Ilfeld

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51.57694444444410.786944444444253Koordinaten: 51° 34′ 37″ N, 10° 47′ 13″ O

Ilfeld
Landgemeinde Harztor
Wappen des Ortsteils Ilfeld
Höhe: 253 m
Fläche: 62,33 km²
Einwohner: 2954 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Januar 2012
Postleitzahl: 99768
Vorwahl: 036331
Ilfeld (Thüringen)
Ilfeld

Lage von Ilfeld in Thüringen

Das Beretal oberhalb von Ilfeld mit dem Netzberg, um 1900
Bahnhof Ilfeld
Postkartenidyll: Ilfeld um 1900[1]

Ilfeld ist ein Ortsteil der Landgemeinde Harztor im Landkreis Nordhausen (Thüringen) im Südharz und ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Ilfeld befindet sich neun Kilometer (Luftlinie) nördlich der Kreisstadt Nordhausen. Geographisch markiert Ilfeld die südliche Grenze des Harzes.

Berge und Gewässer[Bearbeiten]

Der Poppenberg (Höhe 601 m ü. NN) überragt den Ort im Osten. Ilfeld liegt im Tal der Bere, eines Zuflusses der Zorge. Der Abschnitt oberhalb des Waldbades gilt als landschaftlich reizvoll und wird als Kleines Bodetal bezeichnet. Das eigentliche Ilfelder Tal der Bere ist ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Felsbildungen und Waldpartien, es reicht bis zum Ort Netzkater.

Ortsteile[Bearbeiten]

Zur ehemaligen Gemeinde Ilfeld gehörten die Ortsteile Wiegersdorf und Sophienhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 1100 errichteten die Bielsteiner Grafen auf dem heutigen Burgberg in Ilfeld die Ilburg. Fortan nannte sich dieser Familienzweig Ilburger.[2] Die zweiteilige Burganlage mit Ringwall und Graben diente der Überwachung der alten Nord-Süd-Verbindungsstraße, die Nordhausen und die Goldene Aue und Bad Harzburg und Goslar über den Harz verband. 1154 wurden erstmals die Herren von Ilfeld und 1157 ein Edelger von Ilfeld genannt. Die Reste des Bergfrieds und von Mauern sind noch erkennbar.[3][4]

Das einst sehr bedeutende, 1189 mit Unterstützung des Klosters Pöhlde gegründete Prämonstratenserkloster Ilfeld soll der Legende nach auf Veranlassung des Ilburger Grafen Elger II. und seiner Gemahlin Lutrude, nach dessen glücklicher Rückkehr von einer Pilgerreise nach Jerusalem entstanden sein. Das Kloster Ilfeld war bis zur Reformation Hauptort einer der sieben Zirkarien (Provinzen) des Prämonstratenserordens in Deutschland.

Das Ilfelder Gebiet gehörte bereits seit dem Hochmittelalter – im Ergebnis des hessisch-thüringischen Erbfolgekrieges – zum Herzogtum Braunschweig, nach dem Aussterben der Ilburger Grafen gelangte es zur Grafschaft Hohnstein. Im 16. Jahrhundert breitete sich in der Umgebung der einstigen Reichsstadt Nordhausen der Protestantismus aus, in der Folge wurde das Kloster Ilfeld durch Thomas Stange, den letzten Abt, 1546 aufgelöst. Er verfügte zugleich, dass die Klostergebäude als Schule weitergenutzt werden sollten; hieraus entwickelte sich das spätere Königliche Pädagogium Ilfeld. Die umfänglichen Ländereien des Klosters verblieben als Stift Ilfeld ab 1632 beim Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, 1737 diente es als Sondervermögen in Verwaltung der Klosterkammer zur Gründung der Universität Göttingen.

Ilfeld war 1586 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Frauen gerieten in einen Hexenprozess, eine wurde zu Landesverweis verurteilt.[5]

Wirtschaftliche Grundlage der Ilfelder war der Bergbau (Kupfer und Steinkohle). Auch das als Braunstein bekannte Manganmineral – am Forstort Braunstein-Haus – fand Verwendung. Johann Wolfgang von Goethe übernachtete in Ilfeld im Jahre 1777 im Gasthaus Zur Krone.[6]

Der Name Grafschaft Hohenstein bezeichnete im 19. Jahrhundert die preußische Grafschaft (aus der Linie Honstein-Lohra-Klettenberg entstanden); daneben gab es die ehemalige Stammgrafschaft Honstein um Ilfeld und Neustadt, die aus dem Besitz der Stolberger Grafen 1803 teilweise welfisch geworden war und ab 1815 im Königreich Hannover zunächst unter dem Namen Provinz Hohnstein, dann in der Landdrostei Hildesheim Grafschaft Hohnstein und schließlich Amt Hohnstein geführt wurde. Nachdem Preußen 1866 Hannover als Provinz eingegliedert hatte, trat 1885 eine Verwaltungsreform in Kraft, bei der das Amt Hohnstein mit dem Amt Elbingerode zum Kreis Ilfeld vereinigt wurde (beide Ämter waren voneinander durch braunschweigisches Gebiet getrennt). Am 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Ilfeld aufgeteilt: Das alte Amt Hohnstein wurde dem Kreis Grafschaft Hohenstein im Regierungsbezirk Erfurt der preußischen Provinz Sachsen angegliedert, das alte Amt Elbingerode dem Kreis Wernigerode im Regierungsbezirk Magdeburg (ebenfalls Provinz Sachsen).

