Uvala

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Veliki Lubenovac, N Velebit, Uvala, ca. 1 km lang

Uvala (die -) war ursprünglich ein Toponym, welches von Menschen benutzt wurde, die in Teilen von Kroatien, Bosnien und Herzegowinas Montenegro und Serbien leben. In den Erdwissenschaften werden damit „Closed Karst Depressions“ (geschlossene Karstsenken) gemeint, die zumeist eine längliche und unterschiedlich zusammengesetzte Form aufweisen und größer sind als Dolinen. Diese Formen werden in den hochgradig verkarsteten Äußeren Dinariden zwischen Slowenien und Griechenland häufig angetroffen. Doch Karstsenken werden auf allen Kontinenten in recht unterschiedlichen Landschaften angetroffen, deswegen ist Uvala zum international benutzten Terminus geworden, auch um solche Karstsenken von den bis zu vielen Kilometern langen Poljen zu unterscheiden. Noch gängige Definitionen von Uvalas sind aber oft dürftig empirisch untermauert. Weil die herkömmlichen Definitionen als unbefriedigend empfunden wurden, wurde der Fachterminus ungern und wenig benutzt. In einigen Publikationen wird sogar empfohlen, den Begriff ganz aufzugeben.

Neuere empirische Untersuchungen (vor allem ab 2009) haben die noch dominierenden Definitionen einer gründlichen Revision unterzogen: „…uvalas are large (in km scale) karst closed depressions of irregular or elongated plan form resulting from accelerated corrosion along major tectonically broken zones.“[1] (…Uvalas sind große – im Kilometermaßstab – geschlossene Karstsenken von irregulärer oder länglicher Form, die infolge vermehrter Korrosion entlang vorwiegend tektonischer Bruchzonen entstanden sind). Die Autorin der Untersuchungen plädiert für eine vollwertige Wiedereinführung von Uvalas als eigenständige Karstform. Der Teil der heute noch häufig anzutreffenden Definition, eine „Uvala entsteht durch Aufzehren der trennenden“ Landrücken „zwischen benachbarten Dolinen“[2] (Zyklustheorie: ‚Dolinen entwickeln sich zu Uvalas und Uvalas zu Poljen‘) ist nicht haltbar! Die Morphologie einer Uvala ist: „…by size larger than a doline and usually smaller than a polje, but differs from these two forms also in morphology and combination of genetic factors, which gives it a status of a particular karst relief form. .“[3] (größer als eine Doline und normalerweise kleiner als eine Polje, unterscheidet sich aber von diesen beiden Formen auch morphologisch und in der Kombination generischer Faktoren und macht sie zu einer eigenständigen Reliefform.)

Uvalas in der Frühphase der Karstologie[Bearbeiten]

Dank der Arbeiten des von der „Wiener Schule der Geographie“ als Schüler von Albrecht Penck (Nestor der Karstologie) geförderten serbischen Geographen Jovan Cvijić (1865–1927), wurden die Begriffe Uvala, Doline und Polje – häufige Phänomene in den Äußeren Dinariden – weltweit zum etablierten Standard. Cvijić wurde der Vater der Karst Morphologie und der Karst Hydrogeologie, denn seine Publikationen machten Phänomene der Karstologie zuerst in vielen Regionen Europas, dann aber auch in allen anderen Kontinenten bekannt.

Die ersten Karstforscher[4] wie Cvijić (1921) glaubten, die sich in geologischen Zeiträumen vollziehenden, also extrem langsamen Prozesse der Evolution aller Karst Senkungsformen, in Zyklustheorien plausibel erklären zu können:

„Dolines evolve into uvalas, and uvalas into poljes“

(Dolinen entwickeln sich zu Uvalas und Uvalas zu Poljen)

Eine Fülle von Publikationen und Datensammlungen aus allen Kontinenten und vor allem die Erkenntnis, dass Klima als zusätzlicher, wesentlicher Entwicklungsfaktor in allen Karstanalysen zu berücksichtigen ist - eingeleitet durch eine Publikation von H. Lehmann zur Karstologie in den Tropen - führte zu der Einsicht, dass diese Definition nicht befriedigen könne.

Die vorherrschenden Definitionen von Uvala[Bearbeiten]

Zyklustheorien werden heute von den meisten Autoren als überholt, oder sogar als unhaltbar angesehen. In einigen Publikationen gehen die Autoren sogar so weit, nicht nur diese Theorien, sondern gleich auch den Begriff Uvala zu verwerfen. „…This mechanism is no longer accepted and the term uvala has fallen into disuse“[5], (Die Zyklusthese ist nicht mehr akzeptabel und der Begriff Uvala wird daher auch nicht mehr genutzt). Im umfangreichen Karst-Standardwerk für die englisch orientierte Welt „Karst Hydrogeology and Geomorphology“ Ford & Williams (2007), ebenso wie in deren Beiträgen für englisch-sprachige Enzyklopädien, ist der Begriff Uvala einfach ohne Bedeutung für ihre Karstmodelle - Uvalas sind nach ihrer Meinung einfach sehr große Dolinen[6].

Der international einflussreiche deutsche Morphologe Herbert Lehmann[7] hatte durch seine Publikationen die Fokussierung der Karstologie auf Karsterscheinungen in der warm gemäßigten Klimazone beendet. Er schrieb 1973: „Der mediterrane Karst, im engeren Sinne der Dinarische Karst, ist nicht das Musterbeispiel der Karstentwicklung überhaupt, sondern eher Ausnahme“, Lehmann (1973/1987)[8]. Trotzdem hält sich immer noch die wenig empirisch fundierte, recht singuläre These:

„As solution depressions evolve, some enlarge laterally and coalesce, producing compound closed depressions known as uvalas.“

Williams, Paul W., ‘Karst’ in: Goudie (2005) p. 591
(Wenn sich Lösungsdolinen entwickeln, vergrößern sie sich seitlich und wachsen zusammen. So entstehen ‚compound closed depressions‘, die als Uvalas bekannt sind.)

„Large closed depression formed by the coalescence of several dolines which have enlarged towards each other.“

Sweeting (1973)
(Große Karstsenken sind aus mehreren benachbarten Dolinen entstanden, die zusammengewachsen sind.)

Wenn nur eine kurze Definition verwendet wird, nutzen fast alle wichtigen, originär englischsprachigen Autoren bzw. Herausgeber (ebenso einige deutsche Autoren) von Textbüchern und Enzyklopädien eine der beiden Zitate – meistens sogar das Zitat von Sweeting (1973)[9]. Das ist widersprüchlich, denn die Definition „Dolinen wachsen zu Uvalas zusammen“ ist Teil der Zyklustheorie, die kaum benutzt wird, bzw. sogar aufgegeben wurde.

Die aufwendigeren, wissenschaftlichen Monographien, wie etwa empirische Studien, bestätigen dagegen einen authentischen Typ Uvala. Die meisten dieser Publikationen analysieren europäische Objekte, dazu zumeist in nicht-englischer Sprache und daher geringer internationaler Resonanz[10][11][12].

Naturwissenschaftlich-technischer Fortschritt als Belege für eigenständige Uvala-Reliefs?[Bearbeiten]

Neue Beiträge naturwissenschaftlich-technischer Methoden[Bearbeiten]

Große Karstsenken sind in vielen Regionen Europas und der anderen Kontinente ein bedeutsames Phänomen; die Herausbildung von Uvalas in Abgrenzung zu Dolinen wird aber nur selten untersucht. Die Abschätzung des Potentials neuer Erkenntnisse zu großen Karstsenken, insbesondere zu deren Entwicklung und Evolution ist sehr schwierig. Möglicherweise eröffnen weitere Studien zur Radiometrischen Altersdatierung, zu interdisziplinärer Tektonik und Klimatologie ein Fenster, um weiter zurückliegende Evolutionsperioden zu erhellen.

Wichtige Fortschritte der Methodik und Altersbestimmung der naturwissenschaftlich-technischen Wissenschaften[13] erlauben Altersbestimmungen bei geologischen Objekten in der Dimension von mehreren hunderttausend oder sogar Millionen Jahren - mit hoher Genauigkeit[14][15].

