Rheumatisches Fieber

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Klassifikation nach ICD-10
I00 Rheumatisches Fieber ohne Angabe einer Herzbeteiligung

Akute oder subakute Arthritis bei rheumatischem Fieber

I01 Rheumatisches Fieber mit Herzbeteiligung
I01.0 Akute rheumatische Perikarditis
I01.1 Akute rheumatische Endokarditis

Akute rheumatische Valvulitis

I01.2 Akute rheumatische Myokarditis
I01.8 Sonstige akute rheumatische Herzkrankheit

Akute rheumatische Pankarditis

I01.9 Akute rheumatische Herzkrankheit, nicht näher bezeichnet
I02 Rheumatische Chorea
I02.0 Rheumatische Chorea mit Herzbeteiligung
I02.9 Rheumatische Chorea ohne Herzbeteiligung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das rheumatische Fieber, auch „Streptokokkenrheumatismus“ genannt, ist eine heute in den Industrieländern selten diagnostizierte entzündlich-rheumatische Systemerkrankung von Haut, Herz, Gelenk und Gehirn.

Sie tritt als Folgeerkrankung nach einer Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Lancefield-Gruppe A auf. Oft verlaufen diese Infektionen der oberen Luftwege mit nur milden Symptomen. Es erkranken hauptsächlich Kinder und Jugendliche nach einer Tonsillitis oder Pharyngitis mit Streptokokken (v. a. Streptococcus pyogenes).

Bei älteren Erwachsenen ist das Krankheitsbild aufgrund häufig untypischer Verläufe schwer zu diagnostizieren. Die Zahl der Herzklappen-Erkrankungen bei Erwachsenen in Europa liegt aber weiterhin bei 3–4 %. Die Mehrzahl dieser Klappenerkrankungen ist bakterieller Natur oder arteriosklerotisch bedingt. Eine rheumatische Reaktion ist schwer auszuschließen.

Symptome[Bearbeiten]

Ein bis drei Wochen nach der vorausgegangenen Streptokokkeninfektion treten charakteristische Symptome auf, die als Jones-Standard (nach T. Duckett Jones und Edward Franklin Bland) in „Major-Kriterien“ und „Minor-Symptome“ eingeteilt sind.

  • Major-Kriterien:
    • Karditis (Herzentzündung), v.  a.
    • Polyarthritis, (sogenannte Jaccoud-Arthritis) eine akute Entzündung, insbesondere der großen Gelenke, mit charakteristischem Wandern der oft flüchtigen Symptome (bei Kindern und Jugendlichen die häufigste Majorsymptomatik).
    • Chorea minor (Sydenham) mit Befall des Corpus striatum, eines Teils der basalen Stammganglien des Gehirns – fast nur bei Kindern, siehe auch PANDAS. Eine Chorea minor kann auch noch Monate nach der Infektion auftreten und bedarf deshalb bei Auftreten keiner weiteren diagnostischen Kriterien, sondern des Ausschlusses anderer Ursachen.
    • rheumatisches Erythem (Erythema anulare)
    • rheumatische Knoten unter der Haut an den Streckseiten der Extremitäten (sogenannte Rheuma-Knötchen)

Beurteilung der Jones-Kriterien[Bearbeiten]

Die Diagnose gilt als gesichert bei Nachweis des vorangegangenen Streptokokkeninfektes (Rachenabstrich/erhöhter, bzw. ansteigender Antistreptolysintiter) und wenn zwei Major-Kriterien oder ein Major-Kriterium + zwei Minor-Symptome vorliegen.

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapie des Streptokokkeninfekts erfolgt mit Penicillin, bei Penicillinallergie mit einem Makrolid-Antibiotikum. Bei nachgewiesenem rheumatischem Fieber mit Herzbeteiligung ist eine entzündungshemmende Behandlung mit Acetylsalicylsäure angezeigt. Sollte diese nicht hinreichend wirksam sein, muss sie mit Kortison durchgeführt werden. Bei Verdacht auf einen Streuungsherd kann eine operative Sanierung dieses Fokus erfolgen (z. B. Tonsillektomie). Die Rezidivprophylaxe nach Ausheilen des Streptokokkeninfektes erfolgt mit Penicillin, bei Penicillinallergie wird auch hier mit einem Makrolid-Antibiotikum therapiert. Nach einer Karditis mit bleibendem Herzklappenfehler erfolgt die Prophylaxe mindestens während zehn Jahren und mindestens bis zum Erreichen des 40. Lebensjahres, nach einer Karditis ohne Klappenfehler ist sie bis zum Erreichen des Erwachsenenalters und mindestens zehn Jahre lang notwendig, ohne vorangegangene Karditis soll sie bis zum Erreichen des 21. Lebensjahres und mindestens fünf Jahre lang durchgeführt werden.[1]

Prognose[Bearbeiten]

Die Prognose wird vor allem durch die Erkrankung des Herzens (Karditis) und deren Folgen (Rezidivneigung und rheumatischer Herzklappenfehler) bestimmt. Die Letalität wird mit 2 bis 5 % angegeben. Alle anderen Symptome heilen folgenlos ab.

Etwa 50 % der Patienten mit akutem rheumatischen Fieber entwickeln eine chronische rheumatische Herzerkrankung.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Dajani, et al.: Treatment of acute streptococcal pharyngitis and prevention of rheumatic fever: a statement for health professionals. Committee on Rheumatic Fever, Endocarditis, and Kawasaki Disease of the Council on Cardiovascular Disease in the Young, the American Heart Association. In: Pediatrics. Band 96, Nummer 4 Pt 1, Oktober 1995, S. 758–764, ISSN 0031-4005. PMID 7567345.
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