Werner von Oberwesel

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Wernerkapelle Womrath
Wernerkapelle Womrath
Wernerkapelle Oberwesel mit Stadtmauer
Wernerkapelle Oberwesel mit Stadtmauer
Wernerkapelle Bacharach
Wernerkapelle Bacharach


Werner von Oberwesel (auch Werner von Bacharach oder Werner von Womrath); * 1271 in Womrath, Hunsrück; † 1287) war ein Taglöhner, dessen ungeklärter Tod Juden angelastet wurde und zu einer blutigen Judenverfolgung am Mittelrhein führte. Er wurde lange als Volksheiliger verehrt; das zuständige Bistum Trier strich den Namen 1963 aus dem Heiligenverzeichnis, weil mit ihm lange Zeit antisemitische Hetze und christliche antijudaistische Propaganda verbunden war.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Werner stammte aus armen Verhältnissen und war bei einer jüdischen Familie in Stellung. Am Gründonnerstag[1] 1287 wurde die Leiche des 16-Jährige in der Nähe von Bacharach aufgefunden. Nach der zeittypisch antisemitischen christlichen Ritualmordlegende soll er von Juden ermordet worden sein, die sein Blut für das Passah-Fest verwendet hätten.

Auf den angeblichen Ritualmord folgte eine Pogromwelle. Sie erschütterte nicht nur mittelrheinische Orte, sondern verbreitete sich auch an der Mosel und im niederrheinischen Raum. Die jüdischen Gemeinden wandten sich an König Rudolf I., der von der Grundlosigkeit der Beschuldigungen überzeugt war. Er legte den Mördern der Juden eine Geldbuße auf und befahl, die Leiche Werners zu verbrennen, um einer Verehrung vorzubeugen.

[Bearbeiten] Verehrung

Die kaiserlichen Anweisungen wurden nicht befolgt. Vielmehr kam es zur Verehrung Werners als Märtyrer und zum Ausbau der Kunibertkapelle in Bacharach zur heutigen Wernerkapelle. Der geplante Ausbau der Kapelle zu einer großen Kirche blieb unvollendet, nachdem die Baukasse abhanden gekommen war. Ein Weiterbau scheiterte am Zurückgehen der Märtyrerverehrung.

Eine lateinische Chronik des 14. Jahrhunderts (vor 1338) berichtet, die Juden hätten Werner an den Füßen aufgehängt, um eine Hostie zu entwenden, die er zu schlucken im Begriff war. Anschließend hätten sie ihn in den Rhein geworfen. An der Stelle am Rheinufer von Bacharach, an der der Leichnam angeschwemmt worden sein soll, wurde die Wernerkapelle errichtet.

Ludwig III. strebte eine Wiederbelebung des Kultes an. Die folgenden Kanonisationsversuche zwischen 1426 und 1429 brachten eine offizielle Anerkennung. Die Kapelle konnte schließlich vollendet werden. Nachdem 1548 ein Teil der Reliquien nach Besançon überführt worden war, verbreitete sich auch in Frankreich die Werner-Verehrung.

Obwohl die Bacharacher Kapelle im 17. Jahrhundert zerstört worden war und die Reliquien verloren gingen, hielt sich das Werner-Fest im Bistum Trier bis 1963.

[Bearbeiten] Forschung

Solche anti-jüdischen Legenden waren im Mittelalter und der frühen Neuzeit vielfach im Umlauf. Vorwürfe angeblicher „Ritualmorde“, aber auch des „Hostienfrevels“ oder der „Brunnenvergiftung“, die als Ursache für Epidemien wie die Pest galt, schürten die Judenfeindlichkeit breiter christlicher Volksmassen.

Neuere Forschungen gehen davon aus, dass Werner wahrscheinlich einem Sexualverbrechen zum Opfer fiel. Durch die falsche Bezichtigung der Juden sollte der Mord womöglich vertuscht werden.

Erst 1963 wurde der Wernerkult im Kalender der Diözese Trier gestrichen. Doch noch immer taucht der „heilige Werner von Oberwesel“ in deutschen Heiligenverzeichnissen auf. Die ihm geweihte Kapelle in der dem Rhein zugewandten Seite der Stadtmauer von Oberwesel wurde um 2001 renoviert. Die Kapelle in Bacharach wurde als Ruine gesichert und man fügte eine Gedenktafel mit dem Gebet Papst Johannes XXIII. um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden ein:[2]

„ Wir erkennen heute, daß viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so daß wir die Schönheit deines auserwählten Volkes nicht mehr sahen und die Züge unseres erstgeborenen Bruders nicht mehr wiedererkannten. Wir entdecken nun, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel im Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat die Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, daß wir dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wußten nicht, was wir taten.“

Als Heiliger wurde Werner mit den Attributen Winzermesser wie auch Schaufel und Wanne dargestellt und galt als Patron der Winzer.

[Bearbeiten] Literatur

Heinrich Heine verarbeitete die Legende in seiner fragmentarischen Erzählung Der Rabbi von Bacherach.[3]

[Bearbeiten] Siehe auch

Siehe dazu auch die Artikel anderer Personen, deren Tod im Mittelalter Judenpogrome auslösten, wie William von Norwich, Simon von Trient und Anderl von Rinn.

[Bearbeiten] Literatur

  • Gleisner, Rheinfriede: Nach Juden-Pogromen kam Heiligen-Legende; in: Hunsrücker Zeitung, 18. April 1987, S. 27.
  • Lübben, Gerd Hergen: Der Textfund zu Bacharach; in: Die Brücke – Forum für antirassistische Politik und Kultur, Heft 140, 2/2006 (Saarbrücken), S. 126-128.
  • Mentgen, Gerd: Die Ritualmordaffäre um den „Guten Werner“ von Oberwesel und ihre Folgen; in: Jahrbuch für Westdeutsche Landesgeschichte 21, 1995, S. 159-198.
  • Wendling, Werner: Der „gute Werner“ hat ausgedient; in: Rhein-Hunsrück-Zeitung, 4. Juli 2006, S. 17.
  • Wolf, Daniela: Ritualmordaffäre und Kultgenese. Der „gute Werner von Oberwesel“; Bacharach: Bauverein Wernerkapelle Bacharach, 2002; ISBN 3-00-009539-X .

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Andere Texte sprechen vom Karfreitag.
  2. Karsten Hens: Die Wernerkapelle in Bacharach – Ein Mahnmal gegen den Antisemitismus; zum.de: Der Judensturm von 1349. Spätmittelalter am Oberrhein. Stichworte zur Epoche – Juden und Deutsche; auf beiden Seiten ist das Gebet Wir erkennen heute … Denn wir wußten nicht, was wir taten. Papst Johannes XXIII., das er am 3. Juni 1963 auf dem 2. Vatikanisches Konzil hielt, zu finden. Hinweis: Evtl. geht der Text weiter, manche Quellen verwenden „… am Ende …“.
  3. Textauszug auf: bacharach.de: Das Fenster – Wernerkapelle Bacharach
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