Erfolgreiche Altersbestimmungen wurden z. B. bei solchen Sedimenten und Fossilien erzielt, die nicht ständig Denudation, Verwitterung oder Korrosion ausgesetzt waren: „Allochthone“ Objekte, die mobilisiert wurden, in Klüfte, Spalten oder gar Höhlen transportiert wurden, mögen Geoarchive sein, die frühe Stadien nahe gelegener großer Senken erkennbar machen[16].

Neue Techniken der Altersbestimmung auf der Schwäbischen Alb[Bearbeiten]

So konnten etwa mit der Uran-Thorium-Datierung Ablagerungen in der Karls- und Bärenhöhle (Mittlere Schwäbische Alb) auf ein Absolutalter von 440 Tausend Jahren (ka) bestimmt werden. Daraufhin wurde die genannte Höhle selbst in ihrem geologischen Umfeld geologisch/paläontologisch auf ca. 5 Millionen Jahre (Ma) geschätzt[17].

Auf der Kuppenalb (Mittlere Schwäbische Alb) gelang 2006 erstmals bei Sedimenten und Säugetier-Fossilien aus Höhlenruinen der Nachweis einer ca. 11 Ma Jahre alten Verkarstungsphase, Ufrecht (2006). Eine stratigraphische Altersbestimmung wurde kombiniert mit paläontologisch datierten Fossilresten von Säugetieren. Die Funde ergaben eine biostratigraphische Überlappung der Taxa nur in der Biozone MN9 der gesicherten Methode der European Land Mammal Mega-Zones (ELMMZ)[18][19].

Neue Techniken zur Altersbestimmung in den Dinariden[Bearbeiten]

Neuere Analysen von in Höhlen und Höhlenruinen (unroofed caves) eingeschwemmten Sedimentschichten in Slowenien ergaben in einigen Fällen ein Sedimentalter von ca. 450 Tausend Jahren (ka). In den Postojna-Höhlen gelangen durch Kombination der Paläomagnetismus-Datierung mit paläontologischer Expertise ähnliche Altersangaben. Die Höhlen selbst wurden daraufhin auf ein Alter von ca. 3,4 Mio. Jahren (Ma) geschätzt[20].

Die Karbonatschichten der Dinariden sind 4500 bis 8000 m stark, daher reichen sie tief unter den Meeresspiegel. Es gibt tausende von Höhlen und Schächten. Bakšić (2008) stellte der Öffentlichkeit die systematische Erforschung von acht Schächten am Mount Velebit vor, dessen tiefster Schacht, Lukina Jama, 1431 m hinabreicht; das sind nur noch 83 m bis zur Meeresspiegelhöhe[21][22].

Der Blick in sehr frühe Phasen: Fragen zu Genese und Evolution[Bearbeiten]

Wenn ein Alter von Karstsenken, die bedeutend größer als Dolinen sind, mehr als 2,6 Ma betragen kann, also die Entwicklung einer Senke schon im Pliozän oder sogar schon im Miozän begonnen haben kann, dann entwickelten sich Karstsenken schon in (sub-)tropischem Klima[23].

Doch selbst wenn man von einer Karstsenke mit sehr hohem Alter ausgeht, welche Karstform wird sie annehmen? „Very similar genetic factors can lead to the development of different forms, depending on the conditions within a karst area“,[24], (Ähnliche Entwicklungsfaktoren können dennoch zur Entwicklung unterschiedlicher Karstformen führen, je nach dem, welche Verhältnisse in einer konkreten Karstregion vorherrschen.)[25].

Uvala revisited: starke Korrosion entlang tektonischer broken zones regionaler Faltungen[Bearbeiten]

Die Geographin Jelena Ćalić[26], hat große Karstsenken nicht nur mit morphologisch-metrischen Methoden, sondern auch mit Methoden der Strukturgeologie untersucht. Dadurch konnte sie auch Phänomene an Oberflächenstrukturen erkennen, die eindeutig tektonisch induziert waren[27]. 43 große Karstsenken (potentiell alles Uvalas) wurden, sortiert nach Form, Größe und Höhe ihres Auftretens in den Dinariden der Länder Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Serbien mit einem DEM-Modell (Digital Elevation Model) und mit Feldarbeit analysiert. Die Erkenntnisse wurden in „Geomorphology, Amsterdam 2011“ veröffentlicht, Ćalić (2011). In 12 Fällen der 43 untersuchten Senken wurden detaillierte „structural-geological mappings“ nach der von J. Ćar (2001) entwickelten Methode angewendet. Dieses mapping zeigte, dass bei den Senken die Entwicklung entlang tektonisch entstandener „broken zones of regional scale“ (Bruchzonen regionaler Größenordnung) dominant waren. Die Bruchzonen hatten alle hochgradige Wasserwegsamkeiten[28].

