Wiedersehen mit Mrs. Oliver

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Wiedersehen mit Mrs. Oliver (Originaltitel Dead Man's Folly) ist der 48. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien zuerst im Oktober 1956 in den USA bei Dodd, Mead and Company[1] und am 5. November desselben Jahres im Vereinigten Königreich im Collins Crime Club.[2] Die deutsche Erstausgabe veröffentlichte 1959 der Scherz Verlag (Bern; Stuttgart; Wien) mit der bis heute verwendeten Übersetzung von Dorothea Gotfurt.[3]

Es ermitteln Hercule Poirot in seinem 27. und Ariadne Oliver in ihrem dritten Roman.

Das Haus, in dem der Roman spielt, ist Christies eigenes Haus in Devon: Greenway House in Greenway Estate, welches im Roman jedoch Nasse House heißt.

Einführung[Bearbeiten]

Als Poirot von der berühmten Kriminalschriftstellerin Ariadne Oliver auf ein Landhaus in Devon eingeladen wird, nimmt er diese Einladung aus Respekt vor ihrer berühmten „Intuition“ gern an. Auf Nasse House wird im Rahmen eines Festes eine von Mrs. Oliver organisierte Mörderjagd stattfinden, die Poirot „fachlich“ begleiten soll. Doch bald geschieht ein Mord und aus Spiel wird Ernst.

Handlung[Bearbeiten]

Auf der Anreise nach Nasse House nimmt Poirot zwei Anhalterinnen mit – eine Niederländerin und eine Italienerin -, die in der Jugendherberge wohnen, die auf dem Nachbargrundstück steht. Als er ankommt, schildert Mrs. Oliver ein ungewisses Gefühl, dass ihre Inszenierung der Mörderjagd von irgendjemandem beeinflusst wird. Sie kann denjenigen aber nicht ausmachen und wird nur von ihrer Intuition geführt.

Der Eigentümer von Nasse House ist der wohlhabende George Stubbs, der sich durch Adoption einen Adelstitel verschafft und sich mit Sir George ansprechen lässt. Seine sehr viel jüngere Frau ist die scheinbar etwas dümmliche und leicht zu beeinflussende Hattie, eine junge Frau, die ihm von Amy Folliat vorgestellt wurde, dem einzig überlebenden Familienmitglied der ehemaligen Besitzer von Nasse Hause. Ihre Söhne wurden im Zweiten Weltkrieg getötet und sie lebt nun im Gartenhaus des Anwesens.

Ein weiterer Besucher auf dem Landsitz ist der Architekt Michael Weyman, der vor allem die vor einigen Jahren erfolgte Errichtung eines Follys an einem völlig ungeeigneten Platz auf dem Grundstück kritisiert.

Am Tag des Festes erfährt Hattie, dass ihr Cousin Etienne de Sousa sie besuchen möchte. Sie ist aufgeregt und bezeichnet ihn als Mörder. In dem Mörderspiel übernimmt Marlene Tucker die Rolle des Opfers. Sie soll im Bootshaus warten und sich beim Eintreffen von Mitspielern tot stellen. Poirot besucht das Fest und entdeckt später gemeinsam mit Mrs. Oliver die Leiche von Marlene. Sie ist erdrosselt worden. Gleichzeitig wird auch Hattie vermisst.

Die Ermittlungen konzentrieren sich zuerst auf Etienne de Sousa, dessen Auftauchen scheinbar mit dem Verschwinden von Hattie zusammenhängt. Eine nächste Verdächtige ist Amanda Brewis, Georges Sekretärin, die in ihn verliebt ist und die von Hattie mit einer Erfrischung für Marlene zum Bootshaus geschickt worden war. Weitere Verwirrung stiftet das Verhalten der Legges, die irgendetwas zu verbergen haben und sich mit einem Herren in einem Schildkrötenhemd auf dem Gelände getroffen hatten. Später stellt sich heraus, dass dieses Treffen nicht mit dem Verbrechen zu tun hatte, sondern mit Legges Karriere als Nuklearphysiker.

