Ulrich Tilgner

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Ulrich Tilgner im Januar 2011

Ulrich Tilgner (* 16. Januar 1948 in Bremen) ist ein deutscher Journalist, Auslandskorrespondent und Sachbuchautor. Bekannt wurde er als Kriegsberichterstatter aus Bagdad.

Werdegang[Bearbeiten]

Ulrich Tilgner wuchs in Bremen auf und besuchte von 1958 bis 1966 das Alte Gymnasium. Nach dem Wehrdienst studierte er Empirische Kulturwissenschaften, Politische Wissenschaften und Wirtschaftsgeschichte in Freiburg im Breisgau und Tübingen. Ein Jahr lang war er Mitarbeiter des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalschutz, ehe er 1976 Mitarbeiter des SDR wurde. 1979 wechselte er zur Nachrichtenagentur dpa und war Chef vom Dienst im dpa-Landesbüro Südwest. Seit 1980 berichtete Tilgner als Korrespondent sowohl für dpa als auch für mehrere Zeitungen, Deutsche Welle TV, ARD, ZDF und das Schweizer Fernsehen aus dem Nahen und Mittleren Osten.

Von 1986 bis 2001 hatte er sein Büro in Amman in Jordanien. Sowohl 1991 (Zweiter Golfkrieg) als auch 2003 (Irak-Krieg) war er als Kriegsberichterstatter in Bagdad. Dabei ist er nicht der „klassische Kriegsreporter”: „Ich habe diese Region 25 Jahre lang begleitet. Nach Bagdad zu gehen, war daher nur folgerichtig.“ 2002 übernahm Tilgner die Leitung des ZDF-Büros in Teheran. Von 2006 bis April 2008 war er zudem ZDF-Sonderkorrespondent für den Nahen und Mittleren Osten, insbesondere Afghanistan und Irak. Seit April 2008 berichtet Tilgner hauptsächlich für das Schweizer Fernsehen.

Tilgner ist mit einer Journalistin verheiratet und hat aus erster Ehe zwei erwachsene Kinder.[1]

Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis[Bearbeiten]

Im Jahr 2003 erhielt Ulrich Tilgner neben Antonia Rados den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus für seine Berichterstattung aus Bagdad. In der Begründung hieß es, beide hätten sich „mit Ausdauer und Erfolg darum bemüht, auch unter dem Druck der kriegerischen Ereignisse und der eingeschränkten Informationsfreiheit den Überblick zu behalten, präzise zu formulieren und dem Abenteurertum ebenso wie der Parteilichkeit zu entgehen.“[2]

Ausstieg und Kritik am ZDF[Bearbeiten]

Nach eigenem Bekunden aus Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen (Eingriffe in die Pressefreiheit und Bündnisrücksichten) in Deutschland ließ Tilgner seinen Vertrag mit dem ZDF auslaufen. Tilgner kritisierte unter anderem, dass es seiner Ansicht nach im ZDF mangelnde Unabhängigkeit und einen Hang zum „eingebetteten Journalismus“ gäbe.[3][4]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Umbruch im Iran. Augenzeugenberichte. Analysen. Dokumente. Rowohlt, Reinbek 1983, ISBN 3-49914-441-7.
  • Der inszenierte Krieg. Täuschung und Wahrheit beim Sturz Saddam Husseins. Rowohlt, Reinbek 2003, ISBN 3-87134-492-3.
  • Zwischen Krieg und Terror. Der Zusammenprall von Islam und westlicher Politik im Mittleren Osten. C. Bertelsmann, Bielefeld 2006, ISBN 3-570-00932-7.
  • Die Logik der Waffen. Westliche Politik im Orient. Orell Füssli, Zürich 2012, ISBN 978-3-280-05489-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Simone Matthieu: Ulrich Tilgner: Die Diva unter den Ausland-Korrespondenten. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 19. Juni 2009
  2. Website des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, 2003
  3. Hans Leyendecker, Christopher Keil: Ulrich Tilgner im Konflikt mit dem ZDF. Wundgerieben. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Januar 2008. Abgerufen am 12. August 2010.
  4. Krisenberichterstattung aus der Arabischen Welt, Stuttgarter Zeitung am 26. März 2011