Die kroatische Bergkette Velebit ist wahrscheinlich die Landschaft mit den meisten Uvalas der Dinariden[29]. Die Brekzien in dieser Bergkette – hier bekannt als Jelar breccia - sind auf weiten Strecken aufgeschlossen[30]. Diese hochgradig wasserwegsamen Brekzien sind eine bekannte Erscheinung der Faltungsbewegungen des Velebit aus der Zeit Mittleres Eozän bis Mittleres Miozän, Vlahovic et al (2012). Der recht tiefe Einschnitt (Graben) der prominentesten Uvala des Velebit, die Lomska Duliba kann durch die Brekzien gut erklärt werden[31].

‘Jelar breccia’, Velebit, extensiv aufgeschlossen
Lomska Duliba, N Velebit, Länge: ca. 7 km, Höhe ü. NN: 1,25 km

Neue Uvala Definition[Bearbeiten]

Ćalić (2011) definiert Uvala in ihren ‚Schlussfolgerungen‘ wie folgt:

Der Begriff Uvala muss von zyklischen Konzepten frei gehalten werden, denn diese verfälschen nur seinen wahren Gehalt. „At this stage of research, it can be concluded that uvalas are large (in km scale) karst closed depressions of irregular or elongated plan form resulting from accelerated corrosion along major tectonically broken zones. Their bottoms are undulating or pitted with dolines, seldom flattened by colluvial sediments and always situated above the karst water table.“ (Beim gegenwärtigen Forschungsstand kann gefolgert werden, Uvalas sind große – im Kilometermaßstab – geschlossene Karstsenken von irregulärer oder länglicher Form, die infolge vermehrter Korrosion entlang vorwiegend tektonischer Bruchzonen entstanden sind. Ihr Boden ist wellig oder mit Dolinen übersäht, selten durch kolluviales Sediment eingeebnet und immer deutlich oberhalb eines Karstwasserspiegels). … Kleine, saisonal auftretende Karst-Bäche oder -Teiche sind sehr selten, eher eine Ausnahme als die Regel. Diese Art von Senken kommen auf vom Karst generierten Verebnungen nicht vor, sondern nur auf mehr oder weniger gegliederten Reliefs. Uvalas sind „forms of accelerated corrosion - not as points as dolines, but ‘linear’ or ‘areal’…“ (Ergebnis vermehrter Korrosion – nicht punktuell wie bei Dolinen, sondern in Linie oder flächig)[32].

Ćalić zusammengefasst: Uvala-Definitionen sind in vielen Publikationen mangelhaft – eine Revision war überfällig. Uvalas müssen in die moderne Karstologie wieder voll integriert werden

Einige Publikationen haben auf Ćalić‘ Thesen reagiert. Die zweite Auflage der großen karstologischen Enzyklopädie von Culver & White (2012), wurde um das Stichwort ‘Dinaric Karst, Geography and Geology’, Zupan Hanja (2012), ergänzt, während U. Sauro sein dortiges Stichwort ‘Closed Depressions’ teilweise revidiert hat. Jetzt unterstützen beide Autoren Ćalić‘ Wiederbelebung des Begriffs Uvala voll und ganz.

Haben Uvalas globale Relevanz?[Bearbeiten]

Ćalić‘ Publikationen und ihre Revision der Definition belegen, dass Uvalas in den Dinariden eine eigenständige Karstform sind. Es bleibt die Frage, ob dies global und für verschiedene Klimazonen gilt. Lehmanns Beitrag von 1973/1987, dass Karsterscheinungen der Dinariden Ausnahmen seien (siehe oben), muss wohl hinsichtlich ‚Uvalas‘ neu überprüft werden.