Poirots Aufmerksamkeit richtet sich auf Amy Folliat, die mehr zu wissen scheint als sie sagt. Nachdem der Bootsmann Merdell stirbt, entdeckt Poirot, dass er Marlenes Großvater war. Nun bringt Poirot alle Spuren zusammen: Von ihrem Großvater hatte Marlene erfahren, dass auf dem Grundstück vor einigen Jahren eine Leiche vergraben wurde – unter den Fundamenten des Follys. Und er hatte in George auch James Folliat, den ehemaligen Besitzer erkannt. Poirot hatte durch seinen Satz: „Es sind immer Folliats auf Nasse House“ davon erfahren.

James war im Krieg zwar vermisst worden, aber nicht gestorben. Seine Mutter hatte ihn mit der einfältigen aber sehr reichen Hattie verkuppelt. Mit deren Geld gelang es ihm, eine neue Identität anzunehmen und Nasse House im Familienbesitz zu halten. Seine Mutter wusste aber nicht, dass er bereits verheiratet war und so brachte er Hattie um, vergrub sie im Fundament des Follys und ersetzte sie durch seine erste Frau, eine junge Italienerin.

Marlene hatte George erspresst, weil sie die Wahrheit erraten hatte. George und Hattie beschließen sie umzubringen. Am Tag vor dem Fest beginnt Hattie damit, sich eine neue Identität – die der italienische Anhalterin – zuzulegen. Dann ermordete sie als Hattie Marlene und verlässt in der Kleidung der Italienerin das Fest. Hattie musste an diesem Tag spätestens verschwinden, weil sich einige Wochen zuvor ihr Cousin zu einem Besuch angemeldet hatte, der den Schwindel ja sofort erkannt hätte.

George wird bis zum Ende des Romans, der sich auf die Verzweiflung seiner Mutter konzentriert, nicht mehr gesehen.

Personen[Bearbeiten]

  • Hercule Poirot, der belgische Detektiv
  • Ariadne Oliver, eine berühmte Schriftstellerin
  • Inspektor Bland, der ermittelnde Beamte
  • Sergeant Frank Cottrell, ein Polizist
  • Constable Bob Hoskins, ein Polizist
  • Sir George Stubbs, Eigentümer von Nasse House
  • Hattie, Lady Stubbs, Georges Frau
  • Etienne de Sousa, Lady Stubbs Cousin
  • Amanda Brewis, Georges Sekretärin
  • Amy Folliat, die frühere Eigentümerin, lebt jetzt im Gartenhaus
  • Mr. Masterton, Mitglied des Parlaments
  • Mrs. Masterton, seine Frau
  • Michael Weyman, ein Architekt
  • Alec Legge, ein Atomphysiker
  • Sally Legge, seine Frau
  • Marlene Tucker, ein Mädchen aus dem Dorf
  • Marilyn Tucker, Marlenes jüngere Schwester
  • Mrs. Tucker, Marlenes Mutter
  • Merdell, ein Bootsmann
  • Henden, der Butler
  • eine italienische Anhalterin
  • eine niederländische Anhalterin
  • ein junger Mann in einem Schildkrötenhemd

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der Roman wurde 1986 mit Peter Ustinov als Poirot und Jean Stapleton als Oliver verfilmt und unter dem deutschen Titel „Mord mit verteilten Rollen“ veröffentlicht. Die Handlung wurde in die 1980er Jahre verlegt und in West Wycombe Park in Buckinghamshire gedreht.

Computerspiel[Bearbeiten]

Am 15. Oktober 2009 erschien von „I-Play“ ein Computerspiel, das auf der Basis des Romans entstanden ist.

Wichtige Ausgaben[Bearbeiten]

  • 1956 Dodd Mead and Company (New York), Oktober 1956
  • 1956 Collins Crime Club (London), 5. November 1956
  • 1959 deutsche Erstausgabe im Scherz Verlag in der Übersetzung von Dorothea Gotfurt [3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. American Tribute to Agatha Christie
  2. Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15)
  3. a b Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek