Weißenkirchberg

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49.32138888888910.338055555556456Koordinaten: 49° 19′ 17″ N, 10° 20′ 17″ O

Weißenkirchberg
Höhe: 456 m ü. NN
Einwohner: 31 (1987)[1]
Postleitzahl: 91578
Vorwahl: 09868
Weißenkirchberg

Weißenkirchberg ist ein Ortsteil der Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach, Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten]

Das Pfarrdorf ist mit Hetzweiler im Norden und Brunst im Süden zu einer Siedlung zusammengewachsen. Es liegt in einer fruchtbaren Ebene, dem „Brünstergrund“.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

In mittelalterlichen Urkunden verweisen Kirchberg und Brunst auf denselben Ort; auch in späteren Zeiten werden Weißenkirchberg und Brunst zusammen genannt.[3] Kirchberg (spätere Bezeichnung „Weißenkirchberg“) gehörte zum Rodungsgebiet im Reichsforst Burgbernheim, der im Jahr 1000 an das Hochstift Würzburg kam. 1222 wurde ein „Henricus, plebanus“, also ein Pfarrer in der Brunst genannt; die Pfarrei war wahrscheinlich eine frühe Abtretung der Pfarrei Leutershausen. 1266 ist wiederum ein „plebanus“ in Brunst erwähnt.[4] Für 1271 ist überliefert, dass es hier ein Rittergeschlecht gab. Als 1318 die Burggrafen von Nürnberg Leutershausen von den Grafen von Truhendingen erwarben, kamen sie vermutlich auch in den Besitz der kirchlichen Rechte von Brunst/(Weißen-)Kirchberg. So schenkten sie 1333 den „Kirchenschatz von St. Wenzeslaus in der Brunst auf dem Kirchberg“ an den Deutschen Orden in Nürnberg. Der Orden behielt das Patronatsrecht bis zum Ende des Alten Reiches[5], also auch nachdem die Pfarrei 1528 protestantisch geworden war und ein neuer Pfarrer jeweils durch die markgräfliche Regierung bestätigt werden musste.[6] 1336 erwarb Burggraf Johannes II. den Ort Kirchberg/Brunst von Graf Berthold von Graisbach.[7] Um 1400 dürften die Burggrafen vier Höfe in Kirchberg/Brunst besessen haben; es gab auch Untertanen des Deutschen Ordens und des Frauenklosters Sulz.[8] In einer brandenburg-ansbachischen Amtsbeschreibung des Amtes Brunst von 1608 wird Brunst/Weißenkirchberg als eine Gemeinde mit Hetzweiler ausgewiesen; von den 17 Brunster „Mannschaften“ (Untertanenfamilien) gehörten zwei der Kirchenpflege zu Brunst/Kirchberg.[9]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort schwer in Mitleidenschaft gezogen. Allein im Jahr 1627 starben in der Pfarrei Brunst/Weißenkirchberg 257 Menschen an der Pest. 1632 verwüsteten kaiserliche Truppen das Gebiet.[10] Zur Wiederbevölkerung in der Spätphase des Krieges trugen insbesondere österreichische Exulanten aus dem westlichen Waldviertel und dem Mühlviertel bei, die im Zuge der Gegenreformation wegen ihres protestantischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Bereits um 1640 ließen sich die ersten exulierten Bauernfamilien in Weißenkirchberg nieder.[11]

Am Ende des Alten Reiches bestand Brunst und Weißenkirchberg aus insgesamt 22 Untertanen. Grundherrschaftlich unterstanden sie dem brandenburg-ansbachischen Kastenamt Colmberg (4 Anwesen), dem brandenburg-ansbachischen Klosterverwalteramt Sulz (2 Anwesen, darunter eine Tafernwirtschaft), dem Haus Hohenlohe-Schillingsfürst (4 Anwesen, darunter die Schmiede) und dem Stadtvogtamt Leutershausen, vertreten durch das Amt Brunst (7 Anwesen der Pfarrei Weißenkirchberg und 3 Anwesen der Kirchenpflege Weißenkirchberg). Pfarrkirche, Pfarrhaus, Schulhaus und Hirtenhaus waren gemeindlicher Besitz.[12]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Weißenkirchberg Ortsteil des Steuerdistrikts Brunst, mit dem Gemeindeedikt von 1818 der Ruralgemeinde Brunst im Landgericht Leutershausen (ab 1858 im Landgericht Schillingsfürst).[13]

