Hyksos

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Hyksos / Hykussos in Hieroglyphen
S38 N29
Z4
N25
X1 Z1

S38 N29
Z4
Aa1 M12 S29 X1
N25

Heka-chaset / Heka-chasut[1]
Ḥq3-ḫ3st / Ḥq3-ḫ3swt[1]
Herrscher der Fremdländer[1]
Griechisch Hyksos (Ύκσώς)
Hyksos.jpg
Ahmose I. beim Kampf gegen die Hyksos

Die Hyksos (altägyptisch Heka-chaset, Heqa-chaset, Heka-chasut, Heqa-chasut, nach Siegert: Hykussos[2]) waren eine Gruppe von Einwanderern aus den Gebieten in und um Retjenu, die zwischen 1719 und 1692 v. Chr. in das Nildelta des Alten Ägypten vorrückten und in der Folge ihren Machtbereich auf weite Teile Unterägyptens bis in die Region Memphis/Tepihu ausdehnen konnten.

Etymologie[Bearbeiten]

Flavius Josephus wird in den Schriften von Eusebius überliefert. Die heute allgemein verwendete übliche Bezeichnung der eingewanderten Fremdherrscher lautet „Hyksos“. Diese Überlieferung entstand nach Meinung von Folker Siegert jedoch aus einer Fehllesung. In „Contra Apionem“ wird von Josephus die Namensschreibung erklärt:

82 Ihr ganzes Volk wurde Hykussos genannt, das heißt Hirten-Könige. Hyk nämlich bedeutet in der Priestersprache ‚König‘, usos ‚Hirte‘ und ‚Hirten‘ in der Volkssprache, und wenn man es zusammensetzt, wird daraus Hykussos.“

Eusebius-Version: Josephus „contra Apionem“, Buch 1, 82[2]

Der Begriff „Hirten-Könige“ ist in der altägyptischen Sprache unbekannt. Die griechische Bezeichnung „Hykussos/Hyksos“ leitet sich von der altägyptischen Betitelung „Herrscher der Fremdländer“ ab. Den Bezug zu „Hirten-Könige“ stellte Josephus her, um eine Völkerverwandtschaft zwischen den Israeliten und den „Hykussos/Hyksos“ herzustellen.

Chronologie und Herkunft[Bearbeiten]

Dolch mit Thron- und Eigenname des Hyksos-Königs Apopi I.

Der Zeitpunkt des Einzugs der Hyksos ist relativ genau bestimmbar: In die Regierungszeit des Haremhab fiel der 400. Jahrestag des Wiederaufbaus des Seth-Tempels in Auaris, dessen Datum 28. Juli auf der „Vierhundertjahresstele“ genannt wird.[3] Ramses II. ließ später diese Stele zur Erinnerung an diesen Tag in Auaris aufstellen. Unter Berücksichtigung einer 27-jährigen Herrschaftsdauer von Haremhab muss der Einzug im Zeitraum zwischen 1719 v. Chr. und 1692 v. Chr. stattgefunden haben.[4]

Die Herkunft der Hyksos ist umstritten. Als relativ sicher gilt, dass sie aus dem vorderen Asien stammen. Vermutlich waren es zum großen Teil Amurriter sowie weitere Stämme aus Kanaan und den syrisch-libanesischen Küstengebieten. Nach archäologischen Befunden wanderten sie allmählich im 17. Jahrhundert v. Chr. in das Nildelta ein und gründeten dort ihre Hauptstadt Auaris. Sie übernahmen in einer Periode der Schwäche des ägyptischen Reiches (Zweite Zwischenzeit) die Königsherrschaft und sahen sich als Nachfolger der 13. Dynastie. In den Überlieferungen des ägyptischen Geschichtsschreibers Manetho (3. Jahrhundert v. Chr.) werden die Hyksos wahlweise der 15. Dynastie oder der manethonischen 17. Dynastie zugeordnet. In der manethonischen Fassung des Flavius Josephus wird der Einzug der Hyksos näher beschrieben:

75 Toutimaios,[5] in seiner Regierung, ich weiß nicht wie, aber der Gott war gegen uns, und plötzlich kamen aus dem Osten Menschen unbekannter Herkunft, die kühn eine Invasion in unserem Land durchführten, es einfach ohne Kampf in ihren Besitz nahmen. 76 Sie ergriffen die Gouverneure und brannten unsere Städte nieder, sie zerstörten die Tempel der Götter. Alle Bewohner behandelten sie in sehr barbarischer Weise, ja, einige erschlugen sie, und führten Frauen und die Kinder anderer Personen in die Sklaverei. 77 Bald darauf erhoben sie einen eigenen König, dessen Name Salitis war. Er ließ sich auch in Memphis nieder, erhob Tribut sowohl von Unter- als auch von Oberägypten und errichtete Garnisonen an strategisch wichtigen Orten, vor allem im östlichen Landesteil, um gegenüber einem eventuellen Angriff der Assyrer gewappnet zu sein. 78 Im sethroitischen Gau fanden sie eine sehr gut gelegene Stadt, die sich auf der östlichen Seite des Bubastis-Flusses befand. Sie nannten diese Stadt aufgrund religiöser Gründe Auaris. Er (Salitis) baute Auaris wieder neu auf und umzog den Ort mit sehr stark befestigten Wällen. In der Stadt Auaris befand sich eine Schutzbesatzung von 240.000 Soldaten.“

Armenische Version: Josephus „contra Apionem“, Buch 1, 75–78[6]

Josephus berichtet im weiteren Verlauf auf Grundlage der manethonischen Fassung, dass viele Jahre später die Ägypter einen langjährigen Krieg gegen die Hyksos führten. Schließlich habe eine ägyptische Armee die Hyksos in ihrer Hauptstadt Auaris belagert, weshalb die Hyksos dem ägyptischen Angebot des Königs „Tethmosis“ zustimmten, Ägypten mit ihren Familien und ihrer Habe zu verlassen.[7]

Bedeutung[Bearbeiten]

Nach Manfred Bietak, dem Leiter der Ausgrabung von Auaris, steigerten die Hyksos ihre Zahl und Macht über die Häfen von Ugarit in Syrien, Phönizien, Zypern und Kanaan.

Ihre Hauptstadt war Auaris, auch Avaris genannt, eine Hafenstadt an einem Arm des Nils. Sie verehrten den syrisch/kanaanitischen Gott Baal-Zephon/Baal-Hadad, der dem ägyptischen Gott Seth angeglichen wurde. Im Zuge ihrer Herrschaft führten die Hyksos nicht nur die Streitwagen-Kampftechnik, das kanaanitische Sichelschwert und den Kompositbogen ein, sondern die Ägypter übernahmen ihre Terminologie rund um das Pferd, z. B. sesemet („Pferd“), und fügten dem ägyptischen Götterkreis unter anderem Reschef und Astarte hinzu – beide als Schutzgottheiten der Pferde.

Die Hyksos wurden um 1532 v. Chr. durch Ahmose I. aus Ägypten vertrieben. Zuvor hatte Kamose mehrere Überraschungsangriffe in der Region von Auaris durchgeführt. Der Hyksosherrscher Apopi I. wollte deshalb ein Bündnis mit Kerma in Nubien schließen. Kamose fing jedoch den Boten mit Apopis Nachricht ab. Die Beschreibung der Schlachten ist auf zwei Stelen als Siegesbericht erhalten geblieben, von denen eine einen nahezu vollständigen Text aufweist.

Archäologie[Bearbeiten]

Seit mehreren Jahrzehnten untersuchen österreichische Archäologen auf dem Tell el-Daba die Stadt Auaris.[8] 1988/89 kamen dort die ältesten Pferdeskelette auf ägyptischem Boden zum Vorschein. Sie werden der zweiten Hälfte der Hyksoszeit, etwa 1575–1520 v. Chr., zugerechnet.

Rezeption[Bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Spekulationen darüber, dass die Erinnerung an die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten nach Kanaan den biblischen Mythos vom Auszug aus Ägypten beeinflusst hat. Auch scheint die Erzählung Joseph und seine Brüder (Genesis 37–50) einen Bezug zur Hyksosgeschichte zu haben.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums. (Contra Apionem) (= Schriften des Institutum Judaicum Delitzschianum. Bd. 6, 1–2). Herausgegeben von Folker Siegert. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-54206-4.
  • Manfred Bietak: Avaris. The Capital of the Hyksos. Recent Excavations at Tell el-Dab'a (= The Raymond and Beverly Sackler Foundation distinguished Lecture in Egyptology. 1). British Museum Press, London 1996, ISBN 0-7141-0968-1.
  • Manfred Bietak: Hyksos. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 377–79.
  • Charlotte Booth: The Hyksos Period in Egypt (= Shire Egyptology. Bd. 27). Shire, Princes Risborough 2005, ISBN 0-7478-0638-1.
  • Israel Finkelstein, Neil Asher Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49321-1.
  • Eliezer D. Oren (Hrsg.): The Hyksos. New Historical and Archaeological Perspectives. (= University of Pennsylvania. Museum of Archaeology and Anthropology. University Museum Monograph. Bd. 96 = University Museum Symposium Series. Bd. 8). Proceedings of the International Seminar on Cultural Interconnections in the Ancient Near East, held for 16 consecutive Weeks at the University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology during the Spring Term, January – April 1992. University of Pennsylvania – University Museum, Philadelphia PA 1997, ISBN 0-924171-46-4.
  • Donald B. Redford: Egypt, Canaan and Israel in Ancient Times. Princeton University Press, Princeton NJ 1992, ISBN 0-691-03606-3.
  • Gerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham: Berossos and Manetho, introduced and translated. Native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. University of Michigan Press, Ann Arbor MI 2000, ISBN 0-472-08687-1.
  • Joachim Willeitner: Ross und Reiter. In: Abenteuer Archäologie. Heft 3, 2007, ISSN 1612-9954, S. 48 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hyksos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch – Deutsch. Die Sprache der Pharaonen (2800–950 v. Chr.) (= Hannig-Lexica. Bd. 1 = Kulturgeschichte der antiken Welt. Bd. 64). Marburger Edition, 4., überarbeitete Auflage. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 606 und 628–629.
  2. a b Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums. 2008, S. 111.
  3. Vierter Tag im vierten Monat der Jahreszeit Schemu.
  4. Jean Vercoutter: Die Hyksos (XV. und XVI. Dynastie). In: Die Altorientalischen Reiche. Band 1: Vom Paläolithikum bis zur Mitte des 2. Jahrtausends (= Fischer-Weltgeschichte. Bd. 2). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1965, S. 351–352.
  5. Der Text scheint hier korrumpiert, als verdeckter Name könnte vielleicht Thutmosis als Grundlage gedient haben.
  6. Gerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham: Berossos and Manetho. 2000, S. 157.
  7. Flavius Josephus: Über die Ursprünglichkeit des Judentums. 2008, S. 112–114.
  8. Vorstadt von Hyksos-Metropole entdeckt. auf: science.orf.at, 21. Juni 2010; auaris.at
  9. Israel Finkelstein, Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho. 2002, S. 78–82; Donald B. Redford: Egypt, Canaan and Israel in Ancient Times. 1992, S. 408–469.