Thomas Glavinic

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Thomas Glavinic, März 2013 (Foto: Ela Angerer)

Thomas Glavinic [ˈglavinitʃ] (* 2. April 1972 in Graz) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren. Er war als Werbetexter und Taxifahrer tätig und schreibt seit 1991 Romane, Essays, Erzählungen, Hörspiele und Reportagen. Im Jahr 1998 veröffentlichte er seinen ersten Roman Carl Haffners Liebe zum Unentschieden. Der Roman beschreibt den Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Emanuel Lasker und dem fiktiven Carl Haffner. Für den Protagonisten Haffner wählte der Autor den Wiener Schachmeister Karl Schlechter zum Vorbild. Das Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt, der Sprung auf die Bestsellerlisten blieb aber weitgehend aus. Der Roman hat einen autobiografischen Bezug: Thomas Glavinic spielte bereits im Alter von fünf Jahren seine erste Schachpartie und erreichte 1987 in seiner Altersklasse Rang 2 der österreichischen Schachrangliste.

Im Jahr 2000 folgte der Roman Herr Susi, eine in deftiger Sprache geschriebene Abrechnung mit dem Fußball-Vermarktungsgeschäft. Diese wurde von den Kritikern überwiegend negativ beurteilt. 2001 erschien der Kriminalroman Der Kameramörder, der von den Feuilletons enthusiastisch für seine Medienkritik gefeiert wurde. 2004 gelang es ihm mit dem satirischen Entwicklungsroman Wie man leben soll, der durchgängig in der „Man-Perspektive“ geschrieben ist, sowohl Leser (Platz 1 auf der Bestsellerliste Österreichs) wie auch Kritiker (Platz 1 auf der Kritiker-Bestenliste des ORF) zu überzeugen. Der Roman diente 2010 als Vorlage für den gleichnamigen Film. Im August 2006 erschien sein Roman Die Arbeit der Nacht, der im August 2006 ebenfalls wieder auf dem 1. Platz der ORF-Bestenliste zu finden war, es aber nicht auf die Longlist 2006 für den Deutschen Buchpreis schaffte („Thomas Glavinic“, der Protagonist des Romans Das bin doch ich, drückt die Hoffnung aus, dass ebendies geschehen möge).

Glavinic' im Sommer 2007 erschienener Roman Das bin doch ich hingegen wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und schaffte es hier sogar auf die Shortlist, welche eine Auswahl von sechs der ursprünglich zwanzig für die Longlist ausgewählten Autoren darstellt. Der Roman Das Leben der Wünsche war 2009 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.

Thomas Glavinic ist Vater eines Sohns und lebt in Wien. Seit seiner Kindheit ist er Anhänger des SK Sturm Graz[1], aber Mitglied des SK Rapid Wien.[2]

Thomas Glavinic und Wikipedia[Bearbeiten]

In seinem Roman Das bin doch ich (2007) behauptet der Ich-Erzähler (der ebenfalls „Thomas Glavinic“ genannt wird), diesen Wikipedia-Eintrag als Erster angelegt zu haben; sein Geburtsdatum habe er absichtlich vordatiert und einen seiner Romane absichtlich negativ bewertet, um sich nicht in den Verdacht zu bringen, sich selbst eingetragen zu haben.[3] Tatsächlich ist in der ältesten Fassung des Wikipedia-Artikels Thomas Glavinic vom 21. März 2004 ein falsches Geburtsdatum zu finden, aber keine Negativkritik eines Werkes. Erst in der Version vom 27. Oktober 2004 findet sich eine Negativkritik, und zwar des Romans Herr Susi. Beide Versionen des Artikels stammen von einem Chello-Kunden aus Wien,[4] was die Behauptung in Das bin doch ich zumindest möglich machen würde. Außerdem gibt der Erzähler „Thomas Glavinic“ in dem Roman an, dass „alle […] Journalisten“, denen er im Vorfeld der Veröffentlichung des Romans Die Arbeit der Nacht ein Interview gegeben habe, diesen Wikipedia-Eintrag ausgedruckt vor sich liegen gehabt hätten.

Werke[Bearbeiten]

Glavinics Werke wurden unter anderem in das Englische, Französische, Ungarische und Niederländische übersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • David-Christopher Assmann: Das bin ich nicht. Thomas Glavinics Literaturbetriebs-Szene, in: Thomas Wegmann, Norbert Christian Wolf (Hrsg.): "High" und "low". Zur Interferenz von Hoch- und Populärkultur in der Gegenwartsliteratur, Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur 130, de Gruyter, Berlin und Boston 2011, S. 121–140.
  • Marta Famula: Gleichnisse des erkenntnistheoretischen Scheiterns. Thomas Glavinics Roman 'Die Arbeit der Nacht' in der Tradition des labyrinthischen Erzählens bei Franz Kafka und Friedrich Dürrenmatt, in: Andrea Bartl (Hrsg.): Transitträume. Beiträge zur deutschen Gegenwartsliteratur. Interviews mit Raoul Schrott u. a., unter Mitarbeit von Hanna Viktoria Becker (= Germanistik und Gegenwartsliteratur 5), Wißner, Augsburg 2009, S. 103–122.
  • Birgit Holzner: Thomas Glavinics Endzeitroman 'Die Arbeit der Nacht', in: Evi Zemanek, SusanneKrones (Hrsg.): Literatur der Jahrtausendwende. Themen, Schreibverfahren und Buchmarkt um 2000, Transcript, Bielefeld 2008, S. 215–224.
  • Anja K. Johannsen: In einem Anfall von Literaturbetriebswiderwillen. Die Romane Thomas Glavinics im Geflecht des Literaturbetriebs, in: Paul Brodowsky, Thomas Klupp (Hrsg.): Wie über Gegenwart sprechen? Überlegungen zu den Methoden einer Gegenwartsliteraturwissenschaft, Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2010, S. 105–118.
  • Sascha Löwenstein: "Und wie alle anderen hatte er keine Spur hinterlassen" - Über die Rätselhaftigkeit von Ich und Welt in Thomas Glavinics 'Die Arbeit der Nacht', in: Thomas Maier, Sascha Löwenstein (Hrsg.): Schöner Sterben. Vorträge zur Literatur beim Heinrich von Veldeke Kreis. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2013, S. 228–262.
  • Eberhard Sauermann: Thomas Glavinic' "Kameramörder" - doch kein Skandal? in: Stefan Neuhaus, Johann Holzner (Hrsg.): Literatur als Skandal. Fälle - Funktionen - Folgen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 666–677.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kleine Zeitung: "Ich habe endlich ein Kindheitstrauma bewältigt"
  2. "Rapidviertelstunde" vom 7. November 2014
  3. In der Taschenbuchausgabe des Romans, dtv 2010, findet sich diese Bemerkung auf S. 211 f.
  4. Erkennbar an den beiden IP-Adressen; Herausgefunden mithilfe von ipaddresslocation.org im Jänner 2009.