Thea Dorn

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Thea Dorn, Kölner Treff 2012

Thea Dorn (* 23. Juli 1970 in Offenbach am Main als Christiane Scherer[1][2]) ist eine deutsche Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Thea Dorn wuchs in Frankfurt am Main auf und begann nach dem Abitur eine Gesangsausbildung; später studierte sie Philosophie und Theaterwissenschaft in Frankfurt, Wien und Berlin. In Berlin legte sie die Magisterprüfung in Philosophie mit einer Arbeit über Selbsttäuschung ab. Anschließend arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin. Später wurde sie Dramaturgin und Autorin am Schauspielhaus Hannover. Ihren Künstlernamen hat sie in Anspielung auf den Philosophen Theodor W. Adorno gewählt.[3]

Charakteristisch für ihre Krimis ist die plastische Auseinandersetzung mit Gewaltszenen. Mit Die Brut (2004) löste Dorn sich vom Krimi-Genre und konzentrierte sich auf kritisch-analysierende Milieucharakterisierungen, die schon in ihren vorigen Romanen Lesern und Kritikern positiv aufgefallen waren. Im Februar 2008 erschien Mädchenmörder, der die ungewöhnliche Beziehung eines Opfers zum kaltblütigen Täter beschreibt.

2000 schrieb Dorn das Theaterstück Marleni, die Inszenierung einer Begegnung von Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl. Das Drama wurde am 15. Januar 2000 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt. Zu den Folgen Der schwarze Troll (2003) und Familienaufstellung (2007, Ausstrahlung 2009) der ARD-Reihe Tatort verfasste sie die Drehbücher.

Im September 2006 erschien ihr erstes Sachbuch Die neue F-Klasse. Es enthält zwei Essays und elf Gespräche mit Frauen von Charlotte Roche bis Silvana Koch-Mehrin. Die Autorin versteht das Buch als Beitrag zu einer neuen, ideologiefreien Geschlechter- und Feminismusdebatte.

Von 2003 bis 2004 moderierte sie zusammen mit Dirk Schümer die Sendung Schümer und Dorn. Der Büchertalk im SWR. Seit Oktober 2004 führt sie durch die Sendung Literatur im Foyer, seit November 2008 im Wechsel mit Felicitas von Lovenberg. Hier werden neue Bücher vorgestellt und Gespräche mit Autoren geführt. Von Januar 2008 bis Dezember 2009 moderierte Dorn im Wechsel mit der französischen Journalistin Isabelle Giordano die Talkshow Paris-Berlin auf dem deutsch-französischen Fernsehsender ARTE. Unter dem Motto Hinaus ins Ungewisse! kuratiert Thea Dorn das forum:autoren beim Literaturfest München 2012.[4]

Thea Dorn bezeichnet sich selbst als Agnostikerin. Sie lebt in Berlin und hat einen Bruder.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Berliner Aufklärung. Kriminalroman. Rotbuch, Hamburg 1994; Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-45315-1
  • Ringkampf. Kriminalroman. Rotbuch, Hamburg 1996; Goldmann, München 2003, ISBN 3-442-45404-2
  • Die Hirnkönigin. Kriminalroman. Rotbuch, Hamburg 1999; Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-44853-0
  • Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl. Drama. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-88661-228-7
  • Ultima Ratio. Kurzgeschichten und Kolumnen. Rotbuch, Hamburg 2001; Goldmann, München 2004, ISBN 3-442-45415-8
  • Bombsong. In: Frankfurter Positionen 2001. Sechs Theaterstücke. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-88661-242-2
  • Die Kommissarinnen. Bildband (mit Gabriele Dietze). Nicolai, Berlin 2004, ISBN 3-89479-192-6
  • Die Brut. Roman. Manhattan, München 2004; Goldmann, München 2005, ISBN 3-442-46079-4
  • Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird. Essays und Interviews. Piper, München 2006; ebd. 2007, ISBN 978-3-492-25085-6
  • Mädchenmörder. Ein Liebesroman. Manhattan, München 2008; Goldmann, München 2010, ISBN 978-3-442-47156-0
  • Ach Harmonistan. Deutsche Zustände. Knaus, München 2010, ISBN 978-3-8135-0384-5
  • Die deutsche Seele. Zusammen mit Richard Wagner. Knaus, München 2011. ISBN 978-3-8135-0451-4

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Franziska nach Frank Wedekind. Drama. UA: Schauspielhaus Hannover, 2000
  • Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl. Drama. UA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 2000
  • Nike. Stück über eine Serienmörderin. UA: Schauspielhaus Hannover, 2001
  • Bombsong. Monodram über das Innenleben einer Selbstmordattentäterin. UA: Theaterhaus Stuttgart 2002; Audio-CD 2002, ISBN 3-88030-040-2

Filme[Bearbeiten]

  • Au cœur de la nuit. Durch die Nacht mit Fatih Akın, Filmregisseur & Thea Dorn, Schriftstellerin und Dramatikerin. Film von Peter Scholl und Hanna Leissner. 58 Min. Filmbericht, Deutschland 2003 (Mainz, ZDF).
  • Tatort. Der schwarze Troll. Fernsehspiel mit Sabine Postel und Oliver Mommsen. Buch: Thea Dorn. Regie: Vanessa Jopp. Deutschland 2003 (ARD, gesendet am 25. Mai 2003).
  • Tatort. Familienaufstellung. Fernsehspiel mit Sabine Postel, Oliver Mommsen und Erol Sander. Buch: Thea Dorn und Seyran Ateş. Regie: Mark Schlichter. Deutschland 2009 (ARD, gesendet am 8. Februar 2009).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thea Dorn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Artikel, Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag „Dorn, Thea“. In: Brockhaus – Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Abgerufen via Munzinger-Archiv. 23. September 2012.
  2. Dorn, Thea im Munzinger-Archiv, abgerufen am 23. September 2012 (Artikelanfang frei abrufbar).
  3. Peter Münder: Mord auf dem Campus. Kesses Debüt einer examinierten Philosophin. In: SPIEGEL SPECIAL 10/1995. 1. Oktober 1995, abgerufen am 12. Juli 2011: „Als eingefleischter Adornitin blieb mir doch kaum eine andere Wahl, als mich so bei Theo für seine erhellenden Geistesblitze zu bedanken.“
  4. Susanne Meierhenrich: „Hinaus ins Ungewisse!“ Thea Dorn ist die neue Kuratorin des forum:autoren beim Literaturfest München 2012. In: Literaturfest München & forum:autoren. 6. Dezember 2012, abgerufen am 7. Dezember 2011.
  5. Eintrag Dorn, Thea. In: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, 27/2004 vom 3. Juli 2004, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 05/2011, abgerufen am 12. Juli 2011.
  6. [1]