Brunst/Weißenkirchberg war gemäß einer Auflistung von 1830 Hauptort eines „die Brünst“ oder „die Brunst“ genannten, seit dem Mittelalter stellenweise gerodeten umfangreichen Waldgebietes zwischen Leutershausen und dem Kloster Sulz. Die Brünst war für ihre gute Rinderviehzucht bekannt; ihre 22 Dörfer galten als reich.[14] Beispielsweise wurden 1876 in der Gemeinde Brunst 252 Rinder gehalten, davon im Ort Brunst 119 und in Weißenkirchberg zwölf.[15]

Die Gemeinde Brunst und damit auch Weißenkirchberg wurde am 1. Mai 1978 in die Stadt Leutershausen eingemeindet.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1818: Weißenkirchberg und Brunst: 135 (28 „Feuerstellen“, 36 Familien)[16]
  • 1856: Weißenkirchberg und Brunst: 202 (29 Häuser, 35 Familien)[17]
  • 1876: nur Weißenkirchberg: 32 (14 Gebäude)[15]
  • 1950: nur Weißenkirchberg: 28 (5 Wohngebäude)[13]
  • 1961: nur Weißenkirchberg: 40 (6 Wohngebäude)[18]
  • 1987: nur Weißenkirchberg: 31[1]
Pfarrkirche St. Wenzelaus
Obelisk-Grabdenkmal für Magdalena Susanne Strebeln († 1712), errichtet zwischen 1735 und 1764

Baudenkmäler[19][Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Kreisstraße AN 34 führt an der Weihersmühle vorbei nach Schwand.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Schreiber: Leutershausen, Leutershausen [1975]
  • Manfred Jehle: Ansbach. Historischer Atlas von Bayern I 35, 2 Bde., München 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Genealogie-Netz
  2. Karl Friedrich Hohn: Der Retzatkreis des Königreichs Bayern, geographisch, statistisch und historisch beschrieben. Nürnberg 1829, S. 209
  3. Jehle, Bd. 1, S. 76; D. Anton Friderich Büschings Neuer Erdbeschreibung des dritten Theils zweyter Band, 6. Auflage, Hamburg 1778, S. 533
  4. Jehle, Bd. 1, S. 538
  5. Jehle, Bd. 1, S. 76
  6. a b Schreiber, S. 194
  7. Friedrich Jacobi: Urgeschichte der Stadt und des ehemaligen Fürstenthums Ansbach, Ansbach 1868, S. 93 f.
  8. Jehle, Bd. 1, S. 556
  9. Jehle, Bd. 2, S. 716
  10. Schreiber, S. 229 f.
  11.  Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen. Eine familiengeschichtliche Untersuchung. (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 15). GFF, Nürnberg 2006, ISBN 3-929865-10-6, S. 34-42 u. passim.; Hans Krawarik: Exul Austriacus. Konfessionelle Migrationen aus Österreich in der Frühen Neuzeit, Münster 2010, S. 154
  12. Jehle, Bd. 2, S. 843
  13. a b c Jehle, Bd. 2, S. 982
  14. Friedrich Oechsle: Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges in den schwäbisch-fränkischen Grenzlanden, Heilbronn 1830, S. 320, Fußnote; Friedrich Benedict Weber: Bemerkungen und Notizen über verschiedene Gegenstände der Landwirthschaft, Leipzig 1815, S. 194; Heinrich Wilhelm Bensen: Kurze Beschreibung und Geschichte der Stadt Rotenburg ob der Tauber, Erlangen 1856, S. 29
  15. a b Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, München 1876, Spalte 1241
  16. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise ... enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 13
  17. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern, Ansbach 1856, S. 229
  18. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 813
  19. Baudenkmäler in Leutershausen (PDF-Datei; 149 kB)
  20. Schreiber, S. 195
  21. Manfred H. Grieb: Nürnberger Künstlerlexikon, Bd. 1, München 2007, S. 415 f.