Tiara

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tiara (Begriffsklärung) aufgeführt.
Papstkrone (Tiara)
Tiara Pauls VI.
Tiara der Petrusstatue
Tiara Pius XI.
Pius XII. während der Krönungsmesse
Die Papst Benedikt XVI. am 25. Mai 2011 geschenkte Tiara.

Die Tiara (griech. tiára, auch triregnum), Papstkrone oder auch gelegentlich römische Krone genannt, ist die früher bei feierlichen Anlässen getragene Krone des Papstes.

Geschichte[Bearbeiten]

Ihr Ursprung liegt im byzantinischen Hofzeremoniell. Das frigium, die phrygische Mütze, war aus Persien übernommen worden. Die Vorform der Tiara war eine hohe, spitze oder kegelförmige Kopfbedeckung mit Goldreif der altpersischen Achämeniden (Perserkönige). Auch das camelaucum, ein Rangabzeichen hoher oströmischer Beamter, gilt als eine Vorform der Tiara (vgl. Camauro). Papst Silvester soll das ihm von Kaiser Konstantin angeblich angebotene Diadem abgelehnt haben.

Die ersten Papsthauben sind im 7./8. Jahrhundert nachzuweisen. Im 8. Jahrhundert wird eine camelaucum genannte Kopfbedeckung des Papstes Konstantin I. zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Es war weiß mit goldener Borte; dieser Rand wurde später zum Kronreif mit Zacken entwickelt. Um das 10. Jahrhundert kam der erste Kronreif hinzu, und gegen Ende des 13. Jahrhunderts besaß die Tiara bereits zwei Kronreifen, so zu sehen auf dem Fresko, das die Verkündung des Heiligen Jahres 1300 durch Bonifatius VIII. zeigt. Mit drei Reifen, die vermutlich während des Exils in Avignon eingeführt wurden, ist die Tiara auf dem Grabmal des Papstes Benedikt XII. abgebildet.[1] Auf der Rückseite waren zwei lose hängende Bänder, so genannte Infuln angebracht. Die drei Reifen sollen die Hauptaufgaben des Papstamtes symbolisieren: Heiligen, Lenken und Lehren bzw. das Weiheamt, die Jurisdiktion und das Lehramt. In einer anderen Deutung symbolisieren sie die göttliche Dreifaltigkeit. Die Liturgiker sind sich darin einig, dass die Tiara eine außer-liturgische Kopfbedeckung des Papstes ist. Die Zeremonienbücher schreiben vor, dass der Papst die Tiara nur an bestimmten Tagen und an bestimmten Orten tragen darf, niemals jedoch innerhalb der Kirche, sondern nur außerhalb. Wenn der Papst die Kirche betritt, muss er die Tiara ablegen. Papst Innozenz III. (1198–1216) unterscheidet ganz klar: er trage die Mitra als Priester (pro sacerdotio) und zwar immer und überall, die Tiara dagegen zu bestimmten Anlässen als Herrscher (pro regno). Daran kann man ersehen, dass eine Deutung der dreifachen Krone als Symbol für die Einheit von Lehr-, Priester- und Hirtenamt verfehlt ist, denn dann müsste der Papst das Triregnum immer und überall tragen, vor allem aber, wenn er als Lehrer, Priester und Hirte bei der Heiligen Messe auftritt, was nie der Fall war.[2]

Der Reichsapfel und das Kreuz kamen im 16. Jahrhundert dazu. Die Tiaren wurden den Päpsten meist von ihrer Heimatdiözese geschenkt.

Die Übergabeformel bei der Krönung mit der Tiara entstand nach 1560. Sie lautet übersetzt:

„Empfange die dreifache Krone und vergiss nie, dass Du Vater der Fürsten und Könige bist, das Haupt der Welt und der Statthalter Jesu Christi, … [3]

In den Vatikanischen Museen befinden sich nur Papstkronen aus der Zeit nach der Besetzung des Kirchenstaates durch Napoleon. Aus Bruchstücken zerstörter älterer Tiaren wurde für Papst Pius VII. eine neue gefertigt, die dieser anlässlich der Kaiserkrönung Napoleons 1804 tragen musste. Seit dem Ende des Kirchenstaates 1870 bestand eine zunehmende Unsicherheit über die richtige Zuordnung der Tiara. Die Papstkrone hatte keine liturgische und keine eigentlich theologische Bedeutung, sondern diente als Symbol der Unterscheidung des Papsttums von den geistlichen und weltlichen Fürsten sowie insbesondere der beanspruchten Überordnung der geistlichen Gewalt über die weltliche durch die Anbringung der drei Kronen.

