Bacharach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bacharach (Begriffsklärung) aufgeführt.


Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bacharach
Bacharach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bacharach hervorgehoben
50.0611111111117.769444444444470Koordinaten: 50° 4′ N, 7° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Rhein-Nahe
Höhe: 70 m ü. NHN
Fläche: 23,65 km²
Einwohner: 1877 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55422
Vorwahl: 06743
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 003
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Koblenzer Straße 18
55411 Bingen am Rhein
Webpräsenz: www.bacharach.de
Stadtbürgermeister: Dieter Kochskämper (FWG)
Lage der Stadt Bacharach im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild
Luftaufnahme 2007
Bacharach vom Postenturm

Bacharach (auch als Bacharach am Rhein bekannt) ist eine Stadt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Der ursprüngliche Name Baccaracus deutet auf einen keltischen Ursprung hin. Oberhalb des Ortes erhebt sich die Burg Stahleck (heute eine Jugendherberge).

Bacharach ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß der Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Stadtteile[Bearbeiten]

Bacharach ist in mehrere Stadtteile gegliedert. Der Stadtteil Steeg liegt im Steeger Tal querab vom Rhein. Dadurch getrennt liegen Medenscheid und Neurath im Süden und Henschhausen im Norden auf der Anhöhe.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Bacharach wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt.[3] Wohl schon im 7. Jahrhundert ging das königliche Gebiet in den Besitz des Kölner Bischofs Kunibert über (darauf deutet eine „Kunibertskapelle“ an Stelle der heutigen Wernerkapelle). Vögte des Kölner Besitzes waren die Pfalzgrafen, die mit der Zeit den Kölner Einfluss zurückdrängten. Bereits Pfalzgraf Hermann von Stahleck hatte soviel Einfluss, dass er auf Burg Stahleck residiert. Die Tochter seines Nachfolgers Konrad von Staufen heiratet heimlich auf Burg Stahleck einen Sohn der verfeindeten Familie der Welfen. Dadurch fällt Bacharach und die gesamte Pfalzgrafschaft für kurze Zeit an Heinrich von Braunschweig. 1214 werden die Wittelsbacher Pfalzgrafen neue Herren über Bacharach. Sie erhielten zusammen mit dem Unteramt Kaub hier ihre wichtigste Zoll und Einnahmequelle. 1314 wurde hier beschlossen, Ludwig den Bayern zum deutschen König zu wählen. Außerdem war Bacharach die wichtigste Umladestation für den Weinhandel, da hier die Fässer von kleineren Schiffen, die allein das Binger Loch passieren konnten, auf größere verladen wurden. Ab jetzt trug der Wein die Bezeichnung „Bacharacher“. Auch durch den Holzhandel aus dem Hunsrück gewann Bacharach an Bedeutung und erhielt 1356 die Stadtrechte.

Bacharach 1645 (Matthäus Merian)
Rheinromantische Wernerkapelle auf einem Stich von William Tombleson
Bacharach um 1832 auf einem Stich von William Tombleson

Weithin sichtbar ist die gotische Wernerkapelle, sie ist ein rheinromantisches Wahrzeichen der Stadt und liegt auf dem Weg zur Burg Stahleck, von der Stadt aus. Ihr Bau wurde um 1293 (erste Weihe eines Werneraltars im Südflügel) an der Stelle der älteren Kunibertkapelle als Wallfahrtskapelle erbaut und mit Beiträgen der Wallfahrer finanziert aber erst nach 1426 vollendet. Bei der Sprengung der Burg (1689) wurde sie stark beschädigt und verfiel danach zur Ruine.[4] Namensgeber ist der vormals „heilige“ Werner von Oberwesel. Nach der zeittypischen christlichen Ritualmordlegende soll der 16-jährige am Gründonnerstag 1287 von Mitbürgern der örtlichen jüdischen Gemeinde ermordet worden sein, die sein Blut für das Passahfest verwendet hätten. Auf den angeblichen Ritualmord erhob sich der antisemitische Mord- und Pogrommob und zerstörte nicht nur jüdische Gemeinden am Mittelrhein, sondern auch an der Mosel und im niederrheinischen Raum. Im Volkschristentum entstand der Wernerkult. Erst 1963 wurde Werner aus dem Heiligenkalender der Diözese Trier gestrichen.

