Wenn die Gondeln Trauer tragen

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Filmdaten
Deutscher Titel Wenn die Gondeln Trauer tragen
Originaltitel Don’t Look Now
Produktionsland Italien, Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1973
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Nicolas Roeg
Drehbuch Allan Scott
Chris Bryant
Produktion Peter Katz
Musik Pino Donaggio
Kamera Anthony B. Richmond
Schnitt Graeme Clifford
Besetzung

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Originaltitel: Don’t Look Now) ist ein Spielfilm des britischen Regisseurs Nicolas Roeg aus dem Jahr 1973. Der Film basiert auf einer Erzählung von Daphne du Maurier, die in Venedig spielt. Der Film hatte in den USA am 9. Dezember 1973 Premiere, in Deutschland am 29. August 1974.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

Der Restaurator John Baxter und seine Frau Laura leben auf dem Land in Großbritannien. Ihre kleine Tochter ertrinkt auf tragische Weise in einem Teich, sie trägt einen roten Regenmantel während des Unglücks. Um sich von ihrer Trauer abzulenken, reist das Ehepaar nach Venedig, wo John die Restaurierung einer Kirche anleitet. Sie lernen in einem Restaurant zwei ältere schottische Schwestern kennen, die behaupten, mit der Seele ihrer Tochter in Verbindung zu stehen. Besonders Laura ist für die Visionen der Schwestern anfällig und versucht so, ihren Verlust zu verarbeiten. Die Schwestern teilen ihr mit, dass John über die Gabe der Vorsehung verfüge.

Als es im britischen Internat ihres Sohnes einen Zwischenfall gibt, reist Laura zu ihm. John meint aber, Laura auf einem Boot in Trauertracht und in Begleitung der Schwestern zu sehen, und beginnt, sie zu suchen. Durch eine gegenwärtige ungeklärte Mordserie beunruhigt und mit dem Verdacht, die beiden Frauen hätten sie entführt, geht er zur Polizei. Die Vermutung klärt sich als ein Missverständnis auf, Laura ist in Großbritannien wohlauf.

John nimmt nun doch Kontakt zu den Schwestern auf. Als er an einem Kanal eine kleine Gestalt in einem roten Regenmantel sieht, folgt er ihr durch die Gassen Venedigs, während Laura, zurück in Venedig, einer Vorahnung der Schwestern folgend wiederum ihn sucht. John kann die Person im Regenmantel stellen, die ihn an seine Tochter erinnert. Die zierliche Gestalt stellt sich als kleinwüchsige Mörderin heraus, der John schließlich zum Opfer fällt. Am Ende fährt Laura tatsächlich in Trauertracht mit den Schwestern in einem Boot über die Kanäle, John im Sarg bei sich. Johns Vorahnung hat sich erfüllt.

[Bearbeiten] Rezeption

[Bearbeiten] Kontroverse und Einfluss

Bei seiner Veröffentlichung sorgte der Film für eine Kontroverse. Man vermutete, dass die Sexszene mit Christie und Sutherland nicht gespielt, sondern ein echter Geschlechtsakt war. Die Szene war ursprünglich nicht im Drehbuch enthalten. Regisseur Roeg schuf mit ihr ein Gegengewicht zum vorausgegangenen Streit zwischen dem Paar. Atypisch dabei ist, wie der Akt und das nachfolgende Anziehen ineinander montiert wurden. Die fragliche Szene wurde mehrmals gekürzt, um die in den USA für eine Veröffentlichung in kommerziellen Kinos notwendige Bewertung R zu bekommen.

25 Jahre später zitierte Steven Soderbergh die Szene 1998 in seinem Spielfilm Out of Sight. Wiederum acht Jahre später wird im 21. James-Bond-Film Casino Royale auf die Szene angespielt, in der John seine vermeintliche Tochter im roten Regenmantel durch Venedig verfolgt.

[Bearbeiten] Kritiken

„Ein durch erlesene Farbgebung und Bildkomposition bestechender ‚sanfter‘ Horrorfilm. Obwohl es ihm nicht immer gelingt, die Ambivalenz der Figuren und die unterschwellige Bedrohung spürbar werden zu lassen, bietet er sensiblen Zuschauern ausgesprochen reizvolle Unterhaltung.“

Lexikon des internationalen Films [1]

„Ein Höhepunkt des europäischen Kinos […], einer der schönsten, traurigsten und verwirrendsten Filme der ohnehin glorreichen siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Roeg schuf einen Traum aus Blutrot, aus Scherben der Erinnerung und aus Splittern von Glas, eine Mischung von Psychotrip und verfilmtem Existenzialismus.“

Dominik Graf: Süddeutsche Zeitung [2]

„Ein Meisterwerk des fesselnden Thrillers, mit Anleihen aus dem Reich der Parapsychologie und trotzdem erschreckend logisch und bedrohlich glaubhaft“

Sönke Krüger: Das große Film-Lexikon [3]

„Beängstigend ist dabei vor allem, dass die assoziativen Bilderfolgen dieses Films nicht etwa als bloss subjektives Empfinden der Figuren dargestellt werden. Es ist vielmehr so, als hätte das Medium des Films selbst ein Unbewusstes, welchem es sich rückhaltlos überlässt. Während Sergej Eisenstein die Montage als chronologische Erzählung entdeckte, montiert Nicolas Roeg die Bilder in der retroaktiven Syntax des Unbewussten.“

Johannes Binotto: Neue Zürcher Zeitung [4]

Wenn die Gondeln Trauer tragen ist mehr als eine straff erzählte Geistergeschichte, der Film erkundet die Art und Weise, wie wir offensichtliche Fingerzeige auf unser Glück ignorieren und mit dem Alltag weitermachen wie bisher.“

Lee Hill: Senses of Cinema [5]

[Bearbeiten] Ehrungen

Britischer Filmpreis 1974
Edgar Allan Poe Awards 1974
  • nominiert:
    • Bester Film
Golden Scroll 1975
  • nominiert:
    • Bester Horrorfilm

[Bearbeiten] Literatur

  • Daphne Du Maurier: Dreh dich nicht um (OT: Don't Look Now) in dies.: Ein Grenzfall. Erzählungen. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, Olten und Wien 1982, ISBN 3-7632-2729-6

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Filmdienst: Wenn die Gondeln Trauer tragen. In: Kabeleins Filmlexikon. SevenOne Intermedia GmbH, abgerufen am 14. April 2011.
  2. Dominik Graf: Vom Alleinsein nach der Liebe. In: Süddeutsche Zeitung Shop. Abgerufen am 23. Juli 2008.
  3. Sönke Krüger, Dirk Manthey u. a. (Hrsg.): Das große Film-Lexikon. Alle Top-Filme von A–Z. Verlagsgruppe Milchstraße, Hamburg 1995, ISBN 3-89324-126-4, S. 3104.
  4. Johannes Binotto: Wegschauen unmöglich. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. September 2004, abgerufen am 4. August 2008.
  5. Lee Hill: Nicolas Roeg – The Wanderlust of a Romantic Nihilist. In: Senses of Cinema. 2002, abgerufen am 23. Juli 2008 (englisch): „More than a crisply told ghost story, Don't Look Now is a film that explores the ways in which we so easily misread the obvious signs towards happiness as we go on with the business of living.“
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