Nachdem die Harzquerbahn im Jahre 1898 Ilfeld erreichte, setzte langsam der Fremdenverkehr ein. Zwischen 1866 und 1932 war Ilfeld der Hauptort des preußischen Kreises Ilfeld. In der Zeit des Nationalsozialismus diente die Klosterschule als Nationalpolitische Erziehungsanstalt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 125 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion sowie Frauen und Männer aus verschiedenen von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten: im Stiftsgut, in der Forstverwaltung, in der Südharzer Fassfabrik, in der Bahnmeisterei I, in der Papierfabrik Otto Günther, im Junkers-Nordwerk und in der Klosterschule. Noch im Januar 1945 wurde von Häftlingen ein Außenkommando Ilfeld von Dora-Mittelbau errichtet mit 260 Häftlingen. Auch im Steinbruch Franz Krieger mussten Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Im April wurde das Lager geräumt, und die Häftlinge wurden von SS-Angehörigen unter Verübung von Massakern auf Todesmärsche getrieben.[7]

Die noch zum Kriegsende schwer zerstörte Kreisstadt Nordhausen evakuierte zahlreiche ausgebombte Einwohner in die Umlandgemeinden. Auch das Nordhäuser Krankenhaus wurde verlagert, es fand in Ilfeld eine zeitweilige Aufnahme. Ein Jahr später wurde das ehemalige Klosterdorf Wiegersdorf eingemeindet.

Während der DDR-Zeit wurde Ilfeld zum Fremdenverkehrsort des FDGB ausgebaut. Jährlich besuchten über 10.000 Gäste den Ort und waren in Betriebsheimen und Ferienlagern untergebracht. Die waldreiche Umgebung wurde für Kurbetrieb genutzt, dazu entstand in der Ortslage ein Kurpark.

Der Zusammenschluss von Ilfeld mit Niedersachswerfen zu einer Landgemeinde mit dem Namen Harztor wurde am 16. Dezember 2011 vom Thüringer Landtag zum 1. Januar 2012 beschlossen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wehrkirche in Wiegersdorf
Die „Lange Wand“ bei Ilfeld

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Eine Stele im Kurpark und eine weitere im Ort Netzkater hinter dem Abzweig B4/B81 erinnern seit 1984 an die Opfer eines Todesmarsches von Häftlingen des KZ Dora-Mittelbau, die im Frühjahr 1945 durch den Ort getrieben wurden.
  • Auf dem Alten Friedhof von Ilfeld findet sich die Grabstätte der im Ilfelder Tal am 13. April 1945 ums Leben gekommenen deutschen Soldaten

Baudenkmäler[Bearbeiten]

  • Im 1712 erbauten alten Rathaus, Ilburgstraße 51, ist ein Heimatmuseum untergebracht.
  • Die historische Ortslage umschließt den Burgberg mit den Ruinen der Ilburg.
  • Die Kirchen St. Jacobi und St. Georg-Marien sind protestantische Gotteshäuser.
  • Im Stadtteil Wiegersdorf kann die dortige Wehrkirche besichtigt werden.
  • In den Bauten des einstigen Klosters, später Klosterschule, befindet sich heute die Neanderklinik Harzwald GmbH
  • Der 1894 in Stahlgittertechnik errichtete Aussichtsturm auf dem 600 Meter hohen Poppenberg („Kleiner Eiffelturm“, höchstgelegenes Wahrzeichen der Stadt) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert und ermöglicht einen weiten Blick über das Landschaftsschutzgebiet Südharz.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Die Lange Wand liegt am südlichen Ortseingang am Steilufer der Bere. Der auf einer Informationstafel erläuterte geologische Aufschluss veranschaulicht die Entstehungsgeschichte des Harzes und des Harzvorlandes. Das ehemalige Kupferbergwerk ist fast noch in ursprünglichem Zustand. Dieses Bergwerk und der Rabensteiner Stollen in Ilfeld, Netzkater 8, ein 300 Jahre alter Steinkohle-Abbaustollen, können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.[8][9] Bekannte Naturdenkmale und Wanderziele in der unmittelbaren Umgebung von Ilfeld sind der Gänseschnabel, das Nadelöhr und der Mönch.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

