlich gezählt. 1989 war mit 65.000 Übernachtungen ein Rekordjahr. Nach der Wiedervereinigung sanken die Übernachtungszahlen zunächst stark ab, seit 2002 werden wieder über 30.000 Übernachtungen erreicht. Bis 1996 durfte sich der Ort als „Höhenluftkurort“ bezeichnen. Aus Geldmangel konnte der Titel Luftkurort im Rahmen einer staatlichen Anerkennung nicht erworben werden. Seit 2000 ist Tanne ein staatlich anerkannter Erholungsort, längerfristig wird das Prädikat Luftkurort angestrebt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Dorfkirche (erbaut 1693–98) mit Kanzelaltar und Flügelaltar aus dem 16.Jahrhundert
  • Heimatstube (ehemaliges Backhaus von 1720)
  • Hirtendenkmal
  • Herzoglinde (1913 als Erinnerung an die Thronbesteigung des Herzogs Ernst August III. von Braunschweig gepflanzt)
  • Schießsportanlage der Schützengesellschaft
  • Festplatz und Kurpark
  • Rundwanderweg mit Schautafeln Länge 7,5 km
  • Naturlehrpfad
  • Kapitelsberg (535,7 m ü. NN): Aussichtspunkt (528 m ü. NN) auf seiner Westflanke; mit vom Altbürgermeister Fritz Simon errichtetem Bergkreuz und vom Harzklub aufgestellter gusseiserner Richtungsuhr (Orientierungstafel)

Vereine[Bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Tanne (1874)
  • Sportverein „Harzfalke“ Tanne e. V. (1924/1990)
  • Schützengesellschaft „Freischießen“ von 1815 e. V. (1815/1993)
  • Kirchengemeinde Tanne
  • Harzklub-Zweigverein Tanne e. V. (1891/1989)
  • Kunst- und Kulturverein „Villa Trute“ e. V. (2007)
  • Tanner Opelfreunde e. V.
  • Jugendclub Tanne (1974)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Georg von Langen (1699–1776), Forst- und Oberjägermeister. Er wirkte von 1725 bis 1729 und nochmals um 1760 im Forstrevier Tanne, u. a. führte er den Anbau der Kartoffel im Harz ein. Nach ihm wird ein Teilstück des Naturlehrpfades als „Johann Georg von Langen-Weg“ bezeichnet.
  • Gabriel Bernhard Walther (1645–1710), Oberfaktor der Tanner Hütte von 1671 bis 1710, Auftraggeber für den Bau der Tanner Kirche 1693–98
  • Wilhelm Karl Adam Freiherr von Seckendorf, preußischer Oberbergmeister und Saline-Direktor in Schöningen, wohnte von 1824 bis 1841 in Tanne
  • Carl Preen (1824–1889), Hüttendirektor der Tanner Eisenhütte. Er gilt als der Retter des Eisenhüttenwerkes, da unter seiner Führung 1870/71 eine Arbeiter-Produktionsgenossenschaft gegründet wurde, was die Tanner Hütte vor der Schließung bewahrte.
  • Georg Stölting (1836–1901) war ein deutscher Schul- und Seminardirektor in Wolfenbüttel und Rektor in der Bürgerschule von Calvörde
  • Hermann von Frankenberg (1865–1931), Heimatdichter, setzte Tanne in seinem gleichnamigen Gedicht ein literarisches Denkmal. 1929 wurde in Tanne eine Brücke nach ihm benannt, die heute noch existiert.

Sonstiges[Bearbeiten]

In Tanne spielt der am 24. August 2006 erschienene Kinofilm Die Könige der Nutzholzgewinnung von Matthias Keilich mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Resow: „Tanne - Aus der Geschichte eines alten Hüttenortes“, Selbstverlag des Harzklub-Zweigvereins Tanne e. V. 2011.
  • Helmut Matthies: „Wissenswertes über Tanne/Harz“, Jever 1990, Nachdruck
  • Die Bau- und Kunstdenkmale des Kreises Blankenburg, Karl Steinacker, Wolfenbüttel 1922

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010

Weblinks[Bearbeiten]