Papst Paul VI. ließ sich am 30. Juni 1963 traditionell krönen, verschenkte seine modern gestaltete Tiara (Designer Valerio Vigorelli), ein Geschenk seiner Diözese Mailand zu seiner Papstkrönung, bereits im November 1964 während des Zweiten Vatikanischen Konzils zugunsten armer Menschen in sozialen Brennpunkten der Stadt Rom. Diese bislang letzte getragene Tiara wird in der Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception von Washington, D.C. aufbewahrt, als Dank an US-amerikanische Katholiken für ihre Wohltätigkeit in der Dritten Welt.

Die beiden Nachfolger Johannes Paul I. und Johannes Paul II. ließen sich zwar nicht mehr mit der Tiara krönen, führten sie aber weiterhin im Wappen. Erst Benedikt XVI. ersetzte – unter dem Einfluss des kirchlichen Heraldikers Andrea Cordero Lanza di Montezemolo – auch im persönlichen Papstwappen die Tiara durch eine einfache Mitra mit drei goldenen Querstreifen. Diese erinnert anschaulich an jene Mitra, die Papst Paul VI. beim Abschluss des II. Vatikanischen Konzils 1965 trug. Die Standarte der Schweizergarde zeigte allerdings Benedikts Wappen mit der Tiara bekrönt.[4] Die Tiara ist heute noch Bestandteil des Wappens des Heiligen Stuhls und des Staates Vatikanstadt. Die Statue des Hl. Petrus wird am 29. Juni, dem Fest des Apostelfürsten, sowie am 22. Februar, dem Fest der Kathedra, weiterhin alljährlich mit einer prunkvollen Tiara gekrönt. Diese Tiara Petri ist als einzige noch in Gebrauch.

Darstellung[Bearbeiten]

Päpste wurden in der Kunst fast ausschließlich mit der Tiara abgebildet, da Bischöfe mit der Mitra dargestellt wurden. Auch der Heilige Petrus findet sich oft mit der dreifachen Tiara auf dem Haupt in der Kirchenkunst wieder. Anschauliches Beispiel hierfür ist die überlebensgroße Petrusstatue auf dem Hochaltar von St. Peter in München.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Papst Johannes Paul II. wurde 1981 eine Tiara geschenkt, die aber nie von ihm getragen wurde.[5] Sein Nachfolger, Benedikt XVI., erhielt am 11. Mai 2011 im Rahmen der Generalaudienz eine eigens für ihn angefertigte Tiara von einer Delegation katholischer und orthodoxer Gläubiger.[6]

Die wohl bekannteste Tiara ist die von Pius IX. Sie wurde am häufigsten getragen und auch inklusive der Krönungszeremonie von Johannes XXIII. als Krönungstiara verwendet. Besonders durch Pius XII., der ausschließlich diese Tiara trug, wurde sie durch zahlreiche Fotografien weltberühmt. Diese Tiara ist es auch, die als erste und bislang einzige nördlich der Alpen ausgestellt war.

Während der gesamten Sitzungsperioden des II. Vatikanums war die Petrusstatue im Petersdom zu Rom mit der Tiara gekrönt, sowie in einen prunkvollen, purpurnen Rauchmantel gehüllt. Johannes XXIII. als Konzilsvater verzichtete im Gegensatz zum Konzilsvater Pius IX. (I. Vatikanum) bei der Eröffnung des Konzils auf die Tiara als Symbol der Macht, trug stattdessen eine seiner päpstlichen Mitren, und präsentierte sich damit als Hirte der Kirche.

Wappen des Patriarchats von Lissabon

Neben dem römischen Papst führt auch der katholische Patriarch von Lissabon seit dem 18. Jahrhundert die Tiara im Wappen. Diese wird allerdings stets ohne Schlüssel dargestellt. Heute wird sie nur im Wappen des Patriarchats, nicht im persönlichen Wappen des amtierenden Patriarchen gezeigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Philippi: Sammlung Philippi – Kopfbedeckungen in Glaube, Religion und Spiritualität. St. Benno Verlag, Leipzig, 2009, ISBN 978-3-7462-2800-6.
  • Bernhard Sirch: Der Ursprung der bischöflichen Mitra und päpstlichen Tiara. EOS Verlag, St. Ottilien, 1975, ISBN 3-920289-57-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tiara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tiara – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dictionnaire historique de la papauté, Paris 1994, Benoît XII
  2. Dr. P. Bernhard Sirch: Das neue päpstliche Wappen ohne Tiara, dem Symbol der päpstlichen Macht (21. Februar 2009, abgerufen am 20. März 2013)
  3. K. Richter: Die Ordination des Bischofs von Rom. Aschendorff, Münster i. W. 1976, 109.
  4. Standarte Schweizergarde unter Benedikt XVI.
  5. Tiara als Geschenk für Johannes Paul II.
  6. Papal Tiara Commissioned and Gifted to Benedict XVI., May 25, 2011