Das Waldbad Ilfeld befindet sich etwa 20 Gehminuten vom Ort entfernt im Ilfelder Tal. Als Sportstätten wurden schon in der DDR-Zeit die Südharz-Sportstätte und der Sportplatz Weidentalswiese gebaut.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl :

  • 1994: 2955
  • 1995: 2991
  • 1996: 3082
  • 1997: 3091
  • 1998: 3105
  • 1999: 3118
  • 2000: 3144
  • 2001: 3146
  • 2002: 3147
  • 2003: 3141
  • 2004: 3131
  • 2005: 3140
  • 2006: 3130
  • 2007: 3113
  • 2008: 3053
  • 2009: 3000
  • 2010: 2954
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 52,3 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
53,9 %
28,1 %
17,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,2 %p
+4,1 %p
-4,4 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 2004: PDS

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 setzte sich der letzte Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • CDU: 9 Sitze (53,9 %)
  • Die Linke: 4 Sitze (28,1 %)
  • SPD: 3 Sitze (17,9 %)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der letzten Bürgermeisterwahl 2004 erhielt Rene Schröter-Appenrodt von der CDU 64,0 % der Stimmen, seine Gegenkandidatin Gisela Gärtner von der SPD 36,0 %.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Ilfeld trägt den Titel staatlich anerkannter Erholungsort. Es gibt im Ort mehrere Hotels, Pensionen und Ferienhäuser. Jährlich wird Ilfeld von etwa 10.000 Urlaubern mit etwa 30.000 Übernachtungen besucht.[10]

Verkehr[Bearbeiten]

Ilfeld befindet sich an der Bundesstraße 4. Seit 2004 ist Ilfeld Endpunkt einer Straßenbahnlinie aus Nordhausen. Dort verkehren Hybrid-Fahrzeuge, die in Nordhausen elektrisch mit Oberleitung fahren. Auf der Strecke nach Ilfeld wird mit einem Dieselmotor, der einen Generator antreibt und damit Strom für den Elektromotor erzeugt, gefahren. Die Verbindung nach Nordhausen besteht werktags außer an Samstagen mindestens stündlich, an Wochenenden und Feiertagen mindestens alle zwei Stunden. Die Fahrzeit beträgt 30 Minuten (2005). Die von der Straßenbahn mitbenutzte Bahnstrecke gehört zum Netz der Harzer Schmalspurbahnen (HSB). Die HSB verbinden Ilfeld mit der Harzquerbahn, der Selketalbahn und der Brockenbahn. Zum Brocken verkehrt täglich ein Dampfzug.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • In Ilfeld befand sich von 1990 bis 1992 die Abteilung Bergsicherung Ilfeld des Thüringer Ministeriums für Umwelt und Geologie. Die seit Januar 2001 selbständige Gesellschaft ging aus einem bereits 1974 gegründeten Spezialbetrieb zur Erkundung, Sicherung und Verwahrung von Altbergbau-Anlagen hervor.[11]
  • Die aus Teilen des Nordhäuser Krankenhauses hervorgegangene Neander-Klinik ist ein Gesundheitszentrum zur Rehabilitation und Altenpflege.

Schulen[Bearbeiten]

Ilfeld besitzt eine Grundschule und ein Gymnasium, das den Schulteil Michael Neander des Nordhäuser Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums bildet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Mit Ilfeld verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Bornemann: Ilfeld. Eine Chronik. Selbstverlag, Hamburg 1999, ISBN 3-929767-38-4.
  • Ludwig Lüder: Ilfeld. Ein Blick in die Geschichte des Fleckens. Neukirchner, Nordhausen 2002, ISBN 3-929767-55-4.
  • Ernst Wiedasch: Das Verzeichniss sämmtlicher Zöglinge des Pädagogiums zu Ilfeld seit seiner Gründung. Pädagogium (Schulprogramm), Ilfeld 1853 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ilfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ilfeld – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b (Koloriertes Schwarzweißfoto)
  2.  Manfred Bornemann: Die Grafen von Ilfeld. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 25, Nordhausen 2000, S. 3-13.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig – Verlag 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 146.
  4. Burg
  5. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 252f.
  6.  Horst Graevert: Die Ilfelder Braunsteinhäuser. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 10, Nordhausen 1985, S. 10-18.
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0.
  8.  Horst Graevert: Kupferbergbau zwischen Ilfeld und Stempeda. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 19, Nordhausen 1994, S. 115 ff.
  9.  Horst Graevert: Steinkohlenbergbau in Ilfeld und Neustadt. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 12, Nordhausen 1987, S. 60-63.
  10.  Johannes Erhardt: Nordhausen am Harz, Ilfeld – Neustadt. In: Unser kleines Wanderheft. 101, Brockhaus Verlag, Leipzig 1966, S. 64.
  11.  Horst Graevert: Die Bergsicherung Ilfeld. In: Meyenburg Museum (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde aus Stadt und Kreis Nordhausen. Heft 5, Nordhausen 1980, S. 72-77.