Ursula Cotta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ursula Cotta, geb. Schalbe (* Ilfeld oder Eisenach; † 29. November 1511 in Eisenach[1]), gilt als die Frau des Patriziers und Bürgermeisters zu Eisenach, Conrad Cotta. Sie hatte den jungen Martin Luther während seiner Schulzeit in der Georgenschule (einer Lateinschule) in Eisenach von 1498 bis 1501 aufgenommen und gefördert.

Familienumfeld[Bearbeiten]

Wohnhaus der Familie Cotta in Eisenach. Heutiges Lutherhaus, 2006

Ursulas Vater war Hans (auch: Heinrich) Schalbe, Gutsbesitzer zu Ilfeld und Bürgermeister in Eisenach von 1495 bis 1499. Die Schalbes waren eine alte Ratsfamilie, schon 1424 wird ein Hans Schalbe erwähnt. Bereits der Großvater Ursulas soll Bürgermeister in Eisenach gewesen sein. Mit Conrad Cotta heiratete sie standesgemäß in eine angesehene Bürgerfamilie ein, deren Herkunft bis heute Gegenstand zahlreicher Mutmaßungen ist. Der Eisenacher Gelehrte Christian Franz Paullini verfasste 1694 eine Dissertation über die Cottas. Danach wurde die Familie angeblich von Kaiser Sigismund in der Bartholomäusnacht des Jahres 1420 zu Prag mit einem Adelsbrief ausgestattet. Auch sollen ihre Vorfahren dem Adel aus Mailand angehört haben. Paullini war gar der Ansicht, die Eisenacher Cottas stammten von den gleichnamigen römischen Adligen ab.[2] Allerdings werden diese Aussagen bezweifelt. Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass es sich bei dem Adelsbrief um eine Fälschung Paullinis und bei seiner Dissertation um eine Auftragsarbeit gehandelt hatte.[3][4] Sowohl Ursulas Sohn Johann Cotta der Ältere (*um 1465; † um 1524) als auch ihr Enkel Johann Cotta der Jüngere (* um 1490; † 15. März 1561) konnten studieren, waren Kämmerer, Weinmeister und stellten später selbst den Bürgermeister in Eisenach.

Martin Luther und die Familie Cotta[Bearbeiten]

Luther als Kurrendeschüler vor Frau Cotta singend, Gemälde von Prof. Weiß

Martin Luthers Leibarzt, Matthäus Ratzeberger, berichtet, Luther habe bei Conrad Cotta „sein Herberge und Unterhalt gehabt“.[5] Luther „fand Aufnahme in dem frommen Haus der Familie Cotta und seine tägliche Nahrung im Hause Schalbe, wo er als Gegenleistung den Sohn des Hauses bei den Schulaufgaben betreuen mußte. Unter dem Einfluß der Franziskaner spielte in den Häusern Cotta-Schalbe die spätmittelalterliche Frömmigkeit eine große Rolle, was nicht ohne Einfluß auf den jungen Martin blieb“.[6]

Luthers Schüler Mathesius beschreibt Ursula Cotta als eine „andächtige“ Frau, die eine „sehnliche Zuneigung“ zu dem jungen Luther entwickelt habe.[7] Und Luther selbst charakterisiert in einer seiner Tischreden seine Eisenacher „Wirtin“ wie folgt: „Es ist kein besser Ding auf Erden als Frauenliebe, wems mag werden.“[8]

In einigen Lutherbiographien wird berichtet, Martin Luther sei der Ursula Cotta als Kurrendesänger aufgefallen und sie habe ihn wegen seines angenehmen Gesangs aufgenommen. Diese Annahme wird aus einer Predigt Luthers geschlossen, in der er ausführt: „Ich bin ein solcher Partekenhengst gewest und hab das Brot fur den Heusern genommen, sonderlich zu Eisenach, in meiner lieben Stadt“.[9] Partekenhengste (Parteken − Partikel zum Lebensunterhalt) nannte man seinerzeit die Kurrendesänger, die vor den Häusern gegen kleine Gaben sangen, ein Brauch, der sich in manchen Gegenden erhalten hat und im Martinssingen bis heute weiterlebt.

Das Eisenacher Lutherhaus[Bearbeiten]

Das Lutherhaus in Eisenach 1956

Das Haus der Familie Cotta steht als das sogenannte Lutherhaus in der Nähe des Eisenacher Marktplatzes. Es ist eines der ältesten, heute noch erhaltenen Fachwerk-Häuser in Eisenach und steht für Besichtigungen offen. Es ist nicht belegt, ob es sich hierbei tatsächlich um das Haus handelt, in dem Martin Luther aufgenommen worden war.[10] Christian Franz Paullini schreibt hierzu in seiner Dissertation: „Einige berichten, die vorerwähnte Witwe habe in der Georgen-Vorstadt gewohnt, andere behaupten, dass ihr Haus am Georgplatz stand, wo später Johann Ernst, Fürst von Sachsen, seine Wohnung hatte. Es ist ebenso gut möglich, dass Luther in der Vorstadt gewohnt hat wie am Georgsplatz, aber die Currendeschüler werden damals nicht in der Vorstadt herumgelaufen sein, zumal auch Frau Cotta als reiche alte Dame innerhalb der Mauern gewohnt haben wird."[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sylvia Weigelt: »Der Männer Lust und Freude sein« Frauen um Luther. Wartburg Verlag, 2011, ISBN 978-3-86160-241-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inschrift auf dem Grabstein der Ursula Cotta in der Georgien-Kapelle, Eisenach: „Nach Christi unseres Herrn Geburth anno 1511 auff Sonnabend nach Cathrinen ist die Erbare und Tugendsame Frau Ursula Cotta in Gott verschieden / der Gott genade Amen". Der Katharinatag (25. November) fiel im Jahre 1511 auf einen Dienstag. Demnach ist sie am 29. November verstorben.
  2. Christian Franz Paullini: Dissertation über die alte und vornehme Familie der Cotta De antiqua et nobili familia Cottarum, Dissertatione historica, Gießen 1694, Deutsche Übersetzung vom Juli 1940 (Halle/Saale), Stadtarchiv Eisenach
  3. Johann Friedrich Böhmer: Regesta Imperii XI: Die Urkunden Kaiser Sigmunds 1410-1437. Bd. 1 (Regest 4240), Innsbruck 1896 (Nachdruck Hildesheim 1968)
  4. Ernst Christian Wilhelm Wattenbach´: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. 7. Auflage. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin 1904, S. 15.
  5. Matthäus Ratzeberger: Handschriftliche Geschichte über Luther und seine Zeit. herausgegeben von Ch. G. Neudecker, Jena 1850
  6. Karl-Heinz Zur Mühlen: Reformation und Gegenreformation. Vandenhoeck & Ruprecht, 1999, ISBN 3-525-34014-1, S. 32.
  7. Julius Köslin: Luthers Leben Fues’s Verlag (R. Reisland), Leipzig 1882.
  8. D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer Ausgabe), Tischreden Band 6, 265, 3., Weimar 1883 ff.
  9. D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer Ausgabe), Werke Band 30, 2. Abt., 576. 28., Weimar 1883 ff.
  10. Gerhard Krause u.a.: Theologische Realenzyklopädie. Teil II, Wissenschaftsverlag de Gruyter, Berlin/ New York 1993, ISBN 3-11-020803-2, S. 514.
  11. Christian Franz Paullini, a.a.O.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]