Tonsillitis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
J03 Akute Tonsillitis
J03.0 Streptokokken-Tonsillitis
J03.8 Akute Tonsillitis durch sonstige näher bezeichnete Erreger
J03.9 Akute Tonsillitis, nicht näher bezeichnet
J35.0 Chronische Tonsillitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Dieser Artikel oder Abschnitt besteht hauptsächlich aus Listen, an deren Stelle besser Fließtext stehen sollte. Bitte hilf Wikipedia, das zu verbessern. Mehr zum Thema ist hier zu finden.

Als Tonsillitis oder Mandelentzündung bezeichnet man eine schmerzhafte Entzündung der Tonsillen. In der Praxis ist der Begriff für die Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsilla palatina) reserviert. Die Erkrankung ist ansteckend und kann durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Eine akute Streptokokken-Tonsillitis ist 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie nicht mehr ansteckend.[1] Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage.[2] Die Tonsillitis gehört zu den 20 häufigsten Beratungsanlässen in allgemeinmedizinischen Praxen.[3]

Einteilung[Bearbeiten]

Lakunäre Angina

Nach dem zeitlichen Verlauf unterscheidet man die akute (Tonsillitis acuta), die chronisch (Tonsillitis chronica) und wiederkehrende (rezidivierende) Tonsillitis. Ist nur eine Seite betroffen, spricht man von einer unilateralen, sind beide Seiten betroffen von einer bilateralen Tonsillitis.

Nach dem klinischen Aspekt werden unterschieden:

  • katarrhalische Angina: Rötung und Schwellung der Tonsillen
  • follikuläre Angina: stippchenförmige fibrinöse Beläge auf den Krypten der Tonsillen
  • lakunäre Angina: Rötung und zusammenfließende (konfluierende) fibrinöse Beläge.

Ätiologie (Ursachen)[Bearbeiten]

Die Tonsillitis wird meistens durch Bakterien, weniger häufig durch Viren ausgelöst. Die typischen Erreger sind beta-hämolysierende Streptokokken der Lancefield-Gruppe A (v. a. Streptococcus pyogenes). Daneben spielen Pneumokokken, Staphylokokken, Haemophilus influenzae, Branhamella catarrhalis und Neisseria gonorrhoeae eine Rolle. Viele dieser Keime gehören zur residenten Mundflora. Die Infektion wird jedoch meist durch neue Serotypen der Erreger ausgelöst, gegen die keine Immunität besteht. Als zusätzliche Faktoren können ein geschwächter Allgemeinzustand oder eine Immunschwäche hinzutreten.

Von den viralen Mandelentzündungen zeigt die durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Monozytenangina im Gegensatz zu den meisten viralen Tonsillitiden ausgeprägte Beläge.

Bei chronischer Tonsillitis liegt meist eine Mischinfektion mit anaeroben und aeroben Erregern vor.

Symptome[Bearbeiten]

Bei einer Tonsillitis kommt es zu Schluckbeschwerden infolge der Verengung der Rachenenge. Eine kloßige Sprache, Mundgeruch (Foetor ex ore) und ein bitterer Nachgeschmack nach dem Essen und Trinken sind typisch. Schleimhautulzerationen und Schwellung der Unterkieferlymphknoten sind möglich. Häufig treten auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit auf.

Bei einer Angina catarrhalis sind die Gaumenmandeln geschwollen und gerötetet. Bei der Angina follicularis treten stippchenförmige Fibrinbeläge auf, bei der Angina lacunaris größere Fibrinflecken. Bei der Scharlach-Angina ist Ausschlag (Scarlatiniformes Exanthem) typisch. Bei chronischer Tonsillitis sammelt sich Detritus an den Mandeln.

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Diagnose erfolgt in der Regel aus dem typischen klinischen Bild (Inspektion).

Zur Sicherung der Diagnose kann gegebenenfalls zusätzlich ein Streptokokken-Schnelltest durchgeführt sowie eine Bakterienkultur aus einem Rachenabstrich angelegt werden. Der Antikörper-Nachweis (Antistreptolysin-AK) zeigt erst nach Wochen einen Anstieg.

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapie ist abhängig von der Ursache und vom Verlauf der Tonsillitis. In der Regel wird eine Kombination aus Lokal- und Allgemeinbehandlung eingesetzt.

Bei akuter Tonsillitis:

Bei chronischer Tonsillitis:

Differentialdiagnostik[Bearbeiten]

Komplikationen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kayser, F.H. et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, 9. Aufl., 1998, S. 231
  2. Kayser, F.H. et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, 9. Aufl., 1998, S. 231
  3. Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (200), S. 102–108. Zitiert nach Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen, MMW-Fortschr. Med. Nr. 16/2007 (149. Jg.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tonsillitis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!