Tribuno Memmo

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Wappen des Tribuno Memmo

Tribuno Memmo, auch genannt Pietro Tribuno oder Tribuno Menio, (Geburtsdatum unbekannt; † nach 991) war der 25. Doge von Venedig. Er regierte von 979 bis 991.

Familie[Bearbeiten]

Die Memmo zählten zu den ältesten venezianischen Adelsfamilien, den zwölf so genannten apostolischen Familien. Aus der Familie sind der Doge Tribuno Memmo, und aus einem Seitenzweig der Doge Marcantonio Memmo hervorgegangen.

Leben[Bearbeiten]

Memmo stammte aus einer sehr reichen tribunizischen Familie. Er war verheiratet mit Marina, Tochter des 22. Dogen Pietro IV. Candiano. Das Paar hatte einen Sohn mit Namen Maurizio.

Tribuno Memmo war Analphabet. Dokumente wurden anstatt mit seiner Unterschrift mit seinem signum manus (=Zeichen der Hand) und der Unterschrift eines Notars unterzeichnet.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Als Memmo im November 979 gewählt wurde, war der Dogenpalast noch im Bau, der Doge musste also bis zu dessen Vollendung kurz vor Ende seiner Amtszeit in seinem eigenen Haus wohnen bleiben.

Tribuno war ein Kompromisskandidat, auf den sich die beiden verfeindeten Lager der kaiserfreundlichen Candiano- und der Orseolo-Anhänger, die nach Byzanz orientiert waren, schließlich geeinigt hatten. Die zwölf Jahre seiner Herrschaft gehörten zu den schwierigsten der Lagunenstadt: Von außen den Bedrohungen und Annektionsgelüsten des Deutschen Kaisers ausgesetzt, in Auseinandersetzungen mit dem Papst um strittige Rechtstitel verwickelt, tobten in der Stadt selbst verbitterte Kämpfe zwischen den Adelsfamilien.

Eine seiner wichtigsten und für das Verhältnis Venedigs zur päpstlichen Macht in Rom symptomatischen Aktion war die Deklaration der Markusbasilika als Palastkapelle der Dogen libera dall'asservimento alla Santa Madre Chiesa (frei von der Hörigkeit gegenüber der Heiligen Mutter Kirche)[1] Für die sakralen Handlungen wurden von Venedig ein Priester eingesetzt. Alle Versuche Roms, San Marco wieder unter päpstliche Oberhoheit zu bringen (subdita papae) scheiterten an der Hartnäckigkeit der Venezianer.

Im Dezember 982 erhielt der Benediktiner Giovanni Morosini vom Dogen die Erlaubnis, auf der Insel San Giorgio Maggiore ein Kloster zu gründen, was bei den politischen Konkurrenten der Morosini, den Coloprini, zu Missstimmung führte.

Schwierig gestalteten sich die Verhandlungen mit dem Deutschen Kaiser Otto II., der sich wenig geneigt zeigte, Venedigs Verträge mit dem Heiligen Römischen Reich zu verlängern. Erst nach Intervention seiner Mutter Adelheid bestätigte er widerwillig Venedigs Privilegien. Als es kurze Zeit später zu einem offenen Ausbruch der Spannungen zwischen den Coloprini und den Morosini kam und ein Angehöriger der Morosini ermordet wurde, flüchtete sich die Familie an den Hof des Kaisers nach Verona. Otto nahm das zum willkommenen Anlass, sich Venedigs zu bemächtigen und verhängte zunächst eine Handelsblockade gegen die Stadt, die zwei Jahre dauerte, im Laufe der Zeit immer durchlässiger wurde und mit dem Tod Ottos am 7. Dezember 983 endete.

Um ein Gegengewicht gegen den erstarkenden Einfluss des Kaisers zu bilden, schickte der Doge seinen Sohn Maurizio nach Byzanz, der jedoch erfolglos und ohne die üblichen Ehrungen durch den oströmischen Kaiser zurückkehrte.

Als Tribuno Memmo erkrankte, nahm die Volksversammlung das zum Anlass, den erfolglosen Dogen abzusetzen. Er zog sich als Mönch in das Kloster San Zaccaria zurück, wo er wenig später starb. Er wurde in San Giorgio Maggiore bestattet, wo sich sein Epitaph rechts außen an der Fassade befindet. Sein Grab ist nicht erhalten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zitiert nach Rendina 2003. S. 77.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I dogi di Venezia. Florenz, Mailand 2003.
  • Claudio Rendina: I Dogi. Storia e segreti. Roma 2003.
Vorgänger Amt Nachfolger
Vitale Candiano Doge von Venedig
979–991
Pietro II. Orseolo