Vercors (Schriftsteller)

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Vercors (* 26. Februar 1902 in Paris; † 10. Juni 1991 ebenda; eigentlich Jean Marcel Bruller) war ein französischer Schriftsteller, Karikaturist und im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Résistance.

International bekannt wurde Vercors durch seine Erzählung Das Schweigen des Meeres (Le silence de la mer), die 1942 in dem von ihm mitgegründeten Untergrundverlag Éditions de Minuit erschien.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Jean Bruller alias Vercors wurde 1902 in Paris geboren. Sein Vater war ungarischer Herkunft und im Alter von 15 Jahren nach Frankreich ausgewandert, wo er zeitweilig als Verleger französischer Autoren tätig war. Die Mutter stammte aus dem Berry und hatte in ihrer Jugend als Lehrerin gearbeitet. In diesem Elternhaus verlebte Jean Bruller eine glückliche Kindheit. Er empfand große Verehrung für seinen Vater, dessen Lebensgeschichte Jean Bruller 1943 als Vorlage für die Erzählung La marche à l’étoile diente. Seine Gymnasialzeit verbrachte Jean Bruller an der École Alsacienne.

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg machte die Aufdeckung der Kriegsgreuel Jean Bruller zum überzeugten Pazifisten. 1918 begann er ein Studium an der École Bréguet und erwarb ein Diplom als Elektroingenieur. Die Besetzung des Ruhrgebiets 1923 stärkte Jean Bruller in seiner pazifistischen Einstellung, der im Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland vor allem auf die Verständigungspolitik Aristide Briands hoffte.

Nach der Ableistung seines Militärdienstes 1926 wurden einige der frühen Zeichnung Jean Brullers in der Académie de la Grande Chaumière ausgestellt. Daraufhin schlug er eine Laufbahn als Karikaturist und Buchillustrator ein, die er bis zu seiner Einberufung 1939 verfolgte. Noch im Jahr 1926 erscheinen ein erster Band mit Zeichnungen: 21 recettes pratiques de mort violente. Durch die Veröffentlichung lernte Jean Bruller seinen späteren Verlagspartner, den Schriftsteller und Buchhändler Pierre de Lescure kennen. Des Weiteren illustrierte er u.a. das Kinderbuch Patapoufs et Filifers von André Maurois. Auch erste literarische Arbeiten fallen in diese Zeit.

1930 starb Jean Brullers Vater. Dessen Freundschaft mit dem französischen Schriftsteller Jules Romains wurde von Jean Bruller fortgeführt. 1934 erschien das Album Nouvelle Clef des songes, 1935 wurde er Mitarbeiter der antifaschistischen Wochenzeitschrift Vendredi, für die auch André Chamson, Jean Guehenno und Louis Martin-Chauffier schrieben.

1936 erschien das Album Images intimes et rassurantes de la guerre, im Jahr darauf wirkte Bruller bei der Gestaltung eines Freizeitpavillons für die Weltausstellung 1937 in Paris mit.

Zwar sympathisierte Bruller in dieser Zeit mit der französischen Volksfront, schätzte aber deren Möglichkeiten als gering ein, Einfluss auf die wachsenden nationalen und internationalen Spannungen im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs nehmen zu können. 1938 reiste Bruller zu einem Kongress des PEN-Clubs nach Prag. Seine Reise führte ihn auch durch Deutschland und ließ eine starke Sorge um die künftigen politischen Entwicklungen aufkeimen. Jean Bruller war über das Münchner Abkommen vom 29. September 1938 dermaßen bestürzt, dass er seine pazifistische Überzeugung schließlich aufgab.

Zweiter Weltkrieg – Kampf in der Résistance[Bearbeiten]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs trat Jean Bruller unter dem Pseudonym Vercors in die französische Résistance ein. Diesen Decknamen wählte er aufgrund der Bedeutung des Vercors-Gebirges als Rückzugsort der Résistancekämpfer. Die ersten Jahre des Krieges arbeitete er zurückgezogen als Tischler in einem Dorf bei Paris. Obwohl er ursprünglich literarische Veröffentlichungen während der deutschen Okkupation ablehnte, gründete Vercors 1942 zusammen mit Pierre de Lescure illegal den Résistance-Verlag Éditions de Minuit. Für diesen schrieb er verschiedene Erzählungen und Romane, darunter sein berühmtestes Werk Das Schweigen des Meeres (Le silence de la mer, 1942). Der Untergrundverlag wurde zu einem wichtigen Sprachrohr der unterdrückten französischen Schriftsteller und veröffentlichte u.a. Werke der späteren Nobelpreisträger Claude Simon und Samuel Beckett.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Krieg war Vercors einige Jahre als Präsident des Nationalen Schriftstellerkomitees Comité National des Écrivains (C. N. E.) tätig. Weiterhin war er Mitglied im Weltfriedensrat und vertrat auf Konferenzen und bei Lesungen seine progressive, humanistische Position. Vercors sympathisierte lange mit der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF), sagte sich jedoch nach der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn 1956 von seinen politischen Freunden los.

Vercors starb am 10. Juni 1991 in Paris.

Werke[Bearbeiten]

Vercors’ frühe Werke befassen sich hauptsächlich mit der Zeit der deutschen Besatzung und stärkten Nationalgefühl und Widerstandsgeist der französischen Bevölkerung.

Romane[Bearbeiten]

  • Les animaux dénaturés (1951, dt. Das Geheimnis der Tropis, 1958)
  • Colères (1956, dt. Auflehnung, 1962)
  • Quota ou les Pléthoriens (1966, gemeinsam mit Paul Silva-Coronel, dt. Das Verkaufgenie, 1969)
  • Le radeau de la Méduse (1969, dt. Das Floß der Medusa, 1971)
  • Sillages (1972, dt. Kielwasser, 1977)
  • Les cheveaux du temps (1977, dt. Die Pferde der Zeit)

Erzählungen[Bearbeiten]

  • Le silence de la mer (1942, dt. Das Schweigen des Meeres, 1945)
  • La marche à l’étoile (1943, dt. Der Stern der Verheißung, 1948)
  • Le songe (1943, dt. Der Traum, 1948)
  • Les armes de la nuit (1946, dt. Waffen der Nacht, 1949)
  • Les yeux et la lumière (1948)
  • La puissance du jour (1951)
  • Sur ce rivage, I - III (1958-60)
  • Clémentine (1959, dt. 1969) entnommen aus Sur ce rivage
  • Sylva (1961, dt. Sylva oder wie der Geist über die Füchsin kam, 1963)
  • Sept sentiers du désert (1972)
  • Le piège à loup (1979, dt. Die Wolfsfalle, 1981)
  • Moi, Aristide Briand (1981), fiktive Autobiografie

Dramen[Bearbeiten]

  • Zoo ou l'assassin philanthrope (1964, dt. Zoo oder der menschenfreundliche Mörder, 1966) - Theateradaption von Les animaux dénaturés
  • Œdipe-Roi (1967)
  • Le fer et le velours (Drama 1969)
  • Théâtre (2 Bände, 1978)

Essays[Bearbeiten]

  • Souffrance de mon pays (1945)
  • Portrait d’une amitié (1946)
  • Plus ou moins homme (1948)
  • Les pas dans le sable (1954)
  • Les divagations d’un français en Chine (1956)
  • P. P. C. Pour prendre congé (1957, dt. Um Abschied zu nehmen)
  • La bataille du silence (1967, dt. Die Schlacht des Schweigens, dt. Auszug in: Sinn und Form 4/1968)
  • Questions sur la vie (1973)
  • Tendre naufrage (1974)
  • Ce que je crois (1975, dt. Was ich glaube)

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad F. Bieber: L’Allemagne vu par les écrivains de la Résistance française Vorwort Albert Camus. Droz, Genf & Giard, Lille 1954 (in Frz.)

Verfilmungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]