1344 wurde mit dem Bau der Stadtmauer begonnen, die schon um 1400 vollendet war. 1545 wurden die Stadt und die Pfalz unter Pfalzgraf Friedrich II. protestantisch. Burg Stahleck und die Stadtmauer konnten nicht verhindern, dass Bacharach im Dreißigjährigen Krieg achtmal die Besatzung wechselte und mehrfach geplündert wurde. Auch mehrere Stadtbrände sorgten für Zerstörung. 1689 sprengten schließlich französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Burg Stahleck und vier Türme der Stadtmauer.

1794 besetzten französische Revolutionstruppen das Linke Rheinufer, Bacharach gehörte von 1798 bis 1813 zum Département de Rhin-et-Moselle und war Hauptort (chef-lieu) eines Kantons. Während der napoleonischen Befreiungskriege zog der preußische Feldmarschall Blücher nach seinem Rheinübergang bei Kaub in der Neujahrsnacht 1813/14 mit seinen Truppen durch Bacharach und das Steeger Tal Richtung Frankreich. An dieses Ereignis erinnert ein Gedenkstein etwas flussabwärts gegenüber Kaub. Nach dem Wiener Kongress ging die Stadt 1815 zusammen mit dem Linken Rheinufer bis einschließlich Bingerbrück an Preußen. Nach der Versandung des Hafens fiel Bacharach in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst im Zuge der Rheinromantik wieder erweckt wurde. Zu den ersten wichtigen Besuchern zählte 1840 der französische Schriftsteller Victor Hugo. Im Zuge der Rheinregulierung im Jahr 1850 wurde bei Bacharach der Ara Bacchi gesprengt.

Die Pflege und Erhaltung der Baudenkmäler Bacharachs, im frühen 20. Jahrhundert vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz vorangetrieben, der sich besonders der damals höchst gefährdeten Stadtmauer und der Ruine von Burg Stahleck annahm, und das starke Engagement des Landes Rheinland-Pfalz für die Wernerkapelle haben dafür gesorgt, dass Bacharach heute noch ein Kleinod der Rheinromantik und ein vielseitiges Zeugnis der mittelalterlichen Architektur am Mittelrhein ist. Die Ruine der Wernerkapelle ist baudenkmalgemäß gesichert und davor ist eine Gedenktafel zu Erinnerung an die unmenschlichen Verbrechen gegen die jüdischen Mitbürger angebracht, die ein Gebetzitat Papst Johannes XXIII. um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden enthält:

Wir erkennen heute, daß viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so daß wir die Schönheit deines auserwählten Volkes nicht mehr sahen und die Züge unseres erstgeborenen Bruders nicht mehr wiedererkannten. Wir entdecken nun, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel im Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat die Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, daß wir dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wußten nicht, was wir taten......

Heute lebt Bacharach vom Tourismus und der Wein aus Bacharach erfreut sich noch immer internationaler Beliebtheit. Probleme aufgrund einer wegen fehlender Perspektiven schrumpfenden Bevölkerungszahl sind aber nicht zu übersehen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Steeg mit seinerzeit 852 Einwohnern nach Bacharach eingemeindet.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Bacharach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.794
1835 2.342
1871 2.511
1905 2.859
1939 2.746
1950 3.091
Jahr Einwohner
1961 2.853
1970 2.712
1987 2.184
1997 2.268
2005 2.097
2012 1.877

Religion[Bearbeiten]

2013 waren 47,4 Prozent der Einwohner evangelisch und 30,7 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[6]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Bacharach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Sitzverteilung im Stadtrat:[7]

Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt
2009 3 4 2 7 16 Sitze
2004 3 5 2 6 16 Sitze

Ortsbezirke[Bearbeiten]

Die Stadtteile Henschhausen, Medenscheid, Neurath und Steeg sind Ortsbezirke mit Ortsbeiräten und Ortsvorstehern.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bacharach pflegt zu Overijse in Belgien und Santenay in Frankreich partnerschaftliche Beziehungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blücher-Gedenkstein
Marktturm

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Fachwerkhäuser, die in der gesamten Stadt zu finden sind. Eine ganze Zeile fasst Bacharach mit der Stadtmauer zum Rhein hin ein. Die Stadtmauer ist unter Arkaden begehbar; von ihr aus führen Zugänge zu den Weinstuben und Restaurants mit Außenterrassen zum Rhein.
  • Altes Haus, mittelalterliches Fachwerkhaus von 1389. Das heutige Erscheinungsbild resultiert aus einem um 1600 durchgeführten Umbau [8]
  • Haus Utsch von 1585, seinerzeit auch von Friedrich Wilhelm Utsch, dem „Jäger aus Kurpfalz“, bewohnt
  • Alter Posthof
  • Alter Marktplatz
  • Kurpfälzer Amtskeller
  • Ehemalige kurpfälzische Münze (seit Mitte 14. Jahrhundert)
  • Zollhof mit der katholischen Kirche St. Nikolaus
  • Evangelische Kirche St. Peter
  • Ruine der gotischen Wernerkapelle
  • Die Bacharach umgebende zum Teil begehbare Stadtmauer
  • Die Türme der Stadtmauer (14. Jahrhundert): Diebesturm (Reste), Zehnt-turm, Spitzenturm (Reste), Postenturm, Holztor (Steeger Tor), Liebesturm, Halbturm (Reste), Kühlbergturm (Reste), Sonnenturm (Reste), Hutturm, Zollturm (nicht mehr vorhanden), Kranentor, Markttor, Münztor, Winandturm. Die Stadtbefestigung ist eine der am besten erhaltenen in Rheinland-Pfalz
  • Rheininsel, der Bacharacher Werth
  • Burg Stahleck, UNESCO-Welterbe und heute eine Jugendherberge mit 168 Betten[9]
  • Reste einer Römerstraße oberhalb von Burg Stahleck
  • Burg Stahlberg über Bacharach-Steeg
  • Blücher-Gedenkstein an der Rheinfähre

Bacharach in der Kunst[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Impression vom Vierthälermarkt 2007
  • Kulinarische Sommernacht (jeweils am vierten Augustwochenende)
  • Bouleturnier
  • „Tal to Tal“ – Autofreier Erlebnistag, oberes Mittelrheintal (jeweils am letzten Sonntag im Juni)
  • Vierthälermarkt – Mittelalterlicher Markt in Bacharach

Verkehr[Bearbeiten]

Bacharach liegt an der linken Rheinseite und ist erreichbar über die Bundesstraße 9 oder den Rhein. Von und nach Bacharach fahren regelmäßig die Ausflugsschiffe der Köln-Düsseldorfer-Rheinschiffahrt, kurz KD. Mit der Fähre ab der Engelsburg nach Kaub sind die Verkehrswege des rechten Rheinufers zu erreichen. Zwischen Bingen und Bacharach führt der Rheinradweg unterhalb der Bahn am Rheinufer entlang, in Richtung Oberwesel verläuft er direkt neben der Bundesstraße 9.

Die Stadt gehört dem Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbund an. Bacharach liegt an der linken Rheinstrecke der Eisenbahn und ist durch die Mittelrheinbahn KoblenzBoppard—Bacharach—Bingen am RheinMainz erschlossen (Stand Mai 2010).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edmund Renard: Die Instandsetzung der Bacharacher Stadtbefestigungen, 1907 - 1913. Bonn : Georgi, 1915. 20 S. dilibri
  • Friedrich Ludwig Wagner (Hrsg.): Bacharach und die Geschichte der Viertälerorte: Bacharach, Steeg, Diebach und Manubach. Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e.V. 1996, ISBN 3-00-000994-9
  • Stephan Hoppe: Architektur der Renaissance am Rhein. In: Renaissance am Rhein, Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn, 2010/2011. Verlag: Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-2707-5

Dokumente[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bacharach – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Bacharach – Reiseführer
 Wikisource: Bacharach – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Urkunde Nr. 658. In: Friedrich Wilhelm Oediger (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Band 1: 313–1099. Hanstein, Bonn 1954–61.
  4. Wernerkapelle bei Regionalgeschichte
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 169 (PDF; 2,6 MB)
  6. KommWis, Stand: 30. April 2013
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Stephan Hoppe: Architektur der Renaissance am Rhein, S. 84
  9. Jugendherberge Burg-Stahleck, Porträt auf diejugendherbergen.de
  10. Text bei: hagalil.com, hier ferner zwei Gedichte Heines zum Thema aus dem Nachlass
  11. Text bei Wikisource
  12. Deutsch und Französisch S. 48f.