Mit großen Karstsenken, die gleichwohl nicht die Größe von Poljen haben, in anderen Regionen Europas (meistens im Mittelmeerraum) und anderen Kontinenten beschäftigten sich Publikationen des 21. Jahrhunderts erst vereinzelt[33]. Die theoretischen Fragen um Definition, Form und Genese von Uvalas werden selten thematisiert.

In der Modellbildung missachten Ford & Williams (2007) zwar den Begriff Uvala, erwähnen ihn gleichwohl sechsmal, um auf Vorkommen in unterschiedlichen Klimaregionen verschiedener Kontinente hinzuweisen. Zum Teil verweisen sie auf Publikationsquellen[34].

Die Publikation von Bayer & Groschopf (1989) zählt 57 ‚Karstwannen‘ der Schwäbischen Alb auf. Das sind zusammen mit weiteren Karstwannen der Fränkischen Alb rund 70 große Karstsenken, von denen etwa die Hälfte eine Länge von 1000 – 4500 m haben. Nach Bayer & Groschopf, S. 182 „[…] sind Karstwannen eher mit Uvalas denn mit Poljen zu korrelieren, […] entsprechen von der geomorphologischen Ausformung dem Uvala Charakter.“

Pfeiffer (2010) erörtert Fragen zur Formengenese von Karstwannen („Karst depression“, „Uvala“, „Polje“) der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb und der Causses (Südfrankreich). „Die Karstwannen sind eigenständige Formen, die eine zeitweise großflächige Tieferlegung der Gesteinsoberfläche belegen.“[35] Aber bei der Frage, ob sie eher zu den Poljen oder den Uvalas zu zählen sind, ist er unschlüssig, hauptsächlich:

  • wegen seiner eigenen Formanalysen
  • wegen der „teilweise sehr mächtigen Füllungen […]“, die eine „Spanne von tertiären Sedimenten über quartäre periglaziale Schichten bis hin zum Kolluvium umfassen.“[36]
  • weil er die Eigenschaften der klassischen Definitionen – etwa die von Cvijić – im Gelände nicht bestätigt findet
  • weil es zu diesem west- und zentraleuropäischen Phänomen nur wenig Literatur gibt.
Alpine Uvala „Funtensee“, 2000 × 750 m, Verkarstung von Uvala und See, Berchtesgadener Alpen (Nördliche Kalkalpen)

Die die zentralen Alpen flankierenden Nördlichen Kalkalpen und Südlichen Kalkalpen bestehen geologisch aus Kalkschichtpaketen unterschiedlichen Alters. Zwar gibt es eine Reihe geologischer Forschung in der Speleologie, Tektonik und Petrologie, aber selten nur sind große Karstsenken wie Uvalas der Gegenstand. Die detaillierte Untersuchung der „Funtensee-Uvala“ im Steinernen Meer der Berchtesgadener Alpen versucht eine geologische Einordnung. Im Rahmen der genaueren Beschreibung des Nationalpark Berchtesgaden wurde diese Uvala untersucht und der Beitrag 1985 veröffentlicht (vgl. externe Links).

Die Funtensee-Uvala wird in ihrem hochalpinen Mileu (> 1600 m) mit den Maßen 2000 × 750 m von 1800–2200 m hohen Bergen flankiert. Im SE, an der tiefsten Stelle, liegt ein kleiner, max. 5,5 m tiefer See, der von den umliegenden Bächen je nach Niederschlag und Jahreszeit (Schneeschmelze) unterschiedlich gespeist wird. Mit der Entstehung der Alpen seit dem Paläogen entstand im Muldentiefsten ein W-E-Grabenbruch, dessen Versatzbeträge nahezu seiger (senkrecht) verlaufen. Die Uvala wurde in den glazialen und periglazialen Zeiten des Pleistozäns mehrfach stark überprägt. Über die Genese der Uvala schreibt Fischer: „Somit ist die große Hohlform des Funtensees im Gefolge fluvialer Ausräumung, gesteigerter Korrosion und konzentrierter glazialer Ein- und Übertiefung als geomorphologische Form in einem altangelegten tektonischen Graben, gefördert durch Petrovarianz, herausgearbeitet worden, also polygenetisch.“[37].

Vorkommen von Uvalas weltweit (einige Beispiele)[Bearbeiten]

Europa (Beispiele)[Bearbeiten]

  • England, Sweeting (1972)
  • Irland, Gunn (2004)

Kalkalpen

  • Funtensee Berchtesgaden, Fischer (1985)
  • Venetische Voralpen, Sauro (2003)

Spanien

  • Calaforra Chordi & Berrocal Pérez (2008)
  • Palomares Martin (2012),

weitere europäische Länder

  • Portugal, Nicod (2003)
  • Frankreich, Nicod (2003)
  • Rumänien, Ford & Williams (2007)
  • Griechenland, Jalov & Stamenova (2005)

Dinariden
Ca. 100 Uvalas in 4 Ländern, 43 bei Ćalić (2009), u.a.:

  • Kanji Dol (Slowenien)
  • Lomska Duliba, Veliki Lubenovac und Mirevo in den min. 25 Ma alten aufgeschlossenen „Jelar brecchia“, Duboki Dol, Ravni und Crni Dol, uvm. (Kroatien)

andere Kontinente (Beispiele)[Bearbeiten]

Amerika

  • Appalachen, Herak (1972)
  • Neu-Mexiko, Ford & Williams (2007)
  • Oklahoma, Ford & Williams (2007)

Afrika

  • diverse, Gunn (2004)
  • Marocco, Jennings (1987)

Asien

  • Iran, Bosák, et al (1999)
  • China, Gunn (2004)
  • Südostasien (Myanmar, Thailand, Kambodscha, Malaysia), Gunn (2004)

Australien

  • (Tasmanien), Jennings (1987)
  • Neuseeland, Jennings (1987)

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste von Karstlandschaften
Slowakischer Karst
Kaltluftsee
en:South China Karst
en:Wulong_Karst
en:List of caves in Croatia
en:Velebit caves

Externe Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ćalić (2011), p. 41
  2. so z.B. Murawski (2010)
  3. Ćalić (2011), S. 32
  4. vor allem Davis (1899), Grund (1914) und Cvijić( 1921)
  5. Lowe&Waltham (1995)
  6. Manche Autoren wollen Uvala lieber (noch unpräziser) durch den Begriff „compound depression“ ersetzt sehen, z. B. White (1988) in seinem Vorwort. Der Begriff Uvala wird zwar entwertet, aber mangels einschlägiger Analyseanstrengungen zu entsprechenden Karstformen dennoch verwendet.
  7. Herbert Lehmann stand während 12 Jahren einer Karst Kommission vor, die von der International Geographic Union (IGU) auf deren Kongress 1952 in Washington, D.C. gegründet worden war
  8. Karstphänomene im Nordmediterranen Raum, (1973), reprint 1987 in: Fuchs et al (1987), Hrgb
  9. so etwa Fairbridge (1968), Herak (1972), Chorley (1984), Jennings (1985), Trudgill (1985), Lowe&Waltham (1995), Goudie (2004), Gunn (2004), Ford & Williams (1989/2007), deutschsprachig: Ahnert (2009), Leser (2009)
  10. überwiegend zu Dolinen und Uvalas in Mittelmeerländern, insbesondere den Dinariden
  11. So etwa Poljak(1951), Cocean & Petrescu (1989), Habič (1986), Šušteršič (1986), Frelih (2003), Nicod (2003), Sauro (2001), Čar (2001), Sauro (2003), Zupan Hajna (2012)
  12. Das hat zum Teil auch damit zu tun, dass für die Karstologie die manpower und die Ressourcen für aufwendige (teure) naturwissenschaftlich-technische Methoden eher bescheiden sind.
  13. Zerfallszeitmessung bei Radionukliden, Nuklearchemie, Klimaforschung, Seismologie, Informationswissenschaft
  14. Zwar reichen sehr kleine, hochrein aufbereitete Proben, deren physikalische- oder chemische Laboranalyse ist aber durchweg sehr aufwendig (teuer).
  15. Bosák (2003) hat 64 Methoden dargestellt, aber auch ihre Beschränkungen hinsichtlich geeigneter Karstobjekte und -Zeiträume.
  16. Ledena Jama ist so eine Höhle am östlichen Rand der Uvala ‚Lomska Duliba‘.
  17. Ufrecht/Abel (2003)
  18. Diese Methode gliedert sich in die Biozonen MN1 bis MN17
  19. In Süddeutschland gibt es eine gut gepflegte paläontologische Infrastruktur
  20. Vgl. Mihevc (2010) und Zupan Hajna et al (2008)
  21. Die systematische Erforschung der Schächte, Höhlen und Höhlenruinen der Dinariden kam erst relativ spät in Schwung – in den letzten 20-25 Jahren.
  22. Am südöstlichen Ende der Kroatischen Lomska Duliba, einer der spektakulärsten Uvalas des Mount Velebit (im Pliozän durch Eiszeiten vorübergehend überprägt) befindet sich der 536 m tiefe, vertikale Schacht, Ledena Jama, der einen Teil der Uvala entwässert. Das Wasser wird aber nicht durch einen einzelnen, weiten Gang, sondern durch zahlreiche Klüfte abgeführt.(Info J. Ćalić )
  23. Deswegen gehen einige Autoren davon aus, dass (Mediterrane) Poljen tertiäre Überreste sein können, „die unter einem warm-feuchteren Subtropenklima als heute entstanden.“ Leser (2009), S. 322; Ford&Williams (2007) für Australien, S. 410
  24. Ćalić (2009) p. 166f
  25. In einer bestimmten Entwicklungsstufe kann dieselbe tektonische Aktivität zur Bildung einer Polje führen, wenn eine Absenkung den piezometrischen Pegel erreicht und sich die weitere Entwicklung im Bereich des Karstwasserspiegels vollzieht; oder, es könnte sich eine Uvala entwickeln, wenn sie weiterhin in der vadosen Zone bleibt – mit dann völlig anderen Oberflächenprozessen. Der entscheidende, vorherrschende Faktor für beide hypothetischen Entwicklungspfade ist zwar die tektonische Aktivität, aber die übrigen Rahmenbedingungen, in welchen sich die Evolution weiter vollzieht, sind für den Zustand prägend, Ćalić (2009) S. 166f.
  26. PhD Research Associate, am „Jovan Cvijić“ Geographical Institute of the Serbian Academy of Sciences and Arts, Belgrade
  27. Ćalić folgte Čar (2001), der geschrieben hatte: „Classification of dolines only by shape and depth to disk-like, funnel-like or well-like (Cvijić 1893) is preserved till now (Gams 2000) yet in our opinion it is useless. (…). Such morphological classification of dolines is only descriptive and does not tell anything about the ‚essence‘ of dolines. “ p. 242. (Bis jetzt werden Dolinen nach ihrer Erscheinungsform und Eintiefung als Schalen, Trichter oder Schächte klassifiziert (von Cvijić 1893 bis Gams 2000), aber das ist nach unserer Auffassung unbrauchbar. (…). Solche morphologischen Klassifizierungen von Dolinen sind nur deskriptiv und sagen nichts über das ‚Wesen von Dolinen aus.)
  28. Bei den „structural-geological-mappings“ nach J. Ćar (1982, 1986, 2001) konnten in Aufschlüssen drei Typen von Bruchzonen unterschieden werden: zerrüttete, gebrochene und kluftige Strukturen (sowie Übergangszonen zwischen ihnen). Die Zonen gebrochener Strukturen enthalten chaotisch verteilte Frakturen, die das Gestein in Blöcke von wenigen Zentimetern bis mehreren Metern enthalten. Diese Strukturen sind hochgradig porös und daher wasserwegsam. Ćalić (2009), S. 38f
  29. Poljak (1951) zitiert nach Ćalić (2009) p. 70
  30. Die Brekzien erstrecken sich am Südwesthang des Velebit auf über 100 km und erscheinen zusätzlich entlang dem kompletten Bakovac-Graben, der aber heute topographisch nicht mehr erkennbar ist, Vlahović et al (2012)
  31. Ćalić (2009), p. 72. Sechs der von Ćalić untersuchten Uvalas liegen in Höhen über 1100 m. Dort haben pleistozäne, glaziale und periglaziale Prozesse die Gestalt der Uvalas beeinflusst. Velić et al (2011) haben solche pleistozänen Prozesse in Uvalas, die denen von Ćalić benachbart sind (Veliki Lubenovac, Bilenski Padež) untersucht. In vier von Ćalić untersuchten Uvalas spielten sich gelegentlich auch fluviale Prozesse ab. Aber alle diese Prozesse “were either active only during one period of uvala development (glacial processes), or represent just a modification factor (fluvial processes, related to blind valleys). Their influence was not essential for the basic existence of the uvalas.“ Ćalić (2011), p. 40 (waren entweder nur in einer Phase der Uvala-Entwicklung wirksam, etwa glaziale Prozesse, oder waren nur ein einzelner Faktor, der die Uvala-Entwicklung beeinflusste – wie etwa fluviatile Prozesse im Zusammenhang mit einem „blind valley“. Deren Einfluss war aber für die eigentliche Existenz der Uvala nicht maßgeblich.).
  32. Ćalić (2009) und Ćalić (2011)
  33. Sauro (2001, 2003), Nicod (2003), Calaforra Chordi & Berrocal Pérez (2008), Pfeiffer (2010), Palomares (2012)
  34. Zece Hotare plateau, Romania, p. 361f; arid Pecos Valley of New Mexico and subhumid western Oklahoma, p. 402; wet rice regions, p. 475; the ‘glades’ of Jamaica, p. 477; extractions of all kinds of (non-)metallic deposits “[…] that have accumulated in karst depressions such as dolines, uvalas and poljes”, p. 492
  35. Pfeiffer (2010) S. 210
  36. Pfeiffer (2010) S. 212
  37. Fischer (1985) S. 26

Literatur[Bearbeiten]

Cvijić 1893, Das Karstphänomen. Versuch eine morphologischen Monographie. Cvijić, Jovan. in: Geographische Abhandlungen A. Penck, (Hrsg), Bd. V, Heft 3, Wien

Davies, (1899), The Geographical Cycle, Davis, William M., The Geographical Journal, Vol. 14, No. 5 (Nov., 1899), pp. 481-504

Cvijić (1901), Morphologische und glaziale Studien aus Bosnien, Herzegowina und Montenegro. II Teil, Die Karstpoljen, Cvijić, Jovan. in: Abhandlungen der K. K. Geograph. Gesellsch., Bd. III, Heft 2, Wien 1901

Grund (1903), Die Karsthydrographie: Studien aus Westbosnien. Grund, A., Geographischen Abhandlungen, Band VII, Heft 3, von A. Penck, 7, pp. 103–200.

Grund (1914), Der geographische Zyklus im Karst. Grund, A., Gesellschaft für Erdkunde, 52, 621–40. [Translated into English in Sweeting (1981).]

Cvijić (1921), Souterraine et Evolution Morphologique du Karst, Cvijić, J., Review by Sanders, E.M. in: Geographical Review, Vol. 11, No. 4 (Oct., 1921), pp. 593-604

Cvijić, (1925) Types morphologiques des terrains calcaires. Cvijić, J., Comptes Rendus, Académie des Sciences (Paris), 180, 592, 757, 1038.

Poljak (1951), Is a karst uvala a transitional form between a doline and a karst polje?, Polak, J., Croatian Geographical Bulletin, 13, Zagreb, 1951

Cvijić (1960), La geographie des terrains calcaires. Academie serbe des sciences et des arts, Cvijić, J., Monographie tome CCCXLI, Classe de sciences mathématique et naturelles, 26, 1-212

Fairbridge (1968), The encyclopedia of Geomorphology, Fairbridge, R.W., New York, N.Y., 1968

Herak (1972), Karst, important Karst regions of the northern Hemisphere, Herak, M., Stringfield, V. T., Amsterdam 1972

UNESCO (1972), Glossary and Multilingual Equivalents of Karst Terms. UNESCO, Paris 1972.

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Commons Bildmaterial[Bearbeiten]

 Commons: Karstwannen/Uvalas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien