Magischer Realismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der magische Realismus (spanisch: Realismo mágico) ist eine künstlerische Strömung, die seit den 1920er Jahren vor allem im Gebiet der Malerei und der Literatur in einigen Ländern Europas, sowie Nord- und Südamerikas vertreten ist. Der durch den Kunstkritiker Franz Roh geprägte Begriff wurde verwendet, um den Malstil der Bilder einer Kunstausstellung in Mannheim 1924 zu beschreiben. Aufgegriffen und weitergeführt wurde der magische Realismus später auch in den Bereichen Filmkunst und Fotografie.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Magischer Realismus in der Malerei

Der magische Realismus stellt die Verschmelzung von realer Wirklichkeit (greifbar, sichtbar, rational) und magischer Realität (Halluzinationen, Träume) dar. Er ist eine „dritte Realität“, eine Synthese aus den uns geläufigen Wirklichkeiten.

Laut Alejo Carpentier ist der magische Realismus natürlich, nicht erzwungen; er ist die Einbettung des Wunderbaren in den Alltag. Im Gegensatz zu europäischen Stilen wie dem Surrealismus, der nach Carpentier das Wunderbare künstlich erzeugen muss, ist der Realismo mágico in Lateinamerika Alltag und zeigt sich in spezieller Weise in der Integration des Wunders im täglichen Leben (z.B. Göttermythen).

Der magische Realismus nimmt dem Unvertrauten seine Fremdheit, er macht es zu einem natürlichen Teil des Lebens.

[Bearbeiten] Vertreter der Malerei

Deutschland:

Niederlande (zu besichtigen u.a. in den Museen von Arnheim und Opmeer):

Österreich:

Belgien:

USA:

Italien:

Schweiz:

[Bearbeiten] Magischer Realismus in der Literatur

Der magische Realismus als literarische Form taucht Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Italien und im Flämischen auf und hat mit dem Umweg über Paris und Spanien schnell einen großen Einfluss auf die Literatur in Lateinamerika. Er steht im Gegensatz zur europäischen Wirklichkeit und Literatur. Als Vater des Magischen Realismus wird Miguel Ángel Asturias mit seinem Buch Hombres de maíz (Die Maismenschen) angesehen. In diesem Werk werden indigene Mythen (hier der Mayas) mit der Wirklichkeit, Kultur und Geschichte Lateinamerikas aus der Sicht der indigenen Bevölkerung erzählt. Diese magische Wirklichkeitsauffassung führt dazu, dass die Legende die Begründung des Geschehenen darstellt als Reaktion auf die Unterdrückung der Indios durch die Weißen.

Mit dem Vorwort zu seinem Roman El reino de este mundo verfasste Alejo Carpentier sozusagen ein Manifest des Realismo Mágico. Er grenzt dabei Lateinamerika stark von Europa ab. Nach ihm ist „dem Europäer“ die Fähigkeit des Erlebens des wunderbar Wirklichen durch die Aufklärung verloren gegangen, während Mythen- und Geisterglaube in Lateinamerika noch immer natürlich im Alltag integriert sind.

Der Begriff wurde im Jahre 1927 erstmals in einem Artikel von Franz Roh in der Zeitschrift Revista de Occidente verwendet. Er beschrieb ursprünglich nur postexpressionistische Gemälde, aber er fand bald Einzug in die Intellektuellenkreise von Buenos Aires und wurde nach heftigen Diskussionen (1960er bis 1990er) dann auch für die lateinamerikanische Literatur angewandt. Sein Gegenstück ist der Realismo Social. Auf die Lateinamerikanische Literatur wurde dieser aus Europa stammende Begriff erstmals 1948 von dem Venezolaner Arturo Uslar Pietri verwendet. Der Realismo Mágico vermischt die Grenzen zwischen Realität und Phantasie. Volkskultur, Mythologie, Religion, Geschichte und Geographie verschmelzen in den Texten und sind immer erkennbar. Er kombiniert zwei Konzepte, die in den Industrienationen als gegensätzlich gelten. Realität und Mythologie / Phantasie / Magie – doch der Gedanke ist, dass diese beiden sehr wohl nebeneinander existieren können und nicht zwangsweise im Konflikt stehen – Balanceakt zwischen Realität und Phantasie.

[Bearbeiten] Abgrenzung des Realismo Magico zu anderen Stilen

In Abgrenzung zur fantastischen Literatur will der Autor vorrangig nicht, dass der Leser Angst, Zweifel oder irgendwelche Emotionen nur oberflächlich fühlt. Angestrebt wird ein spannungsvoller Ausgleich zwischen unbewusst Erlebtem, d.h. Empfundenem und mit betont distanzierten Mitteln dargestelltem Realem. Dabei wird im Kunstwerk eine Welt erschaffen, in der der Betrachter oder Leser keine strikte Trennung mehr zwischen Intellekt und Empfindung erleben soll. Die „magische“ Note kann je nach Intention des Künstlers sehr stark variieren. Je stärker sie ist, desto eher kann es zur Verwechslung mit der fantastischen Literatur kommen. Ein kunstgeschichtlicher Vorläufer zum Magischen Realismus findet sich im Manierismus z.B. bei El Greco oder Cervantes, im 19. Jahrhundert bei Charles Baudelaire.

[Bearbeiten] Vertreter der Literatur

Im deutschsprachigen Raum:

Im sonstigen Europa:


In den USA:


In Lateinamerika:


In China:


In Japan:

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Franz Roh: Nach-Expressionismus. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1925.
  • Franz Roh: Realismo Mágico. Post Espressionismo. Problemas de la Pintura Europea Más Reciente. Übersetzt aus dem Deutschen von Fernando Vela. Revista de Occidente, Madrid 1927 (Repr. Alianza, Madrid 1997).
  • Franz Roh: Geschichte der deutschen Kunst von 1900 bis zur Gegenwart. F. Bruckmann, München 1958.
  • Franz Roh: Junge spanische Malerei. in: Das Kunstwerk. Kohlhammer, Baden-Baden - Stuttgart 1960. ISSN 0023-561x
  • Andreas Fluck: Magischer Realismus. Lang, Frankfurt am Main-Berlin 1994. ISBN 3-631-47100-9
  • Michael Scheffel: Magischer Realismus. Die Geschichte eines Begriffes und ein Versuch seiner Bestimmung. Stauffenburg, Tübingen 1990. ISBN 3-923721-46-3

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen